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Ford Mondeo, VW Passat, Renault Laguna, Toyota Avensis

Große Klasse

Foto: Hans-Dieter Seufert 68 Bilder

Der neue Renault Laguna rüttelt mit 4,70 Meter Außenlänge kräftig an den Gittern seines Mittelklasse-Verlieses. Müssen sich Ford Mondeo, Toyota Avensis und VW Passat nun ernsthaft fürchten?

02.11.2007 Jörn Thomas

Mittelklasse-Limousinen sind wie Sylt oder Helgoland: Sie müssen sich umtost von garstigen Elementen Jahr um Jahr Präsenz rauben lassen – und stehen doch immer noch mächtig da. Viertürer als standhafte Fanale einer Zeit, in der noch niemand über Vans, Crossover oder SUV spekulierte, höchstens Maler oder Metzger in einen Kombi stiegen und das zarte Wabern der Ado-Gardinen in der Nachbarschaft den Neid darüber dokumentierte, dass es wieder jemand eine Klasse höher geschafft hatte – etwa vom Taunus zum Consul.
Heute ist man Kosmopolit und metrokompetent, kein Nasenabdruck ziert mehr die Fensterscheiben, wenn eine neue Mittelklasse-Limousine die Reihenhaus- Siedlung entert. Obwohl die Klassiker von einst mächtig ranklotzen, um ihre lästige Hosenträger-Aura loszuwerden.

Zum Beispiel durch Wachstum: Unter 4,65 Meter (Avensis) traut sich keiner mehr in die Bütt. Aktuelle Beispiele sind Ford Mondeo und Renault Laguna , die mit 4,78 respektive 4,70 Metern schon Richtung obere Mittelklasse, also zu E-Klasse und Co. schielen. Im Fall der getesteten Zweiliter-Diesel aber zu Mittelschicht-kompatiblen Tarifen ab 27 900 Euro. Für diese Summe steht ein Renault Laguna 2.0 dCi mit Sportsitzen, Stereoanlage, Zweizonenklimaanlage und mehr vor dem Haus. Ford verlangt für den Mondeo 2.0 TDCi als Titanium X 30 400 Euro, verzichtet auf die Stereoanlage, bringt aber unter anderem Leder-/Alcantarapolster, praktisches Kurvenlicht und eine Frontscheibenheizung mit.

Bei Avensis und Passat herrscht ein Patt – allerdings nur beim Preis, nicht bei der Ausstattung. VW gönnt seinem Mittelklässler als Comfortline zwar die Basics, zu der wie bei der Konkurrenz auch eine umfassende Airbag-Armada zählt, doch selbst Lederlenkrad, Bordcomputer und Zweizonenklima kosten extra. Und singen muss der Passat-Fahrer auch selbst.
Anders beim Avensis Executive: Aufpreislisten-Ankreuzer können hier ihren Kuli getrost aus dem Fenster schmeißen. Es ist alles inklusive, sogar eine DVD-Navigation mit Sprachsteuerung plus Digitalradioempfang sowie Xenonlicht. Dafür verzichtet der Japaner auf opulente Innenraum-Luftigkeit und augenschmeichelnden Premium- Schick, gibt sich mit hoher Sitzposition und konsequenter Modefreiheit ähnlich progressiv wie die schwäbische Kehrwoche. Und zudem renditeorientiert, wie die Preiswert-Kunststoffe rund um Handbremshebel und Staufachklappe in der Mittelkonsole dokumentieren.

Die Konkurrenz verfolgt jedenfalls höhere Ziele: Mehr Platz, mehr Esprit, mehr Premium. Da werden Instrumente in Höhlen gesteckt und chrombekränzt (VW), liebevolle Bildschirmgrafiken und titanfarbene Verkleidungen appliziert (Ford) oder schwungvoll-elegante Linien samt silbernen Intarsien verordnet (Renault). Von modischen Startknöpfen und elektromechanischen Parkbremsen ganz zu schweigen. Exakte Spaltmaße, griffsympathische Kunststoffe und sauber laufende Regler sind bei den Europäern inzwischen ebenfalls Ehrensache.
Mit kleinen Detail-Vorteilen für den Passat: Es beginnt bei großen Türtaschen mit Platz für Flaschen und hört bei einem Schirmfach in der Fahrertür, soliden ausklappbaren Zurrösen und einem Hydraulik-Haubenaufsteller noch nicht auf. Auch bei Raumangebot und Ergonomie orientiert er sich – wie die anderen drei Europäer – klar nach oben, in Richtung luftiger Weite.
Diese schränkt der Laguna durch seine coupéartige Form jedoch wieder etwas ein. Zwar bietet er nach schräg vorn gute Übersicht, der Einstieg in den Fond und die dortige Kopffreiheit enttäuschen aber. Da geht es sogar im Avensis-Fond bequemer zu.

