Mini Cooper S Coupé, VW Beetle Sport 27 Bilder Zoom

Mini Cooper S Coupé und VW Beetle Sport im Test: Wie sportlich sind die Retro-Modelle?

Neben Kulleraugen und Retro-Anspruch verbinden den VW Beetle Sport und das Mini Cooper S Coupé noch der ähnlich gelagerte Einstiegspreis, die mit 200 und 184 PS vergleichsweise ähnliche Leistungsklasse und das Antriebskonzept. Grund genug, den beiden knuffigen Fronttrieblern im Test näher auf den Zahn zu fühlen.

Der erste Schuss ging meilenweit am Ziel vorbei. Insbesondere Kenner und Fans des 65 Jahre lang in den verschiedensten Varianten laufenden und laufenden, über 21 Millionen Mal verkauften Ur-Käfers traf beim Erscheinen des VW New Beetle im Jahr 1998 schier der Schlag. Abgesehen davon, dass bei dem Newcomer technisch kein Stein mehr auf dem anderen geblieben war - der Motor war nun vorn statt hinten, ebenso die Antriebsachse - ging auch das Design nicht wirklich als gelungen durch.

So gesehen hat der Wolfsburger also eine weitere Gemeinsamkeit mit dem ihm an dieser Stelle zur Seite gestellten Deutsch-Briten: Auch das Mini Coupé mutete Vielen eingangs - nun, sagen wir mal - zumindest gewöhnungsbedürftig an. Verkehrtherum getragene Baseball-Caps sind eben nicht jedermanns Sache. Doch zurück zum VW Beetle: Auch dessen Van-artige Innenraum-Achitektur wurde viel und zumeist negativ besprochen.

Neuauflage des VW Beetle hat Kanten

So hatte man sich den Käfer-Nachfolger weder gewünscht noch vorgestellt. Erst mit dem Wegfall des Namenszusatzes „New“ und der Neuauflage im Jahr 2011 trat an der Beetlefront eine gewisse Ruhe ein. Dabei sind die Änderungen in der Formensprache gar nicht leicht zu benennen. Schließlich ist auch der aktuelle Beetle immer noch rund. Dennoch weist er beim näheren Hinsehen nun klar definierte Kanten aus. Das gibt Kontur. Die Frontscheibe ist näher an die Insassen herangerückt, das Van-artige Ambiente passé. Wer in den gut konturierten Sitzen des 200 PS starken VW Beetle Sport Platz nimmt, fühlt sich nunmehr ähnlich gut aufgehoben wie in einem VW Golf. Auf liebevolle Anleihen in der Vergangenheit muss dennoch nicht verzichtet werden.

VW Beetle Sport zeigt Spuren der Vergangenheit

Trotz des unten abgeflachten hoch modernen Lenkrads weckt der große Zentraltacho unter der gewölbten Kuppel durchaus Erinnerungen an die früheren LS-Modelle mit der ehedem „Elefantenfuß“ getauften Instrumenteneinheit. Dass das mit einem auf 200 PS kastrierten GTI-Modell an den Start gehende VW Beetle-Topmodell ausschließlich mit DSG zu haben ist, passt indes nicht wirklich ins Retro-Bild. Ein knackiges manuelles Schaltgetriebe hätte dem Sport-Beetle definitiv besser zu Gesicht gestanden. Und warum beim Dreispeichen-Multifunktionslenkrad zwangsläufig auf die im manuellen Modus des Doppelkupplungsgetriebes durchaus hilfreichen Schaltpaddel verzichtet werden muss, mögen auch die Götter wissen - oder vielleicht die VW-Entwickler.

Sinnvoll ist das jedenfalls nicht, weil in diesem Fall ohnehin der Schaltknauf zu bemühen ist. Hätte es dann nicht vielleicht wirklich ein herkömmliches Schaltgetriebe getan? Aber lassen wir das. DSG also und – in jedem Fall und nicht deaktivierbar – ESP. Anständigerweise ist aber auch kein Mock-up-Schalter mit der Bezeichnung ESP off an Bord. Es ist wie es ist. Und das soll ein Sportmodell sein? Der Typen-Bezeichnung des VW Beetle nach schon. Die Mundwinkel des schon von der überaus gemütlichen Auslegung des Automatikprogrammes (welches infolge der fehlenden Schaltwippen in der Stadt versuchsweise bemüht wurde) einigermaßen ernüchterten Piloten drohen spätestens jetzt endgültig abzurutschen. Tatsächlich ist die zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Interpretation des Sport-Begriffs seitens VW dann aber gar nicht so schlimm, wie es sich anhört.

Zwar hätte die Seitenneigung des mit üppigen Conti Sport-Contact 3-Pneus der Dimension 235/45 R18 rundum versehenen 1.417-Kilo-Eis gut und gerne ein wenig geringer und die Lenkung eine Spur direkter ausfallen können. Aber die Arbeitsweise des angenehm zurückhaltend agierenden elektronischen Fahrstabilitätsprogramms ist alles in allem über jeden Zweifel erhaben. Wer damit leben kann, dass er sich die Ehre der beim Test  des VW Beetle Sport in Hockenheim herausgefahrenen, durchaus flotten Rundenzeit nicht ganz allein verdient hat, wird mit den feinfühligen Regeleingriffen seitens des ESP durchaus leben können.

