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Mercedes A 170 und VW Golf 1.6 FSI Test

Überholt die A-Klasse den Golf?

Foto: Hans Peter Seufert

Wer im Kompaktsegment vorn sein will, muss am VW-Bestseller vorbei. Ob die neue A-Klasse genug Schwung hat, den VW zu passieren, klärt der Test.

26.08.2004

Hm, vielleicht siebzehntausend? Auf diese Summe in Euro taxiert der an der neuen Mercedes A-Klasse interessierte Passant den Testwagen. Fast richtig – wenn es ein A 140 mit zwei Türen ohne Extras wäre. Schätzobjekt ist aber ein viertüriger A 170 in Elegance- Version mit allen Schikanen, etwa Leder und Navigation und Schiebedach. Sie treiben den Grundpreis von 21 750 Euro deutlich über die 30 000er-Marke. Immerhin sind Klimaanlage, Bordcomputer, elektrische Fensterheber und Außenspiegel sowie ESP, Front- und Seitenairbags vorn serienmäßig. Trotzdem viel Geld für ein Auto, dessen Karriere einst als außergewöhnliches Kleinwagen- Konzept begann und das in seiner zweiten Auflage mitten ins Kompakt-Segment zielt. Zu diesem Zweck hat der kleine Benz in allen Dimensionen zugelegt, übertrifft mit 3,84 Meter Länge sogar die Stretch-Version seines Vorgängers.

Dennoch hält er weiterhin Abstand zu den Branchengrößen – zumindest längenmäßig. Preislich zieht die A-Klasse sogar am 40 Zentimeter längeren VW Golf vorbei. Der kostet in Sportline-Ausstattung mit vier Türen und dem 115 PS starken 1,6-Liter-FSI-Motor 20 620 Euro. Dabei sind neben der Klimaanlage auch Sportsitze, ESP, Kopfairbags vorn und hinten sowie Seitenairbags vorn. Und eine solide Verarbeitung, die sich über klapperfreie Verkleidungen bis hin zu fein rastenden Reglern und Tasten erstreckt. Hier war die A-Klasse bis dato unterlegen: mäßiger Qualitätseindruck, liebloses, mercedesuntypisches Design, preisunwürdige Haptik. Schluss damit: Was in den Presseunterlagen lyrisch als „TAF“ (Touch and-feel-Faktor) umschrieben wird, erweist sich als fühlbarer Fortschritt. Hochwertig anmutende Oberflächen, knackig rastende Bedien-Elemente sowie familientypische Optik lassen die A-Klasse zum Golf aufschließen.

Die Bedienbarkeit ist eingängig und problemlos, einzig der knubbelige Multifunktionshebel an der Lenksäule ist ein Fall für erfahrene Mercedes- Nutzer. Er ist vom Lenkrad verdeckt und verlangt zur virtuosen Betätigung etwas Eingewöhnung. Das ist anscheinend sogar den Konstrukteuren aufgefallen: Sie installierten eine Kontrollleuchte für den Heckwischer im Zentraldisplay, das zudem anzeigt, ob alle Fondpassagiere angeschnallt sind.
Die schlichten, übersichtlich gezeichneten Rundinstrumente sind gut ablesbar, Heizung und Infotainment in der umgestylten Mittelkonsole leicht bedienbar.

Auf Anhieb problemlos erledigt sich auch die Handhabung des Golf, bei dem lediglich die blaue Instrumentenbeleuchtung auf Kritik stößt. Zudem müssen Golf-Besitzer für ein Multifunktionslenkrad, das die A-Klasse serienmäßig mitbringt, 260 Euro extra zahlen. Quasi unbezahlbar ist die Präzision, mit der die elektromechanisch unterstützte Golf- Lenkung operiert. Fein aus der Mittellage ansprechend und unter allen Umständen gleichmäßig reagierend, setzt sie kleine Kursänderungen beim Geradeausfahren ebenso exakt um wie schnelle Manöver, etwa in zackigen Wechselkurven. Diese E-Lenkung fühlt sich subjektiv sogar hydraulischer an als viele echte Hydraulik-Lenkungen. Und deutlich besser als die ebenfalls elektrisch unterstützte des Mercedes. Da mag die Elektronik mit noch so vielen Parametern jonglieren, Richtungsänderungen erfolgen eckig und ungleichmäßig. Zunächst spricht sie unschlüssig an, um dann bei großem Winkel überproportional spitz zu reagieren.

Alles andere als Spitze sind die Benziner beider Kompaktwagen, die ungewollt ein glühendes Plädoyer pro Dieselmotor halten. Sicher, eine Beschleunigung von null auf 100 in rund elf Sekunden ist ebenso ausreichend wie Maximaltempi von 190 km/h, Freude kommt dennoch kaum auf. Speziell der träge auf Kommandos reagierende FSI-Motor des Golf törnt ab. Der Vierventiler wirkt brummig und weder durchzugsstark noch drehfreudig. In hügeligem Terrain schaltet man im Sechsganggetriebe hin und her, der Direkteinspritzer ändert jedoch dabei Drehzahl und Klangfarbe signifikanter als die Geschwindigkeit. Der Testverbrauch liegt mit 8,8 Litern Super Plus etwas höher als beim A 170, der mit 8,6 Liter Super auskommt. Der weiterentwickelte 1,7- Liter-Motor des Mercedes erledigt seine Gaswechsel konventionell über nur zwei Ventile pro Zyinder, wirkt aber spritziger und drehfreudiger als der FSI. Beim Ausdrehen klingt er kernig, bei konstanter Fahrt gibt er sich akustisch zurückhaltend und kultiviert.

