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Focus ST und Volvo C 30 T5 im Vergleichstest

Zwei ganz unterschiedliche Typen trotz fast identischer Herkunft

Foto: Herzog 13 Bilder

Nicht nur der jeweilige deutsche Stammsitz der beiden Konzernbrüder Ford Focus ST und Volvo C30 T5 zeigt eine gewisse Nähe, auch die Technik der beiden ist eng miteinander verwandt. Ein Vergleichstest erforscht die Unterschiede.

02.03.2007 Jochen Übler Powered by

Sie sind modern, extrovertiert und Individualist? Dann trifft laut schwedischer Marketingerhebung der C30 so mittig ins Herz wie Amors Pfeil. Fehlt zum vollkommenen Glück nur noch das angemessene Budget, um die neu gefundene Liebe auch langfristig an sich zu binden. Denn billig ist der schmackhaft zubereitete Schwedenhappen nicht gerade.

Der Preis des C30 steigt sehr schnell über 30.000 Euro

Bei 29.250 Euro beginnt der Spaß im stärksten Nordlicht mit 220 PS starkem Turbo-Fünfzylinder. Die gehobene „Summum“-Ausstattung mit Bi-Xenon, Lederbestuhlung und weiteren Kleinigkeiten schlägt mit 33.300 Euro zu Buche. Und im Fall des elitär aufgerüsteten Testwagens mit Navigationssystem, Audio-High-Performance-Sound, 18-Zoll-Bereifung und markant lackiertem Bodykit steigt der Preis auf stolze 42.436 Euro. Somit stürzt sich der C30 mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ins Haifischbecken der Premiumkompakten, und stützt sich bei seinem Beutezug um Kunden auf ein technisches Skelett, das vom nicht so premiumaffinen Konzernbruder von Ford stammt. Mit dem Focus teilt sich der schwedische Herausforderer nicht nur die Plattform, sondern im vorliegenden Fall sogar das Turbo-Triebwerk. Eine nahezu eineiige Technik also – hier als T5, dort als ST deklariert. Wobei sich Letzterer zunächst als überaus reizvolles Schnäppchen in Szene zu setzen weiß. Mit einer ansprechenden Basisausstattung gesegnet, lockt der Ford nämlich mit dem geradewegs bescheidenen Grundpreis von 25.614 Euro. Viel gibt es nicht hochzurüsten. Metallic-Lack, Schiebedach und Audiosystem heben den Testwagenpreis auf immer noch vergleichsweise überschaubare 27.755 Euro.

Eine steife Brise also, die dem Schweden aus monetärer Sicht entgegenweht, und der er sich mit einer frechen Optik stellt. Vielleicht nicht unbedingt mit der pummeligen, konzerntypischen Stummelnase. Jedoch mit einem energischen Blick, der kräftigen und gedrungenen Linienführung, den kurzen Überhängen und seinem absoluten Paradestück – dem verlockenden Hintern. Die sich nach oben und hinten verjüngende Fensterlinie setzt die Pobacken so knackig und plakativ in Szene wie eine zu heiß gewaschene Levi‘s 501. Die bis ins Dach verlaufenden Rückleuchten und die atypische Glasheckklappe tun ein Übriges, um der Schokoladenseite des Volvo noch eine zusätzliche Glasur zu verpassen.

Optisch hat der Volvo die Nase vorn - Der optische Vorsprung hat auch Nachteile

Formell betrachtet tut sich der Ford Focus ST gegen seinen derart verlockenden Halbbruder ausgesprochen schwer. Nicht nur weil neue Besen angeblich gut kehren, sondern weil die Statur des C30 einfach den deutlich unkonventionelleren und dadurch auch reizvolleren Weg einschlägt. Der Praktikabilität setzt die Schönheit hingegen Grenzen. Hinter der ausladend tiefen Heckschürze und der schmalen Glasluke offenbart sich nämlich ein vergleichsweise spärlich dimensioniertes Gepäckabteil. Zur Aufnahme von sperrigen Gütern ist der Ford zweifellos besser gerüstet. Er ist ein Typ der alten Schule, der hinter einer großzügigen Heckklappe eine niedrige Ladekante und einen um 100 Liter größeren Kofferraum vorhält. Im Innenraum machen sich die gut zehn Zentimeter mehr Außenlänge hingegen nicht bemerkbar. In der zweiten Reihe herrscht zwischen beiden Kontrahenten ein nahezu identisches Raumangebot, auch wenn der Focus als Fünfsitzer firmiert, während der C30 die Definition des 2+2-Sitzers in Anspruch nimmt. Haben sich die beiden Passagiere erstmal in den schmalen Fond des Volvo geschlängelt, bieten ihnen die zur Fahrzeugmitte hingerückten Sitze dann ein überraschend kommodes Plätzchen mit ausreichend Bein- und Kopffreiheit.

