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Mazda 6 gegen Opel Insignia und Peugeot 508

Diesel-Kombis im Vergleichstest

Mazda 6 Kombi, Opel Insignia Sports Tourer, Peugeot 508, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 35 Bilder

Transportaufgaben locker meistern, ohne den Spaß am Fahren zu verlieren – das klappt meist nur mit Unterstützung mächtiger Benziner. Dass es auch anders geht, zeigt ein Vergleich von Mazda 6, Opel Insignia und Peugeot 508. Ihre Hilfsmittel: Diesel mit 400 Nm.

11.05.2014 Michael von Maydell

Wer mit seinem Diesel-Kombi, voll beladen mit Kindern, Zelten und Kühlbox, schon mal in den Urlaub gen Süden entschwunden ist, wird ihn spätestens am Irschenberg verspürt haben – den Wunsch nach mehr Dampf, mehr Schub. Einmal nicht mit dem rechten Pedal am Bodenblech hinter den Wohnmobilen auf der rechten Spur versauern, ohne Überholreserven. Einmal entspannt ohne Schalterei die Steigungen planieren. Einmal, endlich angekommen und befreit von Gepäck und Passagieren, durch die Serpentinen im Hinterland räubern. Das wär’s.

Jetzt zu behaupten, solche Wagen fänden sich nur bei Audi, BMW oder Mercedes, ist falsch. Längst bieten auch Hersteller wie Mazda, Opel oder Peugeot kräftig motorisierte und entsprechend schnelle Diesel-Kombis an – zu deutlich attraktiveren Preisen. So steht der kürzlich geliftete Opel Insignia Sports Tourer mit 195 PS starkem Biturbo-Diesel mit 34.070 Euro in der Liste, der hier getestete Mazda 6 Kombi (175 PS) ist für 35.890 Euro zu haben, und für einen noblen 508 SW mit 180 PS verlangt Peugeot 38.000 Euro.

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Diesel-Kombis im Vergleichstest Mazda 6, Opel Insignia und Peugeot 508
auto motor und sport 08/2014
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Mazda 6 ist leicht und agil

Geht es insbesondere ums flotte Kurvenfahren, empfiehlt sich der nur 1,5 Tonnen schwere Mazda 6. Der Kombi lenkt leichtfüßig ein, bleibt lange neutral und lässt sich entsprechend spielerisch durch Kurven treiben. Dass die serienmäßigen 19-Zöller etwas hölzern abrollen und die Lenkung mehr zurückmelden könnte, sei erwähnt, kann die Zuneigung zum 6er-Kombi aber kaum trüben. Dafür sorgt schon der sensationelle Biturbo-Diesel: In Kombination mit dem knackigen, kurz gestuften Getriebe präsentiert sich der 2,2 Liter große Selbstzünder nicht nur beeindruckend kultiviert, er dreht auch noch launig bis über 4.000 Touren, sorgt mittels 420 Nm ansatzfrei für den mächtigsten Schub im Vergleich und belässt es trotz der sportlichsten Fahrleistungen bei einem Testverbrauch von 7,2 l/100 km. Zudem erfüllt der niedrig verdichtende Skyactiv-Motor (14:0) bereits die Euro-6-Norm – ohne aufwendige, teure und pflegebedürftige Zusatzkats wie beispielsweise im Peugeot 508 SW HDi 180.

Dem Gepäcktransport ist der 4,80 Meter lange Mazda trotz seines schicken Designs nicht abgeneigt. Der Kofferraum fasst 522 Liter. Per Fernentriegelung klappen die vorgespannten Lehnen nach vorne und geben einen 1.664 Liter großen und glattflächigen Laderaum frei. Auch die Passagiere dürften nicht meckern. Es fehlt weder an Kopf- noch an Beinfreiheit, und im Fond lockt eine gemütliche Rückbank.

Beim Mazda 6 gibt es nur Kritik an der Verarbeitung

Pluspunkte bringt auch die Ausstattungspolitik von Mazda 6. Da der 175-PS-Diesel nur als Sports-Line zu haben und damit etwas teurer ist, rollt der 6 nahezu voll ausgestattet vom Band. Navi, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Bose-Soundsystem, City-Notbrems-, Spurwechsel- und Fernlichtassistent, Rückfahrkamera, Parkpiepser, schlüsselloser Zugang – alles da.

