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Lamborghini Gallardo Spyder gegen Mercedes SL 55 AMG

Sportliche Cabrios können sehr verschieden aussehen

Lamborghini Gallardo Spyder - Mercedes SL 55 AMG 07 Foto: Herzog, Gargolov 10 Bilder

Die Geschichte des Sportwagens ist noch lange nicht geschrieben. Alles geht, nichts muss, wie Gallardo Spyder und SL 55 AMG eindrucksvoll unter Beweis stellen.

01.06.2006 Powered by

Wer hat sie eigentlich versteckt, die herkömmlichen Schablonen für den Sportwagen im Allgemeinen und das Cabriolet im Speziellen? Irgendjemand muss sie jedenfalls verlegt haben, und wir danken ihm recht herzlich dafür. Denn das Spielfeld ist freigegeben für technische und konzeptionelle Interpretationen jeglicher Art. Taktische Zwänge als rudimentäre Randerscheinungen unterschiedlicher Philosophien von unterschiedlichen Herstellern. Grundsätzlich scheint erlaubt zu sein, was Spaß macht und Spaß bringt. Womit der Kern des Ganzen auch schon freigelegt wäre.

Die beiden Cabrios haben nur wenige Gemeinsamkeiten

Der kleinste gemeinsame Nenner von SL 55 AMG und Gallardo Spyder reduziert sich am Ende aller Tage auf just jenes – leicht apathische – Lächeln, das versöhnlich und zufrieden stimmt. Damit wäre der vordergründige Zweck dieser beiden erlesenen, edlen und eloquenten Cabrios zunächst auch erfüllt: die freudvolle Pflichterfüllung auf der Verbindung zweier Punkte. Wobei – Zweck, diese Pflicht erfüllt ein Smart Fortwo nicht minder. Platz für zwei Personen und eine Reisetasche für die Wochenendtour, mehr kann der Gallardo Spyder in der Praxis auch nicht bieten. Der SL hingegen schon. Wenngleich die wahren Mittel zum Zweck im vorliegenden Fall sicher nicht die Kofferräume, sondern die Triebwerke sind. Beim Mercedes sitzt das Orchester vorn, die Musik spielt hinten. Aus vier Rohren wummert ein Sound, der beruhigt und beeindruckt zugleich. Die acht Töpfe spielen die Takte so, wie ihnen aufgetragen – vom zunächst sonoren Bass bis hinauf zu einem imposanten Fauchen, das die Düsenjet-Atmosphäre abrundet. Die Contenance verliert der aufgeladene V8 jedoch nie. Er fügt sich damit stimmig in eine perfekte Komposition aus Roadster, Coupé, Sportwagen und GT ein. Das feinfühlige Facelift hat den SL-Grundsatz demnach nicht verändert. Auch wenn nun nominell 517 PS und ein maximales Drehmoment von 720 Newtonmeter zur Verfügung stehen. Trotzdem nicht genug, um den Lambo zu beschämen. Dessen Gewichtsvorteil von rund 250 Kilogramm ist nicht von der Hand zu weisen, der Traktionsvorsprung durch Allradantrieb und Pirelli Sport-Pneus ebenso wenig.

Den Sprint vollführen beide fast im Gleichtritt - und doch völlig verschieden

Der Schuss geht im wahrsten Sinn des Wortes nach vorn los. Dank Startautomatik und elektrohydraulischer E-Gear-Schaltung macht der Italiener nach 4,4 Sekunden Schluss mit 100, schließt nach 15,5 Sekunden mit Tempo 200 ab. Der schwere Mercedes ist ihm jedoch mit 4,7 respektive 15,6 Sekunden äußerst dicht auf den Fersen. So nahe die ermittelten Werte auch beieinander liegen, so differenziert ist der Weg dorthin. Rüde schießt der Gallardo seine Gänge per Zug an der Schaltwippe nach. Die V10-Maschine im Rücken brüllt infernalisch, während sie zu einem Drehzahldribbling par excellence antritt. Ein Stier, wie er im Buche steht. Die Fünfstufen-Automatik des SL schaltet auf Zug an den neuen Paddels hurtig, aber mit einem sorgsamen Hauch von Eleganz. Der V8-Motor bollert sittsam, drückt mit der Macht des Drehmoments – ganz so, wie es sich für einen sportiven Mercedes eben gehört. Der überarbeiteten SL-Version wurde noch mehr Benimm anerzogen. So sorgen feine Retuschen im Innenraum für ein gepflegteres und höherwertiges Erscheinungsbild. Das ABC-Fahrwerk (Active Body Control) arbeitet sensibler und teilt auch beim Überfahren von kurzen Absätzen keine ungehobelten Stöße mehr aus. Die neu abgestimmte Lenkung ist nun deutlich direkter, geht ihrer Arbeit beim Sporteinsatz allerdings etwas zu leichtgängig nach. Das Zusammenspiel der verfeinerten Komponenten im SL 55 AMG der aktuellen Generation zeigt sich subjektiv also verschliffener, wirkt sich fahrdynamisch allerdings nicht weiter aus. Mit einer Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim von 1.16,5 Minuten bleibt ziemlich alles beim Alten. Auch wenn die flotte Runde fast schon so entspannt zustande kommt, als könne man sich nebenbei eine Zigarre anstecken.

