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Opel Astra, VW Golf und Peugeot 308

Trio Grande

Foto: Hans-Dieter Seufert 63 Bilder

Kann Peugeot mit dem neuen 308 den Bestsellern in der Kompaktklasse ernsthaft Paroli bieten? Die stärkste Diesel-Version HDI 135 trifft auf Opel Astra 1.9 CDTi und VW Golf 2.0 TDI.

16.10.2007 Werner Schruf

Ein großes Rad möchte Peugeot mit dem 308 drehen. Schließlich soll die neue Limousine mit dem rundlichen Schrägheck und dem weit aufgerissenen Kühler- Maul jene Marktanteile zurückgewinnen, die der Vorgänger 307 in den letzten Jahren seiner Karriere eingebüßt hat. Mehr noch: Man will den Klassenbesten ans Leder – also dem VW Golf das Leben schwer machen und auch der Nummer zwei, dem Opel Astra , Käufer wegschnappen.
Nach gut dreieinhalb Jahren Produktionszeit sind die beiden Leitwölfe ja auch nicht mehr taufrisch, was die Chancen für eine erfolgreiche Attacke erhöht. Zumal der 308 etwas größer ist als sein Vorgänger und den Golf in der Länge um sieben Zentimeter übertrifft.
Sein Radstand aber blieb unverändert, und auch die Fahrwerkstechnik wurde weitgehend vom 307 übernommen. Gründlicher überarbeitet zeigt sich der Innenraum: Er wirkt moderner und frischer, bei der Sport Plus-Version wird er sogar serienmäßig durch ein riesiges, feststehendes Glasdach von oben erleuchtet.

Das Kräftemessen findet in der Zweiliter-Dieselklasse statt, in der die Franzosen wegen ihrer Vorreiterrolle in Sachen Partikelfilter mit einem Imagevorteil starten. Leistungsmäßig trägt der Peugeot allerdings die rote Laterne, denn sein Motor begnügt sich mit 136 PS. Nur vier PS stärker geht der Golf ins Rennen, unter dessen Haube der ältere Zweiventiler mit Partikelfilter steckt. Nominell hat der 1,9-Liter im Astra mit 150 PS die Nase vorn.
Seine Favoritenrolle unterstreicht der Opel bei den Fahrleistungs- Messungen mit Spitzenwerten in den Disziplinen Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit. Richtig Kapital vermag er daraus aber nicht zu schlagen, zu dicht sind ihm die Konkurrenten auf den Fersen.
Geht es um zeitgemäßes, schaltfaules Fahren in den oberen Gängen, ergibt sich ein klassisches Patt – denn auch hier fährt keiner dem anderen in der Praxis davon. Ohnehin legt das Punkteergebnis im Antriebskapitel die Vermutung nahe, dass sich die drei Triebwerke ziemlich ähnlich seien. Weit gefehlt, denn im Charakter ergeben sich deutliche Unterschiede.
Zwar sind die Motoren von Opel und VW mit ihrem kräftigen Antritt und der spontanen Leistungsentfaltung Brüder im Geiste, mit gepflegten Manieren darf man aber selbst beim Opel-Vierventiler mit Common- Rail-Technik nicht rechnen: Ähnlich wie beim Pumpedüse- Motor von VW weisen der raue Lauf und die laute Akustik unmissverständlich auf die Art des Verbrennungsverfahrens hin.

Bei höheren Touren nehmen Vibrationen und Geräuschpegel geradezu aufdringliche Ausmaße an. Wie es besser geht, zeigt der mit Vierventiltechnik, Ausgleichswellen und Common-Rail-Einspritzung arbeitende Vierzylinder von Peugeot .

Er lässt die 308-Insassen in weiten Bereichen im Unklaren über sein Arbeitsprinzip, so leise und laufruhig agiert er. Erst über 4000 Touren klingt der Vierzylinder kernig, aber bis dahin hat man ja meist schon den nächsten Gang eingelegt. Diese angenehme Kultiviertheit macht kleinere Antriebs-Defizite wie etwa das leicht verzögerte Ansprechen auf Gas oder die nicht ganz so präzise Führung des Schalthebels locker wett.

Und wie sieht es mit dem Verbrauch aus?

Alles im grünen Bereich, da nehmen sich die drei fast aufs Kilogramm gleich schweren Konkurrenten (Leergewicht 1381 bis 1386 kg) keine Butter vom Brot. Angemessene 7,4 Liter Dieselkraftstoff pro 100 Kilometer verbrannte der Golf im Testbetrieb, einen respektive drei Zehntelliter weniger als 308 und Astra.
Wie nahe gute Kompaktlimousinen in der Summe ihrer Eigenschaften beieinander liegen, das zeigen auch die Fahrwerksqualitäten. Der VW Golf, gegen die üppig bereiften Konkurrenten mit den optionalen Pneus des Formats 205/55 R 16 angetreten (die 435 Euro Aufgeld sind dem Grundpreis zugeschlagen), legt mit mustergültigen Fahreigenschaften, nahezu neutralem Kurvenverhalten, hoher Stabilität in Wechselkurven, guter Traktion und tadellosem Geradeauslauf die Messlatte sehr hoch. Das ist bekannt, ebenso wie seine ausgezeichnete Handlichkeit, die er zu einem großen Teil seiner zielgenauen, guten Fahrbahnkontakt vermittelnden Lenkung verdankt. Auch den ausgewogenen Federungskomfort vermögen weder die straffe Abstimmung noch die breiteren Reifen nennenswert zu beeinträchtigen.

