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Kleinwagen im Vergleich

Fiat Barchetta und Ford Streetka im Test

Foto: Hans-Dieter Seufert

Der originell gestylte Ford Streetka ist eine attraktive Bereicherung im Segment der kleinen Cabrios. Kann der witzige Mini dem etablierten Roadster Fiat Barchetta zeigen, wo es langgeht?

15.09.2003 Werner Schruf

Einen so mutigen Ford gab es schon lange nicht mehr: Richtig frech kommt er daher mit kantigen Stilelementen und dem langen buckeligen Hintern, der ihm im Profil die Proportionen eines Mittelmotorautos mit weit nach vorn gerückter Passagierzelle verleiht. Der Streetka ist formal völlig eigenständig und findet rege Beachtung. Freundliche Blicke begleiten den 3,65 Meter langen, fipsigen Winzling auf seinen Wegen.

Der Barchetta, obgleich nur 24 Zentimeter länger, wirkt wesentlich erwachsener. Er zählt zu den alten Bekannten, rollt er doch seit acht Jahren vom Band. Dennoch wirkt er immer noch frisch, fast so wie am ersten Tag. Jetzt aber mit einer neuen, etwas aggressiveren Frontpartie, die ihn wohl interessanter, aber nicht schöner macht.

Aufgepeppt auch der Innenraum mit silberfarbenen Einfassungen der übersichtlichen Instrumente und der klassischen Luft-rosetten. Die jetzt ebenfalls in Silber gehaltene Mittelkonsole beherbergt praktische Drehschalter der Klimaanlage, Fensterhebertasten und – in der getesteten Version Adria – ein modernes, aber unfreundlich zu handhabendes CD-Radio mit MP3-Player.

Pluspunkte sammelt der Roadster mit seinem großzügigeren Raumgefühl und der besseren Übersichtlichkeit. Keinen Staat machen kann er hingegen mit der geringen Zuladung von 150 Kilogramm, unregelmäßiger Fugenbreite und den etwas umständlichen, auf Knopfdruck ausfahrenden Alu-Griffstengeln, die nur Freunde klassischer Details verzückt aufjubeln lassen.

Der kleine Streetka überrascht mit einem großen (214 Liter) Kofferraum, der aber nur mit der Funkfernbedienung zu öffnen ist, erstaunlich hoher Karosseriesteifigkeit und Sidebags. Andererseits sorgen die billig und trist wirkenden Kunststoffe sowie der labile, auch in verschlossenem Zustand mit bloßen Fingern leicht zu öffnende Deckel des Ablagefachs in der Rückwand für ein geringwertiges Qualitätsgefühl.

Das gilt auch für die – in der Version Elegance – lederbezogenen Sportsitze, deren Flächen zu kurz sind und deren Höhenverstellung nur die Sitzkissen bewegt. Eine befriedigende Fahrposition verhindert außerdem das flach und zu hoch im Raum stehende Lenkrad ohne Justiermöglichkeit.

Im Fiat, der ein höhenverstellbares Volant hat, gibt es an der tiefen Position und den Sitzen nichts zu mäkeln. Man findet auf Anhieb eine bequeme, sportliche Haltung in den gut profilierten Stoffsitzen, deren Verstellbereich auch für sehr langbeinige Zeitgenossen großzügig bemessen ist.

Beide Konkurrenten geizen mit praktischen, großzügigen Ablagen. Das cabrio-spezifische Zubehör beschränkt sich beim Ford auf ein fest zwischen den Überrollbügeln eingebautes Mini-Windschott aus Plexiglas (135 Euro Aufpreis). Für den Fiat gibt es zum breiten, mit einem Netz bespannten Windabweiser (250 Euro) auch noch ein Hardtop in Wagenfarbe (1.550 Euro).

Die ungefütterten Verdecke öffnen bei beiden Cabrios nach guter alter Tradition manuell. Nach dem Entriegeln zweier Haken am Scheibenrahmen und dem Öffnen der in Wagenfarbe lackierten Verdeckklappe falten sich die Dächer in einen separaten Kasten. Zu ihrer Handhabung muss man aussteigen. Im Ford öffnet die Verdeckklappe elektrisch, aber unpraktischerweise nur bei eingeschalteter Zündung.

Geschlossen sitzen die Kapuzen jeweils wie ein straff gespanntes Zwei-Mann-Zelt. Das ändert aber nichts daran, dass sie bei hohem Tempo kräftige Windgeräusche erzeugen. Im Streetka erscheint der Pegel subjektiv besonders lästig – ein Grund mehr, möglichst häufig offen zu fahren.

