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Mercedes E 63 AMG, C 63 AMG, CLS 63 AMG und SL 63 AMG

Der Krieg der 63 AMG-Sterne im Test

Mercedes E 63 AMG Foto: Hans-Dieter Seufert 31 Bilder

Ganz so dramatisch wie der Titel glauben macht, ist die Sache natürlich nicht: Krieg herrscht keiner zwischen den V8-Modellen von AMG, wohl aber eine gesunde Konkurrenz. Wie sich das jüngste Modell, der E 63 AMG, gegen die etablierten C 63, CLS 63 und SL 63 in Szene setzt, zeigt der Test.

01.01.1970 Anja Wassertheurer Powered by

Nein - zu beneiden sind die Entwickler in der Automobilbranche wahrlich nicht. Komfortabler, schneller, sicherer. Wer ein neues Auto an den Mann beziehungsweise die Frau bringen will, muss garantieren, dass der Newcomer besser ist. Besser als sein direkter Vorgänger, besser als andere, ähnlich positionierte Modelle der Marke und - wenn irgend möglich - auch besser als oder zumindest ähnlich gut wie die Konkurrenz.

Um dies zu gewährleisten braucht es Köpfchen, Sorgfalt und viel Liebe zum Detail. Denn die Welt kosten dürfen die der Besserung dienenden Maßnahmen selbstredend auch nicht. Die Schmerzunempfindlichkeit der Autokäufer in Bezug auf den Preis ist schließlich nicht grenzenlos. Insbesondere bei den die Marke tragenden Volumenmodellen wie beispielsweise der Mercedes E-Klasse und in Zeiten wie diesen, wo sich auch gute Autos längst nicht mehr von selbst verkaufen, dürfen der Entwicklungsabteilung keine Schnitzer unterlaufen. Sparen an der falschen Ecke oder die versuchte Neuauflage der Eier legenden Wollmilchsau haben sich schon oft gerächt. Zwar sollen moderne Autos irgendwie schon alles können, aber eben auch alles gut.

Die AMG-Modelle sind die Mercedes Flaggschiffe

Das gilt auch und gerade für die sportlichen Flaggschiffe einer Marke. Bei Mercedes sind dies seit gut 40 Jahren die Fahrzeuge mit den Lettern AMG im Namen. Seit der Abkehr vom 5,5-Liter-Kompressor-V8 tragen jene das Kürzel 63 am Heck. Jenes steht für Saugmotoren mit üppig viel Leistung aus 6.208, auf acht Zylinder verteilten Kubikzentimeter Hubraum und findet mit Ausnahme der kleineren Modelle (A, B, CLC, SLK und GLK) über alle Baureihen hinweg Verwendung. Aus sportlicher und sport auto-Sicht interessant sind dabei vor allem der CLS 63 AMG, der C 63 AMG, der SL 63 AMG und der E 63 AMG - die jüngste Speerspitze aus Affalterbach. Die Reihenfolge der Namensnennung ist dabei nicht etwa zufällig gewählt, sondern entspricht der zeitlichen Abfolge der Markteinführung, was eine durchaus erhebliche Rolle spielt. Doch dazu später.

Zu Beginn des direkten Vergleichs der Sternen-Krieger ist eine Abgrenzung gefragt. Da wäre zuerst einmal der CLS 63 AMG. Eine von Mercedes als viertüriges Coupé positionierte Limousine mit 514 PS, Hinterradantrieb, Siebengang-Automatik und stattlichen 1.958 Kilo Gewicht. Mit 4,91 Meter Länge, luxuriös-komfortabler Innenausstattung und dem eleganten Auftritt eher für die große Fahrt als für die Zeitenhatz auf kurvigen Landstraßen oder abgesperrtem Terrain gedacht und daher nur mäßig sportlich konfiguriert. Dies lässt sich an der im Rahmen des sport auto-Vergleichs mit dem BMW M5 (Ausgabe 11/2007) ermittelten Rundenzeit von 1.18,5 Minuten unschwer ablesen. Spürbares Einlenk-Untersteuern - so das Urteil des Kollegen - gepaart mit jederzeit möglichem Leistungsübersteuern kosteten den Hecktriebler auf dem Kleinen Kurs wertvolle Zeit.

