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Alfa Romeo 156 Sportwagon 2.4 JTD und Audi A4 Avant 1.9 TDI

Mode-Kombis und die Lust am Laster

Diesel und Kombi, das passt. Und wie es passt. Alfa Romeo 156 Sportwagon 2.4 JTD und Audi A4 Avant 1.9 TDI im Vergleich.

30.09.2002

Auch ohne die Demoskopen zu bemühen: Man darf davon ausgehen, dass das wichtigste Motiv für den Käufer eines Alfa Sportwagon dessen optischer Auftritt ist. Auch der A4 Avant zeigt, insgesamt gut zehn Zentimeter länger, zeitgemäßen Kombi-Chic. Aber sein optisch angedeuteter höherer Nutzwert gegenüber dem Alfa ist auch tatsächlich vorhanden.

So bietet der Audi den größeren Innenraum, wobei vor allem hinten ein viel besseres Raumgefühl entsteht. Der weit stärkere Dacheinzug beim Alfa hat seinen Preis, ebenso das Format des Kofferraums. Hier ist er eindeutig mehr Sport als Wagon, mit bescheidenen 360 Litern (umgeklappt: 1.180 Liter) gegenüber den 442 Litern (1.184 Liter) des Audi Avant, die für sich betrachtet ebenfalls kein Ruhmesblatt sind.

Erfreulich in beiden Fällen das Innen-Ambiente. Was das Auge erblickt, macht Laune. Mit dem Audi kommt man auf Anhieb noch besser zurecht, er hat auch die praktischeren Türgriffe, aber die schlechtere Basis-Ausstattung. Das kostet den A4 Avant zwar ein paar Punkte, aber er gewinnt das Karosserie-Kapitel trotzdem.

In Sachen Motordaten scheint zunächst alles für den Alfa zu sprechen: der größere Hubraum (2,4 statt 1,9 Liter), die größere Zylinderzahl (fünf statt vier), die höhere Leistung (150 statt 130 PS), das zeitgemäßere Einspritzsystem (Common Rail statt Pumpedüse). Doch beim Fahren zeigt sich, dass alle Theorie grau ist. Obwohl der langhubige Vierzylinder des A4 Avant mit seinen 130 PS nominal so unterlegen erscheint, ist er dicht am Alfa dran (Beschleunigung 0-100 km/h: Alfa Romeo 9,4 s, Audi A4 9,8 s).

Der geschmeidigere Motorlauf und das angenehmere Laufgeräusch gehen zu Gunsten des Alfa Sportwagon, doch zu einem wirklich klaren Plus reicht es auch in der Motorwertung nicht. Zu dicht ist der nur nominal so unterlegene Audi-Direkteinspritzer sowohl im Temperament als auch im Durchzugsvermögen am Alfa dran. Man bewegt diese Diesel souverän und speziell auf der Autobahn mit moderaten Geräuschen. Es ist da wie dort Diesel-Vergnügen, entspanntes Fahren mit moderaten Verbräuchen. Dass der betont ökonomische Langhuber von Audi den Alfa hier unterbieten würde, war zu erwarten, und tatsächlich fällt die Differenz groß aus. 7,3 Liter pro 100 km beträgt das Testmittel beim Audi, der Alfa verbraucht 8,5 Liter.

Zudem hat der Audi den weit besseren Federungskomfort, der ihn vor allem auf Beton-Autobahnen eindeutig von der Stößigkeit des Alfa distanziert. Da passt es gut ins Bild, dass der Audi die noch besseren Bremsen hat und in den Fahreigenschaften das noch ausgewogenere Auto ist. Zwar nehmen sich beide nichts in der Fahrdynamik, doch als sehr störend stellt sich die Stoßempfindlichkeit der Alfa-Lenkung bei betont schneller Fahrt auf welliger Bahn heraus. Auch die Bodenhaftung lässt zu wünschen übrig.

Audi also wieder einmal in Führung, nicht zuletzt dank des Motor-Phänomens TDI. Nicht einmal der Preis bremst den Audi ein. Mit 28.730 Euro ist er sogar einen Hauch billiger als der Alfa (28.800 Euro).

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