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Skoda Fabia Combi gegen Peugeot 206 SW

Doppeltest des Skoda Fabia Combi 1.9 gegen Peugeot 206 SW HDi 90

Minimale Außenlänge und maximaler Laderaum verspricht der neue Kleinwagen-Kombi Peugeot 206 SW HDi 90. Er ist die designorientierte französische Antwort auf den Skoda Fabia Combi 1.9 TDI-PD.

23.08.2002

In Sachen Artenvielfalt halten die Kleinwagen beiden Großen locker mit: Es gibt Cabrios, Roadster und Coupés, sogar Vans, Sport Utility Vehicle oder Kastenwagen. Schräg- und Stufenheck-Limousinen mit zwei oder vier Türen sowieso. Und Kombis. Kleinwagen als Kombi – ein Marketing-Gag? Schließlich, das sagt bereits sein Name, ist der Kleinwagen für großzügigen Laderaum nun wirklich nicht bekannt.

Zweifel an der Praktikabilität zerstreut der Skoda Fabia Combi 1.9 TDI-PD mit einem maximalen Stauvolumen von 1225 Litern. Das reicht für  Familienausflüge, Sportgeräte  und Großeinkäufe. Nun spiegelt sich der Nutzwert allzu deutlich im Design des Skoda wider. Lifestyle? Weiß Gott nicht. Und der neue Konkurrent aus Frankreich, der Peugeot 206 SW HDi 90? Der setzt sich in Szene. Sein grimmiger Blick schafft Respekt, die Seitenlinie streckt die Figur. Sogar das steile Heck sieht flott aus. Und es signalisiert trotzdem einen überdurchschnittlichen Laderaum. Ein falsches Signal, denn im Vergleich zum Skoda fehlen dem Peugeot beim Maximalwert fast 90 Liter. Ein Blick auf die Außenmaße erklärt, warum: Der 206 SW ist etwa 20 Zentimeter kürzer. Das wirkt sich auch auf den Passagierraum aus. Vorn wie hinten ist der Fabia geräumiger. Der 206 imponiert nur durch luftige Höhe.

Soviel zum Raum. Doch wie ist er nutzbar? Selbst 1225 Liter Ladevolumen werden zur Farce, wenn, wie im Falle des Skoda, eine Ladekante den Zugang erschwert. Immerhin stimmt die Variabilität: Wie beim 206 lassen sich auch im Fabia die Rücksitzlehnen asymmetrisch teilen. Umgeklappt entsteht im Skoda allerdings keine ebene Ladefläche.

Angenehm ist dagegen der Aufenthalt im Fabia. Zwar wirkt er wie ein künstlich steril gestalteter Polo, aber die Anordnung der Instrumente ist logisch, und die Materialien wirken trotz hohem Plastikanteil nicht billig. Vor allem im Fond nimmt man gerne Platz. Zwischen den guten Ausformungen der Sitzlehnen finden zwei Rücken jederzeit Halt. Für einen schnellen Skat ist ein dritter Mann o.k., er wird sich auf dem Wulst in der Mitte aber nur geduldet vorkommen. Vorn gibt es Platz genug, doch die Sitze bieten wenig seitliche Unterstützung. Generell wünschte man sich mehr Sitzkomfort. Sonstigen Komfort vermisst zumindest niemand, der 17 910 Euro hinblättert und den Fabia in der Elegance-Ausstattung bestellt. Klimaanlage, Alufelgen, Sitzheizung – alles serienmäßig. Und mittels umfangreicher Optionsliste lässt sich der Skoda zum Luxus-Kombi hochrüsten. Da kann der 206 als Tendance sowohl bei der Serien- als auch bei der Zusatzausstattung nicht mithalten. Bei ihm muss beispielsweise die Klimaanlage für 1050 Euro hinzu geordert werden, dafür verfügt er über eine Dachreling sowie eine getrennt zu öffnende Heckscheibe. Und er ist immerhin 1370 Euro billiger als der Konkurrent.

