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Punto JTD, Corsa CDTI, C3 HDi und Polo TDI

Zwergen-Aufwand

Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Was bringen die jüngste Modellpflege und der neue 1,3-Liter-Diesel beim Fiat Punto JTD und Opel Corsa CDTI? Ein Vergleich mit den Publikumlieblingen Citroën C3 HDi und VW Polo TDI klärt die Lage.

22.11.2003 Bernd Stegemann

Zeigt mir eure Kleinwagen, und ich sage euch, wie es euch geht. Gut geht es uns. Schließlich nörgeln wir schon, wenn es den Kleinen für den Shoppingtrip nicht mit Klimaanlage, Leder und Navigationssystem gibt – von vier Türen, ESP oder Kopfairbags (auch hinten bitte) ganz zu schweigen. Da muss man sich nicht wundern, dass ein solcher Edel-Mini schwer ins Budget und auf die Waage geht. Besser als an Corsa, Polo und Co. lässt sich die Wohlstandskurve kaum nachvollziehen. Um 300 bis 400 Kilogramm ist das Leergewicht der so genannten A-null-Klasse in den letzten 20 Jahren gestiegen, weil neben mehr Bedienungskomfort auch größere Abmessungen und zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen ihren Tribut fordern. Damit all das wenigstens nicht auf Temperament und Verbrauch durchschlägt, wird immer öfter ein weiterer Obolus fällig – der für einen Dieselmotor. Zwischen 950 (Punto) und 1350 Euro (Polo) mehr kostet die genügsame Alternative zu den vergleichbaren Benzinern, womit für einen rund 70 PS starken Viertürer mit etwas Ausstattung schnell 15?000 Euro zusammenkommen. Am kräftigsten langt mal wieder VW hin, und daran ändert selbst die Tatsache wenig, dass die gleiche Technik bei Seat (Ibiza) und Skoda (Fabia) billiger zu haben ist. Denn auch mit dem Kauf eines Citroën C3, Fiat Punto und Opel Corsa kann man einiges sparen, ohne auf Platz und Ausstattung zu verzichten. So schlagen Servolenkung, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn in den getesteten Versionen nirgends extra zu Buche, selbst ABS, Front- und Seitenairbags gehören durchweg zum Standard.

Außer beim Polo (425 Euro) werden sogar seitliche Kopfbags frei Haus geliefert, während Citroën das elektronische Stabilitätsprogramm für den C3 mit dem schwächeren Diesel nicht einmal gegen Aufpreis anbietet. Dennoch: Abgesehen von der bescheidenen Material- und Verarbeitungsqualität haftet auch dem sympathischen Rundling aus Frankreich nichts Ärmliches an. Fiat und besonders Opel wirken allerdings spürbar solider, wenngleich nicht so hochwertig und leise wie der VW, was nicht zuletzt mit dessen überlegener Karosseriesteifigkeit zu tun hat. Zudem lässt er sich einfacher überblicken und bedienen als die Konkurrenten, die zum Teil weniger funktionell gestaltet sind. So verbirgt sich die Spiegelverstellung beim Punto unter der Handbremse und die Heckwischer-Betätigung in einem Drehgriff im Wischerhebel. Beim C3 stören die Minimal-Instrumentierung ohne roten Drehzahlbereich, die zu tief platzierten Fensterheber-Tasten, die ungenaue Tankanzeige und das schlecht ablesbare Radio-Display. Bei einem klassenüblichen Längenmaß von 3,84 bis 3,90 Meter verblassen hingegen die Unterschiede im Platzangebot.

