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Mercedes SL 500 im Test

Harmonie als Maß der Dinge

Der neue Mercedes SL 500 will beides sein: reinrassiger Sportwagen wie das Porsche 911 Cabrio, komfortbetont wie der Lexus SC 430. Gelingt dem SL die Verbindung von Sportlichkeit und Fahrkomfort?

04.01.2002 Götz Leyrer

Ein echter Sportwagen gegen einen gemütlichen Cruiser - und dazwischen der neue Stern von Daimler-Chrysler, der das beste beider Welten zu kombinieren versucht: Das Bild der höchst unterschiedlichen Charaktere gewinnt bei den Vergleichsfahrten an Schärfe.

So ist der 184.450 Mark teure SL 500 weit sportlicher geraten als seine Vorgänger, ohne die mercedes-traditionelle Komfort-Verpflichtung zu vernachlässigen. Das zeigt er speziell dann, wenn er mit forciertem Tempo auf buckligen Landstraßen unterwegs ist. Er reagiert leichtfüßig und mit hoher Präzision, was dem Fahrer ein wohliges Gefühl der Sicherheit vermittelt. Allein die stattlichen Abmessungen sowie die schlechte Übersichtlichkeit der ausladenden Karosserie trüben geringfügig den Eindruck des sportlichen Handlings. Das Beste daran: Das ABC-Fahrwerk (unterdrückt aktiv Karosseriebewegungen) absorbiert Unebenheiten der Fahrbahnoberfläche mit verblüffender Souveränität. Dabei bleibt der Kontakt zur Straße erhalten. Dass die Federung viel zu tun hat, wird durchaus spürbar. Aber unangenehme Vertikalstöße dringen nur selten bis zu den Insassen durch.

Der Porsche (168.740 Mark) dagegen zelebriert Sportlichkeit auf die klassische Art. Die Lenkung erfordert zwar mehr Kraft als die des Mercedes, sie wirkt aber noch direkter und setzt kleinste Bewegungen in spontane Richtungswechsel um. Dass sie auch Fahrbahnstöße bis ins Lenkrad überträgt, unterstreicht, dass Fahrkomfort bei Porsche keinen entscheidenden Stellenwert besitzt. Die straffe Federung erweckt beim Fahrer den Eindruck, direkt auf der Straße Platz genommen zu haben: Der Elfer ist eben eine reinrassige Fahrmaschine, deren Dynamik bis in den verlängerten Rücken zu spüren ist. Saftige Stöße auf schlechten Straßen und sogar auf der Autobahn gehören hier zum Unterhaltungsprogramm.

Das gilt auch für den Lexus (134.952 Mark), der auf diese Weise aber nicht konsequente Sportlichkeit, sondern schlicht eine ungenügende Abstimmung demonstriert. Handling ist seine Sache nicht. Gemessen am SL und erst recht am Porsche wirkt er behäbig. Wenn seine Konkurrenten noch wie auf Schienen um die Kurven laufen, zeigt er, dass er lieber auf schnurgeraden Autobahnen unterwegs sein möchte.

Dagegen gibt es vom Grundsatz her nichts einzuwenden. Aber wer sich den Komfort des gelassenen Reisens auf die Fahnen geschrieben hat, sollte auch eine entsprechend sanfte Federung bieten. Im Übrigen verschlechtern sich die Umgangsformen des Lexus weiter, ist erst einmal das Dach zurückgeklappt. Die Steifigkeit der Karosserie leidet dann erheblich. Geschlossen wirkt die Karosserie aber angemessen solide, wenngleich sie bei weitem nicht jene durch nichts zu erschütternde Festigkeit aufweist, die der Mercedes auch bei geöffnetem Dach zu bieten hat. Auch der Porsche weist eine hohe Steifigkeit auf, reicht an die Mercedes-Qualität aber nicht heran - beim Testwagen nervte zum Beispiel ein unfeines Klappergeräusch in der rechten Tür. Auch in puncto Sitze zeigt der Mercedes, wo es langgeht, und für die Dachkonstruktion gilt das sowieso. Das SL-Blechdach faltet sich mit einer eleganten Drehung der Heckscheibe so raffiniert zusammen, dass im Heck noch ein brauchbares Kofferraumvolumen übrig bleibt. Außerdem kann das Dachpaket per Knopfdruck angehoben werden, was das Beladen erheblich erleichtert. Das Blechdach des Lexus hingegen öffnet und schließt sich nicht nur erheblich langsamer, es beansprucht auch einen großen Teil des Kofferraums - der ist ein schmales, schlecht zugängliches Fach. Und während der Mercedes, als Coupé mit hohem Tempo unterwegs, keine störenden Windgeräusche hören lässt, pfeift es im Lexus kräftig. Das Stoffverdeck des Porsche öffnet am schnellsten und ist für ein Dach der konventionellen Bauweise angemessen ruhig. Aber zum insgesamt deutlich höheren Geräuschpegel im Carrera trägt es naturgemäß einen erheblichen Teil bei.

Den Rest besorgt der Sechszylinder-Boxer im Heck. Unter Volllast wird er laut, was den Reise-Komfort des Porsche ebenso beeinträchtigt wie der wenig stabile Geradeauslauf bei hohem Tempo. Mit seinen aggressiven Reaktionen aufs Gas und seinem hohen Drehvermögen darf der Porsche-Boxer als Inkarnation der rassigen Sportmaschine gelten. Und dazu will die Tiptronic nicht so recht passen: Weil der Porsche seine Leistung aus der Drehzahl holt, wird das Schaltgeschehen hektisch. Manuelles Wechseln der Gänge mit den Lenkradtasten macht die Sache bei schneller Fahrweise harmonischer, aber die Gangsprünge fallen zu groß aus. Immerhin: Auch mit der Tiptronic besitzt der Porsche ein Fahrleistungspotenzial, das die Konkurrenz alt aussehen lässt.

Da tut sich die Fünfgang-Automatik im SL 500 mit dem üppigen Drehmoment des Fünfliter-V8 von Mercedes naturgemäß leichter. Das Ergebnis ist entsprechend perfekt: weiches Schalten, schnelle Reaktionen. Der Achtzylinder läuft leise und kultiviert. Ein starker, aber eher unauffälliger Antrieb, dem nur ein beim Ausdrehen dezent fauchender Auspuffton eine zurückhaltend sportliche Note verleiht.

Ganz auf Komfort ausgerichtet dagegen ist die Antriebseinheit des Lexus. Das Automatikgetriebe wechselt die Gänge ähnlich geschmeidig wie das des Mercedes. Die Anpassung der Schaltcharakteristik an den Fahrstil erscheint so harmonisch, dass man die fehlende Tipp-Funktion zum manuellen Schalten nicht vermisst. Und die bestechend kultivierten Manieren des V8-Motors runden die Sache ab. Der Lexus-Motor läuft erheblich ruhiger als das Mercedes-Triebwerk.

Tatsächlich erreicht der Lexus fast exakt die gleichen Fahrleistungen wie der Mercedes. Da wären besser verzögernde und standfestere Bremsen angemessen. Aber nicht nur die Bremsen sorgen dafür, dass der Lexus keine Chancen gegen den neuen SL von Mercedes hat. In der Harmonie aller Eigenschaften bleibt er deutlich zurück.

Gerade die aber ist der Stoff, aus dem Vergleichstest-Gewinner gemacht werden. Und deshalb muss sich auch der Porsche mit Platz zwei begnügen.

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