Kein Vergleich auch zu den Salons von Ford und VW, in denen sich die Gäste unbeschwert rekeln können. Und die Kofferräume? Nun, der Fließheck-Mondeo lädt zum Picknick unter seiner Panorama-Klappe ein – oder spendiert bei umgeklappten Rücksitzlehnen umzugstaugliches Volumen.

Die konventionelle Stufenheck-Konkurrenz kann zwar ebenso umklappen, aber nicht ganz so elegant einladen. Auch der Laguna offeriert ein Fließheck, jedoch weniger Standardvolumen und Zuladung als die anderen. Überdies geben sich seine Vordersitze hartleibig – sowohl gegenüber den Passagieren als auch der Querbeschleunigung.
Den größer geschnittenen Sportsitzen des Ford gelingt der beste Kompromiss aus sportivem Halt und Komfort. Die VW-Möbel mit Bezügen im Senioren-Stil geben sich konsequent kuschelig-körpergerecht, während beim Avensis rutschiges Optionsleder, zu kurze Sitzflächen und Kutschbock-Haltung stören. Ebenfalls negativ beim Toyota: die teils ungünstig platzierten Schalter, eine gewöhnungsbedürftige Menüstruktur der tief montierten Infotainment- Abteilung sowie die zugige Klimaanlage mit dem kalten Punch eines Eisschrankes.

Der Laguna dagegen umfächelt seine Gäste dank Soft-Funktion mit einem zarten Hauch, erleichtert den Umgang durch Bedienfelder sowie einer hohen Eingaberedundanz. Um die Tasten der zwischen den Sitzen platzierten Einheit zu treffen, muss man den Blick allerdings zu lange von der Straße wenden. Im Gegensatz zum Convers-Plus-System des Ford (siehe Spotlight): Dessen raumgreifender Bildschirm nimmt zwar den Standardinstrumenten etwas Platz, hilft aber beim Manövrieren durch die Menüebenen.

Manövrieren, das liegt dem Mondeo ohnehin.

Schließlich gilt es, die Flamme des Vorgängers weiterzutragen. Und sie brennt heller als zuvor.
Spontan ansprechend setzt die akribisch rückmeldende Servolenkung Befehle um. Der Ford überspringt die lähmende Untersteuer- Phase und folgt sklavisch dem Kurvenradius ohne mit hinterlistigen Heckschwenks oder pseudosportlicher Härte zu verärgern. Seine adaptiven Dämpfer (Aufpreis 965 Euro) nehmen es in Normalposition mit fast jeder Straßenoberfläche auf und selbst stuckerstimulierenden Betonplattenautobahnen den Schrecken.
In Komfortstellung schiebt der Mondeo seinen Insassen sogar noch ein weiches Kissen unter den Hintern– deutliche Vertikalbewegungen inklusive. Im Sportmodus schnuppert dann auch Papi Renn-Spirit, wenn die Dämpfer Unebenheiten knochig weitergeben. Ähnlich wie beim Laguna. Mit ihm verabschieden sich die Franzosen endgültig vom Vorurteil fluffiger Route-National- Schaukler.

Knallhart und trocken stellt sein konventionelles Fahrwerk Unebenheiten zu den Insassen durch, attestiert selbst ordentlichen Pisten Pflegebedarf. Speziell die hart abgestimmte Vorderachse stößt und poltert wie vom Selfmade-Tuner, wird erst unter Beladung nachgiebiger. Unnachgiebig zeigt sich der Laguna allerdings auch in der Fahrdynamik und der Konkurrenz auf Straße und Piste meistens das breite Heck.

Der Passat hält sich aus spitzfindigen Zehntelsekunden-Scharmützeln heraus, die Fahrerhandflächen trocken und den Puls unten. Schnell, aber gelassen passiert er zwirbelige Kreisstraßen ebenso wie langgezogene Autobahnkurven. Seine angenehm sämig agierende Lenkung nimmt bei steigendem Tempo die Servounterstützung zurück, was den Geradeauslauf fördert. Unter Beladung lässt der ansonsten gediegene Federungskomfort allerdings etwas nach, hier teilt der VW schon mal einen trockenen Knuff aus. Das gehört beim Avensis zum Standardprogramm. Er scheint auf Gummipuffer gebettet, reagiert hüpfig, Nickund Torkelbewegungen wechseln sich ab.

