Vergleichs-Test Skoda Superb: Kombi-Vergleich mit Mazda 6, Insignia & Laguna

Skoda Superb, Mazda 6 Kombi, Renault Laguna Grandtour, Opel Insignia Sports Tourer

Die Mittelklasse-Kombis Mazda 6, Opel Insignia, Renault Laguna und Skoda Superb sollte man nicht nur aus dem Nutzwert-Blickwinkel betrachten: Mit hochwertiger Ausstattung und bis zu 180 PS leistenden Dieselmotoren absolvieren die Edel-Transporter Fernreisen zügig.

Unterhalb eines Avant der Quattro GmbH, eines T-Modell von AMG oder eines Touring der
M GmbH ist die Verklärung der Kombi-Realität nicht zwingend - aber möglich. Schließlich gibt es ja die Power-Diesel im Tarnanzug. Bis zu 180 PS und 400 Nm wuchten Mittelklassewagen wie Mazda 6 Kombi 2.2 MZR-CD, Opel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTi, Renault Laguna Grandtour dCi 180 FAP oder Skoda Superb Combi 2.0 TDI-CR nackenstreckend nach vorn. Wobei die luxuriös ausgestatteten Test-Varianten mit Preisen von über 30.000 Euro nicht mehr vorrangig Familien als klassische Kientel ansprechen, sondern eher Selbstständige oder eilige Handelsreisende.

Skoda Superb bietet Oberklassenflair

Autos für alle, die viel, weit und schnell transportieren müssen - und ihre Kilometer in einem netten automobilen Umfeld abspulen wollen. Folglich treten die Kombis in der jeweils gehobenen Ausstattung zum Test gegeneinander an, allen voran der Skoda Superb. Zwar gilt Skoda als Pragmatiker-Abteilung innerhalb des VW-Konzerns, doch das schließt eine gewisse Üppigkeit beim Topmodell nicht aus. Mehr Auto für weniger Geld dürfte es kaum geben, zumal in der Elegance-Version der Fond mit seiner endlosen Ausdehnung genauso an die automobile Oberklasse erinnert wie das feine Nappaleder, die Dekoreinlagen in Holzoptik oder das Satin-schwarz rund um die Bedienelemente. Überreichlich ist auch der Platz im Gepäckabteil des Skoda Superb bei umgeklappter Rückbank. Über die Ladekante mit Edelstahlleiste gelangt das Transportgut in den XL-Kofferraum; glücklicherweise lässt es sich mittels Schienen-Zurrsystem oder aufstellbarem Ladeboden sichern, sonst würde es haltlos durch die Gegend purzeln. Einzig der Mechanismus selbst erinnert an die achtziger Jahre: Auf einem dürren Gestänge klappt erst die Sitzfläche vor, dann die Rückenlehne.

Mazda 6 und Skoda Superb gewinnen das Komfort-Kapitel

Wie es heutzutage gehen kann, führen der Renault Laguna Grandtour und der Mazda 6 Kombi im Test vor: Nach einem Zug am Hebel im Kofferraum faltet sich die Rücksitzbank zusammen, so dass eine nahezu ebene Ladefäche entsteht. Allerdings verschenkt der Renault durch seine lifestylig angeschrägte Heckklappe Volumen, wohingegen beim Mazda das Rollo vor der Heckscheibe nicht ganz durchdacht ist: Es lässt sich nur schwierig demontieren. Positiv fallen dagegen der metallene Schutz der Ladekante sowie das Trennnetz in einer eigenen Kassette auf. So viel zum Kofferraum. Doch die eigentliche Neuheit spielt sich darunter ab. Mazda hat die anhaltende Kritik von auto motor und sport beherzigt und das Fahrwerk neu abgestimmt. Aus eindimensional hart wurde ausgeglichen, und damit gewinnt der Mazda 6 Kombi in Verbindung mit seiner besseren Geräuschdämmung zusammen mit dem Skoda Superb sogar das Komfort-Kapitel im Vergleichstest. Dank präziser Lenkung sowie willig mitlenkendem Heck wirkt er dabei keineswegs gemächlich, auch wenn ihn die Fahrdynamikwerte nicht mehr als Sportskanone ausweisen.

