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Mercedes Viano und VW Multivan

Großraum-Vans für Genießer im Test

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Von wegen Abspecken: Mit dem neuen V6-Diesel wird der Mercedes Viano CDI 3.0 zum Großraum-Van für Genießer. Aber auch der beliebte VW Multivan 2.5 TDI ist erste Sahne für Großfamilien, Weltenbummler und Freizeitaktivisten.

23.11.2006 Bernd Stegemann

Möbliertes Einzimmer-Appartement, sechs Quadratmeter, für 50 000 Euro zu verkaufen – da muss die Ausstattung schon edel, die Lage top und der Ausblick überwältigend sein. Ist er auch, wenn es sich wie hier nicht um eine Immobilie, sondern um eine mobile Zweitwohnung handelt, die man überall aufstellen kann, wo andere Ferien machen. Kein Wunder, dass nicht nur Großfamilien dafür gerne ihren Mittelklasse- Kombi hergeben und sich den Traum vom Raum mit einem Mercedes Viano oder VW Multivan erfüllen.

Denn wer es auch sonst im Leben lieber hell und großzügig mag, stößt irgendwann fast zwangsläufig auf diese Luxusbusse. Das fängt schon mit dem Einsteigen an. Bücken? Nicht nötig. Reinschlängeln? Schon gar nicht. Die Schiebetüren hinten sind riesig und fahren automatisch vor und zurück (beim Mercedes gegen Aufpreis). Und dann diese Sitze. Man thront hoch über dem Geschehen auf einer komfortablen Bank oder Einzelsesseln, die sich fast stufenlos verstellen und im VW sogar drehen lassen. Dazu gibt’s jede Menge Ablagen und Staufächer für den üblichen Krimskrams.

Die Möglichkeit, sich im Fond um den verstellbaren Tisch gruppieren zu können, finden Erwachsene wie Kinder gleichermaßen toll. Und während in herkömmlichen Minivans hinter der dritten Reihe kaum Platz fürs Gepäck ist, kann man hier noch vieles unterbringen, was sonst zu Hause bleiben müsste. Die stark abweichenden Werksangaben für das Volumen beruhen übrigens auf verschiedenen Messmethoden, nach den größten Quadermaßen liegen beide etwa gleichauf.

Allerdings scheint die Wandlung vom Transporter zum Pkw-ähnlichen Van beim VW besser gelungen, wie seine feineren Materialien, präziseren Passungen und aufwendigeren Details – etwa die Klimaregelung und Staufächer – zeigen. Dazu kommen im Viano stärkere Wind-, Knarz- und Poltergeräusche, die sich sowohl subjektiv als auch in den Messwerten niederschlagen. Und trotz serienmäßiger Luftpolster an der Hinterachse mit Niveauregulierung (Ambiente-Version) spricht seine Federung vor allem auf kurzen Bodenwellen weniger sensibel an als die des Multivan.

Als größter Vorzug des Viano erweist sich schnell jener Dreiliter-Diesel, der bereits in C-, E- und S-Klasse, in sämtlichen Offroadern der Marke sowie in diversen Modellen von Chrysler und Jeep gute Dienste leistet. Der kultivierte V6 bringt es hier auf 204 PS und 440 Nm Drehmoment, die angesichts der großen Stirnfläche und des zulässigen Gesamtgewichts von 2770 Kilogramm mehr Reserven versprechen als der Vierzylinder-CDI (150 PS). Noch beeindruckender als die kraftvolle, gleichmäßige Leistungsabgabe ist aber die Laufruhe des Common-Rail-Aggregats, das praktisch vibrationsfrei arbeitet.

Die serienmäßige Fünfgang-Automatik spielt dabei den idealen Partner, weil sie weich und unauffällig schaltet und das ohnehin geringe Turboloch des Motors elegant überspielt. Auch Bedienung und Übersetzung des Getriebes passen so gut, dass eigentlich nichts mehr für die anderen Triebwerke spricht. Die Vierzylinder-CDI ohne Ausgleichswellen sind einfach zu rau und zu laut, die V6-Benziner nicht so durchzugsstark und allzu durstig. Und weil der Vierventiler selten in hohe Drehzahlbereiche vorstoßen muss, schluckt er im direkten Vergleich auf 100 Kilometer 0,6 Liter weniger als der Multivan 2.5 TDI und unterbietet sogar seinen kleinen Bruder.

