Skoda Superb vs. Honda Accord und VW Passat

Reicht schiere Größe, um in der Mittelklasse zu Bestehen?

Die Mittelklasse wächst und wächst. Vorläufiger Höhepunkt ist der neue Skoda Superb. Doch reicht schiere Größe, um im Vergleich zum ebenfalls neuen Honda Accord und zum bewährten Passat, mit dem er die technische Basis teilt, bestehen zu können?

Große Klappe, nix dahinter - so heißt es im Volksmund, wenn jemand zwar viel verspricht, dem aber keine Taten folgen lässt. Doch wenn der neue Skoda Superb eine große Klappe aufmacht, dann steckt auch was dahinter - ein bis zu 1.670 Liter fassender Gepäckraum nämlich. Das ist deutlich mehr als beim ebenfalls neuen Honda Accord und beim Urmeter der Mittelklasse, dem VW Passat. Denn während diese als konventionelle Stufenheck- Limousinen ausgelegt sind, gibt beim Superb eine weit aufschwingende, große Heckklappe den Zugang zum Ladeabteil frei.


Dabei sieht der Skoda auf den ersten Blick gar nicht wie ein Fließheckauto aus, sondern ebenfalls wie eine Limousine. Wie bei einer solchen üblich, öffnet sich beim Superb ohne weiteres Zutun allerdings auch nur ein normaler Kofferraumdeckel. Erst nach einer zeitraubenden Prozedur schwingt die Klappe am Stück nach oben: Einen in der Griffleiste rechts versteckten Schalter drücken. Warten, bis diverse Elektromotoren die zweigeteilte Klappe verriegelt und die seitlichen Verankerungen gelöst haben. Dann, wenn die dritte Bremsleuchte aufhört zu blinken, kann die Twindoor genannte Heckklappe durch Drücken des mittleren Entriegelungsknopfes geöffnet werden. Zugegeben - eine ingeniöse Leistung, doch bei unveränderter Optik hätte man die Heckklappe auch einteilig ausführen können. Denn durch sie lässt sich der Kofferraum bequemer beladen als über die schmale Luke. Hilfreich wäre zumindest eine Einstellmöglichkeit, dass die Klappe standardmäßig im Ganzen öffnet.

In den Superb passen auch sperrige Güter

Im Superb können nach Entfernen der Gepäckraumabdeckung sogar hohe und sperrige Güter transportiert werden. Wegen der festen Hutablagen und der viel kleineren Öffnungen ist das bei Accord und Passat trotz umklappbarer Rücksitzlehnen nicht möglich. Beim Honda ist der normale Kofferraum außerdem rund 100 Liter kleiner und sehr zerklüftet. Dabei sind störende Beulen und Ausbuchtungen nicht nur seitlich, sondern auch im Boden vorhanden. Im hinteren Teil ist der Ladeboden sogar nur auf gut einem halben Meter Breite eben. Unpraktisch ist zudem, dass sich die Lehnen zwar vom Kofferraum aus entriegeln lassen, diese dann aber vom Innenraum aus umgelegt werden müssen.

Überflügelt der Superb schon beim Gepäckvolumen die Konkurrenten deutlich, legt er in Sachen Platzangebot und Raumgefühl für die Passagiere sogar noch einen drauf. Erst zwei Klassen höher findet man annähernd die Beinfreiheit im Fond, die der Skoda offeriert. So zeigt ein Vergleich der Messwerte, dass man bei der Mercedes S-Klasse schon zur Lang-Version greifen muss, um mehr Platz zu haben als im Superb. Die großen Türausschnitte erlauben zudem, dass man den Innenraum erhobenen Hauptes betritt.

Weniger Platz im Passat

Im Passat, dessen Radstand fünf Zentimeter kürzer ist, kommen die Knie der hinteren Mitfahrer zwar ebenfalls nicht mit den Vordersitzen in Konflikt, doch ein ähnlich verschwenderisches Raumgefühl stellt sich nicht ein. Trotz gleichem Radstand wie im Passat bietet der Accord deutlich weniger Platz im Fond, die Passagiere hocken zudem auf einer niedrig montierten, schwammig gepolsterten Bank. Vorne schränken die ausladende Mittelkonsole und der breite Tunnel das Raumgefühl ein. Und die Sitze bieten zwar guten Seitenhalt, sind auf Dauer aber unbequem, da eine Kante im unteren Bereich der Lehne unangenehm in den Rücken drückt.

