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Astra OPC, Mégane R.S., Focus ST, Golf GTI

Vier Kompaktsportler rocken am Ring

Opel Astra OPC, Renault Mégane R.S., Ford Focus ST, VW Golf GTI Performance Foto: Rossen Gargolov 38 Bilder

Während die Mehrheit den Sommer am Strand oder im Freibad genießt, rocken wir die Nordschleife: Opel Astra OPC, Renault Mégane R.S., Ford Focus ST und VW Golf GTI Performance treten zum Kampf um die Ring-Krone an.

14.10.2013 Christian Gebhardt Powered by

Eigentlich sollte man sich bei einer Lufttemperatur von 30 Grad Celsius besser mit Liegestuhl samt Caipirinha ins Brünnchen setzen und den anderen Ring-Besuchern beim Fahren zusehen. Da dann auf den folgenden acht Seiten maximal der zunehmende Heiterkeitsgrad des Testredakteurs dokumentiert werden könnte, haben wir uns doch für den Vergleichstest zwischen Ford Focus ST, Opel Astra OPC, VW Golf GTI und Renault Mégane R.S. auf der Nordschleife entschieden.

Ring-Kampf bei 30 Grad im Schatten

Speziell Turbomotoren müssen bei Sommertemperaturen zwischen zehn und 15 Prozent Leistungseinbußen hinnehmen. Daher brauchen Foren-Junkies nicht nach absoluten Rekord-Zeiten Ausschau zu halten. Außerdem herrschte während den beim sport auto-Perfektionstrainings gezeiteten Nordschleifen-Runden bei allen Teilnehmern des Vergleichstest immer mal wieder Verkehr.

Auf geht’s - Startschuss für den Ringkampf unter den Heißspornen der Kompaktwagen-Klasse. Das Quartett stürzt sich in den ersten Nordschleifen-Gradmesser für eine sportliche Fahrwerksabstimmung, den Hatzenbachbogen.

Opel Astra OPC sprintet durch die Kurven

Gleich zu Beginn der Nordschleife setzt der 280 PS starke Opel Astra OPC ein Ausrufezeichen. Mit 148 km/h gelingt ihm hier, dank der straffesten Fahrwerksabstimmung aller vier Probanden, die höchste Kurvengeschwindigkeit. Er durcheilt den Hatzenbachbogen mit neutralem Fahrverhalten. Im Vergleich zum Astra GTC 1.6 Turbo verfügt die OPC-Variante über eine 30 Prozent straffere Federkennlinie, einen zehn Millimeter tieferen Fahrzeugschwerpunkt und dickere Stabis. Im OPC-Modus agiert das Fahrwerk mit adaptiven Sachs-Dämpfern nochmals straffer als in der Standard-Einstellung.

VW Golf GTI mit Performance-Paket

Dicht im Windschatten folgt dem Opel Astra OPC der aktuelle Golf GTI in der 230 PS starken Performance-Variante. Im Vergleich zum Supertest-GTI in der letzten Ausgabe tritt er nun als Zweitürer statt mit vier Türen an. Interessanter für Sportfans: Der Kult-Golf verfügt dank Performance-Paket (Aufpreis 1.125 Euro) nicht nur über zehn PS mehr, sondern auch über eine Vorderachs-Differenzialsperre sowie eine rundum innenbelüftete Bremsanlage mit größeren Bremsscheiben. Ebenfalls mit an Bord ist das Adaptivfahrwerk namens DCC (Aufpreis: 1.000 Euro).

Im Hatzenbachbogen überrascht der Neuling aus Wolfsburg im Fahrwerksmodus "Sport" mit sportlich-strafferer Dämpfung als sein Vorgänger. Ganz so kompromisslos kernig wie im Opel Astra OPC geht es jedoch hier nicht zu. Neutral und mit präzisem Einlenkverhalten stürmt der GTI mit beachtlichen 146 km/h durch den schnellen Rechtsbogen.

Ford Focus ST zu weich abgestimmt

Bassig turboraunend will der 250 PS starke Ford Focus am Führungsduo dranbleiben, doch schon auf den ersten Nordschleifenmetern zeigt sich, wie schwer das wird. Das Setup des Sportfahrwerks mit speziell abgestimmten Stoßdämpfern ist tendenziell zu weich. Den nach außen hängenden Hatzenbachbogen durchläuft der ST trotz Seitenneigung immerhin noch mit 142 km/h.

Auf den zahlreichen Nordschleifen-Bodenwellen verfällt der Focus teilweise in torkelnd-pumpende Karosseriebewegungen, die anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sind - trotzdem hämmert er ambitioniert über den Ring.

Renault Mégane R.S. leider ohne Cup-Paket

Beim vierten Ring-Racer ging schon vor dem Start etwas schief. Anscheinend hat man bei Renault das Wort Nordschleife mit der Kö verwechselt. Nur so ist es zu erklären, warum der Renault Mégane RS trotz Hinweis auf einen Nordschleifen-Vergleichstest mit Komfort-Paket (890 Euro) zum Test erscheint.