Innen angekommen entschlüsselt sich die preisliche Distanz des Bruderpaares dann auch zunehmend. Die Materialanmutung der beim Volvo verwendeten Kunststoffe hinterlässt einen bleibenden positiven Eindruck. Zudem verströmt die Gestaltung des Instrumententrägers und der Türverkleidungen ein deutlich wertigeres Ambiente. Der C30 mimt nicht nur außen, sondern auch innen den Dandy, gibt sich zwar ein bisschen versnobt, greift dabei aber keineswegs zu lauten und grellen Mitteln. Er bietet klare Rundinstrumente, akkurat gebügelte Flächen, und aus dem Mitteltunnel entwächst ein metallisch verkleideter Tower, der alle relevanten Bedienknöpfe in logischer Anordnung aufnimmt – that‘s it. Ein schlichtes, angenehmes und durchdachtes Design: typisch skandinavisch, etwas kühl, aber reichlich trendy und angemessen sportlich. Das Ford-Cockpit hingegen ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Der Focus ST ist mehr hemdsärmliger Kumpeltyp als Gentleman, mit einem ausgeprägteren Sportsgeist, den er schon allein durch die aufgesetzten Zusatzinstrumente mit der integrierten Ladedruckanzeige unterstreicht.

Die Sitze im Focus lassen kaum Raum für Kritik - Das sieht im Volvo anders aus

Als Summe seiner gestalterischen Präsenz präsentiert sich der Innenraum bei der direkten Gegenüberstellung mit dem des Volvo jedoch deutlich unruhiger. Aber man gewöhnt sich schließlich an alles, am schnellsten an die serienmäßigen, zweifarbigen Recaro-Sitze: Niederlassen und sich wohlfühlen, auch wenn die Sitzposition aus sportlicher Sicht betrachtet etwas zu hoch ausfällt. Was zählt, ist schlussendlich die Seitenführung – und an der gibt es nun wirklich nichts zu mäkeln. Im C30 hingegen sehr wohl. Die komfortablen Sitze lassen im Rücken- und Schulterbereich den nötigen Halt vermissen. Was sich im Fall des bei der Summum-Ausstattung gebotenen rutschigen Lederbezugs noch weiter verstärkt. Aus welchem Blickwinkel man es auch betrachten mag: Trotz seiner vermeintlich sportlichsten Prägung, mit optionalen 18-Zöllern und dem in Konträrfarbe stylisch wirkenden Schürzen- und Spoilerpaket, bietet der Volvo einfach weniger sportliche Schärfe als der Focus.

Der Schwede gibt sich extrovertiert, aber dennoch gesittet. Wer wirklich cool ist, hat es eben nicht nötig zu protzen. So übt sich auch der aufgeladene Fünfzylinder in wohlwollender Zurückhaltung. Der markante Klang schwingt zwar in gehaltvoller Stärke ans Ohr, setzt sich aber nie wirklich störend in Szene. Auch auf langen, schnellen Etappen dringt der T5 nur hintergründig ans Gehör der Insassen. Zumal das relativ lang übersetzte Getriebe und der definitiv zu lang gewählte sechste Gang die Drehzahlen und somit das Geräuschniveau im Zaum halten. Des einen Freud ist jedoch auch des anderen Leid. Schließlich ist für flotte Zwischenspurts im Volvo ein Zurückschalten unumgänglich. Dabei zeigt sich die Handhabe der Schaltbox zwar angenehm exakt, jedoch nicht mit jenen knackigen und kurzen Wegen gesegnet, wie sie der Ford zu bieten hat.

Trotz des nominell identischen maximalen Drehmoments und eines Gewichtsunterschieds von lediglich 22 Kilogramm kann der C30 dem ST bei den Elastizitätswerten nicht einmal im Ansatz das Wasser reichen. Er hinkt in allen Instanzen deutlich hinterher – beim Versuch von 80 bis 140 km/h im sechsten Gang sogar mit stattlichen 4,5 Sekunden. Auch wenn sich die Eckdaten nahezu gleichen wie ein Ei dem anderen, so ist die motorische Charakterbildung der beiden Kontrahenten doch höchst unterschiedlicher Natur. Dabei fällt nur geringfügig ins Gewicht, dass der Volvo mit einem Leistungsdefizit von nominell 5 PS zu hadern hat. Weitaus mehr lastet die Tatsache, dass sich die Spitzenleistung bei 5.000 Touren einstellt, während die 225 PS des Ford erst bei 6.000/min galoppieren. In der Praxis stellt sich das wie folgt dar: Der Focus ST steht höheren Drehzahlen einfach lustvoller gegenüber, und tut das auch akustisch verlockend aufreizend kund.