Vier Erwachsene genießen genügend Bewegungsfreiheit, das hohe Kuppeldach und die weit vorne ansetzende Frontscheibe des Citroën vermitteln dazu ein sehr luftiges Raumgefühl. Hinzu kommt der Vorteil des größten Kofferraums (305 Liter), der auch noch vielfältige Varianten zur Unterteilung bietet. Erst sperrige Güter zwingen zum Umklappen der geteilten Rücksitze – ein bei allen vorhandener Bonus, der sich beim VW dank der erlaubten Zuladung von 438 Kilogramm am besten nutzen lässt. Besonders erfreulich ist, dass darunter der Komfort nicht leidet. Seine sauber abgestimmte, schluckfreudige Federung zeigt stets genügend Reserven und rückt den Polo in die Nähe ausgewachsener Limousinen. Dabei unterstreichen die straff gepolsterten, selbst hinten bequemen Sitze die Langstreckentauglichkeit. Auch an seinen Fahreigenschaften gibt es wenig auszusetzen, wenn man von der mäßigen Traktion und der nur durchschnittlichen Verzögerung absieht. Zudem irritierte der Testwagen mit einem unsauberen Geradeauslauf. Beim C3 ist für dieses Phänomen vornehmlich die unexakte, synthetische und leicht stößige Lenkung verantwortlich, die zum Einhalten des Kurses ständige Aufmerksamkeit und Eingriffe verlangt. Das mindert zwar kaum seine Beherrschbarkeit in kritischen Situationen, erstickt aber im Verbund mit den flachen, weichen Sitzen, die nur eine grobe Einstellung der Rückenlehne erlauben, jeden Fahrspaß.

Die schwache Heizung, starke Aufbaubewegungen sowie die Fahrwerks- und Windgeräusche tun ein Übriges, den durchaus vorhandenen Federungskomfort zu untergraben. Im direkten Vergleich macht sogar der straffe Corsa eine bessere Figur, weil er kurze Stöße sauber absorbiert, leiser abrollt und mit stärker ausgeformten, aber etwas kleinen Sitzen aufwartet. Zudem durcheilt er Kurven mit gutmütiger Neutralität und wenig Seitenneigung, wobei die nun präzisere Elektrolenkung mit mehr Fahrbahnkontakt erheblich dazu beiträgt, das Gefühl von Agilität und Verlässlichkeit zu verstärken. Seine hohe Fahrsicherheit wird abgerundet von serienmäßigen Breitreifen und kräftig zupackenden, gut dosierbaren Bremsen. Vom Punto kann man das nicht in gleichem Maß behaupten.

Er verzögert deutlich schwächer, untersteuert bei flotter Kurvenfahrt stärker und neigt bei Lastwechseln zu Heckschwenks. Außerdem geht er trotz großer, gut konturierter Sitze nicht sonderlich pfleglich mit den Insassen um. Schon kurze Querfugen versetzen die Vorderachse in Unruhe, und auf langen Bodenwellen reagiert das zwar schluckfreudige, aber unterdämpfte Fahrwerk unwirsch auf höhere Beladung. Dann ist der Aufbau ständig in Bewegung, und die Federung schlägt gelegentlich sogar auf die Blöcke. Gemessen daran macht der neue Common-Rail-Diesel mit nur 1,3 Liter Hubraum und 70 PS seine Sache erstaunlich gut. Mit seinem spontanen Ansprechverhalten und dem breiten nutzbaren Drehzahlbereich bis jenseits von 5000/min bringt er den Fiat munter auf Trab, angesichts des entschiedenen Duchzugs verlieren selbst Überholvorgänge oder längere Autobahnsteigungen ihren Schrecken. Der Vorteil dieser entspannten Charakteristik zeigt sich auch im Verbrauch: 6,1 Liter genügten im Testmittel für 100 Kilometer, bei seinem 49-Liter-Tank reicht das für bis zu 800 Kilometer. Da kann der Opel nicht ganz mithalten, denn der im Prinzip gleiche Vierzylinder ist hier durch etwas weniger Drehmoment, 80 Kilogramm mehr Gewicht und eine längere Antriebsübersetzung gehandikapt. Deshalb wirkt er zwar weniger spritzig, aber zugleich deutlich leiser als die Konkurrenten, was die Messwerte in weiten Bereichen erhärten. Erst bei höheren Geschwindigkeiten holt der VW auf, weil dann dessen Vibrationen und rauer Motorlauf hinter den steigenden Fahrgeräuschen zurücktreten. Besonders beim morgendlichen Kaltstart kann er jedoch nicht verhehlen, dass unter seiner Fronthaube der einzige Dreizylinder – noch dazu mit der akustisch härteren Pumpedüse-Einspritzung – arbeitet.

