Vieles im Leben scheint unausweichlich wie in Stein gehauen: Vor den Sommerferien steigen die Benzinpreise, nach Wahlen die Steuern, und wenn ein neues Auto auf den Markt kommt, ist es größer und schwerer als der Vorgänger. Schön, wenn es dann doch mal anders kommt, wie im Falle desMazda 2 . Der ist mit dem Modellwechsel nicht nur 40 Millimeter kürzer geworden, sondern soll auch deutlich weniger Gewicht auf die Waage bringen.
Möglich wurde die Abspeckkur durch ein Bündel an Maßnahmen, wie die Verwendung neuer, hochfester Stahlsorten, die bei gleicher Festigkeit spürbar leichter sind. Allein bei der Rohkarosserie spart das 22 Kilogramm. Und im Gegensatz zu Materialien wie Magnesium oder Aluminium verteuert der neue Stahl nicht einmal die Produktion. Weitere 13 Kilo bringt die modifizierte Radaufhängung mit kürzeren Längslenkern hinten und Leichtbau-Querlenkern vorn. Auch den Speckröllchen an Kühlsystem, Abgasanlage, Armaturenbrett oder Kabelbaum ging es an den Kragen, was sich je nach Version auf bis zu 100 Kilogramm summiert.
Ganz wie beim Menschen
Geringeres Gewicht reduziert nicht nur den Spritverbrauch, sondern macht - ganz wie beim Menschen - auch agiler. Wird der schlanke Mazda 2 so vielleicht zum Mini-Jäger, immerhin die Dynamik-Referenz im Kleinwagensegment? Mit 1.031 Kilogramm hält der 103 PS starke Testwagen zwar nicht ganz sein Gewichtsversprechen von unter einer Tonne, den 95-PS-Mini One unterbietet er dennoch um fast zwei Zentner. Beim Sprint auf Landstraßentempo macht das gleich mal eine Sekunde Differenz, beim Durchzug profitiert er sogar deutlicher, als es die Messwerte suggerieren.
Erst bei höherem Tempo verschwimmen die Unterschiede zur Marginalie. Doch für zügige Autobahn-Etappen fehlt es den beiden unspektakulären Vierzylinder-Saugern an Leistung und an Drehmoment. Immerhin klingt der 1,4-Liter imMini kernig sonor, während der 100 Kubik größere Mazda-Motor weniger Sound als vielmehr Geräusche produziert. Also nächste Ausfahrt raus und ab ins Landstraßen-Geschlängel. Und siehe da: Mit seiner direkten und leichtgängigen Lenkung lässt sich der Japaner tatsächlich zackig und mühelos ums Eck werfen.
Doch in der starken Unterstützung der elektrischen Servolenkung bleiben auch viele Informationen über die Asphalt- Gegebenheiten hängen. Die ausgeprägte Seitenneigung wirkt zudem nicht sehr vertrauenerweckend. Und je enger die Radien werden, desto dickköpfiger schiebt die Mazda-Front geradeaus, worauf das ESP nur hilflos die Motorleistung zurückfährt. Mini-Piloten fühlen sich in ihren tief montierten Sportsitzen (310 Euro Aufpreis) hingegen schon nach wenigen Kurven, als hätten sie ihre Kindheit auf einer Kartbahn verbracht.
Verbesserungsbedarf
Auch feinste Nuancen an der stoßfreien und mitteilsamen Lenkung setzt der Brite ohne Interpretationsspielraum in Richtungswechsel um. Selbst in spitzen Kehren straft er die alte Mär vom träge untersteuernden Fronttriebler Lügen. Im Gegenteil: Ein kurzer Gaspedallupfer und schon hilft das Heck mit einem kleinen Schwenk - unter ständiger Beobachtung des wachen und früh eingreifenden ESP. Das aufwendige Mini-Fahrwerk mit der Mehrlenker-Hinterachse bringt querdynamisch also mehr als der Mazda-Leichtbau.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Auch der Japaner fährt sicher und im Vergleich zu anderen Kleinwagen sehr agil, nur verschiebt der Mini sämtliche Handling-Relationen weit nach oben. Verbesserungsbedarf besteht aber bei den Bremsen beider Kandidaten. Auf einseitig glattem Untergrund (µ-split) steht vor allem der Mazda viel zu spät. Mit seiner konsequenten Sport-Abstimmung handelt sich aber auch der kleine Engländer Nachteile ein: Vor allem kurze Stöße werden ungefiltert durchgereicht, und selbst eben wirkende Autobahn-Abschnitte regen seine Karosserie zu ständigen Bewegungen an.