Der Sound des Focus ST ist ein Hörgenuss

Hier sind die fünf Zylinder nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern Aushängeschild. Soundtuning oder Tonstudio, wie dem auch sei: Klanglich verdient sich der ST das Prädikat „Sehr Empfehlenswert“. Obgleich er seine Leistungsabgabe nicht nur akustisch vehement präsentiert. Mit dem relativ abrupten Krafteinsatz hat der Vorderradantrieb in den unteren Gängen seine liebe Mühe, optimalen Vortrieb zu generieren. Die gebotenen Traktionsprobleme sind ebenso wenig zu übersehen wie die Antriebseinflüsse in der Lenkung. Hier lässt der Volvo deutlich mehr Harmonie walten. Die elegantere Leistungsentfaltung zupft nur im Extremfall ansatzweise in der Lenkung. Zudem ist die weicher einsetzende Power im schwedischen Umfeld besser zu dosieren, was der Traktion naturgemäß zugutekommt. Auch wenn der Focus ST demnach zum Herausbeschleunigen aus den engen Ecken auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim nicht optimal konditioniert ist, so durcheilt er das 2,6 Kilometer lange badische Motodrom dennoch sieben Zehntelsekunden schneller als der C30 T5. Der Ford macht vor der Kurve und beim Einlenken Zeit gut, die der Volvo an gleicher Stelle liegen lässt. Zwar bescheinigen die Verzögerungswerte der zehn Bremsversuche aus Tempo 100, dass die schwedischen Stopper ihrer Arbeit zufriedenstellend nachgehen. Jedoch wird nach dem fünften 100-0-Versuch, ebenso wie gegen Ende der schnellen Runde, der Druckpunkt des Bremspedals unexakt und der Pedalweg unangenehm lang. Eine Tatsache, die zwar keine direkten Folgen nach sich zieht, beim Ritt im Grenzbereich trotzdem nicht gerade eine beruhigende Wirkung hinterlässt.

Weitaus beruhigender ist hingegen das brav untersteuernde Fahrverhalten des Volvo. Zwar ist der DSTC genannte elektronische Co-Pilot nicht voll und ganz zu deaktivieren, die Regelschwelle jedoch um eine gehörige Stufe anzuheben. Eine runde Fahrweise vorausgesetzt, funkt die Elektronik dann also erst in wirklich brenzligen Situationen dazwischen. Und die lässt der C30 grundsätzlich erst gar nicht aufkommen. Denn auch auf noch so provokante Lastwechsel reagiert er sanftmütig und gelassen. Nur der schnelle Tanz durch den Slalomparcours scheint dem Stabilitätsprogramm nicht zu behagen. Obwohl der Volvo bereits durch die leichtgängige und wenig Direktheit vermittelnde Lenkung sowie die stärkeren Wankbewegungen im Slalom Federn lassen muss, bremsen ihn die Regeleingriffe noch zusätzlich ein. Vollkommen von der Kette gelassen und dank strafferem Fahrwerk punktet der Focus hier deutlich. Am Ende steht der Hütchentanz wohl stellvertretend für die Ausrichtung zweier Typen, die sich trotz technisch nahezu identischer Herkunft klar voneinander unterscheiden. Bei denen schlussendlich aber auch nicht nur die Liebe zählt, sondern vermutlich auch das Geld eine große Rolle spielt.

Technische Daten
Volvo C30 T5Ford Focus ST
Grundpreis30.950 €25.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4266 x 1782 x 1447 mm4362 x 1840 x 1447 mm
KofferraumvolumenVDA251 bis 894 L385 L
Hubraum / Motor2521 cm³ / 5-Zylinder2521 cm³ / 5-Zylinder
Leistung169 kW / 230 PS (320 Nm)166 kW / 225 PS (320 Nm)
Höchstgeschwindigkeit240 km/h241 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,7 s6,8 s
Verbrauch8,7 L/100 km9,4 L/100 km
Testverbrauch13,0 L/100 km12,7 L/100 km
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