Im Gegenzug bietet das Triebwerk viel Drehmoment und kräftigen Antritt, sobald der Lader vollen Druck aufgebaut hat. Mit seinen 75 PS und hoher Elastizität stürmt er jedenfalls allen Rivalen davon – erst recht dem phlegmatischen Selbstzünder im Citroën, der sich nur mit guter Laufkultur ehrenhaft aus der Affäre zieht. Minuspunkte kassiert der C3 außerdem für die Schadstoffklasse Euro 3, zumal selbst der Vorreiter PSA-Konzern bei den kleineren Dieselmotoren keinen Rußpartikelfilter anbietet. Da hilft es wenig, dass er neben seiner charmanten Form zugleich die günstigste Kostenbilanz vorweisen kann: Wegen seines schlappen Motors und des unharmonischen Fahrwerks muss er sich hinter dem im Unterhalt arg teuren, beim Bremsen schwächlichen Punto einordnen. Dort liegen Corsa und Polo wie in fast allen Einzelwertungen vorne – mit unterschiedlichen Akzenten zwar, doch in der Summe mit leichtem Vorteil für den VW. Sein niedriger Reparatur- und Wartungsaufwand belegt es: Hoher Komfort und gediegene Qualität sind vielleicht nicht immer billig, aber letztlich preiswert.

Fazit

1. VW Polo 1.4 TDI Comfortline
486 Punkte

Überlegener Komfort und hohe Qualität bringen den ausgewogenen Polo nach vorn. Für die teure Anschaffung entschädigt die günstige Wartung.

2. Opel Corsa 1.3 CDTI Cosmo
476 Punkte

Der leise, solide Corsa überzeugt vor allem mit hoher Fahrsicherheit und standfesten Bremsen. Auch sonst leistet er sich nur wenige Schwächen.

3. Fiat Punto 1.3 JTD Dynamic
442 Punkte

Besonders der kräftige und sparsame Diesel verhilft dem preiswerten Punto zu neuer Attraktivität. Schwach: Komfort, Bremsen und hohe Festkosten.

4. Citroën C3 1.4 HDi SX
439 Punkte

Nur beim Platz und Federungskomfort kann der C3 mithalten, Enttäuschend: Qualität, Sitze, Temperament und Fahreigenschaften (kein ESP lieferbar).

Technische Daten
VW Polo 1.4 TDIOpel Corsa 1.3 CDTIFiat Punto 1.3 Multijet 16VCitroën C3 HDi 70
Grundpreis15.905 €16.350 €14.440 €13.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3897 x 1650 x 1465 mm3839 x 1646 x 1440 mm3865 x 1660 x 1480 mm3850 x 1667 x 1529 mm
KofferraumvolumenVDA270 bis 1030 L260 bis 1060 L297 bis 1080 L305 bis 1310 L
Hubraum / Motor1422 cm³ / 3-Zylinder1248 cm³ / 4-Zylinder1248 cm³ / 4-Zylinder1398 cm³ / 4-Zylinder
Leistung55 kW / 75 PS (195 Nm)51 kW / 70 PS (170 Nm)51 kW / 70 PS (180 Nm)50 kW / 68 PS (150 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h165 km/h164 km/h165 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h13,6 s14,5 s13,4 s15,4 s
Verbrauch4,5 L/100 km4,4 L/100 km4,5 L/100 km4,2 L/100 km
Testverbrauch6,4 L/100 km6,5 L/100 km6,1 L/100 km6,5 L/100 km
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