Mini One und One D im Vergleichstest

Mini unter 20.000 Euro - Diesel oder Benziner?

Mini One und One D

Wer einen Mini kauft, hat nicht in erster Linie Sparen im Sinn. Dabei finden sich am Anfang der Preisliste sogar Modelle für deutlich unter 20.000 Euro: die Ones. Ist der Einstiegs-Diesel oder -Benziner die bessere Wahl?

Es ist sicherlich eine nette Lüge, wenn die Tochter aus gutem Hause ihren neuen Mini preist, weil er so praktisch ist und soviel reinpasst. Mit ähnlicher Ehrlichkeit könnte sie auch eine Marc Jacobs-Handtasche mit den Worten bewerben: "War so günstig."

Einstieg in die Mini-Welt ab 15.200 Euro

Nein, Mini werden gekauft, weil sie hübsch und knuffig sind - meistens zumindest. Da weht schon durch die Kleinwagenklasse der Duft der großen Premiumwelt. Den Verdienstorden fürs Hoffähigmachen von Kleinwagen darf sich BMW also an den Propeller heften - in diesen klimabewegten Downsizing-Zeiten eine lobenswerte Tat. Dafür müssen aber auch ein paar Tausender mehr als bei anderen Kleinwagen aus dem Geldbeutel flattern. Immerhin ermöglicht es die One-Serie, deutlich unter 20.000 Euro einzusteigen: Der 75-PS-Benziner steht schon für 15.200 Euro im Schaufenster, den mit 90 PS kleinsten Diesel kann man für 18.100 Euro shoppen. Dafür gibt es auch schon einen vollwertigen VW Golf, sagen Sie? Stimmt, aber waren wir nicht bei knuffig? Bleibt die Frage: Welcher der Ones macht preisbewusste Mini-Käufer nun glücklicher?

Der Mini Diesel ist in diesem Vergleich der männlichere Part

Identisch karg ausgestattet, erzeugen bei beiden geforderte 960 Euro für ein geregeltes Innenklima erst mal keine Partylaune. Mit ein wenig Dekor, großen Felgen und Co., geht der Preis ab wie ein Engländer nach dem zweiten Pint Bier. Beim Diesel gibt es immerhin den Chromring um den Auspuff gratis dazu. Dabei ist er in diesem Vergleich der männlichere Part. Brummig nagelnd wacht er beim Kaltstart auf, hievt sich mit einer gewissen Schwerfälligkeit aus dem Drehzahlkeller unter 1.500 Touren, um dann umso kraftvoller Fahrt aufzunehmen. 215 Newtonmeter spielen auf Stadt- und Landstraßen überraschend locker mit dem 1,2-Tonner und spenden beruhigende Überholreserven. Sein vorlautes Gemüt legt der 1,6-Liter-Common-Rail-Diesel jedoch selbst bei Betriebstemperatur nicht vollends ab. Die trockenen Zahlen der Geräuschmesswerte vermögen den subjektiven Unterschied zwischen dem knurrigen Selbstzünder und dem feiner tönenden Benziner nur unzureichend auszudrücken.

Kräftemäßig steht der Mini Benziner auf verlorenem Posten

Es fehlt ihm im Vergleich nicht nur ein Glas voll Hubraum, er muss als Sauger auch gegen die Druckbeatmung des Turbodiesels ankämpfen. Zudem erreicht der Benziner trotz des naturbedingt höheren Drehvermögens nur 75 PS und damit 15 weniger als der Mini One D. Der Gasfuß tritt bei bescheidenen 120 Nm Drehmoment in die Laune eines englischen Fußballfans nach einem Elfmeterschießen. Beim Beschleunigen aus hohen Gängen wird der Mini One zum Zero: 9,3 Sekunden hechelt er Bruder D zwischen 80 und 120 km/h im fünften Gang hinterher.

Der Mini One D ist sparsamer unterwegs

Das schreit nach Drehzahlen, und die kontern mit höherem Verbrauch. Doch mit 7,4 zu 6,2 Liter pro 100 km beim D schlägt sich der 1,4-Liter-Benziner recht wacker. Rechnet man den um 13,5 Prozent höheren Brennwert von Diesel heraus, so stoßen beide in der Praxis ähnlich viel CO2 aus. Auf der sparsam gefahrenen Normrunde unterbietet der One ohne D seine ECE-Angabe sogar um 0,1 Liter, wogegen der One mit D (beide verfügen über ein Start-Stopp-System) einen halben Liter mehr als seine Vorgabe verbraucht. Was nichts daran ändert, dass hier ein braver Zwergpinscher gegen eine bellende Bulldogge rennt. Immerhin verheißen ab März 0,2 Liter mehr Hubraum dem Pinscher 20 Nm mehr Drehmoment bei laut Mini gleichbleibendem Verbrauch.

Beim Handling gibt es keine Unterschiede zwischen Mini One und One D

Doch zurück zu den Testwagen. Das Aussehen haben wir als Haupt-Kaufargument schon genannt. Es gibt aber noch ein zweites: das Handling. Selbst Fahrmuffel, die mit diesem Wort bisher nur die Einfachheit des Einparkvorgangs verbanden, lassen sich vom fröhlichen Kurvenwesen der beiden Oxforder Sprösslinge anstecken. Quirlig stieben sie einträchtig über Landstraßen, kleben wie Plumpudding auf der Straße und lassen sich auch bei dynamischsten Fahrmanövern keinen signifikanten Unterschied entlocken. Ringt die direkte Lenkung mit ihrer bisweilen nervösen Art so manchem französischen Kleinwagen-Ingenieur ein "dangereux" ab, juchzen passionierte Piloten. Für einen kurzen Moment weht in engen Passagen auf der Schwäbischen Alb ein Hauch von Col de Turini-Feeling durch die Ones - und man vergisst sogar die Leistungsdefizite des Benziners, das beim schnellen Schalten etwas sperrige Getriebe, die verspielten Instrumente, den knappen Fond und kleinen Kofferraum.

Der Mini Benziner ist 2.900 Euro günstiger

Auf welligen Passagen übertreibt es das Duo zwar bisweilen mit dem beschwingten Charakter, aber mit den 15-Zoll-Rädern bleibt der Komfort trotzdem im grünen Bereich. Fahrleistungen und feste Kosten gegeneinander aufgewogen, liefern sich die beiden Einstiegs-Mini ein Kühler-an-Kühler-Rennen. Immerhin ist der One ohne D 2.900 Euro günstiger und glänzt mit niedrigerer Versicherungseinstufung und Steuer. Doch gegen die geringeren Kraftstoffkosten des Mini Diesel-One hat er am Schluss keine Chance.

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Alexander Bloch

Autor:

auto motor und sport, Heft 04 / 2010

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