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Der Mercedes C63 AMG im Vergleich gegen den BMW M3

C63 gegen M3: Wer ist der Stärkste im Limousinenland?

Foto: Rossen Gargolov 31 Bilder

Als Limousine trifft der BMW M3 nun punktgenau auf den viertürigen Mercedes C 63 AMG. Kann sich der Bajuware im Kampf um die Vormachtstellung im Revier der stärksten Sportlimousinen durchsetzen? 

18.12.2009 Jochen Übler Powered by

Ein böses Erwachen am frühen Morgen: Der garstige Aufschrei des mächtigen V8 raubt auch im weiten Umkreis dem letzten Träumer den Schlaf. Tief hämmernd stürzen sich 6,3 Liter Hubraum in den Tag. Acht Töpfe sortieren gurgelnd und sprotzelnd die Taktfolge. Die Stimmgewalt ist derb. Dieser AMG-Mercedes schüchtert nachhaltig ein. Sogar ein gestandenes Mannsbild aus Bayern. Tonal zieht der Mercedes C 63 AMG dem BMW M3 radikal die Lederhosen runter.

Der C 63 mit Dämpferkontrolle

Konzeptbedingt betreten 4,0 Liter Hubraum die Bühne moderater. Der V8 des M3 kommt feinnerviger und gesitteter in Schwung. Aber das ist erst der Anfang. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Abgerechnet wird zum Schluss. Und zwar zwischen zwei Typen, die sich in den vorliegenden Versionen erstmals in einer Liga gegenüberstehen – als viertürige Limousinen. Seitens des M3 entsprechend auch ohne spezielle Leichtbau-Insignien wie das beim Coupé übliche Carbondach sowie auch ohne solch fahrdynamische Hilfestellungen wie Sportreifen. Ganz untrainiert treten die beiden Kraftprotze trotzdem nicht an. Der C 63 bietet dem mit der optionalen elektronischen Dämpferkontrolle EDC (1.900 Euro) aufgerüsteten M3 unter Zuhilfenahme des feilgebotenen Performance Package die Stirn. Für die dafür fälligen 3.900 Euro Aufpreis werden eine größer dimensionierte Bremsanlage offeriert sowie ein Sperrdifferenzial und eine auf mehr Agilität getrimmte Fahrwerksabstimmung. Als Folge verfügt der BMW im Normalmodus seiner Dämpferkennung tatsächlich über den besseren Komfort. Geradezu schmeichelhaft geht der M3 mit Wellen und Absätzen um. Während der schärfste C im Stall keinen Hehl daraus macht, dass er sich fahrdynamisch einiges vorgenommen hat. Satt anstatt samtig, trocken und nicht verwässert gibt das Fahrwerk seine Ausrichtung preis. Ist er zu hart, bist du zu weich. Sportlichkeit fordert manchmal Verzicht.

Und diese klare Ansage seitens AMG sei an dieser Stelle begrüßt. Fakt ist: Im C 63 haben die komfortschwangeren Kompromisse ausgedient. Nicht mehr nur die Macht des Motors steht im Rampenlicht, auch die restlichen Komponenten sind auf die neue Definition fokussiert. Als da wären die Sitze, die angesichts ihrer eng umschlingenden Art und ihres enormen Seitenhalts sogar denen des M3 den Rang ablaufen. Oder das optional mit Wildleder bezogene Lenkrad, das ebenfalls besser in der Hand liegt als jenes des BMW. Ohne das überzeugende Rüstzeug des M3 schmälern zu wollen, aber der Mercedes wetzt ernsthaft die Messer. Schließlich hat auch das Automatikgetriebe den faden Beigeschmack einer lähmenden Trägheit abgelegt. Im manuellen Modus wird wirklich erst dann die Übersetzung gewechselt, wenn der Fahrer per Wippendruck den Befehl dazu gibt. Nahezu verzugfrei nach oben – und mit rotzig frech vorgetragenen Zwischengasstößen wieder hinunter.

AMG-Mercedes mit 457 PS

Obgleich die gebotenen sieben Stufen zumindest für sportliche Ambitionen übertrieben wirken. Überdies sind die Übersetzungen äußerst lang gewählt. Bei Tacho 260 km/h und 6.000 Touren regelt der C 63 im fünften Gang ab, während der Achtzylinder Luft bis über 7.000/min bietet und zudem noch zwei Gänge im Halfter stecken. So kommt es also nicht von ungefähr, dass sich die AMG-Preziose bei den Elastizitätsmessungen nur im vierten Gang von der M-Schöpfung abzuheben versteht. Sechs Gänge genügen also. Vor allem, wenn sie derart passgenau auf die Anforderungen des hoch drehenden BMW-V8 zugeschnitten sind. Zwar werden sie im M3 bislang noch manuell verwaltet. Bis das Doppelkupplungsgetriebe Einzug hält, ist man mit der knackig arbeitenden Schaltbox bestens sortiert. Jedoch verlangt der alltägliche Umgang mit dem M3 ein höheres Maß an Fußspitzengefühl. Weil das Zusammenspiel von Kupplung und Gas eine erhöhte Aufmerksamkeit bedingt, um nicht unwirsch oder bockig von der Kreuzung zu stürmen.