Kritik fängt sich der Japaner lediglich für seine Verarbeitung ein. So klingen die Türen etwas klapprig, die vorderen Sitze sind nur dünn gepolstert. Und wer einmal versucht, die Fahrer-Fußmatte zu lösen, zerrt gleich den ganzen Bodenteppich mit raus.

Opel Insignia wirkt müde und schwammig

Da gibt sich der elf Zentimeter längere Opel Insignia deutlich reifer. Die Türen fallen satt ins Schloss, auf den bequemen und sehr empfehlenswerten AGR-Sitzen reist es sich hervorragend, und das gesamte Interieur wirkt deutlich hochwertiger als im Mazda. Passend dazu rollt der im Oktober 2013 geliftete Sports Tourer deutlich sanfter ab, gibt Fahrbahnschäden kaum weiter und mimt so den komfortablen Gleiter.

Der Nachteil der soften Abstimmung zeigt sich an der nächsten Kurve. Trotz einer nun präziser arbeitenden Lenkung wankt und schwankt der Kombi bei schnellen Richtungswechseln und neigt zum Aufschaukeln. Schnelle Wechselkurven? Lieber nicht.

Auch der doppelt aufgeladene Diesel hat Schwächen: 195 PS und 400 Nm ab 1.750 Touren klingen zwar mächtig, doch in der Realität tritt der Euro-5-Selbstzünder längst nicht so quirlig an wie der 20 PS schwächere Mazda-Motor, dreht nur unwillig hoch und läuft zudem lauter und rauer als die wohlerzogenen Konkurrenz-Triebwerke. Immerhin belässt er es bei einem Testverbrauch von 7,1 l/100 km. Auf der auto motor und sport-Normrunde zischten gar nur 5,3 Liter durch die Düsen.

Mit ein Grund für das müde Ansprech- und schwammige Fahrverhalten ist sicherlich die relativ große und schwere Karosserie. Der im Vergleich zu Mazda und Peugeot über zehn Zentimeter längere Opel ist beispielsweise 191 Kilo schwerer als der Japaner. Schade auch, dass er seine Länge nicht umsetzt. So können sich die Insassen weder an einem auffallend üppigen Platzangebot noch an einem riesigen Kofferraum erfreuen.

Klassenübliche 540 bis 1.530 Liter müssen reichen. Eine Fernentriegelung ist nicht zu haben, dafür aber ein großes Unterbodenfach sowie ein praktisches Fixiersystem (150 Euro). Für Urlauber mit kurzen Armen dagegen ungünstig: die voluminöse, hervorstehende Heckschürze.

Mit einem Grundpreis von 34.070 Euro ist der Insignia in der Edition-Ausführung der Günstigste im Test. Blättert man die Preisliste durch, locken empfehlenswerte Extras wie das bestens ausleuchtende Fahrlicht AFL+, ein adaptiver Tempomat mit Gefahrenbremsung und das neu entwickelte Touchscreen-Navi mit verbesserter Kartendarstellung. Da aber nichts davon serienmäßig an Bord ist, schmilzt der mögliche Punktevorsprung schnell dahin. Rund 5.000 Euro wären schon fällig, um den Opel auf das Niveau des Mazda zu bringen. Ein praktisches Detail findet sich ganz hinten, auf Seite 29 der Liste: "Steckdose (12 Volt) für Gepäckraum: 20 Euro". Beim Kauf nicht vergessen. Ansonsten dürfte die Limo in der Kühlbox schnell warm werden.

