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Nissan Qashqai gegen VW Touran: Zwei Siebensitzer im Vergleich

Kompakte Siebensitzer sind zumeist Vans - zu denen hat Nissan nun mit dem Qashqai+2 eine Alternative. Was sie kann, klärt der Vergleich mit dem VW Touran.

Wie viele Fähigkeiten kann man von einem Auto erwarten? Und wie viele Konzepte lassen sich in einem Auto verwirklichen, ohne dass es schiefgeht? Das wahre Wesen des Nissan Qashqai+2 ist schwer zu ergründen: Er sieht aus wie ein SUV, was er nicht sein will, er verspricht mit sieben Sitzen dieselbe Variabilität wie ein Minivan, was er auch nicht sein will, und er soll Fahreigenschaften aufweisen wie ein normaler Kompaktwagen - was er erst recht nicht sein will.

Preisvorteil Nissan

Nissan nennt den Qashqai+2 "Familien-Crossover", was auch nicht mehr erklärt. Zumindest ist die Zielgruppe ausgemacht: Familien, die auf keinen Fall einen Minivan fahren wollen, sondern ein Auto, das nicht in allen Neubaugebieten unter jedem zweiten Carport steht - wie der VW Touran. Den gibt es zwar in einer rustikal getrimmten Cross-Version, nicht aber mit Allradantrieb wie den zum Test angetretenen Qashqai. Das 1.850 Euro billigere Modell mit reinem Frontantrieb stand nicht zur Verfügung. Dennoch errechnet sich ein Preisvorteil von 4.700 Euro für den Nissan, bei dem neben dem Allradantrieb selbst CD-Wechsler, Glasdach, Klimaautomatik, Lederausstattung und Xenonscheinwerfer serienmäßig an Bord sind. Für all das verlangt VW beim sparsam-trist möblierten Touran Trendline ebenso Zuschläge, wie für die dritte Sitzreihe (685 Euro). Auch die ist beim Nissan serienmäßig. Um Platz für die beiden Klappsitze zu schaffen, wurde die Länge um 21 und der Radstand um 13,5 Zentimeter gestreckt. In der Ausstattungsvariante Tekna kostet die Langversion 1.500 Euro extra, in den beiden einfacheren Ausstattungsvarianten sind es 2.100 und 2.000 Euro - ein angemessener Aufpreis für 0,4 Quadratmeter mehr Auto, die 140 Liter mehr Kofferraumvolumen und zwei Extrasitze beinhalten.

Bei der Innenraumvariabilität beherrscht der +2 die typischen Minivan-Tricks: Die bequeme mittlere Sitzreihe lässt sich asymmetrisch geteilt verschieben, die Lehnenteile legen sich im Verhältnis 40-20-40 auf die Bank und bilden mit der abgetauchten dritten Reihe eine ebene Ladefläche. Auch beim Touran faltet sich die letzte Reihe flach in den Boden, aber nicht ganz so problemlos, weil zuerst die Kopfstützen der Klappsitze herausgezupft werden müssen.

Praktisch sind dagegen die drei einzeln klapp- und verschiebbaren Sitze in Reihe zwei, wobei man außen sehr dicht an den Türen hockt. Nach dem Ausbau entsteht zwar eine tiefe Stufe im Ladeboden - aber auch ein 393 Liter voluminöserer Maximalladeraum, der durch den größeren Heckklappenausschnitt und die niedrigere Außenkante außerdem leichter zu beladen ist als der im Nissan.

Dritte Reihe eingeschränkt nutzbar

Bei aufgestellter dritter Sitzreihe schrumpft das Volumen auf 121 respektive 130 Liter beim Qashqai. Doch nicht nur deswegen taugen beide nicht als dauerhafte Siebensitzer. Schon der Beiname +2 besagt beim Nissan, dass er keinesfalls mehr bietet als zwei zusätzliche Notsitze. Die Not muss allerdings schon sehr groß sein, damit sich Passagiere durch die enge Lücke zwängen, die Türausschnitt und die mittlere Sitzbank für den Weg nach ganz hinten freimachen. Die Klappsitze sind aus gutem Grund nur für Personen bis 1,60 Meter Größe zugelassen, denn selbst Kinder - die sich ja oft sehr für den Aufenthalt ganz hinten begeistern können - möchte man auf den kleinen Sitzen nicht lange reisen lassen.

