Master-Test 2008: Elf Kleinwagen im Vergleich

Es ist ein buntes Feld, das sich zum Master-Test 2008 versammelt hat - nicht nur wegen der fröhlichen Außenfarben. Hier treffen Soft-Vans auf Leichtbau-Asketen sowie zähleibige Kleinwagen-Dauerbrenner.

Doch auch wenn das Niveau insgesamt deutlich gestiegen ist, präsentiert sich die Sicherheitsausstattung nach wie vor uneinheitlich, teils dürftig. So zählt etwa ESP längst noch nicht zum Serienstandard. Erst ab 80 PS gibt es dieses beim Master-Test- Sieger, dem Skoda Fabia.

Dieser zeigt der Konkurrenz, wie es geht, gewinnt ein Wertungskapitel, mischt in vielen vorn mit. Etwa beim Platzangebot. Ob Kopf- oder Beinfreiheit, der sauber verarbeitete Fabia empfiehlt sich als Kleinwagen für große Menschen. Körpergerecht geformte Sitze unterstützen Reiseambitionen ebenso wie das stattliche Kofferraumvolumen, die praktischen Ablagen sowie die ausgewogene Federung. Obwohl die Niederquerschnittsreifen (205/45 R 16) den Abrollkomfort etwas beeinträchtigen, trägt das Polo-Schwestermodell seine Passagiere unbehelligt über Pisten jeden Kalibers. Dabei kapituliert es weder vor groben Unebenheiten noch vor maximaler Zuladung. Die Bedienung läuft intuitiv, das Handling bleibt tückenfrei. Fahrwerk und Lenkung liefern akribische Rückmeldung, was im Zusammenspiel mit dem neutral-stabilen Eigenlenkverhalten und den geringen Karosseriebewegungen eine hohe Fahrsicherheit garantiert - selbst unter schwierigen Bedingungen. Der 86-PS-Motor des Testwagens gibt sich zwar etwas brummig, sorgt aber für ordentliche Fahrleistungen. Die exakte Fünfgangschaltung überzeugt ebenso wie die wirksame und standfeste Bremsanlage.

Ford Fiesta

Beim letzte Master-Test musste der Vorgänger noch Kritik für seinen knapp geschnittenen Innenraum, die unkomfortable Federung sowie eine dürftige Sicherheitsausstattung einstecken. Damit ist Schluss, der neue Fiesta landet auf Platz zwei, verbindet das bekannt gute Handling mit ansprechendem Komfort. Seine Lenkung reagiert spontan, verhärtet erst bei sehr schnellen Manövern im Fahrdynamik-Parcours. Auf der Straße halten die Federelemente Verwerfungen talentiert von den Insassen fern. Kleine Stöße dringen zwar durch, dafür verkneift sich der knapp vier Meter lange Ford störende Vertikalbewegungen und Fahrwerksgeräusche - heraus kommt ein feiner Kompromiss aus Absorption und Rückmeldung. Der 1,1-Tonner bewegt sich leichtfüßig und ausgewogen, verzichtet auf falsch verstandene Sportlichkeit. Diesen harmonischen Eindruck unterstreicht das fein regelnde ESP - ebenso serienmäßig wie der Knie-Airbag. Die bis auf ein zu kleines Wischerfeld noch ausreichend übersichtliche Karosserie bietet viel Platz, lediglich über die Sitzposition vorn gehen die Meinungen der Master-Test-Mannschaft auseinander. Die einen preisen den großzügigen Verstellbereich von Sitzen und Lenkrad, andere finden hier keine passende Einstellung. Die Zuladung fällt mit 389 Kilogramm knapp aus, dafür überzeugt der Fiesta mit ordentlicher Verarbeitung und einer bis auf die überfrachtete Mittelkonsole einfachen Bedienung sowie mit klar gezeichneten Instrumenten. Der relativ durstige, etwas brummige 1,4-Liter-Motor wirkt im unteren Drehzahlbereich schlapp, bietet dafür aber eine exakt geführte, knackige Schaltung.