In Sachen Federungskomfort kann der Honda nur durch sein geschmeidigeres Ansprechen auf kurze Unebenheiten wie Querfugen gegenüber Skoda und VW punkten. Denn sowohl bei langsamer Fahrt als auch auf der Autobahn erweisen sich hier beide als gleichermaßen stuckerig. Unter allen anderen Bedingungen liegen sie aber deutlich ruhiger als der Accord, dessen Aufbau besonders auf langen Wellen wegen zu lascher Dämpfung zu unangenehmen Hub-Schwingungen neigt.

Spürbar ausgewogener sind Superb und Passat auch beim Fahrverhalten. Da sie technisch eng miteinander verwandt sind, sind die Unterschiede nur marginal. Beide lenken spontan ein und lassen auf kurvenreichen Strecken wenig von ihrer Masse und Größe spüren. Insgesamt wirkt der Passat jedoch einen Tick agiler. Immer wieder verdient die elektromechanische Lenkung Lob. Mit ihrer Präzision und sensiblen Rückmeldung ist sie seit langem die beste ihrer Gattung. Dagegen wirkt das ebenfalls elektromechanische Honda-Aggregat synthetisch sowie besonders um die Mittellage weniger exakt, und wegen fehlender Rückmeldung muss der Lenkeinschlag im Kurvenverlauf öfter korrigiert werden. Hinzu kommt, dass der Accord beim Einlenken stärker über die Vorderräder schiebt und bei flotter Gangart auf Unebenheiten in der Kurve auch schon mal versetzt.

Große Unterschiede bei den Fahrleistungen

Während ESP-Eingriffe bei Skoda und VW nur durch das Blinken der gelben Kontrollleuchte auffallen, hält der elektronische Zügel den Accord auch dann noch fest, wenn die Situation bereits entschärft ist. Aber nicht nur deshalb fahren die beiden Konzernbrüder dem Honda davon. Bei den Fahrleistungen gibt es große Unterschiede, obwohl der Honda nominell nur vier PS schwächer ist. Superb und Passat trumpfen mit ihrem sehr gut abgestimmten 1,8-Liter-Turbomotor auf, der in dieser Klasse kaum Wünsche offen lässt.

Mit einem Drehmoment von 250 Nm bereits ab 1.500/min ermöglicht das Aggregat einen bulligen, spontanen Antritt. Es beschleunigt verzögerungsfrei - beispielsweise aus engen Kehren - ganz ohne Anfahrschwäche, wie man sie noch vom Diesel kennt. Die füllige Kraftentfaltung kombiniert der Benzin-Direkteinspritzer mit kultiviertem Motorlauf und hoher Drehfreude.

Accord ohne Chance

Der nicht aufgeladene Saugrohreinspritzer im Accord bietet nichts von alledem. Mit nur 192 Nm ab 4.100 Touren wirkt er im Durchzug müde und schlapp, was sich trotz kürzerer Übersetzung in deutlich schlechteren Elastizitätswerten niederschlägt. Auch besonders drehfreudig ist der Vierzylinder nicht. Seine ansonsten angenehm zurückhaltende Akustik wird mit steigender Drehzahl zunehmend brummiger und lauter.

Lediglich beim Verbrauch liegt der Honda mit einem knappen Liter weniger auf 100 Kilometer vorn. Dennoch setzt sich der neue Superb unangefochten an die Spitze und zieht pikanterweise sogar am etwas teureren Konzernbruder vorbei - nicht zuletzt wegen seiner großen Klappe. Darüber hinaus zeigt er die gleichen Qualitäten bei Fahreigenschaften, Antrieb und Komfort wie der Passat, aber auch ähnliche Schwächen beim Bremsen auf rechts und links unterschiedlich griffiger Fahrbahn (μ-split). Vor allem ist der Skoda deutlich besser ausgestattet und günstiger im Unterhalt als der VW. Gegen dieses Duo hat der knapp geschnittene Accord keine Chance, was vor allem am müden Motor und den wenig harmonischen Fahreigenschaften liegt.

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Hermann-Josef Stappen

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