Obwohl die Bank so tief eingebaut ist, dass die Passagiere ihre Beine stark anwinkeln müssen, genügt die Kopffreiheit kaum. Und nur wenn die Mitfahrer in Reihe zwei mit ihrer Bank so weit nach vorn rutschen, bis sie selbst wiederum mit den Knien an die Vordersitzlehnen stoßen, bleibt ganz hinten genügend Beinfreiheit. Die stark ansteigende Fensterlinie mindert das ohnehin drückende Raumgefühl in der letzten Reihe noch weiter.

An der zusammengeklappten zweiten Reihe vorbei gelangt man etwas leichter auf die Schwiegermüttersitze des Touran. Auch dort lassen sich problemlos Klaustrophobien entwickeln, es dauert aber länger. Wenn es gar nicht anders geht, kann die dritte Sitzreihe auf kurzen Strecken sogar Erwachsenen zugemutet werden.

Der Touran verbraucht einen Liter weniger

Bei Autos, mit denen sich der Nachwuchs der ganzen Nachbarschaft in den Kindergarten transportieren lässt, wird keiner eine besondere Fahrdynamik-Begabung erwarten. Vor allem der Qashqai könnte sie auch nicht erfüllen. Wesentlicher Vorteil seines Konzepts ist der Allradantrieb, der selbst bei Nässe für mühelose Traktion sorgt. Auf der kurvigen Landstraße dagegen spürt man den hohen Schwerpunkt, da wogt der Qashqai mit starken Karosseriebewegungen dahin.

Auf der Autobahn muss sein Geradeauslauf häufig korrigiert werden, wobei einen die gefühllose und indirekte Lenkung nicht bedingungslos unterstützt. Im direkten Vergleich lenkt der Touran präziser, untersteuert später, nimmt Lastwechsel mit größerer Ruhe hin, lässt sich von Seitenwind weniger irritieren und liegt straffer auf der Straße, ohne deswegen besonders sportliche Ambitionen zu entwickeln. Ganz so gute Kaltbremswerte wie der Qashqai schafft der Touran nicht. Auch beim Fahrkomfort überzeugt der VW mehr, seine Federung steckt Stöße souveräner weg, seine Vordersitze sind passgenauer ausgeformt.

Nur der herbe Lauf des Pumpe-Düse-Diesels stört. Der Zweiliter-Common-Rail-Diesel im Qashqai weiß sich kultivierter zu benehmen. Er verteilt seine Kraft homogener über den gesamten Drehzahlbereich, während der VW-TDI bei niedrigen Touren bissig zupackt und dann schnell nachlässt. Trotz weniger Leistung schafft er ähnliche Beschleunigungswerte, setzt sich in der Elastizität vom Nissan ab und verbraucht auf 100 Kilometer gut einen Liter weniger.

So sammelt der Touran weiter Punkte. Und weil er sich auf eine Sache konzentriert - ein guter Minivan zu sein -, fällt sein Sieg schließlich so deutlich aus. Der Qashqai will zu viel auf einmal sein, er verzettelt sich in seinen unterschiedlichen Konzepten. Er kann zwar einiges mehr als der Touran - begabter im Gelände herumkraxeln und spürbar leiser nageln -, doch die entscheidenden Dinge erledigt er weniger überzeugend. Aber vielen Käufern wird egal sein, was der Qashqai nicht kann. Sie werden wichtiger finden, was er nicht ist: ein Minivan nämlich.

Sebastian Renz

Foto

Achim Hartmann

Datum

2. Februar 2009
Dieser Artikel stammt aus Heft auto motor und sport 03/2009.
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