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Opel Corsa gegen VW Polo

Reise-Prüfung

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

Der neue Opel Corsa ist ein großes Auto geworden. Ist er auch, wie der Kleinwagen-König VW Polo, erwachsen genug für große Touren? Vergleich der 90 PS starken Diesel-Version 1.3 CDTI mit dem Polo 1.4 TDI.

10.11.2006

Gut stehen die Chancen für den Corsa, dem Klassenprimus VW Polo eins auszuwischen. Erstens trifft der völlig neu entwickelte Opel auf einen Konkurrenten, der zwar bestens etabliert ist, aber eben auch schon fünf Jahre ohne tiefgreifende Änderungen auf dem Buckel hat. Zweitens kommt der Opel mit einer erwachsenen Statur daher, die den VW vergleichsweise klein aussehen lässt und ihn auch in allen drei Dimensionen um einige Zentimeter übertrifft.

In der Länge (plus 8,3 Zentimeter) bleibt der Opel nur einen Millimeter unter der magischen Vier-Meter-Marke, die vor rund 15 Jahren noch ein Standardmaß für Modelle der Golf-Klasse war. Damit fallen bezüglich des Raumangebots alle Kleinwagen-Schranken: Der Corsa bietet genügend Platz, um vier Erwachsene über weite Strecken bequem zu befördern. Fondpassagiere haben selbst dann kein Loser-Los gezogen, wenn vorne 1,80 Meter lange Zeitgenossen ihre Sitze weit nach hinten schieben. Angenehm ist in diesem Fall, dass die Füße der Hinterbänkler gut unter die Vordersitze passen.

In diesen Punkten kann der Polo locker mithalten, schließlich bietet er – wenn man von wenigen Millimetern in der Breite einmal absieht – adäquate Platzverhältnisse. Nahezu ein Patt auch beim Kofferraum: Mit knapp unter 300 Liter Fassungsvermögen, das durch Umklappen der geteilten Rücksitzlehne (Opel) und -bank (VW) auf über 1000 Liter wächst, erfüllen beide Autos die Erwartungen an vollwertige kleine Limousinen.

Pluspunkte sammelt der Opel vor allem mit seinem etwas größeren Laderaum. Obgleich der Corsa wegen Knarzund Knackgeräuschen durchaus noch Verbesserungspotenzial in der Verarbeitungsqualität offenbart, nimmt er dem etwas solider wirkenden Polo den Sieg im Karosseriekapitel ab. Den Ausschlag dafür geben vor allem seine großzügigere Sicherheits- sowie die umfangreichere Zusatzausstattung, die einige in dieser Klasse ungewöhnliche Luxus-Extras wie etwa Lenkradheizung und dynamisches Kurvenlicht enthält.

Gut, dass es auch eine Einparkhilfe gibt, denn mit seinem vanartigen Vorbau, den stämmigen A- und den breiten C-Säulen lässt die Übersichtlichkeit trotz etwas erhöhter Sitzposition zu wünschen übrig. Der Polo hingegen endet an der gut einsehbaren Unterkante seiner Heckscheibe. Im Cockpit glänzt der Corsa mit sehr leicht ablesbaren Rundinstrumen- ten, übersichtlich platzierten Bedientasten sowie griffigen Drehreglern für Klimaanlage und Infotainment.

Rote Flächen auf Armaturenbrett und Bezügen tragen ebenso zu einem freundlichem Ambiente bei wie der glänzende Klavierlack auf der Mittelkonsole. Biederer ist der Polo-Innenraum, wobei man ihm aber außer den winzigen Tasten und dem Mini-Display des Kommunikationssystems keine gravierenden Schwächen unterstellen kann. Bequeme, guten Seitenhalt bietende Sitze tragen im Corsa wie auch im Polo maßgeblich zum Wohlbefinden bei.

Dass im VW die Lordosenunterstützung etwas schwach ist und die Rücksitzlehnen sehr steil stehen, stört weit weniger als die auf kurzen Wellen überraschend trocken ansprechende Federung. Sie inszeniert bei flottem Tempo auf Autobahn-Querfugen ein Stuckern, das den ganzen Wagen erzittern lässt. Da gibt sich der Corsa viel verbindlicher, denn er gleitet vergleichsweise geschmeidig über Unebenheiten hinweg. Nur in beladenem Zustand wirkt der Opel leicht unterdämpft und teilt auf langen Wellen gelegentlich derbe Stöße aus.

