Mercedes C 220 CDI, Audi A4 2.0 TDI, BMW 320: Mittelklasse-Limousinen im Vergleichstest

Mercedes C 220 CDI, Audi A4 2.0 TDI, BMW 320d

Die Mercedes-Mittelklasse geht frisch gestärkt in die nächste Runde. Ein Vergleich des Mercedes C 220 CDI mit den ebenfalls rund 170 PS starken Audi A4 2.0 TDI und BMW 320d zeigt, was die umfangreiche Modellpflege wirklich gebracht hat.

Kaum eine Fahrzeuggattung kennt Deutschlands Autobahnen besser als Mittelklasse-Limousinen mit starken und zugleich sparsamen Dieselmotoren. Tagtäglich spulen sie Millionen von Kilometern ab, transportieren gestresste Außendienst-Profis, junge Paare und reisefreudige Senioren gleichermaßen flott und sicher ans Ziel. Auch bei Regen, auch bei Dunkelheit, auch durch nervtötende Staus.

Ein anspruchsvoller Job, um den sich seit vielen Jahren besonders Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse verdient gemacht haben. Die Mercedes C-Klasse wirbt nun mit renoviertem Design, hochwertigem Interieur und überarbeiteten Motoren um Anstellung.

Grollender Mercedes C 220 CDI

Ein Dreh am Zündschlüssel des zum Vergleichstest angerollten Mercedes C 220 CDI Elegance macht klar, dass die 170 PS starke Limousine zu den vorlauten Kandidaten gehört. Mit kernigem Gebrumm und leichten Vibrationen gibt sich der Vierzylinder klar als Selbstzünder zu erkennen, lässt sofort eine Art Taxigefühl aufkommen.

Also gleich wieder abstellen? Nicht wirklich. Einmal an den knorrigen Unterton gewöhnt, dürfte der OM651 kaum jemand stören. Schließlich versöhnt der Mercedes C 220 CDI mit einem Drehmoment von 400 Newtonmetern, das für ordentlich Schub knapp über dem Leerlauf und den niedrigsten Testverbrauch sorgt. Lediglich 6,9 Liter/100 km genehmigte sich der 1,6 Tonnen schwere Mercedes C 220 CDI auf über 3.000 Testkilometern. Sparsam bewegt, flossen gar nur 4,3 Liter Diesel/100 km durch die Piezo-Injektoren.

Ein Mal quer durch Deutschland mit einer Tankfüllung? Kein Problem. Nur alleine bleibt der Mercedes C 220 CDI nicht. Denn der gleichstarke und ähnlich schnelle, aber leisere Audi A4 2.0 TDI folgt - mit einem Mehrverbrauch von 0,5 Litern - auf dem Fuße.

BMW 320d deutlich flotter als C-Klasse und A4

Und der BMW 320d? Der ist schon da. Denn dank seinem kultiviert laufenden, 184 PS starken Zweiliter-Turbodiesel ist der BMW 320d deutlich flotter, mit einem Testverbrauch von 7,1 Litern aber kaum durstiger als der Mercedes. Lobenswert: Als Einziger im Test verfügt der BMW 320d über einen (optionalen) Speicherkat und stößt gemäß der ab 2014 in Kraft tretenden Euro 6-Norm 50 Prozent weniger Stickoxide aus. In Verbindung mit dem kurz gestuften, präzisen Getriebe beweist der BMW 320d hier, dass er trotz bevorstehender Ablösung im nächsten Frühjahr noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
 

Gedanken, die der Hecktriebler auch mit jeder Lenkbewegung vertreiben möchte - erfolgreich. Sowohl im Handlingparcours als auch auf kurvigen Landstraßen oder in der Innenstadt punktet der sportlich-straff abgestimmte BMW 320d mit seiner beeindruckend präzisen und gefühlvollen Lenkung.