Komfortableres Reisen
Der Mazda federt da deutlich geschmeidiger und sorgt für ein komfortableres Reisen. Das Gefühl der Entspannung tritt bei Mini-Passagieren in Reihe zwei ohnehin nie ein. Mit eingezogenem Kopf und quer gelegten Beinen ertragen erwachsene Mitfahrer nur kurze Etappen. Da das Kofferräumchen zudem keine größeren Gepäckstücke aufnimmt, darf die Rückbank eher als Ablage denn als Sitzmöbel betrachtet werden. Der gut 18 Zentimeter längere Mazda bietet nicht nur ausreichend Platz für vier Personen nebst Wochenend-Gepäck, sondern auch den bequemeren Einstieg und praxisgerechtere Ablagen.
Dafür wirkt sein Innenraum lieblos gestaltet. Von Lenkrad und Schalthebel abgesehen, lassen sich nur einfache Kunststoff-Oberflächen mit teilweise scharfen Gussgraten ausmachen. Sollte dies am Leichtbau-Bestreben liegen, wurde hier an der falschen Stelle gespart. Auch die Türverkleidungen hätten sich über ein Stückchen Stoff gefreut, und bei der LCD-Anzeige im Instrumententräger scheinen die Einkäufer im Ein-Euro-Shop fündig geworden zu sein. Mit breiter C-Säule und ansteigender Seitenlinie lässt sich der Mazda zudem weniger entspannt einparken als der übersichtliche Mini mit seinen schmalen Dachpfosten.
Originelle Atmosphäre
Auch das Interieur des Mini One zeigt sich nicht völlig hartplastikfrei. Ein Fundus witziger Ideen wie die Kippschalter im Chrom-Look oder der hochwertige Riesen-Tacho sorgen aber für eine individuelle, originelle Atmosphäre. Viele Details öffnen zudem die Tür zu höheren Fahrzeugklassen: sechs statt fünf Gänge, der Gasdruck-Lift an der Motorhaube statt einer simplen Stange, das nicht nur höhen-, sondern auch längs verstellbare Lenkrad oder Extras wie Xenon-Lampen, Bildschirm- Navigation und unterschiedliche Lederausstattungen. Die kurze Aufpreisliste des Mazda kann damit nicht dienen.
Dafür bietet der Japaner serienmäßig Klimaautomatik, Alufelgen, Sitzheizung und ein griffiges Lederlenkrad. Posten, die den ohnehin schon höheren Grundpreis des Mini nochmals um über 3.000 Euro nach oben treiben. Und da ein Mini in Serien-Optik vielen Käufern offenbar so reizvoll wie ein iPod ohne Lieder erscheint, darf nach Herzenslust in Anbauteile, bunte Spiegelkappen oder Design-Folien investiert werden. Immerhin lässt sich den Marketingstrategen einen Hang zur Ironie nicht absprechen: Passend zu den gesalzenen Aufpreisen tragen die Ausstattungspakete Gewürznamen.
Ist der happige Anschaffungspreis erst einmal verdaut, kommt der Mini aber sogar einen Tick günstiger als der Mazda. Zu den niedrigeren Versicherungsprämien gesellt sich ein etwas geringerer Verbrauch. Am Sieg des Mazda ändert dies aber nichts mehr. Sein Leichtbau macht ihn zwar nicht so dynamisch wie erhofft, dafür fährt es sich mit ihm geräumiger, komfortabler und billiger.




