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Renault Twingo und Smart Forfour im Vergleich

Ungleiche Plattform-Zwillinge

Renault Twingo SCe 70 Energy, Smart Forfour 1.0, Frontansicht Foto: Hersteller 15 Bilder

Der Smart für vier ist zurück – wegen des Renault Twingo. Nun treffen sich die beiden Kleinen, die sich außen nur zu 5, untendrunter aber zu 70 Prozent gleichen. Wir rechnen mal nach.

13.12.2014 Sebastian Renz

Das sind dann wohl die Auswirkungen der Globalisierung, wenn sie in Paris und Sindelfingen zusammen drei Kleinwagen entwickeln und deswegen in Rom die Blumenkübel auseinandergerückt werden müssen. Denn zumindest der Legende nach mögen die Römer den Smart so gern, weil er schmal genug ist, um zwischen Blumenkübel-Absperrungen durchwitschen zu können. Das wird mit dem neuen Smart so nicht mehr gelingen, weil er nun zehn Zentimeter breiter auf der Straße steht.

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Vergleichsfahrt Renault Twingo und Smart Forfour
auto motor und sport 23/2014
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Technische Basis kommt von Smart, Produktion klärte Renault

Dass der neue Smart Forfour überhaupt hier steht, liegt aber vor allem am Renault Twingo. Für den hätten die Techniker schon lange die Idee gehabt, ihn vom Frontantriebs-Raumwunder zum Heckmotor-Citystar umzukonstruieren, informiert die Presseabteilung. Das sei dann zu teuer geworden, bis sich – Zufälle gibt’s – die Kooperation mit Daimler ergeben habe. Auch dort bedenkenträgerte man lange über die Zukunft des Smart, dessen finanziellen Erfolg es doch das eine oder andere Jahr schönzurechnen galt.

Zusammen jedenfalls waren die Entwicklerteams dann weniger allein. Mentalitätsfeinheiten überbrückte man bei Tagungen zur Steigerung des gemeinschaftlichen Miteinanders. Und zur Aufteilung der Aufgaben. Mit der Erfahrung von zwei Fortwo-Generationen kümmerte sich Smart um die technische Basis, Renault klärte die Produktion in Novo mesto. Und beide Seiten stellten sicher, dass genug Raum blieb, damit der Smart Forfour ein unverwechselbarer Smart und der Renault ein echter Twingo wurde. Dafür konnten vor allem die Designabteilungen sorgen, denn während 70 Prozent des technischen Unterzeugs gleich ist, gibt es zwischen Twingo und Forfour äußerlich bei identischen Abmessungen nur 5 Prozent Gleichteile.

Twingo ist nun ein langer Smart

Bei Renault erinnerte man sich an die zeitlos-moderne Form des zweiten R5, des Supercinq von 1984, für die bekanntlich der Designer des Lamborghini Countach, Marcello Gandini, verantwortlich gezeichnet hatte. Dagegen sieht der neue Smart Forfour so aus, wie man es schon von der ersten Generation erwartete. Den – übrigens fünfsitzigen – Kleinwagen mit dem internen Code W454 baute Smart von 2004 bis 2006. Vom Layout her war er eigentlich ein viertüriger Renault Twingo – mit Quermotor, Antrieb vorn und verschiebbarer Bank im Fond. Nun ist der Twingo ein langer Smart.

Wie der neue Smart Forfour (W453). An der Familienzugehörigkeit bleibt so kein Zweifel, und auch der an der Grazie mindert sich erheblich, wenn du direkt vor dem Viersitzer stehst. Dann wirkt das Profil weniger bussig, die Nase weniger knubbelig – sie ist wegen der Fußgängersicherheit länger als beim Fortwo. Vor allem aber kommen nun die Designdetails erst richtig zur Geltung. Die Sicke in der Flanke etwa oder wie gut im Lack der Look der Tridion-Zelle nachempfunden wird.

Weil die nun metallenen Smart-Forfour-Türen etwas weiter öffnen als die des Twingo, kommt man noch leichter rein. Drinnen dagegen unterscheidet sich das Raumangebot nur im Millimeterbereich. Es reicht für vier Personen aus, ohne je mit Fülle zu verwöhnen. Vorn reisen Erwachsene natürlich etwas ungedrängter als auf den steillehnigen Rücksitzen. Auf denen kann man Kindersitze wegen der cleveren Anker leicht isofixieren. Auch die kleinen Kofferräume lassen sich trotz der hohen Ladekanten gut nutzen. Doch packt das Ladeabteil des Twingo wegen seiner schmaleren Seitenverkleidung eine kleine Tasche mehr. Und im Fond bleibt etwas mehr Kopfraum, was aber nur daran liegt, dass der Smart das elektrische Faltdach für 990 Euro hat, dessen Rahmen zwei Zentimeter Höhe abknapst.

Smart Forfour mit mehr Variabilität

Für 250 Euro gibt es dagegen mehr Variabilität im Smart Fourfor. Dann kann er nicht nur wie der Twingo die Rücksitzlehne in einer steileren Cargo-Stellung arretieren oder – wie den Beifahrersitz – komplett flachlegen. Ein Zug am Rücksitzkissen, und es klappt in einer 180-Grad-Drehung zwölf Zentimeter nach unten, schafft genug Höhe für sperriges Gepäck wie Mountainbikes, die teilenträdert hinter den Vordersitzen mitreisen können. Zwischen den beiden etwas besser ausgeformten Rücksitzen klinkt sich eine Ablagebox ein.

