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Seat Altea XL und Renault Grand Scénic

Lang-Körper

Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Es gibt noch ein Van-Leben ohne sieben Sitze. Der Renault Grand Scénic XXL und der Seat Altea XL verzichten für mehr Laderaum auf die dritte Sitzreihe. Test der Diesel-Versionen.

29.01.2007 Alexander Bloch

Papa, schneller!“ Das ist Musik in den Ohren vieler Väter. Der Filius fühlt sich wohl im Auto und drängt strahlend auf mehr Dynamik. Dabei hatte sich Papa doch schon damit abgefunden, dass der Einstieg in einen Van der Ausstieg für alle Sportfahrer- Ambitionen sein würde. So müssen sich die Seat-Mannen die Zielgruppe des neuen Altea XL 2.0 TDI wohl vorstellen: junge Familien mit Benzin im Blut. Auf spanisch frei übersetzt: Auto emoción con niños.
Nach der Limousine, die keiner versteht (Toledo), und dem Van, der keiner ist (Altea), folgt nun im dritten Teil des Seat-Familiendramas ein großer Bruder, der endlich Optik, Raumangebot und Fahrverhalten miteinander kombiniert. Die Daten sprechen für sich: 14 Zentimeter länger und bis zu 284 Liter geräumiger als das Geschwisterchen ohne XL. Da jubelt die Sippschaft, besonders wenn sie feststellt, dass die Zuladung um einen Zentner höher ist als beim normalen Altea. Da können die Stofftiere aus der Werbung sogar noch ihre Freunde mitnehmen.

Die Gesichter werden jedoch länger, wenn der im September vorgestellte Renault Grand Scénic XXL 2.0 dCi vor dem Reihenhaus vorfährt. Ebenfalls ein großer Bruder (des Scénic), ist er mit knapp 2000 Liter maximalem Ladevolumen und fast 600 Kilogramm Zuladung nicht nur größer und praktischer, sondern als 2.0 dCi mit 150 PS auch noch zehn PS stärker als der Zweiliter- TDI im Deutsch-Spanier.

Doch der Altea XL glänzt mit Kumpelqualitäten.

Er ist unkompliziert: Die hintere geteilte Sitzreihe legt sich nach einem simplen Schlaufenzug fast komplett flach – ohne beschwerlichen Sitzausbau oder Hebellogik-Spiele. Und man braucht kein Handbuch, um mit ihm und seinen elektronischen Errungenschaften umgehen zu können. Er ist pflegeleicht: Das Hartplastik-Interieur gewinnt zwar keinen Concours d’Elégance, erweckt aber auch keine Schokoladenfinger- Allergie.

Er bietet eine gemütliche und geräumige Bude. Die bequemen Altea-Sitze, egal ob vorne oder im Fond, verwöhnen mit Seitenhalt und einer Oberschenkelauflage sogar für Kinder, die schon größer als ihre Eltern sind. Und er schmutzt nicht: Der Partikelfilter ist serienmäßig. Gute Kumpel haben Macken, der Seat auch. Seine breiten A- und C-Säulen behindern den Ausblick, und seine Sicherheitsausstattung erhält keinen Fürsorge-Preis:

Es fehlt ein Anti-Sub- marining-System für lümmelnde Mitfahrer, und die Airbags sind nur einstufig. Zudem weckt das harte Kaltstartnageln seines Pumpe-Düse-Aggregats morgens die Nachbarn auf.

Der XXL-Scénic mimt dagegen den wohlerzogenen, feinen und hilfsbereiten Familienfreund.

Sein Common-Rail-Motor nagelt kaum lauter als ein Benzindirekteinspritzer der ersten Stunde.
Im Interieur präsentiert er sich in der teuersten Variante Privilège mit einer edlen Teilleder-Softtouch-Lack-Robe sowie Echt-Alu-Einsätzen schon beim ersten Kennenlernen von seiner besten Seite. Für Utensilien öffnet er auch seine zahlreichen, unter Sitzen und im Boden versteckten Staufächer. Wie ein Steward schiebt der im Privilège serienmäßige Mini-Trolley auf Schienen kleines Bordgepäck zwischen den Vordersitzen hin und her.
Traum aller Schwiegermütter mithin, wären da nicht seine Extravaganzen. Die Digital-Instrumente strahlen ergonomisch unsinnig mitten über dem Armaturenbrett. Zudem wird man nicht richtig warm mit seinen überladenen Lenkradhebelchen und der verwirrenden Bedienung. Variabilität heißt für den Grand Scénic außerdem: Lass die Insassen schwere Sitze schleppen – immerhin sind die Sessel einzeln verschiebbar.