Das optionale Cup-Paket mit härteren Federn und Dämpfern, mechanischer Differenzialsperre mit 35-prozentiger Sperrwirkung sowie 235er- statt 225er-Bereifung trägt der 265 PS starke RS heute damit leider nicht. Schon im Hatzenbachbogen wird mit dem weichen Basis-Setup klar: Ein Triumphzug von Renault ist so vermutlich ausgeschlossen.

Quiddelbacher Höhe, Flugplatz, Schwedenkreuz - über den ersten Highspeed-Streckenabschnitt nähern sich die Teilnehmer des Mehrkampfes auf der nächsten Nordschleifenprüfung. Die bergab anzubremsende Aremberg-Kurve wird zum Gradmesser für das Anbremsverhalten.

Opel Astra OPC und VW Golf GTI Performance bremsen am besten

Schon fliegt das Spitzenduo heran. Der Opel Astra OPC bremst in Führung liegend als Erster an. Mit den breitesten Reifen und der mit den größten Scheiben ausgestatteten Bremsanlage bremst der Astra OPC vor der Aremberg-Kurve mit den höchsten Verzögerungswerten aller Testkandidaten. Die Regelfrequenz des ABS zeigt dabei eine gelungene Abstimmung. Außerdem bleibt das OPC-Modell beim Anbremsen sehr spurstabil. Ein ähnliches Bremsverhalten zeigt der Golf GTI, jedoch müssen hier Abstriche in puncto ABS-Regelung gemacht werden, die etwas unharmonischer als im Opel verläuft.

Spät auf der Bremse? Während im Opel Astra OPC und VW Golf GTI unproblematisch spät die Kurve angebremst werden kann, wird das Fokusheck bei solchen Manövern sehr leicht - die Hinterachse beginnt hin- und her zu tänzeln wie Mike Tyson zu seinen besten Zeiten. Gefühlvolle Ausgleichsbewegungen am Lenkrad sind gefragt. Focus-Touristenfahrer sollten sich also zweimal überlegen, ob sie hier auf letzter Rille den Anker werfen und einen Gegner überholen.

Mégane R.S.-Piloten haben es da auch ohne Cup-Paket (also auch ohne geschlitzte Bremsscheiben) einfacher. Ohne die straffere Fahrwerksabstimmung des Cup-Pakets nickt der französische Kompaktsportler zwar spürbar mit dem Vorderbau ein, bleibt dabei aber auf der Hinterachse beim Anbremsen stabil.

Mit Karacho in die Fuchsröhre

Einlenken Aremberg, dann runter in die Fuchsröhre stürzen: Auch hier kristallisiert sich wieder eine Zweiklassengesellschaft heraus. Während Opel Astra OPC (220 km/h) und VW Golf GTI (216 km/h) problemlos unter Volllast durch die Kompression bis vor die Bergauf-Links prügeln, sorgen die Karosseriebewegungen von Ford Focus ST (208 km/h) und Renault Mégane R.S. (206 km/h) dafür, dass die Mutbereitschaft etwas sinkt.

Adenauer Forst, Metzgesfeld, Wehrseifen - weiter geht es zur nächsten Nordschleifen-Reifeprüfung. Nach der Brücke in Breidscheid zählt in der Bergauf-Rechts (Ex-Mühle) das Traktionsniveau unter Last. Präzise Einlenken und sofort unvermittelt wieder aufs Gas gehen? Mit dem Opel Astra OPC ist dieser Streckenabschnitt dank mechanischem Lamellen-Sperrdifferenzial und grandioser Traktion eine leichte Fingerübung.

Der GTI zieht sich unter Last nicht ganz so stark wie der Opel Astra OPC in die Bergaufkurve rein. Für das Traktionsniveau unter Last müssen wir der neuen, elektronisch geregelten GTI-Sperre anerkennend Pluspunkte geben - eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Vergangenheit.

Ford Focus ST und Renault Mégane R.S. fallen ab

Der Focus ST kann im Streckenabschnitt Ex-Mühle mit einem Lastwechsel aus der vorherigen Linkskurve zum agilen Umsetzen in Richtung Bergaufrechts bewegt werden. Anschließend wimmern die Vorderreifen unter Last bei der erfolglosen Suche nach Traktion. Warum bloß haben hier die ST-Entwicklungsingenieure keine mechanische Sperre vorgesehen?

Im Renault Mégane R.S. stellt sich die Frage anders: Wie könnte man bloß darauf kommen, den Kompaktsportler ohne Cup-Paket, also ohne mechanische Sperre zu bestellen? Ohne Vorderachssperre fahndet der R.S. ähnlich erfolglos wie der Focus nach Grip beim Herausbeschleunigen und verliert viel von seiner Querdynamik-Faszination.

