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Rasse gegen (Familien-)Klasse - Porsche 911 Carrera gegen BMW M3

Porsche 911 Carrera gegen BMW M3: Der jüngst überarbeitete reinrassige Sportwagen aus Stuttgart duelliert sich mit dem sportlichen, aber familientauglichen Bayern.

28.11.2001

Lästige Konkurrenz aus dem Lager der Familienkutschen piesackt Deutschlands Sportwagen Nummer eins. Vor allem BMW ließ nichts unversucht, den reinrassigen Sportautos mit aufgemöbelten Limousinen aus der Großserie die Kundschaft abspenstig zu machen. Ein Beispiel dafür ist der M3. Der läuft zwar unter der Bezeichnung Coupé, weist aber mit vier vollwertigen Sitzplätzen und großem Kofferraum alle Merkmale einer zweitürigen Limousine auf.

Dennoch gelang es dem M3, der Sportwagenlegende namens 911 auf deren angestammten Terrain die Führung streitig zu machen – Grund genug für Porsche dem 911 ein Doping zu gönnen. Mehr Hubraum, mehr Leistung und mehr Drehmoment steigern ab sofort die Sprinterqualitäten. Hinzu kommen die Optimierung des Fahrwerks, neue, leichtere Räder sowie eine verbesserte Aerodynamik zur Verringerung des Auftriebs.

So stehen dem Porsche nun 320 PS (vorher 300 PS) zur Verfügung, was die Distanz zum PS-strotzenden M3 (343 PS) etwas weniger peinlich aussehen lässt. Doch zieht man das Gewicht ins Kalkül, ergibt sich ein hauchdünner Vorsprung für den Porsche: Pro PS fallen hier 4,55 Kilogramm Eigengewicht an, beim M3 sind es 4,58 Kilo. Außerdem verbucht der 911 dank des größeren Hubraums und seiner neuen variablen Ventilsteuerung auch beim Drehmoment Vorteile. Dessen Verlauf zeichnet sich durch mehr Fülle bei niedrigen Drehzahlen aus und gipfelt bei 4250/min in einem Maximalwert von 370 Newtonmetern. Der hochtouriger ausgelegte BMW-Motor begnügt sich hingegen mit 365 Nm bei 4900/min.

Auf der Piste begeistern beide Kontrahenten mit ihren Sechszylindermotoren. Hier wie dort hat man es mit einem Sportwagenaggregat reinsten Wassers zu tun, wobei die Unterschiede vorwiegend sinnlicher Natur sind. Beim M3 ist es besonders das schier grenzenlose Drehvermögen seines Reihensechszylinders. Sonor tönend und völlig unangestrengt strebt er bis 8200/min ehe dann der Drehzahlbegrenzer der Lust ein Ende bereitet. Aber auch in zivileren Drehzahlgefilden kommt keine Langeweile auf. Wer die sechs Drosselklappen an den Anschlag bringt, darf bereits bei weniger als 4000 Touren mit ebenso spontaner wie kräftiger Beschleunigung rechnen. Wem das noch nicht reicht, der kann mit aktiviertem Sport-Schalter den Biss beim Gasgeben noch intensivieren.

Mindestens ebenso anregend gibt sich der überarbeitete Boxermotor von Porsche: Er nimmt bereits im unteren Drehzahlbereich begierig Gas an, atmet aber auch oben besser durch. Zwar regelt der Drehzahlbegrenzer bei 7200/min ab, aber dafür reagiert er auf Gaspedalbewegungen noch agiler und begeistert durch seine fabelhafte Geschmeidigkeit, die selbst den Reihensechszylinder des BMW in den Schatten stellt.

Das Antriebsmoment wird bei beiden über tadellos abgestufte Sechsganggetriebe übertragen, wobei die BMW-Schaltung eine Idee präziser, der Porsche-Knüppel dagegen etwas leichtgängiger die Gänge wechselt. Beide Kandidaten erreichen Tempo 100 noch im zweiten Gang und das, sofern voll beschleunigt, praktisch gleichzeitig. Erst über 160 km/h lässt der 911 den M3 langsam, aber stetig hinter sich. Und während BMW mehr als Tempo 250 per Abregelung untersagt, kann im 911 bei reichlich Anlauf bis zu 287 km/h schnell gefahren werden.

Abseits der Autobahnen dürfte es dem 911-Fahrer jedoch schwer fallen, einen M3 abzuschütteln. Bei ausgeprägt neutralem Eigenlenkverhalten erreicht der üppig bereifte Dreier ohne großen fahrerischen Einsatz enorme Kurvenbeschleunigung, wobei das serienmäßige Stabilitätsprogramm DSC notfalls sanft, aber effektiv einschreitet. Wer es abschaltet, kann dank der fast ständig vorhandenen Überschussleistung auch schon mal mit dem Gaspedal lenken, vorzugsweise natürlich auf abgesperrter Strecke.

Ohnehin sind es Rennpisten, die den M3 von seiner besten Seite zeigen. Denn je schlechter die Qualität des Belags, desto mehr leiden Mensch und Maschine unter der brettharten Federung. Dass so viel Härte auch bei einem sportlichen Gefährt nicht sein muss, beweist der Porsche. Dessen Fahrwerk lässt zwar die Insassen über den Zustand der Straße nicht im Unklaren, federt aber grobe Stöße zuverlässig ab. Zugleich kann man über mangelndes sportliches Talent nicht klagen. Es gibt nur wenige Straßenautos, die Informationen über den Fahrzustand so gefühlsecht übermitteln und ähnlich spontan und präzise reagieren.

Da kann auch der M3 nicht mithalten. Andererseits lässt sich bei allem Fortschritt nicht leugnen, dass Heckmotorautos im Extremfall physikalischen Gesetzen folgen, die der Fahrstabilität nicht dienen. Beim diesbezüglich abermals verbesserten 911 zeigt sich das speziell in sehr schnell gefahrenen Wechselkurven, die im Vergleich zum M3 nach wie vor wachere Reaktionen und mehr Fingerspitzengefühl erfordern. Es sei denn, man gönnt sich das Stabilitätsprogramm PSM für 1928 Mark Aufpreis.

Fazit: Der 911 ist immer noch der bessere Sportwagen. Aber der M3 ist mehr: Er ist geräumiger und praktischer. Vor allem aber ist er 40.000 Mark billiger.

Technische Daten
BMW M3 Cabrio SMGPorsche 911 Carrera
Grundpreis66.950 €74.504 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4492 x 1780 x 1372 mm4430 x 1770 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA300 L130 L
Hubraum / Motor3246 cm³ / 6-Zylinder3596 cm³ / 6-Zylinder
Leistung252 kW / 343 PS (365 Nm)235 kW / 320 PS (370 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h285 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,5 s5,0 s
Verbrauch12,1 L/100 km11,0 L/100 km
Testverbrauch12,9 L/100 km
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