Das gibt es für den Twingo nicht, wobei es ihm keineswegs an cleveren Ideen mangelt. Er hat große Ablagen, statt eines Handschuhfachs gibt es eine herausnehmbare Tasche, und das gesamte Interieur wirkt modern, einfach, reduziert – teilweise wegen der schmaleren Türverkleidungen sogar luftiger. Dagegen versteht sich der Forfour durchaus als kleiner Daimler. Also möblierten ihn die Innenarchitekten aufwendiger und mit hochwertigeren Materialien. Vom Renault übernimmt der Smart Forfour die Grundstruktur des R-Link-Infotainments, erweitert es aber um eigene Apps etwa zur Radiobedienung, Parkhaussuche, automatischen Parkkostenabrechnung oder für Spielereien wie einen G-Kraft-Sensor. Schließlich stattet Smart beide Modelle optional mit einer Rückfahrkamera aus. Dabei könnte man Forfour, Fortwo und Twingo mit ihren extrem kleinen Wendekreisen (Fortwo und Twingo 8,9 Meter, Fortwo 6,95 Meter) fast in eine DIN-Garage parken – alle drei nebeneinander, quer und mit verbundenen Augen.

Bei der Sicherheitsausstattung überbietet der Smart Forfour den Renault Twingo um Bügeltürgriffe, einen serienmäßigen Knieairbag auf der Fahrerseite, den Seitenwindassistenten per ESP-Eingriff, die Gurthöhenverstellung vorn und den Kollisionswarner (250 Euro). Dagegen kostet der Spurhalteassistent ohne Lenkeingriff bei beiden extra (390 Euro für den Twingo Dynamique). Dazu bemüht sich Smart um eine noch solidere Verarbeitung, was den Forfour nach Meinung des Marketings ebenso vom Twingo abhebt wie das Becherhalter-Duo in der Mittelkonsole, die kleine Schublade darunter, die nettere Bedienung der Klimaautomatik oder das große TFT-Display für den Bordcomputer.

Smart Forfour bietet ab 2015 Twinamic

Den Drehzahlmesser dagegen gibt es im Smart Forfour auch weiterhin nur gegen Aufpreis. Ein Schlüsseldreh – das Zündschloss sitzt nicht mehr zwischen den Sitzen, sondern in der Lenksäulenverkleidung –, und der Dreizylinder-Turbo im Heck trommelt munter los. Der 999-Kubik-Dreizylinder stammt wie das manuelle Fünfganggetriebe von Renault. Im Frühjahr 2015 kommt dann für rund 1.000 Euro das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe namens Twinamic – exklusiv für den Smart, wie auch später der Elektroantrieb.

Sofort und für beide gibt es den Einliter-Benziner mit 71 PS. Im Smart Forfour kommt der Kooperationsmotor serienmäßig mit Start-Stopp und Euro 6. Beides gibt es nicht beim Basis-Twingo (9.590 Euro), sondern erst beim Energy SCe 70, der in der Dynamique-Linie 10.990 Euro kostet. Dann reduziere sich der Preisunterschied auf rund 500 Euro, rechnet Smart vor. Renault mag da aber durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen.

Wie dem auch sei: Am 22. November startet der Smart Forfour in Europa. Und kurz danach in Rom wohl das große Kübelrücken.

Der Smart Forfour ist größer geworden und dennoch kurz geblieben

Der wichtigste Kaufgrund für einen Smart sei die Kürze. Sagt Smart. An der hat sich bei der dritten Generation nichts geändert. Auf 2,70 Metern bringt der Fortwo zwei Personen erstaunlich kompaktklassig unter – was auch an dem hochwertigeren Interieur (identisch mit Smart Forfour) und 10 Zentimetern mehr Breite liegt. Die sollen zudem das Fahrverhalten agilisieren und dem Fortwo etwas bescheren, was ihm bisher recht grundsätzlich fehlte: Handling. Und Komfort, ermöglicht das neue Fahrwerk doch ein anderes Set-up. Zwei Drittel der Smart-Kunden werden für den Fortwo erwartet.

Vor- und Nachteile

  • aufwendigere Materialauswahl
  • optional bessere Variabilität
  • ab 2015 auch mit Doppelkupplungsgetriebe lieferbar
  • bequeme Sitze
  • etwas geringerer Normverbrauch
  • Start-Stopp Serie
  • kleinerer Kofferraum
  • höhere Preise
  • mit Faltdach knappe Kopffreiheit
  • etwas größerer Kofferraum
  • günstigere Grundpreise und Extras
  • teils einfachere Bedienung
  • gute Raumausnutzung
  • sichere Fahreigenschaften
  • weniger Sicherheitsextras
  • geringere Variabilität
  • Motor erfüllt in Basisversion nur Euro 5
  • höhere Versicherungskosten

Fazit

Trotz identischer Abmessungen, gleicher Motoren und ähnlicher Preise sind Smart Forfour und Renault Twingo doch erstaunlich unterschiedlich. Der Renault ist die günstigere Wahl, der Smart sucht mit edlen Extras eine halbe Klasse höher nach Kunden.

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