Zudem scheint der Antriebsstrang verhältnismäßig weich gelagert zu sein, da beim lockeren Dahintraben mit der Limousine ein leichter Bonanza-Effekt nicht ausbleibt. Auch der C 63 AMG hat seine Eigenarten. Nämlich in Form der sehr direkten Kennlinie des Gaspedals, die ebenfalls einen bewussten Umgang fordert, um nicht ungewollt den dicken Max zu markieren. Ein stattlicher Auftritt ist den beiden Machos schließlich schon von Haus aus ins Gesicht geschrieben. Ob ein oder zwei Powerdomes auf der Motorhaube, von Lufteinlässen zerklüftete Frontschürzen oder vier Endrohre, hier wie dort gibt es Indizien genug, die von ausgeprägten Machtansprüchen in der sportlichen Upperclass der Viertürer zeugen. Wobei allein von der Papierform her der AMG-Mercedes die Vorwahlen zunächst für sich entscheidet.

Dank des gewaltigen Hubraums von 6,3 Liter, aus denen 457 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter resultieren, sollte der C dem M längsdynamisch enteilen. Sollte, denn ein Blick auf das Leistungsgewicht nivelliert die Kräfteverhältnisse wieder. Denn die stärkste C-Klasse aller Zeiten bringt fast 130 Kilogramm mehr auf die Waage als der 1.648 Kilogramm schwere und potenteste Vertreter der Dreier-Reihe. Somit gelten jeweils 3,9 Kilogramm pro PS – brisanter könnten die Voraussetzungen also kaum sein. Das bedeutet nominellen Gleichstand für das Messprozedere in Hockenheim. Und der M3 eröffnet das Duell, spult die Beschleunigung standesgemäß ab. Setzt mit 16,3 Sekunden eine provokante Duftmarke für den Sprint auf 200 km/h. Mit den ermittelten 4,9 Sekunden für die 100er-Hürde erfüllt er gekonnt sein Soll. Die Messlatten sind gelegt. Spot an für den C 63 AMG. Dessen gewaltige Kraft ist einen Hauch schwieriger aufs Parkett zu zaubern als die des M3. Und trotzdem brennt der AMG eine Fabelzeit in den Asphalt. 4,5 Sekunden sagt die Werksangabe, deren 4,4 für den Satz auf Tempo 100 die messtechnische Auswertung. Und wenn nach glatten 14 Sekunden 200 Sachen anstehen, ist klar: Kraft scheint der Wagen wahrlich zu haben. Schließlich torpediert er sogar die Messwerte des CLK 63 AMG Black Series (Supertest 3/2008). Der leistet laut Angaben immerhin 507 PS und bringt sogar ein paar Kilo weniger auf die Waage.

M3 beim Dribbling exakter

Allerdings musste sich der Black Series auch mit einer Außentemperatur von 22 Grad auseinandersetzen. Wie die tatsächliche Leistung nun auch wirklich sei – längsdynamisch hat der C 63 AMG den Stern vor dem weiß/blauen Propeller. Jedoch galt das als Pflicht, nun folgt die Kür. Nicht zuletzt das Performance Package schürt die Erwartungen. Aber die Bremsanlage weiß sie zu erfüllen. Für sich gesehen arbeiten die wuchtigen Komponenten überzeugend. Der Druckpunkt ist allzeit klar definiert, von nachlassenden Kräften keine Spur. Ob aus Tempo 200 oder nach zehn Bremsungen aus 100 km/h verzögern die Sechskolben-Festsättel mit deutlich über 10 m/s². Im Vergleich zu den Bremsleistungen des M3 gerät der C 63 trotzdem in Rückstand. Die Einkolben-Faustsattel-Variante des Münchners verzögert nach zehn Vollbremsungen sogar mit 11,4 m/s² – obwohl der Pedalweg spürbar länger wird.

Für den Einsatz auf der Rennstrecke sind beide Anlagen jedenfalls gut konditioniert und leisten sich keine Schwächen. Damit sind sie dem hohen fahrdynamischen Niveau absolut gewachsen. Denn wer sich als viertürige Limousine auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim mit einer Rundenzeit von 1.15,2 Minuten aus der Affäre zieht, muss über hervorragende technische Ressourcen verfügen. Das gilt für beide Kontrahenten, als Resultat sogar bis auf die Zehntelsekunde genau. Aber es gibt Differenzen. Weil sich der Grenzbereich im M3 tatsächlich eine Spur leichter erklimmen lässt. Vielleicht hilft ihm die ausgewogenere Gewichtsbalance, vielleicht auch der progressiver anpackende Motor. Im C 63 AMG jedenfalls folgt nach einem fast ebenbürtig gierigen Einlenken eine herausfordernde Gratwanderung, um der leichten Untersteuertendenz auch die exakt passende Portion des giftigen Leistungsangebots entgegenzustellen. Dass der M3 beim Dribbling eben doch noch etwas exakter agiert, zeigt auch die mögliche Durchschnittsgeschwindigkeit im 18-Meter-Slalom. Trotzdem gibt der C 63 AMG das klare Bekenntnis ab, der Konkurrenz auch mit fahrdynamisch exzellenten Tugenden auf Augenhöhe entgegenzutreten. Er ist ein richtiger Brüller, nicht nur tonal – mit einer weit reichenden Wirkung. Auch noch am Morgen danach.

Technische Daten
Mercedes C 63 AMGBMW M3
Grundpreis69.972 €66.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4725 x 1795 x 1438 mm4580 x 1817 x 1447 mm
KofferraumvolumenVDA475 L450 L
Hubraum / Motor6208 cm³ / 8-Zylinder3999 cm³ / 8-Zylinder
Leistung336 kW / 457 PS (600 Nm)309 kW / 420 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s4,9 s
Verbrauch13,4 L/100 km12,4 L/100 km
Testverbrauch21,2 L/100 km16,4 L/100 km
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