Die Konsequenz: Sieg nach Punkten in den Kapiteln Antrieb und Fahreigenschaften. Seine Agilität bezahlt der BMW 320d allerdings mit nur mäßig abgefangenen Querfugen und gelegentlichen vertikalen Stößen. Hier zeigt sich der Mercedes C 220 CDI von seiner besten Seite. Lässig bewahren ihre selbstständig verhärtenden Dämpfer die Insassen vor störenden Rüttlern und sorgen in Kombination mit der optionalen, stoßfrei agierenden Parameterlenkung für hohen Fahrkomfort im Mercedes C 220 CDI.

Sportlicher Audi A4 2.0 TDI

Ähnlich präsentiert sich auch der Audi A4 2.0 TDI, der in der Ambition-Ausführung betont sportlich auftritt. Trotz serienmäßigem Sportfahrwerk fängt der Audi A4 2.0 TDI die gröbsten Unbilden schlechter Straßen aber gekonnt ab - ohne es an querdynamischer Präzision missen zu lassen oder mit einer stößigen Lenkung zu nerven.

Über alle drei Limousinen wachen feinfühlige ESP-Systeme, die die Fahrzeuge sanft und kaum spürbar auf Kurs halten. Auch die sehr standfesten Bremsen geben kaum Anlass zur Kritik.

Nur der BMW 320d lässt hier - wohlgemerkt auf hohem Niveau - abreißen und steht beispielsweise bei einer Vollbremsung aus 100 km/h bei Nässe vier Meter später als seine beiden Konkurrenten. Die sammeln mit ihren aufpreispflichtigen Spurhalte- und Spurwechselassistenten sowie adaptiven Tempomaten weiter Punkte. Der Mercedes C 220 CDI könnte hier mit seinem aktiven Bremsassistent (BAS Plus) noch einen draufsetzen, wenn nicht das komplette Fahrerassistenz-Paket Plus (2321 Euro) der sportlicheren Ausstattungslinie Avantgarde vorbehalten wäre. Sind komfortbetonende Elegance-Fahrer nicht ebenso schützenswert?

Mercedes C-Klasse holt bei Verarbeitung und Ergonomie auf

Nun denn, genug gemeckert. Denn im Vergleich zu BMW und Audi hat die modellgepflegte C-Klasse bei Verarbeitung, Anmutung und Ergonomie wieder mächtig aufgeholt und bietet nun ein standesgemäßes Cockpit, das kaum Wünsche offen lässt. Wer sich dann noch die wie im Testwagen Mercedes C 220 CDI installierten Multikontursitze inklusive Memory-Paket (1.999 Euro) gönnt, erlebt Reisekomfort auf sehr hohem Niveau.

Im Fond der Premium-Mittelklasse geht es naturgemäß etwas weniger üppig zu, doch vier Erwachsene können jeweils bequem auf Reisen gehen - mit leichten Vorteilen für den 4,7 Meter langen Audi A4 2.0 TDI. Auch die sauber ausgekleideten Gepäckräume lassen sich mit Volumina zwischen 460 Liter im BMW 320d und 480 Liter im Audi A4 2.0 TDI gut beladen sowie mit geteilt umklappbaren Rücklehnen und Durchladen aufrüsten.

Ein Blick auf die Punktetabelle zeigt: Obwohl die renovierte Mercedes-C-Klasse in den Abschnitten Karosserie, Sicherheit und Fahrkomfort kräftig Punkte sammelt und in der Eigenschaftswertung vorne liegt, wird es noch mal eng. Der Mercedes ist schlicht und einfach teuer. Mindestens 36.860 Euro sind für einen Mercedes C 220 CDI von der Stange fällig. Ein kaum schlechter ausgestatteter Audi A4 2.0 TDI Ambition (Klimaautomatik, Sportsitze und CD-Radio sind Serie) steht mit 35.400 Euro in der Liste, ein BMW 320d in Euro 5-Ausführung kostet gar nur 34.300 Euro. Der Stern hat eben immer noch seinen Preis.

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Michael von Maydell

Autor:

auto motor und sport, Heft 15 / 2011

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