Das bereitet großes Vergnügen. Dabei kann die Intensität der Frischluftzufuhr mit Hilfe der voll versenkbaren Seitenscheiben von Orkanstärke bis zu leichtem Kräuseln der Haarpracht variiert werden. Groß gewachsene Personen werden den nahe und fast in Augenhöhe befindlichen Scheibenrahmen als Wermutstropfen empfinden. Im Fiat geht es wegen der steileren und weiter vom Kopf entfernten Frontscheibe unter vergleichbaren Bedingungen fast immer ein wenig stürmischer zu, was den waschechten Roadster-Fahrern gerade recht ist.

Dass der Barchetta Frontantrieb hat, merkt man kaum. Fast neutral umrundet er Kurven mit hohem Tempo und zeigt nur in Spitzkehren eine leichte Tendenz zum Untersteuern. ESP ist nicht vorhanden, allerdings sind dem Fiat Lastwechselreaktionen auch fremd, ebenso wie Antriebseinflüsse in der präzisen, leichtgängigen Lenkung. Das ausgezeichnete Handling sorgt für ein hohes Maß an Fahrfreude – in diesem Punkt braucht sich der Barchetta vor den großen und teuren Roadstern nicht zu verstecken.

Und der Winzling Streetka? Der erst recht nicht. Wieselflink zuckt er um die Ecken, lenkt zackig ein, scheint auf der Fahrbahn zu kleben und vermittelt das Gefühl, in einem Rennkart mit butterweichen Slicks unterwegs zu sein. Da wundert es nicht, dass er auch in den Fahrdynamik-Prüfungen einen Tick schneller durch die Pylonengassen wedelt.

Zudem bietet er mit seiner strafferen Abstimmung den ausgewogeneren Federungskomfort, was er vor allem dem besseren Ansprechvermögen verdankt. Der Fiat, fast frei von unangenehmer Stuckerneigung, ist keinesfalls unkomfortabel, aber eine Idee weicher gedämpft und teilt gelegentlich kräftige Stöße mit der Hinterachse aus.

Keine signifikanten Differenzen bei den Bremsen, die ausreichend wirksam verzögern. Bei der so genannten µ-split-Bremsung auf Belägen mit krass unterschiedlichen Reibwerten rechts und links lassen beide Cabrios ab Tempo 100 jegliche Stabilität vermissen, was die Null-Punkte-Ausbeute in dieser neuen Kategorie erklärt.

Zu einem flotten Cabrio gehört auch eine ansprechende Motorisierung. Das bringt den Streetka ins Hintertreffen: Sein 1,6 Liter großer Zweiventiler ist mit 95 PS nominell zwar benachteiligt, lässt aber auch sonst wegen zäher Leistungsentfaltung, unkultiviertem Auftritt und großem Durst keine Freude aufkommen. Hier schlägt die Stunde der temperamentvollen Barchetta-Maschine (1,8-Liter-Vierventiler, 130 PS). Sie hängt in allen Bereichen gierig am Gas, ist sehr drehfreudig und sparsam (8,2 L/100 km), gefällt durch gute Laufruhe und sorgt für sportliche Fahrleistungen.

So entscheidet der Barchetta, der aufgrund seiner Ausgewogenheit und der kräftigeren Statur das deutlich erwachsenere Auto darstellt, die Eigenschaftswertung klar für sich. Vorteile in der Schadstoffeinstufung (Euro 4) sowie bei Anschaffungspreis und Unterhaltskosten bewirken jedoch, dass der kleine Luftikus von Ford schlussendlich noch ganz knapp vorfährt.

Fazit

1. Ford Streetka Elegance
429 Punkte

Der offene Ford erfüllt die Rolle des Spielzeugs fast perfekt. Er fährt sich beinahe so agil wie ein Kart, ist ausreichend komfortabel und sehr preisgünstig. Allein sein träger, unkultivierter Motor passt nicht ins Bild.

2. Fiat Barchetta
424 Punkte

Der Fiat überzeugt mit gutem Fahrverhalten, ansprechendem Komfort und sehr temperamentvollem Motor. Er gewinnt die Eigenschaftswertung. Nahteile bei Preis und Kosten werfen ihn in der Endabrechnung zurück.

Technische Daten
Fiat Barchetta 1.8 16VFord Streetka
Grundpreis22.900 €19.825 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3888 x 1640 x 1265 mm3650 x 1679 x 1342 mm
KofferraumvolumenVDA165 L214 L
Hubraum / Motor1747 cm³ / 4-Zylinder1599 cm³ / 4-Zylinder
Leistung96 kW / 130 PS (158 Nm)70 kW / 95 PS (135 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h173 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,9 s12,1 s
Verbrauch8,4 L/100 km7,9 L/100 km
Testverbrauch8,2 L/100 km9,6 L/100 km
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