Mercedes ML 320, Chevrolet Blazer, Ford Explorer, Mitsubishi Pajero 3500 V6 24V

Mit neuer Allradtechnik glaubt Mercedes, das Nonplusultra unter den Geländewagen geschaffen zu haben. Im Vergleich mit Chevrolet Blazer, Ford Explorer und Mitsubishi Pajero muss der ML 320 zeigen, ob er die Erwartungen von Hersteller und Kundschaft erfüllen kann.

Die Steigung steht vor den  vier Vergleichstestkandidaten  wie eine Wand. Endlos lang  scheint sie direkt in den blauen  Himmel zu führen – übersät mit  Geröllbrocken bis zur Größe eines  Fußballs. Zu Fuß schon wäre  das Erklimmen kein Vergnügen,  und daß ein Auto hier hinaufkrabbeln  kann, erscheint  wohl jedem unmöglich, der  nicht über reichlich Erfahrung  mit Offroadern verfügt.  Die technischen Möglichkeiten  müssen auf dem Offroad-  Areal des Chateau Lastours  in Südfrankreich voll ausgeschöpft  werden: Geländereduktion  also, beim Mitsubishi  Pajero, der als einziger über  manuell sperrbare Differentiale  im Verteilergetriebe und in der  Hinterachse verfügt, werden  auch diese per Knopfdruck aktiviert.  Mercedes, Ford und  Chevrolet schalten den Geländegang  mühelos elektrisch zu,  beim Pajero dient dazu ein weniger  bedienungsfreundlicher,  weil schwergängiger Zusatzschalthebel. 

 Der Mitsubishi, zumindest  von der technischen Theorie her  am besten gerüstet für solch  schweres Geläuf (siehe auch  Kasten auf Seite 50), geht den  Flintstone Highway als erster  an. Und siehe da: Er bewältigt  ihn mit einer verblüffenden  Mühelosigkeit. Da dreht kaum  einmal ein Rad durch, der kraftvolle  und kultivierte Sechszylindermotor  schiebt das weit  über zwei Tonnen schwere Gefährt  lässig bergan.  Ford und Chevrolet tun sich  etwas schwerer. Sie wühlen an  den schwierigsten Stellen heftig  im Geröll, weil ihnen der  starre Durchtrieb, den der Mitsubishi  an der Hinterachse bereitstellt,  fehlt. Eine automatisch  eingreifende Lamellensperre,  das zeigt sich deutlich,  erfüllt ihre Aufgabe befriedigend,  aber natürlich nicht mit  dem Wirkungsgrad eines voll  gesperrten Differentials.  Jetzt der Mercedes, dessen  ganz neues  Allrad-System  4 ETS der Stolz  seiner Entwickler  ist. Einen  wichtigen Vorzug  hat es auf  jeden Fall: Der  Fahrer muß sich keine Gedanken darüber machen,  in welcher Situation  Sperren geschaltet werden sollten  – das nimmt ihm die auf  ABS und ASR basierende Elektronik  ab. 

Allerdings sperrt sie nicht  im herkömmlichen Sinn, sondern  bremst nur jene Räder ab,  an denen Schlupf auftritt, worauf  die offenen Differentiale die  Antriebskraft an die Räder leiten,  die noch Grip vorfinden –  eine geniale Idee, so scheint es.  Wenn es aber wirklich hart  auf hart geht, tut sich die neue  Technik doch schwerer als konventionelle  Lösungen, die auf  der anderen Seite allerdings  mehr Gewicht und auch höhere  Kosten bedeuten. Der Mercedes  schafft die Steigung, aber er  tut dies in einer Art und Weise,  die den Fahrer um das Material  fürchten läßt.  Er braucht Schlupf, um den  Bremseneingriff einzuleiten. So  wirbelt er gewaltige Staubwolken  auf und läßt seine Reifen  verschleißfördernd über die  scharfkantigen Felsen scharren. Von außen sieht das aus, als sei  ein Off-road-Anfänger am Volant,  der noch nicht gelernt hat,  daß solche Passagen am besten  mit möglichst wenig Gas bewältigt  werden.  Einfach Gas geben, wenn  ein Rad die Haftung verliert,  das hört sich simpel an. Aber es  ist nur die halbe Wahrheit.  In Wirklichkeit ist der Mercedes,  genau wie seine Konkurrenten,  auf sehr exakte Dosierung  der Kraft angewiesen.  Denn wer das rechte Pedal mit  zuviel Nachdruck betätigt, provoziert  Schlupf auch an den Rädern,  die genügend Bodenkontakt  haben – und dann ist es nur  noch ein kleiner Schritt, bis  sich die M-Klasse so eingewühlt  hat, daß gar nichts  mehr geht.  

Kommentare
Bild vergrößern
Götz Leyrer

Autor:

Anzeige
Top Artikel
Peugeot 308 und VW Golf: Überzeugende Arbeit an der Basis?

Beim Test mit dem Peugeot 308 98 VTi und dem VW Golf 1.2 TSI wird unter anderem klar: ein Turbolader ist nicht immer Trumpf.

VW Golf 1.2 TSI Comfortline, Peugeot 308 98 VTi Access, Heck
Hyundai i30 und VW Golf im Test: Da-scheppert-nix auf der Überholspur?

Da-scheppert-nix gegen Da-schwächelt-nix: Der neue Hyundai i30 fordert den VW Golf zum Test-Duell um Punkte und Ruhm.

Hyundai i30 1.6 CRDi, VW Golf 1.6 TDI, Frontansicht
Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 13/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 13/2012
Sportauto
Aston Martin Vantage vs Virage: Vergleichstest deckt die Unterschiede auf

So ähnlich sich die beiden Aston Martin-Modelle sehen - charakterlich sind sie eigenständig: Edel-luxuriös oder raubeinig kernig.

Vergleichstest deckt die Unterschiede auf
Motor Klassik
4. Eifel Classic: Das Teilnehmerfeld der Eifel Classic 2012

In unserem Bilderkatalog zeigen wir Ihnen die Teilnehmer, die sich auf die Strecke der diesjährigen Eifel Classic machen.

Das Teilnehmerfeld der Eifel Classic 2012
4WheelFun
Mercedes ML 63 AMG 2012: Erste Testfahrt mit 557 PS

2,3 Tonnen SUV, die an der Ampel beinahe so explodieren wie ein Sportwagen aus Maranello. Der neue Muskel-ML ist da.

Erste Testfahrt mit 557 PS
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...