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Fiat Bravo 1.9 Multijet 16V, Opel Astra 1.9 CDTI, Seat León 2.0 TDI

Kompakt-Rasse

Foto: Hans-Dieter Seufert

Ob der neue Fiat Bravo das Zeug zum Überflieger hat, soll ein erster Vergleich mit dem soeben aufgefrischten Opel Astra und dem Seat León zeigen. Zum Test traten die Turbo-Diesel-Versionen mit 140 bis 150 PS an.


23.04.2007 Hermann-Josef Stappen

Ritmo, Tipo, Bravo/Brava, Stilo und nun wieder Bravo – schon die häufig wechselnden Typenbezeichnungen der Fiat-Kompaktmodelle verraten die Nervosität, mit welcher der italienische Hersteller in diesem volumenträchtigen Segment agiert.
Aber gerade an Volumen fehlte es dem Vorgänger Stilo zuletzt, der 2006 mit nur 3596 verkauften Einheiten in Deutschland so weit von einem Platz in den Top 50 entfernt war wie Michael Schumacher von einer Rückkehr ins Ferrari -Formel 1-Cockpit. Deshalb hat Fiat den Nachfolger in nur 18 Monaten entwickelt und um ein halbes Jahr vorgezogen. 14 000 Bravo sollen in diesem Jahr hierzulande noch verkauft werden. Helfen soll dabei ein neues, attraktives Design, das mit Anklängen an den erfolgreichen Grande Punto sowie Stilelementen von Maserati und Alfa Romeo im Gegensatz zum sachlichen Stilo wieder typisch italienische Züge trägt.

Die zum Heck stark ansteigende Fensterund die früh abfallende Dachlinie vermitteln zwar schon im Stand einen gehörigen Schuss Dynamik, schränken aber Platzangebot und Raumgefühl vor allem im Fond spürbar ein.
Selbst der ähnlich emotional auftretende Seat León bietet in puncto Innenraum- Ökonomie spürbar mehr. Überraschenderweise genauso viel wie der eher konservativ gebaute, jüngst modellgepflegte Opel Astra , der das Vergleichs-Trio komplettiert. Mit 25 885 Euro inklusive IDS-plus- Fahrwerk (635 Euro) ist der Astra zwar der Teuerste im Bunde und bietet die magerste Serienausstattung – zum Beispiel nur eine manuelle Klimaanlage statt einer Zwei-Zonen-Automatik wie im Fiat und Seat –, über deutlich niedrigere Unterhaltskosten gleicht er das auf Dauer jedoch wieder aus.

Während der León bei Preis und Ausstattung vorne liegt, hat er beim Laderaum das Nachsehen.

Der Fiat bietet mit 400 Litern das größte Minimal-, der Astra mit 1300 Litern das größte Maximalvolumen. Allerdings muss bei Bravo und León das Gepäck über eine sehr hohe Ladekante gewuchtet werden. Auch beim Sitzkomfort verwöhnt der Fiat seine Insassen nicht gerade. Denn die im Testwagen montierten, aufpreispflichtigen Ledersitze sind hart gepolstert und wenig körpergerecht konturiert.

Sie bieten zudem kaum Seitenhalt und wie die Rückbank keine ausreichende Oberschenkelauflage. Deutlich entspannter ist man auf den besser geformten Sitzen im Astra und León untergebracht. Die Qualitätsanmutung der Kunststoffe im Innenraum des Fiat erreicht außerdem nicht ganz das Niveau von Opel und Seat . Hinzu kommt, dass die Rückenlehne des Beifahrersitzes klappert, wenn dieser unbesetzt ist, und die Heckklappen-Zuziehgriffe sehr scharfkantig sind.

Je nach Lichteinfall spiegelt die Kunststoffscheibe stark, hinter der beim Bravo vier Rundinstrumente und ein Multifunktions- Display sitzen. Das erschwert die Ablesbarkeit, während die dicken Lenkstock- Hebel mit ihren vielen Funktionen unhandlich zu bedienen sind. Im Gegen- zug muss sich der Astra Kritik für die gewöhnungsbedürftigen Tipp-Blinker und die tief angeordnete Klimaanlagen-Betätigung gefallen lassen.
Beim León ist diese zwar vorbildlich hoch platziert, aber die Wunschtemperatur muss mit Tasten statt mit Drehreglern eingestellt werden. Was bieten die drei Kandidaten in Sachen Technik? In der getesteten Diesel- Version hat der Bravo mit dem Astra das 150 PS starke 1,9-Liter-Triebwerk gemeinsam. Zehn PS weniger leistet der Zweiliter- TDI im Seat León.
In Sachen Laufkultur legt das Pumpe-Düse-Aggregat keine guten Manieren an den Tag. Zudem dröhnt der Vierzylinder je nach Lastzustand vernehmlich. Wesentlich kultivierter läuft der Common-Rail-Motor, wobei er im Bravo noch eine Spur besser gedämpft wirkt als im Astra.

In beiden Modellen spricht das Triebwerk sauber an, ist durchzugsstark und für einen Diesel drehfreudig.