Bergwerk, Kesselchen, Mutkurve, Karussell? Radio sport auto hat erst wieder Empfang ab Hohe Acht. Rein in die kurvigen Abschnitte, in denen es beim 24-Stunden-Rennen im Cockpit bei guter Belüftung nach Bratwurst und Grillkohle riecht - Hohe Acht, Wippermann, Eschbach und Brünnchen warten. Hier werden Handlingsqualitäten besonders gefordert.

Opel Astra OPC und VW Golf GTI Performance auf Ideallinie

Als ob die Opel-Fans auch heute vor Freude ihre Fahnen entlang der Strecke schwenken, verfolgt der Opel Astra OPC hier die Ideallinie neutral, präzise und sauschnell. Dabei punktet er auch bei Lastwechseln mit hoher Fahrstabilität und mit Sicherheit im Grenzbereich, ohne Langeweile aufkommen zu lassen.

Eine ähnliche Fahrweise wie der Opel Astra OPC zeigt in den kurvigeren Nordschleifenpassagen erneut der GTI, wobei er von der Grundabstimmung hier einen Hauch agiler als der Opel wirkt. Wer jedoch zu aggressiv ans Werk geht, beispielsweise zu zackig einlenkt, den will der GTI mit frischen Heckschwenks beglücken. Diese sind durch das nicht vollständig abzuschaltende ESC nur bedingt möglich. Wer mit sauberem Fahrstil durch den Grenzbereich tanzt, wird auf der Nordschleife nur selten die „gelbe Lampe“ blinken sehen. Im Vergleich zum Vorgänger-GTI setzten die Entwickler im ESC-Sport-Modus die Eingriffsschwelle deutlich höher.

Focus ST bräuchte mechanische Sperre

Regeleingriffe? Im Focus ST ein Fremdwort - ESP aus, heißt hier wie bei Astra und Mégane auch wirklich „off“. Im Focus wechselt das Fahrverhalten ständig zwischen Untersteuern (unter Last) und engagiert mitlenkendem Heck (bei Lastwechseln). Hätten wir einen Wunsch frei, würden wir uns für die nächste Nordschleifen-Runde sofort eine mechanische Sperre wünschen. Dann hätte der Focus ST sicherlich das Zeug, die Fahrspaßwertung der Fronttriebler für sich zu entscheiden.

Im Mégane R.S. ohne Cup-Paket freuen wir uns langsam, trotz leicht mitlenkendem Heck, dass sich die Cup-Paket-freie Runde dem Ende nähert. Über die Traktion unter Last hatten wir ja bereits geklagt. Zweiter nicht so erfreulicher Punkt ist das mäßige Gripniveau der Bereifung mit Dunlop SP Sport Maxx TT.

VW Golf GTI Performance zieht auf Döttinger Höhe ab

Wie sieht’s mit dem Durchzug aus? Gegen Ende der eiligen Nordschleifen-Runde gibt’s dann doch nochmal eine Überraschung. Der von allen Vergleichstestkandidaten am schwächsten motorisierte GTI rennt mit der besten Höchstgeschwindigkeit (227 km/h) über die Döttinger Höhe. Auch wenn der GTI dank seiner guten Aerodynamik (cW-wert: 0,32) dem OPC (cW-Wert: 0,35) auf diesem Streckenabschnitt davonfährt, ändert dies nichts mehr am Gesamtergebnis, das sich sukzessive über die ganze Runde abgezeichnet hat: Der Opel Astra OPC gewinnt vor Golf GTI, Focus ST und Mégane.

Und jetzt? Könnt ihr euch sicherlich denken: Ab ins Brünnchen und bei 30 Grad das Ringtreiben in der Sonne gemütlich von außen beobachten. Nur den eingangs erwähnten Caipirinha gab‘s beim Retterath an der Tankstelle auf der Bundesstraße vor der Döttinger Höhe nicht.

Technische Daten
Ford Focus STOpel Astra GTC OPCRenault Mégane R.S.VW Golf GTI Performance
Grundpreis28.250 €35.440 €27.950 €30.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4358 x 1823 x 1484 mm4466 x 1840 x 1489 mm4299 x 1848 x 1435 mm4268 x 1790 x 1442 mm
KofferraumvolumenVDA363 bis 1148 L380 bis 1165 L377 bis 1024 L380 bis 1270 L
Hubraum / Motor1999 cm³ / 4-Zylinder1998 cm³ / 4-Zylinder1998 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung184 kW / 250 PS (360 Nm)206 kW / 280 PS (400 Nm)195 kW / 265 PS (360 Nm)169 kW / 230 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit248 km/h250 km/h254 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,5 s6,0 s6,0 s6,4 s
Verbrauch7,2 L/100 km8,1 L/100 km7,5 L/100 km6,0 L/100 km
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