Peugeot 508 bietet das beste Platzangebot

Geradezu im gekühlten Überfluss können dafür die Besitzer des Peugeot 508 SW in der Allure-Variante schwelgen. Vier 12-Volt-Buchsen finden sich gut verteilt im 4,81 Meter langen und sorgfältig verarbeiteten Kombi. Als Einziger im Test lässt sich der Peugeot zudem mit einer zusätzlichen Klimaautomatik (400 Euro inklusive Sonnenrollos) für den Fond ausrüsten. Bei regelmäßigen Urlaubsfahrten in heiße Länder sicherlich keine schlechte Idee. Und sollte es zu kühl werden – einfach das beim Allure serienmäßige Panoramadach öffnen, schon kommt Sonne rein. Ebenfalls serienmäßig: ein kleines Navigationssystem mit Notruffunktion sowie bequeme Komfortsitze mit ausziehbarer Oberschenkelauflage. Mangelware sind hingegen Assistenzsysteme. Selbst ein Spurwechselassistent ist nicht zu haben. Schön, dass der Franzose dafür die mit Abstand besten Bremswerte abliefert. 35,3 Meter für eine Vollbremsung aus 100 km/h sind mehr als ordentlich.

Gleiches gilt für das Platzangebot. Gesegnet mit dem längsten Radstand (2,82 Meter) sowie dem größten Standard-Kofferraum lässt es sich im Peugeot 508 SW bestens verreisen. Als Einziger bietet der Franzose zudem einfache, klar ablesbare Instrumente, keinen langsam reagierenden Touchscreen und eine gute Rundumsicht.

38.000 Euro sind für den 180 PS starken 508 Blue HDi 180 allerdings schon fällig. Warum so teuer? Peugeot bietet seinen neu geschaffenen Euro-6-Diesel nur im Verbund mit einer neu entwickelten Sechsgangautomatik an. Die schaltet zwar etwas zu häufig herunter, harmoniert ansonsten aber bestens mit dem leisen und vibrationsfreien Diesel. Wie beim Opel stehen ab 2.000 Touren 400 Newtonmeter an – genug Kraft für entspanntes Cruisen über alle Hügel, aber zu wenig, um dem 146 Kilo leichteren Mazda folgen zu können. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h lässt sich nur mit viel Anlauf erfahren.

Mazda 6 ganz klar vorne

Macht nix. Der soft abgestimmte 508 mag es eben lieber gemütlich, stößt nur bei kurzen Wellen auf und empfiehlt sich ansonsten als leiser, gutmütiger, früh untersteuernder Langstreckenläufer, der erst nach über 1.000 Kilometern zur nächsten Tankstelle muss. Trotz Automatikgetriebe benötigt der Blue HDi 180 weniger Diesel als seine beiden Gegner.

Am Ende keine schlechte Taktik. Denn während der sportliche und erfreulich günstige Mazda 6 klar vorne liegt, fährt der hierzulande seltene Peugeot 508 locker auf den zweiten Platz. Der komfortable Opel Insignia leidet unter seinem rauen Diesel. Starke Urlaubswagen sind dennoch alle drei.

Fazit

1. Mazda 6 Kombi Skyaktiv-D 175
487 Punkte

Der sehr sichere Mazda 6 ist bestens ausgestattet, bietet viel Fahrspaß und bleibt dennoch ein praktischer Begleiter.

2. Peugeot 508 SW HDi 180
470 Punkte

Bis auf ein unharmonisches Fahrwerk macht der solide und geräumige 508 SW alles richtig. Toller, kultivierter Motor.

3. Opel Insignia Sports Tourer 2.0 BiT CDTi
466 Punkte

Der knurrige und vergleichsweise träge Diesel und die magere Ausstattung kosten den Insignia den zweiten Platz.

Technische Daten
Mazda 6 Kombi Skyactiv-D 175Opel Insignia Sports Tourer 2.0 BiTurbo CDTIPeugeot 508 SW BlueHDi 180
Grundpreis36.990 €34.495 €39.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4805 x 1840 x 1480 mm4913 x 1856 x 1520 mm4829 x 1828 x 1476 mm
KofferraumvolumenVDA522 bis 1664 L540 bis 1530 L560 bis 1598 L
Hubraum / Motor2191 cm³ / 4-Zylinder1956 cm³ / 4-Zylinder1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung129 kW / 175 PS (420 Nm)143 kW / 195 PS (400 Nm)133 kW / 180 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit221 km/h225 km/h226 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,0 s8,9 s8,6 s
Verbrauch4,6 L/100 km4,9 L/100 km4,6 L/100 km
Testverbrauch7,2 L/100 km7,1 L/100 km7,0 L/100 km
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