Das Performance Studio bei AMG entwickelte spezielle Pakete für AMG-Modelle

Damals modifizierten die Affalterbacher Ingenieure die Serien-Fahrwerke nur moderat. Mit dem Debüt des auf denselben V8-Saugmotor zugreifenden, "nur" 457 PS starken, aber mit 1.761 Kilogramm auch deutlich leichteren C 63 AMG änderte sich dies. Bei AMG war inzwischen das Performance Studio aktiv, das nicht nur für die der Hardcore-Klientel gewidmeten Black Series-Modelle verantwortlich zeichnet, sondern auch spezielle Performance Packages für ausgewählte AMG-Modelle entwickelt. Ein solches machte den zu Beginn des Jahres (Ausgabe 2/2009) zum Supertest angetretenen C 63 schnell und - dank des aufpreispflichtigen Sportfahrwerks - ungebührlich hart. Auf öffentlichen Straßen war der konsequent der Fahrdynamik verschriebene Unterbau dazu angetan, die Insassen weich zu klopfen.

1.15,7 Minuten in Hockenheim und eine damit einhergehende ungewohnte Nähe zum direkten Konkurrenten BMW M3 lautet der Lohn des Komfort-Verzichts. Auf der welligen Berg-und-Talbahn der Nürburgring-Nordschleife bringt die Hardcore-Abstimmung keine Zeitvorteile, wie die Vergleichsfahrt mit einem ohne Sportfahrwerk bereitgestellten C-Klasse-Modell bewies. Mit dem deutlich komfortableren Serien-Setup brachte sie es auf dieselben Rundenzeiten.

Beim Mercedes SL 63 AMG wurden die Dämpferabstimmung und die Elastokinematik überarbeitet

Als Mercedes AMG sich im Jahr 2008 des just neu aufgelegten Kult-Roadsters SL annahm, ging man die für ein hohes Maß an Querdynamik so wichtigen Arbeiten am Fahrwerk noch gründlicher an. Erstmals wurde im Fall des SL 63 AMG nicht nur die Dämpferabstimmung des serienmäßigen ABC-Fahrwerks überarbeitet, sondern auch die gesamte Elastokinematik der Achsen modifiziert. Dies lässt den Zweisitzer im Verbund mit der gleichfalls AMG-spezifisch optimierten Parameter-Lenkung sehr viel agiler und leichtfüßiger agieren, als in Anbetracht des mit 1.986 Kilogramm doch recht stattlichen Fahrzeuggewichts zu vermuten gewesen wäre.

Auf dem Kleinen Kurs im Badischen hinterlässt der Hecktriebler mit dem gesunden Durst (19,8 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer) mit 1.15,0 Minuten eine neue Duftmarke. Dass diese Zeit am selben Tag bei warmen 21 Grad Luft- und 28 Grad Asphalttemperatur herausgefahren wurde wie die beeindruckenden 1.14,0 Minuten, die der brandneue E 63 AMG für sich verbuchen kann, verleiht ihr einen besonderen Stellenwert. Dabei greifen beide Autos auf die mit 525 PS stärkste Ausbaustufe des 6,3-Liter-Saugers zu. Der SL 63 muss mit jeder Pferdestärke 3,8, der rund 100 Kilo leichtere E 63 AMG 3,6 Kilogramm in Bewegung setzen.

Das AMG Ride Control Fahrwerk hat großen Verdienst an der schnellen Rundenzeit

Das allein erklärt den Vorsprung der Limousine vor dem Roadster freilich nicht. Vielmehr verfügt der in ein edles mattgraues Metallic-Kleid gehüllte Newcomer über den höchsten Modifikationsgrad aller AMG-Modelle. Das hinterlässt Spuren. Leichtfüßiger als mit dem in Affalterbach selbst entwickelten AMG Ride Control Fahrwerk mit elektronisch geregelter Dämpfung hat in Hockenheim noch kein Mercedes aufgespielt. Der mit einer neu konstruierten Vorderachse versehene Fünfsitzer lenkt ausgesprochen zackig ein, ist grundsätzlich in hohem Maße der Neutralität verpflichtet, kann auf Wunsch des Fahrers aber auch schon mal das kantig-klar gezeichnete Heck heraushängen - ganz nach Gusto. Dabei erfolgt der Übergang von der Haft- in die Gleitreibung nie ungebührlich schnell oder gar tückisch, sondern stets so sanft, dass Zeit zur Einleitung situationsgerechter Gegenmaßnahmen verbleibt.