Leider muss der Peugeot-Käufer einen Teil des Geldes in die höheren Kasko-Prämien investieren, was den Unterhalt verteuert. Und leider sieht er seinem Neukauf auch an, warum der Preis günstiger ist: Eine dröge Hartplastik-Landschaft erstreckt sich im Cockpit bis zur Frontscheibe. Kein optischer, sondern ein ergonomischer Makel ist das Verhältnis Lenkrad zu Sitzlehne. Nach oben gekippt steht das Volant so flach wie in einem Kleinlaster, nach unten geneigt nimmt es Tuchfühlung zu den Oberschenkeln auf. Dazu nervt die unpräzise Lehnenverstellung. Die Vordersitze selbst sind dagegen komfortabler als die straff gepolsterten Stühle im Skoda und bieten mehr Seitenhalt.

Im Fond dreht sich das Verhältnis um: Die Passagiere rutschen im Peugeot umher. Optimal sichern lässt sich dagegen die Ladung im 206. Ein Abtrennnetz zwischen Koffer- und Fahrgastraum fängt Gepäckgeschosse etwa bei einer Vollbremsung auf. Die gelingt in kaltem Zustand zufriedenstellend; nach einer simulierten Passabfahrt lässt die Leistung spürbar nach. Der Skoda bremst sogar noch schwächer. Fazit: Nachbesserungsbedarf bei beiden. Auf frühere Kritik an tückischen Lastwechselreaktionen hat Peugeot bereits reagiert und das Fahrwerk des 206 überarbeitet. Jetzt benimmt er sich bei Ausweichmanövern deutlich unkritischer, drängt allerdings nach wie vor leicht mit dem Heck zum Kurvenaußenrand. Dass dieses Eigenlenkverhalten auf winkligen Landstraßen Spaß machen kann, soll nicht verschwiegen werden. So lässt sich Untersteuern durch Gaslupfen in ein leichtes Übersteuern wandeln und der 206 biegt zackig ums Eck. Obwohl auch sehr kurvenwillig, bleibt der Fabia hier nur zweiter Sieger, zumal seine Lenkung aus der Mittellage unharmonisch anspricht.

Bei der Federung dagegen fand Skoda die gelungenere Abstimmung. Spricht der Fabia auf lange Wellen im Vergleich noch hölzerner an, so absorbiert er kurze Stöße doch deutlich geschmeidiger. Und dass er nicht ganz so sportlich ums Eck fegen kann, gleicht der Skoda mit seinem stramm anreißenden 1,9-Liter- TDI-Motor auf der Geraden wieder aus. Diesem Druck hat der Zweiliter-Motor des 206 wenig entgegenzusetzen. Er klingt dafür angenehmer und suggeriert eine bessere Laufkultur als der im Skoda schlecht gedämmte, aber vibrationsärmere TDI. Obwohl der Fabia nicht in allen Details überzeugt, gewinnt er den Vergleichstest deutlich. Zu sehr hinkt der neue Peugeot in den Kapiteln Fahrkomfort und Antrieb hinterher. Ihm wünscht man einen Motor, der zum flotten Äußeren passt. Etwa den TDI aus dem VW-Konzern.

Fazit

1. Peugeot - 206 SW HDI 90 - 44046
465 Punkte

2. Peugeot 206 SW: Wer schön ist, muss deshalb nicht gleich unpraktisch sein. Als Transporter taugt der 206 SW ebenso wie als Fahrspaß-Auto. Allerdings wird das sportliche Handling durch straffe Federung erkauft, und dem Motor fehlt es an Mumm.

2. Skoda Fabia Combi 1.9 TDI-PD
497 Punkte

Der Skoda überzeugt mit Ausnahme der hohen Ladekante durch funktionelle Gestaltung. Er bietet mehr Platz, den besseren Fahrkomfort sowe einen bulligen Motor. Sein hoher Preis relativiert sich durch gute Ausstattung und niedrige Kaskoprämien.

Technische Daten
Peugeot 206 SW HDI 90Skoda Fabia Combi 1.9 TDI-PD
Grundpreis16.440 €17.910 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4028 x 1664 x 1460 mm4222 x 1646 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA313 bis 1136 L426 bis 1225 L
Hubraum / Motor1997 cm³ / 4-Zylinder1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung66 kW / 90 PS (205 Nm)74 kW / 100 PS (240 Nm)
Höchstgeschwindigkeit179 km/h187 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h13,5 s11,6 s
Verbrauch5,3 L/100 km4,9 L/100 km
Testverbrauch6,2 L/100 km6,1 L/100 km
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