Stärker wirkt sich jedoch der Geräuschpegel auf den Komfort-Eindruck aus. Keine Beanstandungen gibt es am kultiviert und geräuscharm laufenden Opel-Vierzylinder mit Common-Rail-Einspritzung. Harsche Kritik verdient dagegen der raue, akustisch stets sehr aufdringliche Dreizylinder mit Pumpe-Düse- Technik im VW. Man erschrickt immer wieder darüber, mit welcher Intensität der 1,4-Liter losnagelt, wobei die Belästigung bei wechselnder Last und niedrigem Tempo die Schmerzgrenze rasch überschreitet. Sein großes Turboloch und die begrenzte Drehwilligkeit machen die Sache nicht besser. Gleichwohl schwingt sich der Polo trotz zehn PS weniger zu ähnlichen Fahrleistungen auf wie der in allen Bereichen temperamentvoller und leistungsfreudiger wirkende, aber ebenfalls unter einer gewissen Anfahrschwäche leidende Corsa mit 90 PS starkem 1,3-Liter-Turbodiesel. Der hat serienmäßig ein Sechsganggetriebe, während der Polo trotz seines schmaleren nutzbaren Drehzahlbandes mit fünf Gängen auskommen muss. Beide Aggregate schalten sich leicht und präzise.

Auch im Verbrauch herrscht nahezu Gleichstand: 6,6 Liter/ 100 km verbrennt der Polo, 6,8 Liter der 63 Kilogramm schwerere Corsa. Der Testwagen wiegt mit 1258 Kilogramm übrigens so viel wie die von deutschen Wirtschafts-Bossen Anfang der fünfziger Jahre geschätzte Luxuslimousine Opel Kapitän.

Wie narrensicher kleine Autos heute fahren, dafür sind die beiden gegen Aufpreis mit ESP ausgerüsteten Konkurrenten (siehe Meldung auf Seite 10) gute Beispiele. Kleinigkeiten sorgen für Unterschiede: Der mit 195/55-Pneus (905 Euro extra) bereifte Corsa ist kurvenwilliger und handlicher, obwohl seine völlig gefühllose Lenkung keinerlei Fahrbahnkontakt vermittelt. Ein Opfer seiner schmalbrüstigen Reifen wird der Polo. Dessen Lenkung arbeitet zwar präzise, aber er schiebt in Kurven kräftiger über die Vorderräder und büßt dadurch an Agilität ein.

Ferner können seine Bremsen wegen des schwammigen Pedalgefühls und der schlechteren Wirksamkeit denen des Opel kein Paroli bieten. Die Eigenschaftswertung geht klar an den Corsa. Sein Vorsprung ist so groß, dass er sich in der Folge Punkteinbußen – man lese und staune – wegen seines lauteren Stand- und Fahrgeräusches (nach EG-Zyklus ermittelt) sowie seiner höheren Kosten leisten kann. Der Opel gewinnt also verdient – aber nicht weil er das größere, sondern weil er das ausgewogenere Auto ist.

Fazit

1. Opel Corsa
482 Punkte

Mit Ausnahme seiner gefühllosen elektrischen Servolenkung leistet sich der neue Corsa keine gravierende Schwäche. Raumangebot, Komfort, Bedienung, Fahreigenschaften, Bremsen und Motor wissen zu überzeugen.

2. VW Polo
469 Punkte

Vor allem der unkultivierte, rau und laut laufende Dreizylinder-Diesel sowie seine unerwartet stuckrige, straffe Federung werfen den Polo zurück. Bei Fahrverhalten, Platzangebot und Kosten kann er gut mithalten.

Technische Daten
VW Polo 1.4 TDIOpel Corsa 1.3 CDTI
Grundpreis16.930 €16.686 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3916 x 1650 x 1467 mm3999 x 1737 x 1488 mm
KofferraumvolumenVDA270 bis 1030 L285 bis 1100 L
Hubraum / Motor1422 cm³ / 3-Zylinder1248 cm³ / 4-Zylinder
Leistung59 kW / 80 PS (195 Nm)66 kW / 90 PS (200 Nm)
Höchstgeschwindigkeit174 km/h172 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,8 s12,7 s
Verbrauch4,5 L/100 km4,6 L/100 km
Testverbrauch6,6 L/100 km5,8 L/100 km
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