Renault Clio und Skoda Fabia im Test: Kleinwagen-Kombis im Vergleich

Einfach praktisch: Die beiden Kleinwagen Renault Clio Grandtour und Skoda Fabia Combi pfeifen auf modisches Crossover-Gehabe und hüllen sich in ein klassisches Kombikleid. Im Test treten beide mit motivierten 1,2-Liter-Turbobenzinern unter der Haube an.

Beide sind grundsolide Kombis

Das Autofahrer-Leben kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Allein schon bei der Navigation durch den Dschungel neuer Karosserieformen kommt mancher aus dem Tritt. Kompaktvan, Minivan, Hochdachkombi, coupéhafter Viertürer und was es noch so alles gibt. Wie wohltuend ist es doch, zur Abwechslung mal  wieder Zeit mit zwei Typen zu verbringen, die einem nichts vormachen wollen, keinem Marketing-Brainstorming entsprungen sind und nicht zwingend auf irgendwelchen Modewellen herumreiten. Die Testkandidaten Renault Clio Grandtour und Skoda Fabia Combi sind ehrlich und grundsolide, benötigen keine Gebrauchsanleitung, um ihren Sinn und Zweck zu durchschauen.

Tolle Variabilität bleibt aus

Zudem nähern sich Renault Clio und Skoda Fabia mit ihren 1,2 Liter großen Turbobenzinern ganz nebenbei dem Ideal des perfekten Nutzwert-Automobils. Überhaupt haben sich die beiden Kleinwagen-Kombis in einer solide Nische niedergelassen: Von Ford, Opel und VW großzügig ignoriert, schöpfen die Langversionen von Renault Clio, Skoda Fabia und Peugeot 207 dort Käufer ab. Beträgt der Grandtour-Anteil beim Clio rund ein Viertel, greifen beim Skoda Fabia sogar über 40 Prozent zum Combi. Durchaus nachvollziehbar für alle, die zwar die Vorteile der aktuellen Kleinwagen-Generation schätzen, denen es ab Rücksitzbank aber etwas zu eng wird.

Tolle Variabilität dürfen Kunden allerdings nicht erwarten. Verschiebbare Rückbänke oder Klapp-Kunststücke gibt es beim Skoda Fabia Combi und beim Renault Clio Grandtour nicht. Rücksitzfläche rauf-, Lehne runterklappen, fertig. Beim Skoda Fabia Combi müssen im Test die Kopfstützen raus, wobei die vom Schaumstoff zugewucherten Aufnahmen das fummelige Prozedere zusätzlich erschweren. Wenn schon Simpel-Variabilität, dann bitte auch problemlos nutzbar. Ist diese Hürde erst einmal übersprungen, gefällt der Tscheche mit einem gut nutzbaren Maxi-Kofferraum, ergänzt durch Zusatzstaufächer. Auch im Passagierabteil offeriert der Skoda Fabia Combi großzügigere Ablagen als der Renault Clio Grandtour, der hier etwas knausert.

Solide Ausführung im Skoda Fabia

Im Gegensatz zur Ausstattung des Renault Clio-Sondermodells Night & Day. Für knapp 18.000 Euro sind im Renault Dinge an Bord, für die Interessenten mancher Premium-Modelle ihren Bausparvertrag anknabbern müssen: Klimaautomatik, Stereoanlage, Navigationsgerät, Panoramaglasdach und Kurvenlicht. Der Skoda Fabia Sport kostet rund einen Tausender weniger, dafür gehen Klimaautomatik, Multifunktionslenkrad, Glasdach und Navi bei ihm extra. Andererseits ist das, was an Bord ist, durchweg solide ausgeführt. Die Sportsitze vorn halten im Test fester, die Bedienung ist schlüssiger, das Raumgefühl luftiger und die Rundumsicht besser. Differenzen auch bei der Innenraum-Anmutung: Sie wirkt beim Renault Clio hochwertiger, unter anderem wegen der Materialauswahl der Oberflächen, die bis zu einer schicken Ziernaht auf dem Armaturenträger reicht. Die Skoda Fabia-Kunststoffe sind dröger und plastikhafter gestaltet, ihre Montagequalität erscheint jedoch solider.

Skoda ist straff, der Clio ständig in Bewegung

Beim Fahren bestätigt der 1.140 Kilogramm schwere Fabia Sport dann seinen Namen. Der Skoda Fabia folgt im Test exakt den Kommandos der fein ansprechenden Elektro-Lenkung, überrascht weder mit dumpfem Untersteuern noch tückischen Lastwechselschwenks. Die Fahrwerksabstimmung geriet straff, aber bekömmlich. Federn und Dämpfer sprechen sauber an, unterbinden Karosseriewanken. Der Abrollkomfort leidet unter dem niedrigen Reifenquerschnitt (205/45 R 16), wobei der Renault Clio mit seinen 195/50 R 16 noch ein Stück hölzerner abrollt. Er kopiert kleinere Unebenheiten förmlich, bleibt vor allem auf ungepflegten Pisten ständig in  Bewegung. Bei seiner elektrisch unterstützten Lenkung spürt man hingegen, dass die sanfte Evolution aus dem einst gefühllosen Steuerrad ein angemessen präzises Instrument gemacht hat. Damit kurvt der 1,2-Tonner nicht nur relativ ambitioniert durch den Fahrdynamik-Parcours, sondern auf Wunsch flinker um enge Ecken, als sich das manche Familienmitglieder wünschen.

Clio wird erst ab 2.000/min aktiv

Nach Wunsch arbeiten die Motoren der beiden Kleinwagen-Kombis. Griffen Kenner früher allein schon wegen des bulligen Antritts zum teuren Diesel, suchen sie sich heute turbogeladene Downsizing-Benziner aus. Beim Fahren erinnert nichts an den knapp bemessenen Hubraum, beide Vierzylinder treten sauber an, ziehen großzügig durch. Dabei wirkt der Fabia-TSI mit seinem höheren, bereits bei 1.500/min anliegenden Drehmoment von 160 Newtonmetern gleichmäßiger und drehwilliger, was er allerdings auch gleich mit dem kernigeren Laufgeräusch unterstreicht. Der TCe des Renault Clio legt erst ab 2.000/min so richtig los, ohne obenraus an Elan zu gewinnen. Dazwischen - also dort, wo es gilt - hängt er sich im Test ordentlich rein, ohne plärrig zu werden. Eigentlich braucht also niemand mehr als einen Renault Clio Grandtour. Es sei denn, es steht noch ein Skoda Fabia Combi zur Auswahl.

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 20 / 2010

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