Als Schwachpunkte erweisen sich indes die etwas langen Anhaltewege und das weiche Pedalgefühl beim Bremsen, die den Fahrspaß trüben. Dass aber jetzt schon bei kräftigem Verzögern – die Rede ist nicht von einer Vollbremsung – die Warnblinkanlage ganz aufgeregt in Aktion tritt und andere Verkehrsteilnehmer erschreckt, ist nur peinlich.
Bei ähnlichen Manövern erregt der Astra durch hochfrequentes Flackern des Bremslichtes Aufmerksamkeit, was dem Piloten zum Glück verborgen bleibt. Ganz im Gegensatz zum harten Fahrwerk, das nicht allein durch Stößigkeit auf kleinen Unebenheiten und gelegentliches Stuckern bei hohem Autobahntempo seine ruppige Art zeigt, sondern auch durch hoppelnde Räder und Poltern auf schlechten Straßen. Darunter leiden Handling und Fahrfreude.

Auch der leise abrollende 308 ist erstaunlich straff abgestimmt, woraus eine stößige Unruhe auf kleinen Unebenheiten resultiert. Auf langen Wellen überrascht er häufiger mit scheinbar unmotivierten Vertikalbewegungen.

Im Übrigen beanstanden seine Fahrer die synthetisch wirkende Lenkung, die wenig Rückmeldung bietet, häufigere Korrekturen bei forscher Gangart erfordert und gelegentlich Antriebseinflüsse spüren lässt. Dass der 308 kräftiger untersteuert und nicht superagil wirkt, schmälert weder seine aktive Sicherheit noch sein fahrdynamisches Potenzial, das ihm Bestzeiten im Slalom- und Wedelparcours ermöglicht.

Sattsam bekannt und in zahlreichen Vergleichen bereits herausgearbeitet sind die Karosseriequalitäten von Golf und Astra. Während der Golf unverändert mit hoher Verarbei- tungsgüte, bequemen Sitzen und guter Bedien-Funktionalität punktet, gefällt der Astra mit etwas größerem Standard- Kofferraum und vor allem mit der umfangreicheren Serienausstattung, zu der sogar ein Navigationsgerät mit kleinem Bildschirm gehört. Der 308 braucht sich da nicht zu verstecken, bietet er doch eine gute Serien- und die beste Sicherheitsausstattung dieses Trios.

Aber der Peugeot wartet auch mit einigen Eigenarten auf, die teilweise aus der vanartigen Bauweise resultieren. Dazu gehören die schlechte Übersicht nach vorne sowie der für langgewachsene Personen unbequeme Einstieg auf die Vordersitze, ein Nachteil der extrem flachen Frontscheibe.

Das Umklappen der Rücksitze gestaltet sich kompliziert: Nur wenn die Kopfstützen entfernt wurden, lassen sich die Vordersitze wieder weit genug zurückfahren. Mängel offenbart das aufpreispflichtige Infotainment-System wegen schlecht strukturierter Menüführung sowie die archaische Entriegelung des Tankdeckels mit Hilfe des Zündschlüssels.
Für ein völlig neues Auto leistet sich der 308 einige erstaunliche Schwächen, die auch auf einen zu spitzen Rotstift schließen und ihn knapp den zweiten Platz verfehlen lassen. Keine neue Hackordnung also in der Kompaktklasse – noch hat der Golf nach Punkten alle im Griff.

Fazit

1. VW Golf 2.0 TDI Comfortline
488 Punkte

Der sehr fahrsichere und komfortable Golf überzeugt mit hoher Ausgewogenheit. Nur die Unkultiviertheit seines Dieselmotors stört.

2. Opel Astra 1.9 CDTi Cosmo
478 Punkte

Mit guter Ausstattung und gutmütigen Fahreigenschaften glänzt der Astra. Federungskomfort und die Laufruhe des Diesels lassen zu wünschen übrig.

3. Peugeot 308 HDi FAP 135 Sport Plus
476 Punkte

Dem 308 gelingt der große Coup nicht, er leistet sich zu viele Schwächen. Seine Fahreigenschaften und der kultivierte Dieselmotor wecken Begeisterung.

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Kann der 308 den Golf knacken?
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Technische Daten
Opel Astra 1.9 CDTIVW Golf 2.0 TDIPeugeot 308 HDi FAP 135
Grundpreis25.810 €24.825 €24.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4249 x 1753 x 1460 mm4204 x 1759 x 1485 mm4276 x 1815 x 1498 mm
KofferraumvolumenVDA380 bis 1300 L350 bis 1305 L348 bis 1201 L
Hubraum / Motor1910 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (320 Nm)103 kW / 140 PS (320 Nm)100 kW / 136 PS (320 Nm)
Höchstgeschwindigkeit208 km/h205 km/h206 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,9 s9,3 s10,1 s
Verbrauch5,8 L/100 km5,5 L/100 km5,5 L/100 km
Testverbrauch7,7 L/100 km7,4 L/100 km7,5 L/100 km
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