Renault Laguna vs. VW Passat: Limousinen im Vergleichstest

Renault Laguna dCi 110 FAP, VW Passat 1.6 TDI Bluemotion

Renault Laguna und VW Passat präsentieren sich mit renovierter Optik und neuen, sparsamen Basis-Dieselmotoren. Welche der beiden Mittelklasse-Limousinen steht am Ende im Vergleichstest glänzender da?

Manche Änderungen geben Rätsel auf. Beim flüchtigen Blick auf den Renault Laguna lässt sich sein Facelift an Scheinwerfern und Frontschürze nicht sofort erkennen. Anders beim VW Passat: Er versteckt seine bewährte Plattform äußerst gewitzt hinter einer frischen Fassade. Die unterscheidet sich so sehr vom Vorgänger, dass man glatt auf ein komplett neues Modell tippen könnte. Und doch handelt es sich auch hier nur um ein Facelift.

VW Passat gegen Aufpreis mit zahlreichen Assistenzsystemen

Beim VW Passat fällt außerdem auf: Seine elegante Wuchtigkeit flirtet unumwunden mit der nächsthöheren Liga. Trotzdem hebt zumindest der Preis des Basismodells mit 24.425 Euro nicht zu sehr ab. Die damit verbundene Botschaft: Hier kauft der Mittelstand clever ein, weil er viel Gegenwert fürs Geld erhält - nebst technischer Innovationen, die bislang nur eine Klasse höher zu finden waren. Etwa Assistenzsysteme wie die dynamische Fernlichtregulierung (455 Euro, aber nur zusammen mit Xenon), welche den Lichtstrahl des VW Passat praktisch um den Gegenverkehr herumlenkt, ohne dass abgeblendet werden muss. Verlockungen dieser Art bietet die VW-Preisliste reichlich; wie sehr man ihnen nachgibt, entscheidet das persönliche Budget.

Renault Laguna mit Preisvorteil von mehr als 3.000 Euro

Der VW Passat 1.6 TDI Comfortline-Testwagen etwa liegt bei mindestens 28.300 Euro und damit fast 2.000 Euro über einem Laguna mit dem 110-PS-Diesel in der Dynamique-Ausstattung. Renault-Kunden erhalten im Renault Laguna dann Klimaautomatik, Tempomat und Navigationssystem - obwohl sie deutlich weniger zahlen. Der Preisvorteil zum VW steigt auf über 3.000 Euro - und der französische Hersteller positioniert sich als cleverer Anbieter.

Echtes Wurzelholz sucht man allerdings in der Optionsliste für den Renault Laguna ebenso vergeblich wie ein Doppelkupplungsgetriebe oder adaptive Stoßdämpfer. Im VW Passat dagegen wird die Komfort-Stufe ihrem Namen gerecht, schluckt Unebenheiten deutlich williger als das Serienfahrwerk. Dank neuer mehrlagiger Frontscheibe mit Akustikfolie bleibt es selbst bei höherem Reisetempo angenehm ruhig, wozu auch das äußerst lang ausgelegte, aber präzise Sechsgang-Schaltgetriebe beiträgt.

VW Passat stolpert über Hartkunststoff

VW gibt damit klar die Marschrichtung vor: Der Passat ist eine autogewordene Annehmlichkeit, vermittelt beim Fahren ein Gefühl des In-sich-Ruhens. Fortschritte beim Premium-Schick gibt es dagegen nicht, stattdessen Hartkunststoff im unteren Cockpit-Bereich - noch innerhalb des sicht- und fühlbaren Bereichs. Hier stolpert der VW Passat ein wenig auf dem Weg in die obere Mittelklasse.
 
Renaults Innenarchitekten haben dagegen im Laguna den einst mauen Qualitätseindruck in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, setzen bei der Gestaltung auf französischen Esprit statt deutsche Sachlichkeit. Der Renault Laguna punktet mit den Segnungen seines Fließhecks wie dem Kofferraumvolumen bis 1.337 Liter und der großen Heckklappe, welche das Beladen erleichtert. Andererseits bedingt das stärker abfallende Dach Nachteile wie einen schlechteren Einstieg nach hinten und weniger Kopffreiheit im Fond.

Zu hohe Sitzposition aber verbesserter Komfort im Renault Laguna

Ohnehin sind dort nicht gerade die besten Plätze im Renault Laguna; die Oberschenkel baumeln auf der Rücksitzbank haltlos in der Luft, und die Füße passen kaum unter die Vordersitze. Gleichzeitig bemängeln selbst durchschnittlich große Fahrer vorn eine zu hohe Sitzposition. Und auf langen Bodenwellen wird man bisweilen unangenehm in die Höhe katapultiert. Trotzdem ist die Wandlung der Laguna-Federung beeindruckend.

Zum Start des aktuellen Modells 2007 frönten die Strategen noch ihrem sportliche Ehrgeiz, und der straff ausgelegte Renault Laguna stolperte noch ziemlich fahrig über Unebenheiten. Diesen Irrweg haben die Entwicklungs-Ingenieure verlassen – und mittlerweile eine gefälligere Feder-Dämpfer-Abstimmung gefunden.

Kein Start-Stopp-System für den Renault Laguna

Geblieben ist das zackige Einlenken der etwas spitz ausgelegten Lenkung. Positiv betrachtet: In Kurven stürzt sich der Renault mit einer Begeisterung, die manchen Mittelklasse-Fahrer überraschen mag, ihn aber nie in Bedrängnis bringen wird. Wer es im Renault Laguna locker angehen lässt, folgt der Schalt-Empfehlung zügig bis in den höchsten Gang, wobei die sechste Stufe anders als im VW Passat noch zum Überholen taugt. Damit zieht der Laguna im Vergleich deutlich besser durch.
 
Für Vitesse - zu deutsch Geschwindigkeit - ist im Renault Laguna dank des spritzigen Vierzylinders gesorgt, allerdings fehlt es der Führung des Schaltstocks an Akkuratesse. Fortschritt nach Art von Start-Stopp oder Rekuperation von Bremsenergie sucht man im Laguna vergebens - obwohl Renault mit dem Namenszusatz eco2 eine besondere Spartechnik suggeriert. Die liefert VW für den Passat unter dem Label Blue Motion Technology (Aufpreis: 400 Euro), so auch im Testwagen.

VW Passat hat beim Verbrauch die Nase leicht vorn

Im Schnitt lässt sich der VW Passat etwa zwei Zehntelliter günstiger als der Renault Laguna bewegen; gasfußsensitive Sparfüchse kommen sogar mit sensationell niedrigen 4,6 Liter (Renault: 4,9) auf 100 Kilometer aus.

Teekenner wissen es längst: Ein zweiter Aufguss muss nicht schlecht schmecken. So ergänzt VW beim Passat das Bewährte mit dem Fortschrittlichen und zeigt, wie sich die Mittelklasse im modernen Kleid präsentieren muss. Der VW Passat orientiert sich im Auftritt nach oben, beim Verbrauch aber eine Klasse tiefer und kombiniert Bequemlichkeit mit Bescheidenheit. Wer derart charakterfest ist, muss sich auch nicht von Grund auf neu erfinden, um die Spitze zu definieren. 

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Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 5 / 2011

Renault Laguna oder VW Passat - was wäre Ihre erste Wahl?
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