ESP ist immer aktiv an Bord

Grob geht in diesem Umfeld einzig das ABS, respektive der schon beim VW Golf GTI kritisierte Bremsassistent zu Werke. Letztgenannter erkennt bei jedem schnellen Verlassen des Gaspedals sofortigen und vergleichsweise rüden Handlungsbedarf. Das wäre gut und gerne auch weniger hackelig gegangen. Dafür überzeugt die mit 312 Millimeter großen innenbelüfteten Scheiben vorn versehene Bremsanlage des sportlichen norddeutschen Krabbeltiers bei der Standard-Bremsprüfung aber auch mit einem angenehm zupackenden Temperament.

Die im warmen Aggregatzustand ermittelten Verzögerungswerte von mittleren elf Meter pro Quadratsekunde können sich in dieser Preisklasse nämlich wahrlich sehen lassen. Kalt beißt die Bremse des Beetle mit verlässlichen 10,3 m/s². In dieser Disziplin hat der VW die rundliche Nase also erst einmal vor dem nicht minder kulleräugigen, wenngleich mit 3,73 zu 4,28 Meter Länge ungleich zierlicher geratenen Mini Coupé.

Mini Cooper S Coupé versprüht Lebensfreude

Das Mini Cooper S Coupé wiegt mit 1.230 Kilogramm deutlich leichter, bietet seinen Insassen mit gerade einmal 1,68 Meter Breite spürbar weniger Ellenbogenfreiheit und verwehrt – weil reiner Zweisitzer – etwaigem Nachwuchs die Mitfahrt. Grund genug für die Entwickler, es bei einem kleineren Bremsscheiben-Durchmesser bewenden zu lassen. In der Folge verzögert das zweisitzige Coupé zwar zuverlässig, aber mit 10,5 m/s² warm eben auch einen Tick weniger bissig als der VW Beetle Sport.

In der Slalomprüfung im Test sichert sich das diesmal mit zierlichen Goodyear Excellence-bereiften 16-Zoll-Rädern angetretene Mini Cooper S Coupé dann aber die Pole Position. Sein spontanes Einlenkverhalten, das leicht mitschwenkende, sich aber nie haltlos aufschaukelnde Heck und die insgesamt deutlich ausgeprägtere Agilität machen den Mini zum Herren der Pylonengasse. Der Kappenträger durcheilt den 180 Meter langen Parcours mit mittleren 67,2 km/h exakt 2,5 km/h schneller als der vom ESP spät aber verlässlich gezügelte VW.

Beim Sprint liegen die Retro-Sportler gleichauf

Bei der Beschleunigungsmessung im Test sind das 184 PS starke Mini Coupé und der mit 200 Pferdestärken antretende VW Beetle bis zum Erreichen der 100-km/h-Marke nahezu gleichauf. Bis 180 km/h zieht der Beetle leicht davon. Hier scheint sich der um 400 Kubikzentimeter größere Hubraum dann doch bemerkbar zu machen. Im Gegenzug zeigt das bewusste Downsizing des auf einen 1,6-Liter-Turbo-Motor vertrauenden Mini Cooper S beim Kraftstoffkonsum positive Wirkung. Während sich der Wolfsburger Viersitzer im Testmittel 13,8 Liter Super auf 100 Kilometer durch die Kehle rinnen ließ, begnügte sich der aus Oxford stammende Deutsch-Brite mit deutlich moderateren 10,2 Liter. Dies und der günstigere Einstiegspreis könnte all jene, die auf zusätzlichen Platz für Passagiere oder Gepäck verzichten können, also durchaus pro Mini stimmen.

Zumal die Wertigkeit der Materialien und die Verarbeitungsqualität auch hier vollauf in Ordnung geht. Einzig das immer noch etwas überzeichnete Innenraumdesign, die für Langbeiner etwas zu kurzen Oberschenkelauflagen der Sitze und das insgesamt beengtere Raumgefühl muss mögen, wer das Mini Cooper S Coupé vorzieht. Diesbezüglich ist der Beetle fraglos das deutlich erwachsenere Auto. Allerdings geht dieses Erwachsen-Sein wie eigentlich stets mit einem Verzicht auf jenen Funken ungezügelter Lebensfreude einher, der eben nur dem jungen oder jung gebliebenen Teil der Bevölkerung zu eigen ist. 

Gediegenheit gegen Temperament

Ohne die Käuferstatistiken beider Hersteller im Detail zu kennen, wäre somit grundsätzlich zu unterstellen, dass die Mini Coupé-Fahrer im Mittel ein gutes Stück jünger sind als jene des VW Beetle Sport. Wirklich hipp kommt der Volkswagen nämlich nicht herüber, eher schon pfiffig-gediegen. Was irgendwie ja auch Sinn macht. Schließlich sind all jene Kunden, die den Käfer noch aus eigenem Erleben oder zumindest als selbstverständlichen Bestandteil des Straßenbildes kennen, inzwischen locker der Generation 40 plus zuzurechnen.

Da mögen ein komplett deaktivierbares ESP und ein manuelles Sechsganggetriebe in der Tat weniger hoch im Kurs stehen als ein fein gemachtes Cockpit, für lange Strecken taugliche Sitze und ein gerüttelt Maß an Platz für Insassen und Gepäck. Insofern kommt der VW Beetle Sport vielleicht am ehesten dann ins Spiel, wenn die Güte und Solidität der Golf-Technik gewünscht ist, ohne dass der Golf gewollt ist. Differenzierung ja, aber bitte ohne Risiken und Nebenwirkungen.

Das Mini Cooper S Coupé ist dagegen eher ein Fall für die wirklich Jungen oder all jene, die der Fraktion „Young at Heart“ zuzurechnen sind. Der kleine Zweisitzer erfordert in Sachen Platz mehr Kompromisse, entschädigt jedoch mit seinem Temperament.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

9. April 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 04/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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