Seine Sessel bieten zwar zu wenig Oberschenkelauflage, für das Wohlbefinden seiner Gäste sorgt er trotzdem. Während die Federung des Altea XL wie ein kumpelhafter Schulterklapps wirkt – nett gemeint, aber straff und durchrüttelnd –, verwöhnt der Scénic mit einem weich und wiegend abge- stimmten Mc-Pherson-Verbundlenker- Fahrwerk vom Typus warmer Händedruck.

Auf Querfugen reagiert der Renault jedoch zickig mit leichtem Stuckern. Auch beim Bremsen auf einseitig glattem Untergrund fehlt es ihm an Konsequenz: Über 140 Meter schlittert er aus 100 km/h über die Kacheln. Der Common-Rail-Motor wahrt stets seine hohe Laufkultur. Elastisch, sparsam und leise, macht das Aggregat vor allem in puncto Ausgewogenheit kurzen Prozess mit dem Seat-TDI. Bei Bedarf packt den Scénic geradeaus sogar sportlicher Ehrgeiz. Dann schiebt er seine 1,6 Tonnen unter zehn Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Papa schneller?

Das wiederum vereiteln die immer noch teilnahmslos agierende Lenkung und die unpräzise Gangselektion. Der Scénic will kein Athlet sein, der Komfort seiner Passagiere liegt ihm mehr am Herzen als die Freude seiner Fahrer. Besonders voll beladen erlaubt er es sich daher, Kurven mal deutlich zu umwanken. Unsicherer wird er dadurch kaum. Der Altea gebärdet sich wilder und emotionaler.

Seine 140 PS nageln auf Gasbefehl raubeinig nach Art der alten Diesel-Schule. Plakativ drückt sein Motor, objektiv schneller ist er nicht. Dafür juchzen die Gören auf der zweiten Bank, wenn der große Spanier zackig einlenkt und sich vehement gegen Untersteuern wehrt. Nicht unbedingt die alles entscheidenden Tugenden für einen Van, aber auf der Landstraße sehr unterhaltsam. Den Sieg holt sich der Altea auch nicht aus diesem Grund, sondern mit seiner höheren Umweltverträglichkeit und dem erheblich geringeren Grundpreis.
Beide verwöhnen mit guter Ausstattung, Renault verlangt dafür aber 4000 Euro mehr. Das machen auch seine niedrigen Unterhaltskosten nicht mehr wett. Doch wenn die neuen Kinderzimmermöbel transportiert werden müssen, grinst der Nachwuchs von Grand Scénic-Fahrern trotzdem breiter.

Fazit

1. Renault Grande Scénic XXL 2.0 dCi
462 Punkte

Sehr geräumig, weich gefedert und mit einem exzellenten Motor gewinnt der Scénic denkbar knapp die Eigenschaftswertung. Es fehlen jedoch ein Partikelfilter, bessere Ergonomie und bequeme Fondsitze.

2. Seat Altea XL 2.0 TDI
466 Punkte

Der Altea ist unkompliziert, erstaunlich agil und hat bequeme Sitze, ist aber kein Wunder an Komfort und Qualitätsanmutung. Den knappen Gesamtsieg holt er mit seinem deutlich niedrigeren Grundpreis.

Technische Daten
Seat Altea XL 2.0 TDIRenault Grand Scénic 2.0 dCi
Grundpreis26.290 €29.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4467 x 1768 x 1581 mm4493 x 1810 x 1636 mm
KofferraumvolumenVDA532 bis 1604 L513 bis 2015 L
Hubraum / Motor1968 cm³ / 4-Zylinder1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung103 kW / 140 PS (320 Nm)110 kW / 150 PS (340 Nm)
Höchstgeschwindigkeit201 km/h204 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,0 s9,8 s
Verbrauch6,1 L/100 km5,8 L/100 km
Testverbrauch8,2 L/100 km8,1 L/100 km
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