Hier zeigen sowohl die unkonventionelle Kombination aus herkömmlicher Stahlfederung an der Vorder- und Luftfederung an der Hinterachse als auch die speziell für den starken E entwickelten Conti SportContact-Reifen der fünften Generation positive Wirkung. Im harmonischen Zusammenspiel beschert diese Combo der mit bis zu 630 Newtonmeter Drehmoment beaufschlagten hinteren Antriebsachse ein erstaunliches Maß an Traktion und Contenance.

Das ESP ist beim Mercedes SL und E 63 AMG komplett deaktivierbar

Dies und die zunehmende Eigenständigkeit und Sport-Orientierung der Affalterbacher Sportdependance machen etwaige Eigenmächtigkeiten der selbstredend auch hier an Bord befindlichen Sicherungssysteme entbehrlich. Anders als bei älteren AMG-Modellen mit 63er- Kennung ist das bei Rennstrecken-Jüngern als Spaßkiller verschriene ESP sowohl beim SL als auch beim E 63 AMG zur Gänze ausschaltbar. Auf der Bremse gibt sich die mit aufpreispflichtigen Keramik-Stoppern, deren genauer Preis bei Drucklegung noch nicht feststand, standfest und zuverlässig. Der Druckpunkt ist genau definiert, der Pedalweg bleibt ebenso konstant wie die Verzögerungswerte bei der Standardmessung: Die Beläge packten warm mit mittleren 10,5 m/s2 zu. Angesichts des ausgeprägten Temperaments des Newcomers ist das auch angeraten. Schließlich prescht die aller Sportlichkeit zum Trotz rundum für Langstrecken und Familien taugliche Limo binnen 4,5 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo.

Die 200-km/h- Hürde ist nach 14,6 Sekunden genommen. Damit spielt der E 63 AMG endgültig in einer Liga mit so ausgewiesenen Sportskameraden wie dem Porsche Panamera Turbo. Dass der Viersitzer mit dem rundlichen Heck der sehnigen Stufenheck-Limousine auch bei der Zeitenhatz auf dem Kleinen Kurs nicht nennenswert davonziehen kann, dürfte die verantwortlichen AMGler besonders freuen. Mit 1.13,7 Minuten ist der Vorsprung des Zwei- Tonnen-Sportlers auf den starken Mercedes hauchdünn. Näher lagen Stuttgart-Zuffenhausen und Affalterbach noch nie zusammen. Bleibt zu hoffen, dass nun auch die Konkurrenz aus Garching alles richtig macht. Von dort dräut in naher Zukunft nämlich der neue BMW M5. Na dann: Auf die Entwickler!

Technische Daten
Mercedes E 63 AMGMercedes C 63 AMGMercedes CLS 63 AMGMercedes SL 63 AMG
Grundpreis105.791 €69.972 €107.933 €149.881 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4887 x 1872 x 1440 mm4725 x 1795 x 1438 mm4915 x 1873 x 1389 mm4605 x 1816 x 1298 mm
KofferraumvolumenVDA540 L475 L495 L339 L
Hubraum / Motor6208 cm³ / 8-Zylinder6208 cm³ / 8-Zylinder6208 cm³ / 8-Zylinder6208 cm³ / 8-Zylinder
Leistung386 kW / 525 PS (630 Nm)336 kW / 457 PS (600 Nm)378 kW / 514 PS (630 Nm)386 kW / 525 PS (630 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h250 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s4,5 s4,5 s4,6 s
Verbrauch12,6 L/100 km13,4 L/100 km14,6 L/100 km14,1 L/100 km
Testverbrauch17,9 L/100 km17,8 L/100 km17,7 L/100 km19,8 L/100 km
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