Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Lexus IS 250 vs. Mercedes C 230

Anspruchslenken

Foto: Achim Hartmann 33 Bilder

Seit zwei Jahren wildert der Lexus IS 250 im Revier der Mittelklasse. Dort trifft er nun auf die Neuauflage der Mercedes C-Klasse. Kann sie ihren Platz an der Sonne behaupten, oder sieht sie gegen den Japaner alt aus?

12.11.2007 Klaus-Ulrich Blumenstock

Premium – das ist eines jener modernen Zauberworte, mit dem ein Produkt den Ritterschlag erhält. Dieses Attribut veredelt längst Bier, Sekt, feinen Zwirn und sogar Computer-Software. Und natürlich auch die Klasse edler Autos.
Weil sich das mit dem Anspruch eines Massenherstellers wie Toyota vielleicht nicht so gut vereinbaren lässt, hat sich der japanische Primus mit der Marke Lexus seinen eigenen Premium-Ableger geschaffen. Trotz guter Argumente will das Renommee hart erarbeitet sein, von der Top- bis zur Mittelklasse, in der der IS 250 gegen deutsche Platzhirsche wie den BMW Dreier und die Mercedes C-Klasse antritt.

Marktneulinge wie die dritte Auflage der Stuttgarter Stufenhecklimousine tun also gut daran, den Japaner ernst zu nehmen. Beide treten mit ähnlichen Voraussetzungen zum Test an: Sie verfügen über Heckantrieb und arbeiten sich dank Sechszylindermotor mit 2,5 Liter Hubraum in die 200-PS-Liga vor. Und in beiden Fällen kooperiert das Triebwerk jeweils mit einer Automatik: Sechs Stufen sind es beim Lexus, der Mercedes bietet gar sieben. Die nahezu identischen Außenabmessungen der beiden verleihen dem Vergleich zusätzlichen Reiz.

Doch damit genug der Gemeinsamkeiten.

Schon bei der Preisgestaltung gehen die Kontrahenten unterschiedliche Wege.
Der Grundpreis für den IS 250 liegt bei 32 450 Euro. Für das Automatikgetriebe sind weitere 1850 Euro fällig, und mit dem Luxury-Line-Paket der getesteten Version schwingt sich der Preis auf 40 690 Euro und damit in Höhen, die im hier ansässigen Premium-Revier schon vertraut sind.
Freilich bucht man damit ein Füllhorn an Ausstattung, das mit Radio-CD-Wechsler-System, Einparkhilfe, Bi-Xenon-Kurvenlicht, Tempomat, elektrischen Frontsitzen mit Heizung und Belüftung oder 17-Zoll- Alurädern kaum Wünsche offen lässt. Dagegen erscheinen die rund 38 746 Euro für den C 230 in Avantgarde- Ausstattung plus Automatik fast wie ein Schnäppchen. Doch der erste Blick täuscht.
Anders als beim Lexus muss sich der Kunde über eine ellenlange Liste von Sonderausstattungen sein Wunschauto zusammenstellen. Wertet er es auf diese Weise auf einen dem Lexus-Luxus vergleichbaren Stand auf, muss er rund 6000 Euro zusätzlich investieren.
Die Gleichmacherei bei den Außenabmessungen findet im Inneren keine adäquate Fortsetzung. Das vermittelt schon der erste Eindruck beim Platznehmen. Auch wenn es die nackten Zahlen gar nicht so deutlich widerspiegeln, fühlt man sich doch im Lexus beengter als im Mercedes.
Vor allem Zeitgenossen mit langen Beinen bekommen das deutlich zu spüren. Man sitzt im Japaner auf höherem und weicherem Gestühl, trotzdem stellt sich kein üppiges Raumgefühl ein, was gewiss auch mit den hoch platzierten Unterkanten der Fensterlinie und der geringeren Kopffreiheit zu tun hat.

Die bessere Wahl in Sachen Anordnung, Verstellbarkeit und Ausformung der Sitze für Fahrer und Beifahrer stellt der Mercedes dar. Auch die Mitfahrer sind dort im Fond etwas besser aufgehoben. Der erzeugt sein Wohlfühlambiente mit ausreichend langen Sitzflächen und angenehmer Ausformung.

Für Großgewachsene ist der Kopfraum hinten allerdings begrenzt. Doch schlägt der Lexus hieraus kein Kapital, mehr kann er selber auch nicht bieten. Obwohl sein viel bulliger wirkendes Heck innere Größe suggeriert, ist der IS 250 keineswegs ein idealer Begleiter für die große Urlaubsreise.
Schon der knapp geschnittene Zugang zum Kofferraum signalisiert wenig Eignung für größeres Transportvolumen, was sich dann auch mit einer eher dürftigen Kapazität von 378 Litern bestätigt. Gegen ihn spricht zudem die wenig praxisgerechte Zerklüftung des Gepäckabteils.
Auch wenn der Mercedes da nahezu 100 Liter mehr vorhält – ein großer Held bei der Zuladung ist er ebenso wenig wie der Lexus. Wer die C-Klasse mit teil- und umklappbaren Rücksitzlehnen ordert, kann den Kofferraum für besondere Zwecke bis in den Innenraum erweitern. Beim Lexus gibt es so etwas weder für Geld noch für gute Worte; serienmäßig ist hier jedoch eine Durchladeluke.

Beim Qualitätseindruck hat Mercedes mit der neuen C-Klasse die Latte hoch gelegt.

