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Mercedes CLS 500 4Matic gegen Audi S7 Sportback

Allrad-Coupés mit über 400 PS

Mercedes CLS 500 4MATIC, Audi S7 Sportback Foto: Dino Eisele 44 Bilder

Vermutlich gibt es kaum Autos, die ein Facelift so wenig nötig hatten wie Audi S7 Sportback und Mercedes CLS 500 4Matic. Dennoch wurden sie behutsam modellgepflegt. Welches Allrad-Coupé bietet nun mehr?

19.01.2015 Heinrich Lingner

Es gibt einiges, was man mit dem Audi S7 Sportback als netter Mensch nicht unbedingt tun sollte. Etwa ein befreundetes britisches Paar vom Flughafen abholen, das noch nie eine deutsche Autobahn vom Rücksitz eines 450-PS-Autos erlebte: "Oh, das ist aber ein hübscher Audi", ist der erste Kommentar nach dem Einsteigen in den rot tapezierten Fond. "Ach, kein Diesel" der zweite, als der Achtzylinder losbrummt. Parkhausschranke, Terminalstraße, A 92 Richtung Westen, kein Tempolimit.

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Vergleichstest Mercedes CLS 500 4MATIC, Audi S7 Sportback
auto motor und sport 01/2015
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Audi S7 Sportback leistet 450 PS

Der Audi S7 Sportback zischt lässig auf die linke Spur, Tacho 200, wenig Verkehr, Stille im Fond. Dann Kreuz Neufahrn, A 9, wieder kein Tempolimit, fast leere vier Spuren, 230. Rechts wischt ein roter Lichtschimmer durchs Bild. "Was war das?", fragt sie. "Allianz- Arena", sagt der männliche Gast. Dann Tempo 80, bremsen, Mittlerer Ring, Tunnel im Neonlicht. Stille auf den Rücksitzen. "Wow", bemerkt er dann, "ich hatte keine Ahnung, wofür ihr diese Autos baut." Im Mercedes Mercedes CLS 500 4Matic wäre das Erlebnis möglicherweise einen Hauch weniger nachdrücklich, doch wahrscheinlich wäre es kein Unterschied gewesen: 408 oder 450 PS, auf diesem Niveau sind rund zehn Prozent Leistungsunterschied nicht der Rede wert.

Vor den jüngsten Modellpflegemaßnahmen war diese Differenz noch geringer, doch der Audi bekam 30 PS dazugepackt, beim Mercedes blieb es bei 408. Eine weitere Neuerung hätten die Besucher aus England besser beobachten können: Seit dem Facelift gibt es für den Audi S7 Sportback das bereits beim A8 viel gelobte Matrix-LED-Licht. Adaptive LED-Scheinwerfer offeriert Mercedes seit dem Sommer auch für den CLS. Dort heißt das System Multibeam, kostet knapp 1.900 Euro Aufpreis (fast einen Tausender mehr als bei Audi) und taucht bei Nachtfahrt die Autobahn in ebenso gleißend weißes Leuchtdioden-Licht.

Adaptives LED-Licht überzeugt

Beide Systeme zeigen den aktuellen Stand der Technik – welches tatsächlich mehr bietet, müsste ein ausführlicher Lichttest zeigen. Subjektiv gefällt das Matrix-Licht des Audi S7 Sportback besser, weil seine Adaptivfunktionen ruhiger und weniger ruckartig ablaufen. Ein Plus des Multibeam im Mercedes CLS 500 4matic dagegen ist die Autobahnfunktion, mit der ausschließlich der Bereich links bis zur Mittelleitplanke hell angeleuchtet wird.

Ansonsten bleiben die Modellpflegemaßnahmen bei Mercedes CLS 500 4matic und Audi S7 Sportback sehr dezent, abgesehen von den Scheinwerfern halten sich die Designänderungen in Grenzen. Interessanter wird es da schon beim Interieur. Infotainment-Systeme der neuesten Generation bieten den Insassen in beiden Fällen zeitgemäße Rundumversorgung mit Connectivity auf hohem Niveau. Ein wenig schwächelt hier der Mercedes, weil er keine Musik aus dem Internet streamt. Neu im CLS ist der jetzt frei stehende Monitor im Acht-Zoll-Format, der allerdings mit einem schwarzen Rand versehen ist und nur einen Teil der Fläche tatsächlich für Anzeigen nutzt.

Audi S7 Sportback bietet WLAN-Hotspot

Der Audi S7 Sportback kommt mit der neuesten Generation des MMI Touch. Es kann alles, was man sich von einem multimedial vernetzten Auto wünscht: von der superschnellen LTE-Verbindung ins Internet bis zum WLAN-Hotspot, der die Mobilgeräte der Mitreisenden mit dem Web verbindet, inklusive Audio-Streaming aus dem Netz. Hervorragend arbeiten in S7 und CLS im Übrigen die Spracherkennungssysteme. Wer sich einmal mit Linguatronic (Mercedes) oder der Sprachbedienung im Audi vertraut gemacht hat, wird vermutlich nie mehr Navi-Ziele, Radiosender oder Anrufe per Dreh-Drück-Steller abrufen.

Alles schön und gut, doch was können die Luxuscoupés nun auf der Straße? Eigentlich ließe es sich in einem Satz zusammenfassen, aber dann wäre der Text hier zu Ende: Der Audi S7 Sportback ist der fahraktive Sportwagen, der Mercedes der entspannte Reisegleiter. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, und deshalb lohnt es sich weiterzulesen.

