Und wieder wirbelt die Spitze des Wiesbachhorns vorbei, fliegen die Wolken wie von einem virtuellen Band gezogen. Kein Naturschauspiel für die Massen, sondern ein intimes Fahrer-Naturerlebnis, das an jeder Kehre des alpinen Kurven- Eldorados an der Großglockner- Hochalpenstraße seine dynamische Wendung nimmt.
Wie Minilawine und Geröllsturz rollen der schneeweiße Porsche Cayman und das felsgraue BMW Z4 3.0si Coupé die Berge hinab. Man möchte schwören, dass die unteren Lufteinlässe in der Schürze noch stärker grinsen als bisher. Die Sportcoupés sind sich dicht auf den Fersen. Was der Basis-Porsche in den Kurven vorausschnüffelt, egalisiert der Edel-Z4 auf der Geraden. Bevor die ersten Punkte vergeben sind, ist klar: Die beiden geben sich in der Summe ihrer Eigenschaften wenig, pflegen aber ihren eigenen Talente. 50 PS fehlen dem Cayman zu seinem stärkeren Bruder. Hier oben in der dünnen Bergluft bei 25 Grad Außentemperatur entwickelt der Sechszylinder- Boxer noch weniger als 245 PS.
Die Atemnot ist spürbar, was den 2,7-Liter-Motor nicht daran hindert, seine Lebenslust hinauszutrompeten. Das Cayman-Aggregat schmettert sein wildes Power-Lied völlig unbekümmert von seiner Kraftlosigkeit unter 5000/min. Der Pilot muss schalten, bis der Unterarm schmerzt, damit die Porsche- Fuhre bei Laune bleibt. Kein Genuss bei der weichen Führung des optionalen Sechsgang-Getriebes. Wichtigste Erkenntnis am Berg: Der erste Gang dient nicht nur zum Anfahren. Wenn schon nicht an schierer Drehmomentkraft, so stimuliert sich der Cayman- Bändiger doch am beherzten Ansprechen und an der quirligen Drehfreude des Boxers mit variabler Ventilsteuerung und Trockensumpfschmierung. Ausreichend Antriebsspaß für alle, die den BMW nicht kennen.
Dabei geht es gar nicht um die ständig zitierte Laufkultur des 265 PS starken Dreiliter-Motors.Dass man dafür heute keinen Reihenmotor mehr braucht, beweist schon der Cayman. Es ist die an Perfektion grenzende Art und Weise, wie das BMW-Herz seine Leistungsentfaltung zelebriert. Bis 3000/min seidenweich schnurrend und schon mit spürbarem Nachdruck, reißt der Alu- Magnesiummotor dann seine brave Maske herunter und treibt die Drehzahlnadel mit sägendem Gebrüll in das Rot der 7000er und den Fahrer auf abgeregelte 250 km/h. Die endgültige Watschen für den Cayman-Boxer setzt der Verbrauch: Trotz 20 PS mehr und 15 Kilogramm Mehrgewicht trinkt das Valvetronic-Konstrukt über einen Liter weniger auf 100 Kilometer.






