Bisher war der Ibiza für einen feurigen Spanier viel zu brav, als Einkaufswagen für die Stadt aber schon zu teuer. Jetzt soll die vierte Generation endlich jene Emotionen zeigen, die sich die schwächelnde VW-Tochter auf die Fahnen geschrieben hat, ohne jene Kunden zu verprellen, die bislang vor allem wegen der günstigen Preise zugriffen. So ist der günstigste Viertürer mit 70-PS-Benzinmotor schon für 12.190 Euro zu haben. Aber ein Opel Corsa mit 60 PS kostet noch 70 Euro weniger, und einen Skoda Fabia gibt es sogar für 10.280 Euro.
Für Basis-Modelle entscheiden sich aber die wenigsten Kunden, auch beim Kleinwagen darf es heute etwas mehr sein. Zumal gerade der Ibiza mit dem Einstiegsmotor wohl kaum alle sportlichen Eigenschaften offenbaren wird - wenn er sie denn hat. Um hier für Klarheit zu sorgen, sind sowohl ein Ibiza wie der technisch verwandte Skoda Fabia mit 105-PS-TDI-Motor und Sportpaket zum Test angetreten. Der Corsa wird sogar von 125 PS befeuert und ist als Cosmo-Variante üppig ausgestattet. Die Preise für die feinen Kleinen steigen dann allerdings auf erwachsene 18.360 bis 20.740 Euro, wobei der Seat in diesem Fall am wenigsten kostet.
Rund sechs Liter Diesel im Testmittel
Für Vielfahrer lohnen sich die hohen Einstandspreise, weil sowohl der Corsa mit dem 1,7-Liter-CDTi als auch die 1,9-Liter-TDI von Ibiza und Fabia an der Zapfsäule kein Loch ins Portemonnaie reißen. Im Testmittel presst der Opel-Motor zwar mit 6,4 Liter/100 km die größte Menge Diesel durch die Düsen, zeigt aber auf der auto motor und sport-Normrunde mit nur 4,5 Liter/100 km große Genügsamkeit.
Außerdem überzeugt der Vierzylinder im Corsa mit den kultiviertesten Manieren, dem leisesten Laufgeräusch und der größten Drehwilligkeit. Seine Kontrahenten mit Pumpe-Düse-Einspritzung treten sehr druckvoll an, laufen aber rau und brummig - auf langen Strecken ein klares Manko. An der Zapfsäule geben sich die beiden wie knauserige Zwillinge: Die Unterschiede beim Test- wie beim Normverbrauch bewegen sich auf Kölschglas-Niveau. Im Testmittel ist der aerodynamisch günstiger geformte Seat etwas sparsamer, auf der Normrunde hat dagegen der Skoda einen kleinen Vorteil.
Dass der Opel noch weniger konsumiert, liegt auch an seinem Sechsganggetriebe. Mit den Fünfgangboxen von Fabia und Ibiza lassen sich dafür Überholvorgänge im großen Gang schneller abschließen. Die flotte Landstraßenrunde liegt dem Corsa am wenigsten. Im direkten Vergleich wirkt er kippelig und neigt sich bei Kurvenfahrt stärker. Mit seiner spitz reagierenden elektrischen Servolenkung fällt es außerdem nicht leicht, der Ideallinie zu folgen. Schwächen offenbaren sich auch beim Federungskomfort. Er schaukelt über Wellen und wippt nach; Beton-Autobahnen mit Querfugen lassen den Opel nie ganz zur Ruhe kommen.
Seat am straffsten ausgelegt
Beladen zeigt der Corsa dagegen Stärke, denn seine Federbeine schlagen nicht durch. Skoda und Seat gehen dagegen gelegentlich auf Block. Was vor allem beim Ibiza überrascht, denn er ist im Testfeld mit der straffsten Fahrwerks-Auslegung unterwegs. Vor allem auf gepflegten Landstraßen mit schnellen Wechselkurven ist er damit in seinem Element, was das Schluckvermögen der Federung verschlechtert. Außerdem dürfte die Lenkung gern noch präziser arbeiten und mehr Rückmeldung geben. Cousin Fabia lenkt jedenfalls flotter ein, obwohl er eher auf Komfort setzt. Für einen Kleinwagen federt er auf langen wie kurzen Wellen erstaunlich gut.
Zur Sonderausstattung des Fabia gehören gelungene Sportsitze, an denen nur die viel zu niedrigen Kopfstützen stören. Im Fond sitzt man ebenfalls klassenunüblich bequem, und durch das hohe Dach ist die Kopffreiheit sogar großzügiger als in einigen Mittelklasse-Limousinen. Auch die Verarbeitung im Interieur kann sich sehen lassen. Gleiches gilt für den Ibiza, der freilich ganz anders gestaltet ist und mit hellen Teilen an Armaturentafel und Türverkleidungen Akzente setzt. Deren Spiegelungen in den Scheiben sind allerdings ebenso kritikwürdig wie die Bedienung des CD-Radios und die Positionen von ESP- und Warnblinkschalter. Während Letzterer kaum zu finden ist, liegt die ESP-Taste direkt über dem Knopf für die Beifahrersitzheizung und begünstigt dort ein versehentliches Deaktivieren.
Immerhin sind die Sitze fast ebenso gut wie im Skoda und absolut langstreckentauglich. Personen bis 180 Zentimeter Größe sitzen selbst hinten bequem. Beim Opel stört vor allem die extrem dünne Polsterung der Rücksitzbank. Sie kann auf langen Strecken sehr ungemütlich werden. Auch die Vordersitze sind härter als im Skoda, ohne den gleichen Seitenhalt zu bieten. Wie der Seat zeigt auch der Opel bei der Bedienung Schwächen, die sich zum Teil schon durch bessere Beschriftung der Knöpfe ausmerzen ließen. Ein Lob an das Radio des Corsa: Es hat als Einziges im Test Sender-Stationstasten. Und wenn gerade Beifall gespendet wird: Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind für einen Kleinwagen überdurchschnittlich.
Bremsanlagen mit guter Wirkung
So ein Klassendenken darf es im Bremsenkapitel natürlich nicht geben. Ausgerechnet der Fabia patzt mit einem viel zu langen Anhalteweg auf μ-split. Ansonsten überzeugen alle drei Bremsanlagen mit guter Wirkung und Standfestigkeit auch unter hoher Belastung. Passend zum sportlichen Anspruch liegt der Ibiza in diesem Kapitel ganz vorn. Im wichtigen Kosten-Abschnitt kann er mit seinem hohen Unterhalt dagegen nicht überzeugen. Die Haftpflicht-Versicherungstarife auf Augenhöhe mit denen für Sportwagen dürften viele Käufer abschrecken. Diese Kosten sind selbst beim stärkeren Corsa geringer, aber auch bei ihm nicht niedrig.
Skoda gewinnt
Mit seiner teuren Ausstattung verliert er dieses Kapitel und am Ende sogar den Vergleich. Der ausgewogene, geräumige Skoda steht dagegen auf Platz eins, obwohl er in der Haftpflichtversicherung teurer ist als ein BMW M3 Cabrio. Der neue Ibiza offenbart im Test sportliche Qualitäten und landet immerhin auf dem zweiten Platz. Was zeigt, dass er zwar kein Überflieger, aber sehr wohl eine überlegenswerte Alternative in der Kleinwagenklasse ist.