Geschmeidiger Mercedes kommt mit 19-Zoll-Bereifung

Das beginnt schon damit, dass der Audi S7 Sportback, wenig überraschend, das etwas schlechter federnde Auto der beiden ist. Er hat serienmäßig ein speziell abgestimmtes Luftfahrwerk, das um einiges steifbeiniger auf Unebenheiten reagiert als die ebenfalls serienmäßige Airmatic des Mercedes CLS 500 4matic. Freilich ist der Audi keine bockelharte Kiste, ein Teil dieser Charakteristik dürfte zudem auf die serienmäßige 19-Zoll-Bereifung zurückzuführen sein. Geschmeidiger tigert in jedem Fall der Mercedes CLS über den Asphalt, doch die Unterschiede sind gering, keines der beiden Coupés reagiert unangenehm, auch nicht, wenn die maximale Zuladung von 574 kg (S7) oder 503 kg (CLS) voll ausgenutzt wird.

Das bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Fahreigenschaften. Mit der strafferen Grundabstimmung und der geringeren Wankneigung durcheilt der Audi S7 Sportback Kurven deutlich behänder. So bewältigt er Slalom und doppelten Spurwechsel mit leicht höherer Geschwindigkeit, am Lenkrad immerhin fühlt sich der Unterschied nach deutlich mehr an, als es dann auf der Stoppuhr tatsächlich ist.

Audi S7 Sportback und CLS bei der Fahrleisung gleichauf

Denn der Mercedes ist keineswegs langsam, er verfügt zudem über die zwar weniger direkte, dennoch feinfühligere und bessere Lenkung. Die adaptive Servolenkung des Audi S7 Sportback verlangt merklich weniger Lenkarbeit, doch fühlt sie sich dabei synthetisch an, das erhöhte Rückstellmoment im Sportmodus wirkt künstlich und unangebracht. Das ist allerdings Meckern auf sehr hohem Niveau, der Mercedes CLS 500 4matic hinterlässt hier vor allem den harmonischeren Eindruck.

Womit wir bei den Motoren wären. Und bei den Fahrleistungen, bei denen sich erwartungsgemäß kein wirklich entscheidender Unterschied auftut. Der Audi S7 Sportback ist mit dem doch leistungsstärkeren V8 kaum mehr als einen Hauch schneller als der Mercedes, und genau eine halbe Sekunde fixer auf 100 km/h – das war schon beim Vorgängermodell mit 420 PS nicht anders. Noch geringer sind die Differenzen beim Durchzug von 60 auf 100 und 80 auf 120 km/h, es ist jeweils eine Zehntelsekunde, Kommentar überflüssig.

Sparsame Achtzylinder

Doch auch hier kommt es mehr darauf an, wie es sich anfühlt: Der S7 scheint heftiger zu beschleunigen, was aber wohl vor allem an der wichtigtuerischen Geräuschkulisse seines Vierliter-Biturbos liegt. Der hämmert bei Vollgas wie ein Dragstrip-Achtzylinder, obwohl er im Grunde ein sozialverträglicher moderner V8 ist – mit Zylinderabschaltung und Start-Stopp-Automatik. Der CLS-Achter macht weniger Aufhebens und kann fast alles genauso gut. Beim Spritkonsum, da liegen sie mit Testverbräuchen von rund 12,5 Litern auf Augenhöhe, der Audi S7 Sportback benötigte hier wie bei anderen Messungen ein Zehntelchen mehr.

Sicherlich kein kaufentscheidendes Kriterium, ebenso wenig wie die Listenpreise. Bei knapp über 80.000 Euro fängt der Spaß an, der S7 ist etwas günstiger, da er Feinheiten wie 19-Zoll-Räder, schlüsselloses Starten und elektrisch bewegte Heckklappe serienmäßig an Bord hat. Die Grenzen nach oben sind fließend, der gefahrene Audi S7 Sportback kostet 120.420 Euro, beim kaum weniger opulenten Mercedes CLS 500 4Matic wird es nicht günstiger sein. Bei Nennung dieses Preises verstummt der Besuch aus England vollends. Doch für das viele Geld gibt es ja nicht nur zwei hervorragende Premium-Coupés, sondern dazu ein Stück feinster deutscher Automobil-Lebensart.

Fazit

1. Audi S7 Sportback
444 Punkte

Mit dem besseren Raumangebot und den sportlicheren Fahreigenschaften gewinnt der S7 diesen Vergleich. Zudem ist er mit seiner großen Heckklappe und dem üppigen Ladeabteil sehr praktisch.

2. Mercedes CLS 500 4MATIC
438 Punkte

Das kommodere Fahrwerk und die diskreter zu Werke gehende Antriebseinheit sprechen für den CLS 500 4Matic. Platzangebot, Raumgefühl und Übersichtlichkeit könnten jedoch besser sein.

Technische Daten
Mercedes CLS 500 4MaticAudi S7 Sportback
Grundpreis84.490 €83.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4937 x 1881 x 1418 mm4981 x 1911 x 1398 mm
KofferraumvolumenVDA520 L535 bis 1390 L
Hubraum / Motor4663 cm³ / 8-Zylinder3993 cm³ / 8-Zylinder
Leistung300 kW / 408 PS (600 Nm)331 kW / 450 PS (550 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,8 s4,6 s
Verbrauch9,6 L/100 km9,3 L/100 km
Testverbrauch12,5 L/100 km12,6 L/100 km
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