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Vergleichstest: Mini Cooper S gegen Mini Cooper S Clubman

Der Clubman triumphiert über seinen leichteren Bruder

Foto: Gargolov 7 Bilder

Mit dem Lifestyle-Kombi Clubman geht nach Limousine und Cabriolet die dritte Karosserievariante des Mini an den Start. Hinterlassen acht Zentimeter mehr Radstand und 90 Kilo mehr Gewicht Spuren und wenn ja, welche? 

04.02.2008 Anja Wassertheurer Powered by

Wenn ein Hersteller eine am Markt bereits präsente und zudem überaus erfolgreiche Baureihe um einen Kombi erweitert, scheint der Grund klar zu sein: Hier geht‘s um Nutzwert. Beim deutsch-britischen Verkaufsschlager Mini, der für Mütter mit Kindern und reiselustige Lifestyler mit Platzbedarf wegen seines äußerst begrenzten Raumangebots bislang eher ein Tabuthema war, liegt diese Vermutung doppelt nahe. Eine zusätzliche halbe Tür à la Mazda RX-8, die den Zugang zum Fond erleichtert, mehr Platz auf den rückwärtigen Passagiersitzen und ein Gepäckabteil, das diesen Namen auf Grund seiner immerhin 260 Liter Volumen nun auch verdient – die Limousine fasst gerade einmal 160 Liter und gerät schon bei größeren Einkäufen an ihre Grenzen –, könnten dem Clubman in der Tat neue Kundenkreise erschließen. Unverhohlen geäußerte Beifallsbekundungen vorm Kindergartentor unterstreichen diese Annahme.

Clubman mit 68,0 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit

Der Blick ins Datenblatt nährt jedoch noch eine weitere Hoffnung: Vielleicht, so die vermessene Theorie, profitiert der mit dem 175 PS starken 1,6-Liter-Turbomotor top motorisierte Cooper S mit dem Kombiheck ja auch in anderer Beziehung von dem im Rahmen ausgiebigen Stretchings um acht Zentimeter länger gewordenen Radstand. Gibt doch der um 24 Zentimeter kürzer geratene Zweitürer nicht nur auf unguten Straßen gern den Zappelphilipp. Auch bei den in der auf 18 Meter Abstand gesteckten Slalomgasse erforderlichen abrupten Richtungswechseln legt die Limousine vergleichsweise wenig Contenance an den Tag. Der an der Vorderachse sehr agile Viersitzer schaukelt sich bei Lastwechseln spürbar auf. In der Folge ist die vom Cooper S realisierte Durchschnittsgeschwindigkeit mit 66,7 km/h zwar okay, nicht aber rekordverdächtig. Dem mit 1.295 Kilo Gesamtgewicht knapp zwei Zentner schwereren Clubman gebührt da schon mehr Beifall. Mit 68,0 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit hinterlässt er im 180-Meter-Slalom bereits von der Papierform her einen deutlich besseren Eindruck. Und auch subjektiv fühlt man sich im nicht minder agilen, auf Grund des längeren Radstandes aber deutlich stabileren Clubman besser aufgehoben. Der 3,96 Meter lange Kombi ist in weit höherem Maß der Neutralität verpflichtet als die 3,72-Meter-Limousine, die beständig unter Zug gehalten werden will.

Bei hohen Tempi auf der Autobahn stellt sich die Sache ähnlich dar. Zwar ist auch die Kombi-Version des derzeitigen Mini-Topmodells alles andere als eine Sänfte. Ein Kollege attestierte dem Clubman gar unbotmäßige Grobheiten beim Überfahren kurz aufeinander folgender Fahrbahnunebenheiten. Im direkten Vergleich gilt jedoch hier wie andernorts: Länge läuft. Obwohl der Standard-Cooper S zum Testzeitpunkt nur ohne sportliche Fahrwerksabstimmung (200 Euro Aufpreis) und Sperrdifferenzial (160 Euro Aufpreis) zu haben war, gab er sich bei Highspeed-Überflügen auf wenig planen Pisten beileibe nicht weichgespült. Auf den von Schlaglöchern und Asphaltansätzen übersäten Passagen zu abseits gelegenen Stuttgarter Stadtteilen wirkte er gar etwas hoppelig.

Kombi-Fahren mit Stil

Der Cooper S Clubman legt auf schlechtem Geläuf – passend zur größeren Leibesfülle – deutlich mehr Gelassenheit an den Tag. Dank des längeren Radstandes steckt er die Unbillen des westdeutschen Straßenbaus lässiger weg. Derbe Unebenheiten machen dem Kombi deutlich weniger Probleme als seinem diesbezüglich recht zart besaiteten kleinen Bruder. Auch nahe der mit 224 km/h angegebenen Vmax auf der Autobahn lässt er es vergleichsweise ruhig angehen. Dem Motto von Dschungelbuch-Bär Balu „versuch‘s mal mit Gemütlichkeit“ fühlt sich der Clubman zwar gleichfalls nur in Maßen verpflichtet – halbstark oder gar ungehobelt gebärdet sich der Kleinstkombi jedoch nicht. Der Geradeauslauf des mit 17-Zoll-Felgen bereiften Zweieinhalb- Türers ist tadellos, die Windgeräusche zwingen erst ab etwa 180 km/h zur lautstärkeren Unterhaltung.