Renault Clio

Beim letzten Master-Test noch Sieger, muss sich der Clio dieses Mal Rang zwei mit dem Ford Fiesta teilen. Und das, obwohl unter seiner Haube ein Top-Motor Platz genommen hat. Als Einziger im Feld turbobeatmet, stehen seine 145 Newtonmeter nicht nur im Datenblatt, sondern ziehen den 1,2-Tonner ebenso vehement vorwärts wie die Fahrer-Mundwinkel nach oben. Turboloch? Kaum, dafür ein sauber nutzbares Power-Plateau, niedriges Geräuschniveau und hohe Laufkultur, womit der 1.2 TCE den Sieg im Antriebskapitel einfährt. Der Rest des übersichtlich gestalteten Viermeter-Renault steht dem kaum nach. Hochwertig anmutende Oberflächen, generöses Platzangebot und eine geschmeidige Federung, die lediglich auf ebener Autobahn mit stuckrigen Schwingungen nervt, erzeugen fast Kompaktklasse-Gefühle. Kritik kassiert die hohe Sitzposition, die wegen der überfrachteten Lenkradhebel fitzelige Bedienung sowie die etwas gefühllose Lenkung. Bei den Fahrversuchen taucht der Clio im Mittelfeld ab und schiebt sich auf nasser Piste nach vorn, um beim Bremsen erneut zurückzufallen. Speziell auf unterschiedlich griffigem Untergrund missfällt seine Kombination aus Korrekturbedarf und langem Anhalteweg.

VW Polo

Still running after all those years - Polo-Fans dürften Platz vier mit einem stillen Lächeln registrieren. Wie gehabt sammelt der Polo in vielen Bereichen unauffällig Punkte, ohne sich allzu dicke Schwächen zu leisten. Sicher, die Rundumsicht ist überraschend schlecht, ESP kostet extra, und auch die Hartplastik-Oberflächen sowie Variabilität und Platzangebot wirken nicht mehr hundertprozentig zeitgemäß. Ansonsten profitiert der sorgfältig verarbeitete Polo aber von seiner Effektivität. Nicht nur beim Kofferraumvolumen, sondern auch beim Motor: Obwohl nominell mit 80 PS Schwächster im Testfeld, zieht der konzernbekannte 1,4-Liter manchem Konkurrenten das Fell über die Ohren, ohne dafür signifikant mehr Kraftstoff zu verlangen. Laufkultur und Schaltpräzision befriedigen ebenfalls. Bequeme Sitze vorn wie hinten, die intuitive Bedienung sowie eine komfortable Federung erleichtern den Umgang im Alltag und ermöglichen längere Reisen ohne Askese-Verdikt. Die relativ hochflankigen 185er-Reifen unterstützen den Abrollkomfort, kosten jedoch ein kleinen Tick Grenzbereichs- Transparenz. Der VW verzögert auf hohem Niveau und enthält sich auch sonst unangenehmer Überraschungen. Im Parcours wie auf der Straße erzielt er standesgemäße Tempi, bleibt stets leicht beherrschbar, wozu auch die homogen arbeitende Lenkung beiträgt. Der Polo zählt zu den eindeutigen Untersteuern, selbst bei provozierten Lastwechseln droht keine Übersteuer-Überrumpelung. Das ESP greift zudem sicherheitsfördernd früh bremsend ein.

Seat Ibiza

Auf der Plattform des kommenden VW Polo geben die Konzern-Spanier ein konsequentes Dynamik-Statement  ab. Straffe Federung, direkte Lenkung und ein vorbildlich neutrales Handling ohne Tücken bugsieren den Ibiza in die Sportler-Ecke, zu der auch seine knappen Federungsreserven bei Beladung passen. Die bei Belastung durchschlagenden Federelemente hinterlassen bleibenden Eindruck, etwa beim tschechischen Kollegen Jiri Steiger: Der 1,91-Mann sitzt bei der Beladungs-Testfahrt hinten rechts, als ihm der Seat-Dachhimmel auf einer mächtigen Bodenwelle eine schwungvolle Kopfnuss verpasst. Was Jiri aber nicht davon abhält, das exakte Handling auf ebener Piste zu loben. Hier zeigt der Ibiza, was er kann. Nämlich mit seinem 1,4-Liter kernig lostoben und den Fahrer anspornen, mit ihm zügig über kurviges Terrain zu wuseln. Kurven passiert der 1.144 Kilogramm schwere Seat ebenso schnell wie problemlos, ablesbar an seiner Topzeit im 18-Meter-Slalom. Selbst auf schlüpfrigen Pisten bleibt er zielgenau auf Kurs, und wenn es mal haarig wird, greift das in Deutschland serienmäßige ESP fein bremsend ein. Stichwort Bremsen: Sie sind standfest und gut dosierbar. Auf unterschiedlich griffigen Belägen zeigen sie aber eindeutige Schwächen.

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Jörn Thomas

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