Mini Countryman und Range Rover Evoque im Test

Schick und teuer - SUV auf britisch

Mini Countryman, Range Rover Evoque

Mit den SUV Evoque und Countryman kommen sich die beiden Stil-Ikonen Mini und Range Rover ins Gehege - bisher hatten sie außer den Attributen schick, teuer und britisch wenig gemeinsam. Test.

Einen Mini für die Stadt, einen Range Rover für raumgreifende Eskapaden im Dienste von Familie, Firma oder Freizeit – so könnte die Idealbesetzung eines stilvollen Fuhrparks aussehen. Dumm nur, dass das Budget selten für den ungleichen Doppelpack reicht und jeder der beiden nun mal gewisse Handikaps aufweist, die nur im Golfclub einen Bonus bringen.

Warum also nicht die jeweiligen Vorzüge in ein einziges Modell packen und den Mini ein bisschen größer und geräumiger, den Range Rover etwas kleiner und wendiger machen, müssen ihre Hersteller fast gleichzeitig gedacht haben. Denn nur ein Jahr nach dem ersten Mini-Viertürer – noch dazu mit optionalem Allradantrieb – schickt Land Rover nun den bislang kürzesten und agilsten Rover, den Range Rover Evoque, ins kompakte SUV-Getümmel.

Range Rover Evoque 2.2 TD4 6.000 Euro teurer als Mini

Ganz nebenbei nähern sich mit Format und Technik auch die Kaufpreise der beiden Marken auf Sichtweite an. So kostet der 4,37 Meter lange Range Rover Evoque als Viertürer mit 2,2-Liter-Diesel und Allradantrieb exakt 6.000 Euro mehr als der 26 Zentimeter kürzere Mini Countryman in der derzeit teuersten Variante Cooper SD All4 (28.900 Euro) – und, ja, man sieht ihm den Mehrwert an. Während selbst der Maxi-Mini eher wie ein Riesen-Spielzeug wirkt, präsentiert sich der Range Rover Evoque schon von außen als junger und dynamischer, aber durchaus erwachsener Bruder seiner großen Geschwister.

Im Innenraum des Range Rover Evoque schaffen vor allem die üppigen, komfortablen Sessel sowie die feine Material- und Verarbeitungsqualität ein nobles Ambiente. Auch Raumgefühl und Platzangebot sind dank 15 Zentimeter mehr Innenbreite und dem luftigen Cockpit deutlich besser als beim Countryman. Nach Umklappen der Rücksitzlehne ergibt sich zudem ein glattflächiger, gut nutzbarer Stauraum mit 1.445 Liter Volumen, wobei das Gepäck jedoch über eine hohe Ladekante gehievt werden muss.

Beim schmaleren Mini Countryman passen einige Taschen weniger ins Heck als beim Range Rover Evoque, aber mehr noch schränkt die knappe Zuladung von 369 kg die Reise- und Transporttauglichkeit ein. Konsequenterweise gibt es im Fond serienmäßig nur zwei verschiebbare Einzelsitze (Dreierbank ohne Mehrpreis) – wie die vorderen mit dünner Polsterung und knapper Oberschenkelauflage. Die mäßige Detailqualität und das überstylte Cockpit samt gewöhnungsbedürftiger Bedienung muss man dagegen wohl als urbritischen Protest gegen den grassierenden Normierungs- und Perfektionstrend verstehen.

Mini Countryman ist deutlich agiler

Dabei beherrscht selbst der größte aller Minis manches fast perfekt – mit Lust einlenken etwa und jetzt sogar bei Nässe die Motorleistung verlustfrei auf die Straße bringen. Denn die Regelelektronik des Allradantriebs analysiert blitzschnell Reibwert und Kurvenradius und verteilt die Kraft bedarfsgerecht an beide Achsen – im Extremfall bis zu 100 Prozent nach hinten. Die bessere Traktion hilft bei der Fahrdynamik und im Winter, taugt aber schon wegen der geringen Bodenfreiheit nicht für Offroad-Eskapaden. Auch die exakte, direkte Lenkung macht nicht nur Freude, sondern agiert zappelig, lässt viele Antriebseinflüsse und Stöße durch. Ähnlich gefühlsecht verhält sich die Federung, die zwar ansatzweise ihrer Aufgabe nachkommt und mit Beladung etwas sanftmütiger wird, herbe Unebenheiten jedoch bockig überspringt.

Auf einen komfortablen, leisen Mini muss man also weiter warten – so wie auf einen wirklich leichtfüßigen, agilen Range Rover. Der Range Rover Evoque ist es jedenfalls nicht. Obwohl er mit 1.830 Kilo (leer) deutlich weniger wiegt als die großen Brüder, hat er rund 350 Kilo mehr auf seinem Stahlgerippe als der auch nicht gerade leichte Countryman. Zusammen mit dem hohen Schwerpunkt, der etwas gefühlsarmen Lenkung und dem trägeren Handling animiert er eher zum Cruisen als zum Carven.

Immerhin bietet das serienmäßige Terrain-Response-System der Allradversion neben speziellen Geländeprogrammen auch einen Dynamik-Modus, in dem der SUV Range Rover Evoque schneller und direkter auf Kurswechsel reagiert. Kaum mehr als eine nette Spielerei, denn viel besser versteht er sich auf geschmeidiges Federn und Abrollen. Selbst die stärkeren Hub- und Wankbewegungen sowie das frühe Untersteuern mit häufigen ESP-Eingriffen bei forcierter Kurvenfahrt gehen dabei nicht zu Lasten der Fahrsicherheit, eher schon das leichte Bremsfading und der lange Anhalteweg auf unterschiedlich griffigen Fahrbahnbelägen (µ-split).

Countryman sparsamer als Range Rover Evoque

Hier fordert das Übergewicht des Range Rover Evoque ebenso Tribut wie beim Verbrauch und Temperament. Denn obwohl sein kultivierter 2,2-Liter-Turbodiesel bei marginal höherer Leistung viel mehr Drehmoment entwickelt (400 statt 305 Newtonmeter), spurtet ihm der brummige Cooper SD leichtfüßig davon. Nur beim Durchzug im sechsten Gang profitiert der Range Rover Evoque von seinem größeren Hubraum und liegt trotz langer Übersetzung vorn. Zusammen mit der bei beiden serienmäßigen Start-Stopp-Funktion lässt er sich außerdem recht sparsam bewegen, unterbietet die 40 PS stärkere Variante im Testmittel um fast einen Liter pro 100 km (8,8 statt 9,6). Doch da der Mini Countryman nochmals 1,5 Liter weniger schluckt und bei den übrigen Kosten seinen Rückstand weiter verkleinert, zieht er am Ende nach Punkten fast mit dem Range Rover Evoque gleich.

Ansonsten sind die beiden so verschieden wie London und Liverpool – und eigentlich unvergleichlich. Denn auch der kleinste und agilste Range Rover Evoque ist ein großer, schwerer Brocken, während sich selbst der Maxi-Mini besonders auf Dynamik versteht. Eine Überraschung gibt es dann doch: In dieser Runde ist der Mini endlich mal der Günstigste.

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Bernd Stegemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 02 / 2012

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