Die VW-Käufer sehen das offenbar ganz ähnlich, beide Ottomotoren kommen hier nicht einmal auf zwei Prozent Anteil. Fast zwei Drittel greifen hingegen zum stärksten TDI – mit Recht. Denn solange es keinen passenden Sechszylinder-Diesel gibt, bietet der Fünfzylinder den besten Kompromiss aus Sparsamkeit und Temperament.

Wenn erst einmal seine Anfahrschwäche überwunden ist, legt er sich munter ins Zeug, und selbst mit voller Besetzung geht ihm an Steigungen nicht die Puste aus. Gegen den Mercedes-V6 hat der TDI dennoch einen schweren Stand, schon weil seine Pumpe-Düse-Einspritzung mit höherem Druck und entsprechend geräuschvoll arbeitet.

Überdies muss der Motor nicht nur mit weniger Hubraum, Leistung und Drehmoment auskommen, sondern auch noch die größere Masse (leer 2440 statt 2186 Kilogramm) bewegen. Da bleibt es nicht aus, dass er stets knurriger klingt, angestrengter wirkt und mehr Treibstoff aus dem Tank zieht. Selbst die zusätzliche Fahrstufe der Sechsgang- Automatik bringt wenig Vorteile, denn schon beim leichtesten Lupfen des Gaspedals schaltet das Getriebe hoch, beim erneuten Beschleunigen dagegen oft gleich zwei Gänge zurück. Dass der Viano insgesamt der agilere Van ist, liegt jedoch auch an seinen Fahreigenschaften.

Enge Kehren durcheilt der Hecktriebler weitgehend neutral, er benötigt bei Ausweichmanövern kaum Korrekturen und wird vom ESP sicher auf Kurs gehalten. Dabei wankt er weniger als der Multivan und vermittelt das direktere, transparentere Fahrgefühl. Für maximal 2,8 Tonnen Gesamtgewicht ist sogar die Verzögerung noch angemessen: Mit voller Beladung kommt er selbst bei der zehnten Bremsung in Folge aus Tempo 100 nach 42 Metern zum Stillstand. Der schwerere VW braucht besonders auf Pisten mit unterschiedlichem Reibwert (µ-split) etwas mehr Auslauf und liegt dabei nicht ganz so ruhig.

Außerdem schiebt der Fronttriebler in Kurven kräftig über die Vorderräder und stampft mit dem kurvenäußeren Vorderrad. Immerhin mindert das optionale Sportfahrwerk des Testwagens (244 Euro) mit seiner strafferen Feder-Dämpfer-Abstimmung die sonst ausgeprägte Schräglage des Multivan, ohne nennenswert auf den Komfort durchzuschlagen.

Zwei feine Allrounder also, die man ganz nach Geschmack und Geldbeutel noch mit Zubehör veredeln und für sechs bis acht Personen konfigurieren kann. An Variabilität stehen sie jedenfalls keiner Immobilie nach, an Beweglichkeit sowieso nicht. Bleibt nur noch die Frage: Welchen nehmen? Klare Antwort: den komfortablen Multivan für die Freude am Reisen, den agilen Mercedes für die Freude am Fahren.

Fazit

1. Mercedes Viano CDI 3.0
462 Punkte

Der neue V6-Diesel gefällt mit Laufkultur, Temperament und günstigem Verbrauch. Auch Grundpreis, Fahreigenschaften und Bremsen sprechen für den Viano. Federung und Verarbeitung erfordern aber Nachsicht.

2. VW Multivan 2.5 TDI
458 Punkte

Im Vergleich ist der Fünfzylinder-TDI rauer, kraftloser und durstiger, die Bremsen sind schwächer und das Handling träger. Doch Qualität, Fahrkomfort und durchdachte Details des Multivan sind eine Klasse besser.

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Technische Daten
Mercedes Viano 3.0 CDI langVW Multivan 2.5 TDI
Grundpreis50.385 €54.526 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4993 x 1901 x 1875 mm4890 x 1904 x 1945 mm
KofferraumvolumenVDA730 bis 3310 L664 bis 4525 L
Hubraum / Motor2987 cm³ / 6-Zylinder2460 cm³ / 5-Zylinder
Leistung150 kW / 204 PS (440 Nm)128 kW / 174 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit198 km/h183 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,7 s12,3 s
Verbrauch9,1 L/100 km9,9 L/100 km
Testverbrauch11,1 L/100 km11,7 L/100 km
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