Der SL 55 AMG reagiert ruhiger als der italienische Stier

Dank des optionalen Performance-Pakets mit 19-Zöllern, Sperrdifferenzial, etwas strafferer ABC-Abstimmung und größerer Bremsanlage wuchtet sich der Zweitonner frei von Überraschungen um den Kurs. Das im Grenzbereich neutrale bis leicht untersteuernde Fahrverhalten lässt sich mit einem wohl wollenden Gaseinsatz zum leichten Übersteuern überzeugen. Die Bremsanlage packt energisch zu und leistet sich nicht einmal den Hauch einer Schwäche. Das gilt auch nach zehn Vollbremsungen aus Tempo 100 in Folge. Der Lamborghini zeigt hingegen schon mehr Mut zur Schwäche. Vornehmlich allerdings im täglichen Gebrauch, wo sich der Umgang mit dem SL geradezu traumwandlerisch gestaltet. Sämig zieht er durch den Alltag, wandelt verschliffen und zu jeder Zeit passend die Fahrstufen. Während der Gallardo zunächst ruppig einkuppelt, im Automatik-Modus prophylaktisch gleich mal die Gänge durchschaltet – ohne erkennbaren Sinn, Zweck und Verlangen. Stopp and go ist demnach nicht sein Ding. Der Stier braucht Auslauf. Und dann bringt es nur ein einziges Wort auf den Punkt: geil. Die Tragweite des akustischen Trommelfeuers, das schlagartig ab 3.000 Umdrehungen aus Ansaugschlund und Auspufftrakt entweicht, scheint von Sant’ Agata bis Kiel zu reichen. Gänsehautatmosphäre als Serienausstattung. Der V10 ist schlichtweg ein Brüller, dessen Frequenz sich mit ansteigender Drehzahl zu potenzieren scheint, der beim Herunterschalten dreckige Zwischengasstöße rausröhrt. Dabei trennt die Kupplung allerdings einen Wimpernschlag zu spät, sodass die Flunder noch einen kurzen Schnalzer nach vorn macht. Dennoch: Raufschalten, runterschalten, Vollgas – der Lambo will es so und nicht anders.

Der SL ist nicht für die Rennstrecke - Der Lamborghini schon

Im Hockenheimer Motodrom schmettern die Tribünen die V10-Schallwellen dann noch garstiger zurück. Akustik als Rauschmittel ohne Gefahr des Deliriums. Die Lautstärke als Gradmesser des Könnens. Mit einer Zeit von 1.12,3 Minuten für den Kleinen Kurs hält der Gallardo Spyder sozusagen Wort; liegt damit knapp hinter den Fähigkeiten der Coupé-Variante, aber deutlich vor dem SL. Der gibt dem elegant geschwungenen Parcours den Vorzug. Schnelle Haken sind nicht sein Ding. Das verdeutlicht auch der 18-Meter-Slalom, den der Lambo rassig und zackig absolviert, während der SL vom nicht komplett deaktivierbaren ESP grob eingebremst wird. Hand aufs Herz: Von Überraschung ist dieses Ergebnis natürlich nicht geprägt. Zu unterschiedlich sind schließlich die hier aufeinander prallenden Philosophien, zu sehr zugespitzt die jeweils technische Umsetzung. Wallendes Stierblut trifft auf urdeutsche Solidität und Perfektion, in der auch bei hohen Tempi nur ein laues Lüftchen im Innenraum wirbelt. Im Spyder hingegen ist ein weitaus wüsterer Figaro am Werk, der für geradezu kosmische Sturmfrisuren sorgt. Also gibt es sie doch noch – die althergebrachten Cabrio-, oder Sportwagenschablonen. Das Mittelmotorkonzept als ein klares und klassisches Indiz für ausgeprägte Sportlichkeit, vor allem auf Grund der daraus folgenden ausgewogenen Gewichtsbalance. Von wegen: Das Frontmotorkonzept des SL ist es, das die insgesamt zwei Tonnen nahezu aufs Kilogramm genau im Verhältnis 50 zu 50 auf die beiden Achsen austariert. Es kommt eben wie immer ganz darauf an, was man daraus macht ...

Technische Daten
Mercedes SL 55 AMGLamborghini Gallardo Spyder
Grundpreis138.933 €190.995 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4535 x 1827 x 1295 mm4300 x 1900 x 1184 mm
KofferraumvolumenVDA339 L110 L
Hubraum / Motor5439 cm³ / 8-Zylinder4961 cm³ / 10-Zylinder
Leistung380 kW / 517 PS (720 Nm)382 kW / 520 PS (510 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h314 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s4,3 s
Verbrauch13,5 L/100 km17,0 L/100 km
Testverbrauch19,2 L/100 km
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