Außerdem verunsichert er mit einem teigigen Bremspedalgefühl sowie spürbarem Untersteuern in schnell angegangenen Kurven. Also Tempo rausnehmen und ins Cruiser-Fach wechseln. Das kommt auch dem zäh ansprechenden, dafür sparsamen Dieselmotor entgegen: Er verfügt wie die Konkurrenz über zwei Liter Hubraum, aber nur 126 PS und 300 Newtonmeter.
Obwohl mit 140 PS zahlenmäßig pari, kann der Passat dem über drei Zentner schwereren Mondeo bei den Fahrleistungen die LED-Rücklichter zeigen. Traditionell gibt sich der Pumpe- Düse-TDI brummig aber sparsam, während der TDCi des Ford unterhalb von 1700/min noch durchs Turboloch geistert und erst darüber unter metallisch hellem Sound loslegt.
Und der Renault? Er packt Kraft und Kultur in einen Shaker und voilà – fertig ist der 150 PS starke dCi-Cocktail. Samt schwungvollem Antritt und Drehfreude ohne schwermütiges Selbstzünder- Gehudel – aber dafür mit flotten Fahrleistungen sowie günstigem Verbrauch: Knauserer schaffen fünf Liter/ 100 Kilometer, im zügig absolvierten Schnitt sind es wie bei den Mitbewerbern rund acht Liter. Angesichts von mehr als 800 Kilometer Reichweite dürfte auf Langstrecken die Blase vor dem Tankinhalt kapitulieren.

Punktemäßig kapituliert am Ende nur der japanische Vertreter Avensis ein wenig vor der europäischen Konkurrenz, die sich trotz unterschiedlicher Präferenzen dicht gedrängt durchs Ziel rangelt. Mit einem kleinen Vorteil für den bewährten Passat. Er behauptet sich knapp vor dem ebenfalls rundum gelungenen Mondeo und dem ebenso agilen wie kostengünstigen Newcomer Laguna.

Fazit

1. VW Passat 2.0 TDI Comfortline
488 Punkte

Der karg ausgestattete hochwertig verarbeitete Passat gewinnt knapp über die Kosten vor dem Mondeo. Sein TDI ist brummig, aber kräftig und sparsam.

2. Ford Mondeo 2.0 TDCi Titanium X
482 Punkte

Üppiges Platzangebot, agiles Handling und guter Federungskomfort bringen den Mondeo nach vorn, erst bei den Kosten kontert der Passat.

3. Renault Laguna 2.0 dCi FAP Dynamique
480 Punkte

Sportives Handling, Verarbeitung und der kultivierte Diesel des kostengünstigen Laguna gefallen, seine harte, poltrige Federung jedoch nicht.

4. Toyota Avensis 2.0 D-4D Executive
452 Punkte

Der Avensis muss der Konkurrenz den Vortritt lassen. Er ist weder besonders agil noch komfortabel. Entspanntes Cruisen liegt ihm schon eher.

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Technische Daten
Ford Mondeo 2.0 TDCiRenault Laguna dCi 150 FAPToyota Avensis Combi 2.0 D-4DVW Passat 2.0 TDI
Grundpreis31.000 €30.000 €30.450 €28.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4778 x 1886 x 1500 mm4695 x 1811 x 1445 mm4715 x 1760 x 1525 mm4765 x 1820 x 1472 mm
KofferraumvolumenVDA540 bis 1460 L450 bis 1377 L520 bis 1500 L565 L
Hubraum / Motor1997 cm³ / 4-Zylinder1995 cm³ / 4-Zylinder1998 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung103 kW / 140 PS (320 Nm)110 kW / 150 PS (340 Nm)93 kW / 126 PS (300 Nm)103 kW / 140 PS (320 Nm)
Höchstgeschwindigkeit210 km/h210 km/h200 km/h209 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,5 s9,5 s10,6 s9,8 s
Verbrauch5,9 L/100 km4,8 L/100 km5,9 L/100 km6,0 L/100 km
Testverbrauch8,4 L/100 km8,2 L/100 km7,9 L/100 km7,9 L/100 km
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