Kompakte SUV im Vergleichstest: Opel Antara gegen Mitsubishi Outlander

Opel Antara 2.2 CDTI Cosmo, Mitsubishi Outlander, 2.2 DI-D Instyle

Kompakte SUV gehen derzeit weg wie Eis am Stiel im Freibad. Am Allrad-Boom möchte Opel mit dem gelifteten Antara teilhaben. Wie gut er jetzt ist, zeigt der Vergleich mit dem Mitsubishi Outlander.

Selbst unter den boomenden Allradlern gibt es Mauerblümchen. Denn während VW Tiguan, Nissan Qashqai und BMW X1 überaus begehrt sind, sucht man den Opel Antara oder den Mitsubishi Outlander unter den meistverkauften Autos in Deutschland vergebens. Dabei ist der Outlander Anfang 2010 leicht überarbeitet worden und hat das aktuelle Mitsubishi-Gesicht mit dem markanten Trapezgrill bekommen. Seither zählt der im ersten Halbjahr dieses Jahres genau 2.432 Mal verkaufte Siebensitzer zu den wichtigsten Modellen der Palette.

Opel Antara konnte bisher nicht überzeugen

Was man vom Opel Antara bislang nicht behaupten konnte, denn von Januar bis Juni fand er nur 494 Kunden - VW verkaufte im selben Zeitraum 25.394 Tiguan. Damit der SUV endlich die Wahrnehmungsschwelle überschreitet, wurde der in Korea gefertigte Antara laut Opel besonders in puncto Fahrwerk und Qualität kräftig verbessert. Das war allerdings auch dringend nötig, denn bislang konnte der Allradler in Vergleichstests nicht überzeugen, musste sich in einer früheren Gegenüberstellung auch dem Mitsubishi Outlander geschlagen geben.

Nun sind die Karten neu gemischt, höchste Zeit für eine Revanche. Dazu treten der Opel Antara mit 184-PS-Diesel in der Top-Ausstattungslinie Cosmo und der Mitsubishi Outlander mit 177 PS in der Instyle genannten Topversion an. Billigheimer sind beide mit Preisen über 35.000 Euro also nicht, Leder ist hier wie dort an Bord, aber hochwertiger wirkt in diesem Vergleich der Mitsubishi Outlander. Sein Interieur ist passgenau und mit Routine montiert, was deshalb so auffällt, weil es beim Opel Antara nicht der Fall ist. Hier passen unter anderem die schief sitzenden Verkleidungen der A-Säulen nicht richtig, und die silbernen Zierteile versuchen vergeblich, Aluminium-Oberflächen zu imitieren.

Karosserie-Kapitel geht klar an den Mitsubishi Outlander

Immerhin sitzt man sehr gut im Opel Antara, auf langstreckentauglichen Sesseln. Auch aus dem Fond werden diesbezüglich kaum Klagen zu hören sein. Das Platzangebot für die Passagiere ist mehr als befriedigend, hier lässt es sich angenehm verreisen. Allerdings nur mit kleinem Gepäck, denn der Kofferraum ist für die Klasse winzig, die Ladekante unangenehm hoch, und variabler als ein Standard-Kombi ist der Antara auch nicht.

Was in dieser Klasse möglich ist, zeigt der Mitsubishi Outlander, der trotz Notsitzen im Kofferraum mehr Platz für das Gepäck und eine rückenfreundlichere Ladekantenhöhe bietet. Weiterer Pluspunkt ist die längs verschiebbare Fondsitzbank, die sich asymmetrisch geteilt nach vorn falten lässt - und zwar per Knopfdruck aus dem Kofferraum. Das können auch die meisten Vans nicht besser. Da Fahrer und Beifahrer ähnlich gut sitzen wie im Opel Antara, geht das Karosserie-Kapitel klar an den Mitsubishi Outlander.

Opel Antara mit schwammigem Fahrverhalten

Starten wir die Motoren. Im Leerlauf sind die Unterschiede gering, beide Vierzylinder vibrieren minimal, also nicht störend. Beim Anfahren fällt der Opel Antara jedoch erst mal in ein ungewöhnlich tiefes Turboloch, das eigentlich ebenso der Vergangenheit angehören sollte, ebenso wie die unpräzise Führung des Schalthebels. Hat er dann Fahrt aufgenommen, versöhnt er mit gutem Durchzug. Den bietet der Mitsubishi Outlander ebenfalls, allerdings ohne große Verschnaufpause beim Anfahren. Exakter schalten lässt er sich außerdem, und er geht sparsamer mit dem Kraftstoff um. Im Mittel konsumiert er 8,4 Liter/100 km und damit 0,6 Liter weniger als der Opel Antara. Der führt allerdings einen Traktionsvorteil ins Feld, weil er einen automatisch zuschaltenden Allradantrieb besitzt, beim Mitsubishi Outlander muss die Hinterachse manuell aktiviert werden.

Die Kritik an seinem schwammigen Fahrverhalten muss sich der Opel Antara auch nach der Modellpflege gefallen lassen. Nach wie vor wogt die Karosserie durch Kurven, wenngleich nicht mehr ganz so dramatisch. Denn die Federung ist nun straffer, was sich beim Überrollen von Querfugen und Kanaldeckeln allerdings durch holziges Ansprechen bemerkbar macht.

Mitsubishi Outlander gewinnt den Vergleich

Agiler geworden ist der Opel Antara nicht, und in der Stadt steht er sich mit seinem riesigen Wendekreis (12,7 Meter) selbst im Weg. Auf der Landstraße verhindert unter anderem die schwergängige und gefühllose Lenkung aufkommende Dynamik. In all diesen Punkten ist der Mitsubishi Outlander besser, ohne freilich ausgesprochenes Dynamiktalent zu zeigen. Vor allem sollte er etwas sanfter auf die Narben der Straße reagieren, weniger zum Stuckern neigen. Noch düsterer steht es bei beiden um die Sicherheit. Zum einen verzögern die Bremsen eher mäßig, zum anderen ist die Ausstattung mit modernen Hilfssystemen gering. Opel bietet beispielsweise das aus Astra und Insignia bekannte adaptive Lichtsystem AFL nicht an, im Gegenzug allerdings wuchert der Antara mit seiner "lebenslangen" Garantie.

Bis auf das Kostenkapitel gehen fast alle Zwischenwertungen an den Mitsubishi Outlander. Der gewinnt deshalb souverän und entpuppt sich in diesem Vergleich als überlegenswerte Alternative zu den SUV-Bestsellern. Opel ist mit dem Antara dagegen erneut eindeutig zu kurz gesprungen, Qualität und Fahrverhalten sind kaum besser geworden. Da wird die Scheibe vom SUV-Kuchen wohl eine ziemlich dünne bleiben.

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Christian Bangemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 16 / 2011

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