Dass der Astra bei Verbrauch, Fahrleistungen und vor allem bei der Elastizität objektiv trotzdem die Nase vorn hat, dürfte an dem um knapp 100 Kilogramm höheren Gewicht des Bravo und an dessen längerer Getriebeübersetzung liegen. Der Seat mit seinem insgesamt kurz übersetzten Getriebe fährt im Zwischenspurt im fünften und sechsten Gang sogar noch dem Astra davon.
Allerdings spricht sein Turbomotor beim Anfahren und nach dem Hochschalten nur mit deutlicher Verzögerung an. Zudem ist seine Drehfreude weniger ausgeprägt. In der Fahrdynamik-Messung fährt der León jedoch einen knappen Vorsprung zum Astra und einen deutlichen zum Bravo heraus. Auch beim Handling profitiert der agile Seat von seiner präzisen, mit sehr guter Rückmeldung agierenden Lenkung.

Beim Opel dämpft die bei Kurvenfahrt zu leichtgängige Lenkung den Fahrspaß. Dadurch lenkt der Astra zwar sehr zackig ein, aber wegen fehlender Rückmeldung auch immer zu weit, so dass der Lenkeinschlag ständig korrigiert werden muss. Wie schon im Stilo vermittelt die Fiat-Lenkung auch im Bravo nur wenig Gefühl für die Straße. Vor allem um die Mittellage fühlt sie sich synthetisch an und trägt damit besonders bei Geradeausfahrt zum kippeligen Fahrverhalten bei.
Darüber hinaus lässt sie Fahrbahnstöße nahezu ungefiltert durch.

Das gilt auch für die Federung sowohl auf kurzen wie auf langen Bodenwellen.

Steigendes Tempo oder hohe Zuladung verbessern das wenig geschmeidige Ansprechen des Fahrwerks beim Bravo nicht. Wohl aber beim León, der lediglich ohne Beladung und bei langsamer Fahrt sportliche Härte demonstriert.
Am sensibelsten spricht in diesem Trio noch das optionale IDS-plus- Fahrwerk des Astra mit verstellbaren Dämpfern an. Speziell auf langen Wellen und mit erhöhter Zuladung könnten die Dämpfer jedoch etwas straffer eingestellt werden, um das unangenehme Schaukeln der Karosserie zu minimieren. Auf trockener Straße verzögern alle drei auf einem ordentlichen Niveau und zeigen kein Fading.

Deutliche Unterschiede gibt es aber beim Bremsen auf rechts und links unterschiedlich griffiger, nasser Fahrbahn (μ-Split). Den kürzesten Bremsweg erzielt hier der Fiat, der allerdings beim Anbremsen mitunter sehr heftig reagiert und im Verlauf der Bremsung mit ständigen Korrekturen auf Kurs gehalten werden muss.
Völlig unproblematisch reagieren Astra und León, die auf μ-Split jedoch deutlich später zum Stillstand kommen. Zehn Meter länger ist der Bremsweg des Opel aus 100 km/h, der des Seat sogar 20 Meter.

Der Sieg geht an den ausgewogenen Opel Astra.

Zweiter wird der sportliche Seat León. Dem neuen Fiat Bravo bleibt beim ersten Kräftemessen nur der dritte Platz. Obwohl der Rückstand des Bravo in den einzelnen Kapiteln nicht sehr groß ist, darf man von einem neuen Modell, das Fiat wieder zu nennenswerten Stückzahlen in der Kompaktklasse verhelfen soll, wohl mehr erwarten als nur eine adrette Karosserie.

Fazit

1. Opel Astra 1.9 CDTi
484 Punkte

Der Astra ist ein Allrounder, dem entspanntes Reisen ebenso liegt wie forcierte Gangart. Großen Anteil daran hat der von Fiat stammende, kräftige und sparsame Diesel.

2. Seat León 2.0 TDI
472 Punkte

Bis auf den unkultivierten, lauten Motor leistet sich der sportlich-agile León kaum Schwächen. Selbst in puncto Platzangebot kann er überzeugen.

3. Fiat Bravo 1.9 M-Jet 16V
449 Punkte

Wichtige Punkte verschenkt der neue Bravo vor allem mit seinem knappen Platzangebot, dem dürftigen Fahrkomfort und der schwammigen Lenkung.

Umfrage
Bravo - Fiats neuer Hoffnungsträger in der Kompaktklasse?
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Technische Daten
Seat Leon 2.0 TDIOpel Astra 1.9 CDTIFiat Bravo 1.9 Multijet 16V
Grundpreis23.149 €25.810 €24.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4315 x 1768 x 1458 mm4249 x 1753 x 1460 mm4336 x 1792 x 1498 mm
KofferraumvolumenVDA341 bis 1166 L380 bis 1300 L400 bis 1175 L
Hubraum / Motor1968 cm³ / 4-Zylinder1910 cm³ / 4-Zylinder1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung103 kW / 140 PS (320 Nm)110 kW / 150 PS (320 Nm)110 kW / 150 PS (320 Nm)
Höchstgeschwindigkeit205 km/h208 km/h209 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 s8,9 s9,0 s
Verbrauch5,6 L/100 km5,8 L/100 km5,6 L/100 km
Testverbrauch8,4 L/100 km8,2 L/100 km8,5 L/100 km
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