Das Fünfganggetriebe ist leichtgängig, wenn auch nicht ganz so knackig geführt wie die Golf-Box. Selbst bei hohem Tempo geht es in der A-Klasse leise zu, nicht einmal das große, gut funktionierende Lamellenschiebedach aus Kunststoff (Aufpreis 1090 Euro) trübt den Geräuscheindruck. Dafür lässt es viel Licht oder auch Luft in den Innenraum, der mit hoher Variabilität gefällt. Wer das Easy-Vario-Plus- Paket für 348 Euro ordert, kann nicht nur die Rückbank, sondern auch den Fahrersitz ausbauen und bei dachhoher Beladung über 1995 Liter Volumen sowie 2,34 Meter Ladelänge gebieten.

Der Umbau erfordert zwar etwas Geschick, ist aber auch von Normalbegabten zu bewältigen. Bei voller Besetzung fasst die A-Klasse immer noch 435 Liter Gepäck, nach Umklappen der Bank 1370. Der in zwei Ebenen arretierbare Ladeboden gestaltet das Einund Ausladen schwerer Güter rückenschonender. Der Golf enttäuscht Lade- Freaks: Sitzbank geteilt umklappen, das war’s. Nicht mal die Sitzflächen sind beweglich. Dennoch: Der glattflächige Gepäckraum reicht aus, das maximale Volumen beträgt 1305 Liter. Und selbst wer die erlaubten 465 Kilogramm Zuladung an Bord nimmt, darf sich eines harmonischen Fahrwerks erfreuen. Das nimmt es mit kurzen Unebenheiten ebenso locker und souverän auf wie mit langen Wellen, die im Dämpferöl verpuffen, ohne die Passagiere zu belästigen. Dämpfer? Da hat die AKlasse etwas Neues in petto. Was dem Golf die Multilenker- Hinterachse, ist dem Mercedes sein selektives Dämpfungssystem, das ganz ohne Elektronik auskommt.

Ein Extra-Steuerkolben im Dämpfer regelt den Ölstrom abhängig von der Bewegung. Bei geringem Hub willig ansprechend, absorbiert die A-Klasse kleine Unebenheiten grosszügig, gibt sich erst bei groben Stößen oder hoher Belastung unnachgiebiger. So kommt die A-Klasse mit kurzen Kicks gut zurecht, gefällt mit ordentlichem Abrollkomfort, gerät aber bei härterer Kost stärker in Wallung als der Golf. Der Mercedes ist immer etwas mehr in Bewegung, wirkt weniger ausgependelt, teilt auf krassen Wellen sogar harte Stöße an die Passagiere aus, vor allem bei voller Beladung. Abseits flotter Fahrweise oder übler Pisten ist der Mercedes ein komfortabler Begleiter, auf dessen langstreckentauglichen Sitzen auch ausgedehnte Trips drin sind. Die aufrechte Sitzposition hinter dem steil stehenden Lenkrad (Weitenverstellung: 156 Euro extra) schafft Übersicht. Dazu trägt auch der hohe Sandwich-Wagenboden bei, der sogar Gebrechliche geschmeidig zusteigen lässt.

Im Golf sitzt man eine halbe Etage tiefer auf Sportsitzen, die neben Lordosen-Unterstützung viel Seitenhalt bieten. Beste Voraussetzungen, um das ausgeprägte Fahrdynamik-Talent des Klassenvorstehers auszuloten. Mit seinem hoch angesiedelten Grenzbereich, wenig Seitenneigung, viel Grip und sensiblem, spät eingreifendem ESP fährt er quasi Kreise um die eher gemütlich kreuzende A-Klasse. Doch obwohl der kleine Mercedes in Fahrdynamik und Eigenschaftswertung klar abgeledert wird, ist er ein ernst zu nehmender Golf-Gegner geworden, eine kompakte, variable, wenn auch kostspielige Alternative zum Establishment.

Fazit

1. Mercedes A 170 Elegance
500 Punkte

Der kleine Mercedes hat einen Riesenschritt nach vorn gemacht. Er gefällt mit guter Verarbeitung und Bedienung. Komfort und Variabilität bei kompakten Außenabmessungen. Billig ist er allerdings nicht.

2. VW Golf 1.6 FSI Sportline
514 Punkte

Das rundum schlüssige Konzept des Klassenprimus lässt sogar den müden FSI-Motor verschmerzen. Hoher Fahrkomfort und -sicherheit sowie Top-Verarbeitung und Bedienung machen den Golf zum eindeutigen Sieger.

Technische Daten
VW Golf 1.6 FSIMercedes A 170
Grundpreis21.210 €23.532 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4204 x 1759 x 1485 mm3838 x 1764 x 1593 mm
KofferraumvolumenVDA350 bis 1305 L435 bis 1370 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder1699 cm³ / 4-Zylinder
Leistung85 kW / 115 PS (155 Nm)85 kW / 116 PS (155 Nm)
Höchstgeschwindigkeit192 km/h188 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,8 s10,9 s
Verbrauch6,5 L/100 km6,6 L/100 km
Testverbrauch1,0 L/100 km8,6 L/100 km
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