Vier gegen zwei. Das klingt unsportlich. Und doch passiert es beim Vergleich des Nissan 350 Z gegen den Alfa Brera 3.2 JTS gleich zwei Mal: Die italienische bella macchina hält nicht nur vier Sitze parat, sie verteilt ihre Leistung auch noch großzügig auf das komplette Rad-Quartett.
Mit derlei Generosität hält sich der stolze Zögling einer bis ins Jahr 1969 zurückreichenden japanischen Sportwagen- Familie nicht auf: Zwei müssen reichen. Bei den Sitzen wie bei den angetriebenen Rädern. Das darf man dem 350 Z nicht als Geiz auslegen. Es ist vielmehr der asketisch- traditionelle Weg des Sportwagenbaus, bei dem es eben nur einen stilechten Ort für die Kraftentfaltung gibt: an der Hinterachse. Von dieser Möglichkeit schwärmte der Alfa Brera nur im Studien-Stadium, als noch ein großes Maserati-V8-Herz unter seiner Motorhaube pochte. In der Serien-Realität teilt er sich mit seinem Bruder 159 bis zur A-Säule den Vorderbau mitsamt quer eingebautem Motor und Vorderrad-Antrieb als Basis.
So enden Auto-Träume, wenn Geld verdient werden muss. Doch Alfa Romeo hat seinem neuen Coupé nicht alle Traktionsillusionen genommen. Immerhin darf sich die 260 PS starke Topmotorisierung des Alfa Brera unter dem Kürzel Q4 mit Allradantrieb in den Asphalt krallen. Regennasse Fahrbahn? Fester Schneebelag? Den Alfa Brera lässt das cool wie koffeinfreier Eiskaffee. Wer den schmucken Italiener nicht provoziert, den belohnt er unter diesen Bedingungen mit Neutralität und Vorwärtsdrang. Störend bleibt da nur, dass er bei harten Bremsungen auf unterschiedlich griffigen Belägen nervös über die Straße tigert. Im Nissan spürt der Pilot dagegen von der ersten Beschleunigung an, was der flache Japaner von schlüpfrigen Straßen hält: wenig. Dann antwortet auch sein Hinterteil schlecht gelaunt.
Die Räder drehen beim Spurt ungehalten durch, und das Heck keilt unwirsch aus, bis es die elektronische Stabilitäts- Gouvernante wieder sicher einfängt. Im Winter sperrt man seinen 350er trotzdem lieber in die Garage. Der Zweisitzer mag es trocken und warm. Dann feuert er seine Insassen mit wohligem Druck um Kurven. Hohe Lenkpräzision paart sich mit dem straff-steifen Fahrwerk zu einem packend- zackigen Handlingerlebnis, dem der Brera nicht ganz folgen kann. In dieser Topform lässt es der bullige Japaner lässig raushängen, dass ein Großteil seiner Fahrwerksentwicklung auf der Nordschleife stattfand. Sicher, auch Alfas Jüngster ist bei trockener Straße handlich und agil zu bewegen, er leidet als Allradler nur etwas unter seinem Übergewicht. Über vier Zentner mehr als der 350 Z muss der 1733 Kilogramm schwere Brera mit sich herumschleppen. Reaktionen wirken träger: beim Nissan 350 Z sahnig, beim Alfa Brera eher wie Mascarpone.