Renault Laguna Grandtour GT lenkt auch die Hinterachse

Weiteren Boden macht der Mazda 6 Kombi  mit seinem äußerst kräftigen und drehfreudigen Diesel gut, fährt den anderen davon, ohne deshalb beim Thema Spritverbrauch aus der Art zu schlagen. Am Ende könnte der Mazda im Test sogar noch besser abschneiden, wenn er nachdrücklicher bremsen und sich nicht eine etwas eigenwillige Bedienung über 13 Lenkradtasten leisten würde. Auch im Renault Laguna Grandtour muss sich der Fahrer hinsichtlich der vielen Knöpfe erst einmal einen Überblick verschaffen. Zumal er sich schnell ablenken lassen könnte - vom äußerst agilen Fahrwerk. Die hier antretende GT-Version lenkt nicht nur die Vorder-, sondern auch die Hinterachse, wobei die nachgezogenen Räder bis 60 km/h maximal 3,5 Grad gegen, bei höherem Tempo dann in die Fahrtrichtung zeigen. Was auf der Autobahn in einen etwas nervösen Geradeauslauf mündet, sorgt für fabelhafte Zeiten in den Pylonengassen. Dabei verkneift sich der Renault Laguna jegliche Tücken oder Zickereien.

Mazda 6 und Renault Laguna mit höherem Verbrauch

Um den Fahrspaß wirklich auskosten zu können, wünscht man sich lediglich mehr Gefühl in der Lenkung - und eine bessere Federung. Das typisch französisch-wiegende Wesen hat der Renault Laguna Grandtour abgelegt und gegen Straffheit eingetauscht, was den Langstrecken-Komfort schmälert und dem Armaturenbrett auf schlechten Straßen Knistern entlockt. Die niedrigen Innengeräusche sowie der samtig laufende Vierzylinder-Diesel können das nicht wieder wettmachen. Anders als der Mazda 6 Kombi scheint sich der Renault Laguna seinen strammen Durchzug sowie das quirlige Drehvermögen mit einem hohen Verbrauch zu erkaufen. Vom Sparsamsten in der Test-Runde, dem Skoda Superb (7,2 Liter auf 100 Kilometer), trennen ihn 0,9 Liter im Durchschnitt und 0,7 Liter beim Minimalverbrauch. Auf 100.000 Kilometer gesehen liegen die Kraftstoffkosten im Testumfeld dennoch eng beieinander, was für das gesamte Kostenkapitel gilt - teuer sind die Kombis in den gehobenen Varianten alle, der Skoda Superb glänzt dafür mit niedrigen Wartungskosten und einem voraussichtlich hohen Werterhalt. Außerdem ist er sehr gut ausgestattet.

Lange Übersetzung im Opel Insignia erstickt die Längsdynamik

Letzteres gilt genauso für den Opel Insignia Sports Tourer, der als Cosmo seine Kunden serienmäßig mit einem Navigationssystem sowie einer umfangreichen Liste an Zusatzausstattungen verwöhnt, um den Kombi zu personalisieren. Etwa mit den gut stützenden Optionssitzen oder dem Flex-Ride genannten Fahrwerk samt adaptiven und verstellbaren Stoßdämpfern. Ihre Eigenschaften reichen von gutem Reisekomfort bis zu sportlicher Straffheit. In beiden Fällen bleibt das Fahrverhalten im Test jederzeit berechenbar. Auf den ersten Blick hat Opel den Innenraum hübsch hergerichtet. Doch wer per Finger nachforscht, findet hohl klingenden Kunststoff. Beim anschließenden Gasgeben muss der Zweiliter-CDTi zunächst seine Anfahrschwäche überwinden und wird dann akustisch präsent, ohne zuzupacken; die lange Übersetzung des Sechsganggetriebes erstickt die Längsdynamik. Schlimmer: Wer nach den fast legendären Kombi-Qualitäten des Vorgängers sucht, wird enttäuscht. Die Kofferraum-Luke ist eng, die weit vorstehende Heckschürze erschwert das Beladen und sorgt für verschmutzte Hosenbeine.

Skoda Superb gewinnt den Kombi-Vergleichstest

Diesen Nachteil kann selbst die beste Bremsanlage im Test nicht aufwiegen, zumal der Opel Insignia Sports Tourer nur im Sicherheitskapitel brilliert und ansonsten weit zurückliegt. Mit seinen untadeligen und sportlichen Fahreigenschaften landet der Renault knapp vor ihm, aber noch wenige Punkte hinter dem Mazda 6 Kombi. Der setzt seine verbesserte Federung effektiv ein, entscheidet mit dem Skoda Skoda die Komfort-, die Antriebswertung gar allein für sich. Doch der wirkliche Punkte-Sprung folgt erst zum Sieger, dem Skoda. Getreu seinem Namen schlägt er sich superb und taugt tatsächlich für die Verklärung der Kombi-Realität: So viel schnell bewegbaren Raum gibt es sonst nirgends fürs Geld.

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Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 13 / 2010

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