Oberflächen und Passungen entsprechen den Premium-Erwartungen, die Materialien zum Teil allerdings nicht. Ähnlich sieht es im Lexus aus, obwohl auch er mit guter Verarbeitung glänzt, wirken manche Kunststoffe wenig hochwertig. Erfreulich ist im Mercedes die problemlose Bedienbarkeit. Klar gegliederte Armaturen, Bedienknöpfe, nach denen man nicht lange suchen muss und die mit sauberem Druckpunkt agieren: Das alles verströmt nüchterne Akkuratesse.
Wer das Mercedes-Navigationssystem mit Farbdisplay (3403 Euro) ordert, kann es mit bequem auf der Mittelkonsole ruhender Hand dort via Zentralknopf bedienen. Das Lexus-Navi ist Bestandteil eines Multimedia-Pakets (4000 Euro), das etwas umständlich per Touchscreen zu bedienen ist. Die über Lenkrad und Armaturen verstreuten Knöpfe bieten aus ergonomischer Sicht noch Optimierungspotenzial.

Dies muss man auch den Fahrwerksqualitäten des IS 250 bescheinigen:

ohne Schwächen in den Fahrdynamik-Disziplinen, bei hohen Geschwindigkeiten wirkt es aber mitunter poltrig. Und gerade dann arbeitet die elektrisch unterstützte Lenkung durch ihre Leichtgängigkeit gefühllos. Der C 230 bietet mehr Präzision. Überhaupt ist der Mercedes ganz in seinem Element, wenn die Wegstrecke immer unangenehmer wird.

Auch auf welliger Fahrbahn lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, glänzt mit vorbildlichem Federungskomfort und verkneift sich jegliche Poltrigkeit. Anders als beim Lexus, der sich beim Überholen von Lastwagen als windempfindlicher erweist und dessen Heck in kritischen Kurven schon mal die deutlich korrigierende Hand der Fahrdynamikregelung benötigt, ist ein solcher Eingriff beim Mercedes seltener nötig.

Wenn sich dessen ESP meldet, dann eher dezent. Was die Bremsen angeht, bewegen sich beide Kontrahenten ohne gravierende Schwächen auf Augenhöhe – mit einer Ausnahme: Wer mit dem Lexus auf einseitig glattem Belag bremsen muss, kann zwar mit optimaler Stabilität rechnen, aber das geht auf Kosten des Bremswegs, der sich auf über 150 Meter verlängert. Eine Schwäche vieler Lexus-Modelle, die dringend behoben werden müsste.
Zumindest akustisch gibt sich der V6-Motor im C 230 kerniger als das Pendant im IS 250. Da die beiden nahezu identisch in Leistung und Gewicht sind, scheinen die Unterschiede in den Fahrleistungen zunächst eher marginal. Während der Mercedes seine Leistung fast unspektakulär harmonisch auf die Straße bringt, zeigt der Lexus-Motor erst mit steigender Drehzahl sein Potenzial.
Dass die Automatik dabei ihre sechs Gänge in unauffälligem Gleichmaß ins Geschehen einbringt, macht den ebenfalls möglichen Eingriff über die Lenkrad-Schaltpaddel überflüssig.

Noch mehr gilt das für das Mercedes- Getriebe, das sogar sieben Gänge zu sortieren hat.

Diese Aufgabe bewältigt es zwar souverän, ein Nutzen der zusätzlichen Schaltstufe fürs Beschleunigen ist aber nicht erkennbar. Wenigstens würde man bei so viel Ähnlichkeit in Leistung und Gewicht dann einen Verbrauchsvorteil durch die enger gesetzten Schaltstufen erwarten, aber auch der ließ sich im Test nicht realisieren.
Unterm Strich hat hier der Lexus sogar seine Nasenspitze vorn. Dennoch spricht die Summe aller Eigenschaften für den Mercedes C 230, der das modernere Konzept bietet. Und in Sachen Federungs- und Fahrkomfort legt er die Latte in seiner Klasse hoch, ohne dafür sportliche Qualitäten gänzlich zu opfern. In dieser Disziplin fällt der Unterschied zum Lexus IS 250 am deutlichsten aus. Dieser kann vor allem mit seiner Ausstattung punkten, wo er mehr fürs Geld bietet. Doch auch bei einer reich geschmückten Braut überzeugen auf Dauer nur die inneren Werte.

Fazit

1. Lexus IS 250
462 Punkte

Fahreigenschaften und Komfort des IS 250 erfüllen Premium-Ansprüche nicht ganz. Trotz gutem Antrieb und Top-Ausstattung kann er den Rückstand zur C-Klasse noch nicht wettmachen.

2. Mercedes C 230
495 Punkte

Das ausgewogene Gesamtbild kürt den C 230 zum Sieger: fahrsicher, mit gutem Komfort und einem kraftvollen Motor. Nur der für Mercedes üblich hohe Preis trübt das Bild.

Umfrage
Lexus im Mittelklassevergleich
Ergebnis anzeigen
Technische Daten
Mercedes C 230Lexus IS 250
Grundpreis40.573 €40.690 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4581 x 1770 x 1444 mm4575 x 1800 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA475 L378 L
Hubraum / Motor2496 cm³ / 6-Zylinder2500 cm³ / 6-Zylinder
Leistung150 kW / 204 PS (245 Nm)153 kW / 208 PS (252 Nm)
Höchstgeschwindigkeit233 km/h225 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,6 s8,4 s
Verbrauch9,1 L/100 km9,1 L/100 km
Testverbrauch11,5 L/100 km11,1 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    Mercedes C63 AMG Mercedes-Benz C-Klasse ab 325 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Mercedes C-Klasse Mercedes Bei Kauf bis zu 13,22% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Autokredit berechnen
    Anzeige
    Gebrauchtwagen Angebote
    Whatsapp
    Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden