Vier automobile Puls-Beschleuniger stehen zur Wahl, alle treiben die Herzfrequenz knapp an den Infarkt: BMW M6 (507 PS) und Lamborghini Gallardo (520 PS), beide mit Fünfliter-V10 und automatisiertem Schaltgetriebe, sowie Corvette Z06 mit Siebenliter-V8 (512 PS) und Porsche 911 Turbo mit 3,6-Liter-Biturbo-Boxer (480 PS), beide von Hand geschaltet.
Dem bürgerlichen Leben noch am stärksten verhaftet ist der BMW. Als Top-Version der Sechser-Reihe dynamisiert er ein vorhandenes Konzept. Was die Frage provoziert: Ist der M6 überhaupt ein Sportwagen? Der große, aber emotionsarme Innenraum spricht dagegen, der Zehnzylinder vehement dafür. Er überdehnt das Drehzahlband, bei 8.250/min legen die Kolben über 20 Meter pro Sekunde zurück. Dann kreischt der M6 in 4,2 Sekunden auf Tempo 100, trotz unsportlicher Traktionsvoraussetzungen: Motor vorn, Kraftübertragung hinten - da führt nur kennfeldoptimiertes Anfahren zu einem nahezu verlustfreien Rennstart.
Corvette und Lamborghini sind Werkzeuge für Profis
Erfolgversprechender ist das Lamborghini-Konzept: Allradantrieb über Visco-Kupplung, Motor vor der Hinterachse. So stößt sich der Gallardo effektiver als der M6 aus dem Startblock. Schon das Aufweckgeräusch des Zehnzylinders befriedigt die Neugier am Spektakel. Bei 3.000/min schaltet die Auspuffanlage im Gallardo von Kammermusik auf Rock-Festival. Dazu schlägt die Sechsgang-Box E-Gear ihren harten Beat. Gefühl und Messwerte klaffen allerdings auseinander: Über 100 km/h lässt der Vorwärtsdrang stark nach, der Lamborghini fällt zurück. Er fordert Nehmerqualitäten, ohne sich selbst zu schonen. Auch die Corvette ist ein Werkzeug für Profis - 637 Nm können einiges anrichten. Der große Motor erfordert großen Mut: möglichst das Herz eines Rodeo-Reiters. Bei Nässe ist die Traktionskontrolle überfordert, das Heck muss immer wieder mit dem Lasso eingefangen werden. Auf der Rennstrecke ist das spaßig, auf der Landstraße dagegen fehlt dafür der Platz. Bei Vollgas in engen Kurven schürft der Asphalt gnadenlos das Profil von der Karkasse.
Die 911er Reifen stanzen ihr Profil in den Asphalt
Der 911 Turbo dreht den Spieß um: Bei vollem Drehmoment stanzen die Reifen ihr Profil in den Asphalt, so endlos scheint die Traktion des Allradlers. Das Ladedruck-Maximum entfesselt einen Schub-Ausbruch, der sich akustisch auf Schnorcheln und Fauchen reduziert, beim Durchzug aber Maßstäbe setzt. Nur im oberen Geschwindigkeitsbereich zieht die deutlich leichtere Corvette den Porsche ab. Vortriebsfixiert lässt sich der Turbo nicht in die Irre leiten, scheint über Land einen Vertrag mit der Ideallinie einzugehen - doch der Grenzbereich auf der Piste erfordert die Reflexe eines Boxers. Jederzeit verlässlich ist dagegen die weiche Stufe des verstellbaren Porsche-Fahrwerks. Obwohl der große M6 mit seinem urlaubsgeeigneten Kofferraum limousinenhafter wirkt, übertrifft ihn der 911 noch im Federungskomfort. Der radikale Gallardo dagegen zeigt an jeder Ecke, was er von Alltagstauglichkeit hält: nichts. Zwei Personen lasten ihn voll aus, der Kofferraum ist ein Handschuhfach, das Sportfahrwerk federt erst bei hohem Tempo. Weniger extrem ist die Corvette, vor allem kostet sie fast die Hälfte. Der geräumige M6 liegt schlussendlich vorn, gefolgt vom Porsche und der Corvette. Platz vier bleibt für den Gallardo.