Und wer Nachwuchs gleich welchen Alters mit sich führt, wird Reisen im Mini ohnehin erst seit Erscheinen des Clubman ernsthaft in Erwägung ziehen. Der Zugewinn an Beinfreiheit im Fond ist nämlich deutlich beeindruckender, als die eher läppisch anmutende Größenordnung von acht Zentimetern vermuten lässt. Während im Cooper S schon mehr schlecht als recht verstaute Kinderbeine einen unschönen Einfluss auf die zuvor lässig gewählte Sitzposition groß gewachsener Erziehungsberechtigter nehmen, gilt beim Clubman selbst bei Full House: leben und leben lassen. Er ist also familientauglich, der neue Mini-Spross. Das gilt auch in Bezug auf das um 100 Liter angewachsene Kofferraumvolumen. Größere Besorgungen sind nunmehr auch ohne Umlegen der rückwärtigen Sitzlehne zu bewältigen. Die Mitnahme von Kindern nebst sperrigerem Spielgerät wie Roller, Lauf- oder Fahrrad unterstützt allerdings auch der Clubman nicht. Da die Silhouette des Kombis ähnlich flach geraten ist wie die der Limousine, ist das Schluckvermögen des Deutsch-Briten nach wie vor begrenzt. Der Optik kommt dieser Umstand naturgemäß zugute. So schick wie beim Mini war Kombi-Fahren noch nie. Auch hier wird die Marke ihrem stylischen Anspruch gerecht. Das passt und war nicht anders zu erwarten. Ein weitaus größeres Überraschungsmoment stellt sich bei der Bewährungsprobe auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim ein. Als der Asphalt im Badischen in Angriff genommen wird, sind die Slalomtests in Malmsheim noch nicht absolviert, die fahrdynamischen Qualitäten des Cooper S Clubman noch nicht ausgelotet.
Entsprechend eindeutig scheint nach dem Besuch der Fahrzeug-Waage der Ausgang des Rundenzeiten-Duells Klein gegen Groß auszufallen: Klein und leicht geht – gleiche Leistung vorausgesetzt – vor groß und schwer. Das galt noch immer. Bis der Mini Cooper S Clubman die Bühne betrat. Er stellt das eherne Sportfahrergesetz auf den Kopf und übertrifft in sportlicher Hinsicht die an ihn gestellten Erwartungen. Mit einer Zeit von 1.20,7 Minuten nimmt er seinem kleineren Bruder zwar keine Welt, aber immerhin vier Zehntelsekunden ab. Ein Teil des Vorsprungs geht dabei sicher aufs Konto des aufpreispflichtigen und im Alltagsbetrieb kaum nachteilig in Erscheinung tretenden Sperrdifferenzials an der Vorderachse. Jenes verhindert beim Herausbeschleunigen aus engen Ecken das Durchdrehen des kurveninneren Antriebsrades, behebt also exakt jenen Mangel, der die ohne Sperre angetretene Limousine wiederholt vom angedachten Kurs abbrachte. Den Zweitürer zog es unter Last wegen der Schlupfverluste spürbar zum kurvenäußeren Streckenrand.

Das dicke Ende

Der sportlicher konfigurierte Kombi verbucht somit einen klaren Punktsieg in Sachen Traktion. Das insgesamt narrensicherere, aber kaum weniger agile Fahrverhalten ist hingegen primär dem Gesamtpaket zuzuschreiben. Acht Zentimeter mehr Radstand sorgen für Ruhe. Wo die Limousine zum fröhlichen Tanz um die Hochachse einlädt, zieht der Clubman vergleichsweise stoisch seiner Bahn. Seine bedingungslose Neutralität birgt ein hohes Maß an Sicherheit im Grenzbereich. Im Mini-Kombi dürfen sich auch ungeübte Fahrer bestens aufgehoben fühlen. Obwohl dies grundsätzlich auch für die Limousine gilt, legt der Zweitürer zuweilen schon mehr Eigensinn an den Tag. Lastwechsel quittiert der 1,2-Tonner gern einmal mit einem sich eindrehenden Heck. Könner werden diesen Charakterzug durchaus goutieren – erleichtert er doch das flott die Kurven Kratzen. Weniger Versierte könnten angesichts derartiger Spielereien jedoch leicht aus dem Konzept und in der Folge vielleicht in die Bredouille geraten.

Dass der Cooper S sich kurvenausgangs unter Last im Test wenig spurtreu gab, sei ihm an dieser Stelle explizit nicht angelastet. Schließlich ist die beim Clubman so segensreich agierende Vorderachssperre auch für den Zweitürer zu haben. In Anbetracht des dann deutlich größeren Sportsgeistes sind die dafür aufzubringenden 160 Euro allemal gut angelegt. Zumal sich das situationsgerecht in die Kraftverteilung zwischen den Vorderrädern einmischende Bauteil im täglichen Umgang kaum negativ auffällt. Nennenswerte Antriebseinflüsse in der Lenkung waren beim Clubman nicht zu verzeichnen. Auch die sportliche Fahrwerksabstimmung hinterließ beim Kombi einen guten Eindruck. Was aber ist die Quintessenz des Tests? Zuerst einmal der durchaus erstaunliche Umstand, dass in diesem speziellen Fall das längere und gewichtigere Auto auf der Rennstrecke das schnellere ist. In der Ruhe liegt die Kraft – auch in den engen Ecken des Kleinen Kurses in Hockenheim. Zum anderen kann der Mini-Kombi natürlich auch platzmäßig punkten. Unterm Strich spricht das dicke Ende also nicht etwa gegen, sondern für den Clubman.

Technische Daten
Mini Cooper S ClubmanMini Cooper S
Grundpreis24.900 €23.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3958 x 1683 x 1432 mm3714 x 1683 x 1407 mm
KofferraumvolumenVDA260 bis 930 L160 bis 680 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung128 kW / 175 PS (240 Nm)128 kW / 175 PS (240 Nm)
Höchstgeschwindigkeit224 km/h225 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,6 s7,1 s
Verbrauch6,3 L/100 km6,2 L/100 km
Testverbrauch9,7 L/100 km10,4 L/100 km
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