Die versammelte Garde der automobilen Sparbüchsen hatte das Nachsehen, als der VW Fox ihnen im großen Vergleichstest (Heft 14/2005) nach Punkten die Rücklichter zeigte. Der neue kleine Volkswagen führte sich als erstaunlich geräumiger und komfortabler Wagen prächtig ein. Und der runderneuerte Polo?
Der schwächelte im Einzeltest (13/2005) und holte mit dem 1,4-Liter-Dieselmotor nur drei von fünf Sternen. Revolution von unten – ist das in Brasilien gebaute Auto vielleicht sogar besser in Form als der über 3000 Euro teurere Polo?
Der erste Eindruck scheint dies zu bestätigen. Unerwartet geschmeidig gleitet der Fox auch über Kraterstrecken der höheren Kategorie und hält mit dem jetzt etwas straffer abgestimmten Polo locker mit. Nur in Teilbereichen lässt der Größere im Komfort seine höhere Klasse aufblitzen. Fahrgeräusche dämpft er noch wirkungsvoller ab, und lange Bodenwellen verdaut der Kleinwagen-Bestseller mit hauchzart geringeren Aufbaubewegungen.
Dicht auf den Fersen bleibt der Fox dem Polo auch bei der Handlichkeit. Im Stadtverkehr erweisen sich beide als agil und sehr wendig. Für Park-Neurotiker nicht unwichtig: Der Fox benötigt mit seiner knapp neun Zentimeter kürzeren Außenlänge weniger Stellraum. Selbst auf der Landstraße verliert der höher bauende und damit einen Tick wankigere Fox kaum an Boden. Erst auf der Autobahn kann ihm der Polo mit vier km/h mehr Höchstgeschwindigkeit etwas davonfahren. Zudem wirkt seine Lenkung weniger nervös. So fährt es sich einfach entspannter.
Ihre Kraft schöpfen beide aus dem gleichen Herzen, einem 1,2 Liter großen Zweiventil-Motor, der seine Sache für einen Dreizylinder erstaunlich laufruhig verrichtet. Akustik und Vibrationen müssen sich vor durchschnittlichen Vierzylindern dieser Größe kaum verstecken. Das kernige Röhren verbreitet sogar einen Anflug von Sportlichkeit. So geht es in der Stadt auch ausreichend zügig voran, für Überholvorgänge auf der Landstraße sollte der Fahrer aber reichlich Sicherheitsreserve einplanen.
Trotz identischer Motoren geht der Polo aber ökonomischer mit dem teuren Verbrennungsnass um und unterbietet beim Testverbrauch die Sieben-Liter-Grenze deutlich. Der Fox kontert mit dem besseren Spurtvermögen, verbraucht aber 0,6 Liter pro 100 km mehr. Zu nur durchschnittlichen Bremsergebnissen führen bei beiden die schmalen 165er-Reifen.
Beim Fox kommt noch erschwerend hinzu, dass es einen Bremsassistenten nur im Paket mit ESP gegen 400 Euro Aufpreis gibt. Trotzdem: Bis zu diesem Punkt erweist sich der Fox als fast ebenbürtiger Gegner. Den Boden unter den Reifen verliert Volkswagens Kleinster dann aber im Karosseriekapitel. Nicht dass der Polo merklich größer wäre, der Fox hat im Interieur sogar mehr Raum zum Räkeln zu bieten, ist allerdings auch nur als Viersitzer zugelassen.
Auch das größere Gepäckabteil des Polo gibt hier nicht den Ausschlag. Größere Punktverluste muss der Fox aber schon durch die schlechtere Qualitätsanmutung und die umständlichere Bedienung hinnehmen: Windschiefe Kunststoffeinfassungen, der deutlich höhere Hartplastikanteil, verschachtelte Instrumente und die zu tief sitzende Radio- und Klimaanlagen-Bedienung sind keine wirkliche Freude.
Vollends hört der Spaß dann bei der serienmäßigen Sicherheitsausstattung auf: Kopfairbags sind nicht vorhanden, und Seitenairbags müssen extra bezahlt werden – das relativiert den guten Fahreindruck des Fox doch erheblich.
So scheitert die Revolution am Ende doch – es lebe der Polo.




