Sportliche Viertürer im Test: Der CLS fordert A7 und Panamera

03/11 aumospo 07/2011 Mercedes CLS 350, Audi A7 3.0 TFSI Quattro, Porsche Panamera

Audi A7 Sportback 3.0 TFSI und Mercedes CLS 350 sind mit starken V6-Motoren unterwegs in die Luxusklasse. Dort wartet schon der Porsche Panamera in seiner ebenfalls mit sechs Zylindern ausgerüsteten Basisversion. Vergleichstest der drei sportlichen Viertürer.

Knapp fünf Meter Länge, rund 300 PS starke V6-Motoren und Preise ab 60.000 Euro: Die viertürigen Coupés von Audi und Mercedes gehören eindeutig zu jener besseren Gesellschaft unter den Automobilen, die ihre Daseinsberechtigung eher aus feinem Stil als aus größtmöglichem Nutzwert beziehen. Trotz ihres individuellen Designs sowie der gehobenen Ausstattung und Motorisierung sind sie allerdings technisch nichts anderes als Ableger konventioneller Limousinen und typische Vertreter ihrer Marken.

Porsche Panamera mit höchstem Grundpreis

Wem diese zu alltäglich erscheinen, der findet bei Porsche möglicherweise ein passenderes Angebot. In der V6-Basisvariante stellt der Panamera eine faszinierende Alternative dar, die aber deutlich teurer bezahlt werden muss: Mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe kostet er rund 15.000 Euro mehr als der Mercedes CLS und fast 20.000 Euro mehr als der Audi, der in diesem Vergleich fast als Schnäppchen durchgeht.

Die kleinen Stückzahlen des Porsche sind dafür ebenso verantwortlich wie seine eigenständige Konstruktion, während sich A7 und Mercedes CLS jeweils aus großen Komponentenbaukästen bedienen können. Was nicht bedeutet, dass der Käufer mit ihnen weniger Auto oder technische Finesse bekommt, sondern eher weniger Glamour.

Porsche schreibt Individualität groß

Schon das Armaturenbrett und die Mittelkonsole sind eine Pracht, hier gehen klassisches Design,  beste Materialien und hochwertige Verarbeitung eine stimmige Synthese ein. Zugleich verlangt der Panamera im Test von seinem Besitzer eine gewisse Lernbereitschaft, bevor sich Vertrautheit im Umgang einstellt. Besonders die Vielzahl der Tasten auf der Mittelkonsole erschwert die Bedienung und steht damit in Gegensatz zu dem, was Audi und Mercedes CLS ihren Fahrern vorsetzen.

Beide huldigen dem löblichen Prinzip, dass die wichtigsten Funktionen und Informationen auch ohne einen Blick in die Betriebsanleitung zugänglich sein müssen. Wer aus einem anderen Modell der jeweiligen Marke umsteigt, findet sich auf Anhieb zurecht. Trotz ähnlich hoher Material- und  Verarbeitungsqualität wird bei ihnen jedoch nicht ganz die Individualität und Noblesse des Porsche geboten.

Dass sich der bereits in zweiter Generation antretende Mercedes CLS am stärksten als Coupé präsentiert, liegt an seinem Mix aus rahmenlosen, sehr niedrigen Seitenscheiben und dem flachen Heck mit kurzem Deckel. Audi und Porsche kontern mit großen Heckklappen zum leichteren Beladen sowie umlegbaren Rücksitzlehnen, die sich der Mercedes CLS mit 518 Euro extra honorieren lässt. Beim Panamera hapert es dagegen eher am Gepäckvolumen, beim A7 Sportback an der Zuladung.

Coupés mit ausreichend Platz im Fond

Wegen des Kofferraums oder der vier Türen wird zwar niemand, der oft mit Passagieren im Fond unterwegs ist, ein solches Auto kaufen. Aber wer nach hinten muss, empfindet das im Test nicht als Strafe. Speziell auf den gut geformten Einzelsitzen von Porsche und im Mercedes CLS genießen selbst Erwachsene genügend Platz und Komfort für längere Reisen. Der Audi mit seiner ebenfalls  angenehm gepolsterten Rückbank kann gar als Fünfsitzer dienen, was bei einem sportlichen Coupé indes eher eine Sekundärtugend darstellt.

Autos mit Sport-Appeal sind alle drei – am ausgeprägtesten natürlich der Porsche. Egal, was die Zuffenhausener auch bauen, am Ende kommt immer einer der sportlichsten Vertreter des jeweiligen Marktsegments heraus. Auch der stattliche Panamera hat ausreichend Sport-Gene mitbekommen. Er reagiert im Test betont spontan, fast schon etwas giftig auf kleinste Lenkbewegungen. Ein Elfer im Großformat, der sich aber aufgrund seiner Abmessungen und der völlig unzureichenden Übersichtlichkeit seiner Karosserie auf engen und kurvigen Landstraßen selbst im Weg steht.

A7 punktet bei Komfort und Traktion

Der Audi wirkt da spürbar handlicher; er lässt sich mit seiner sehr leichtgängigen Lenkung spielerisch fahren und profitiert, falls der Reibwert der Straße zu wünschen übrig lässt, vom Traktionsvorteil des serienmäßigen Allradantriebs. Da herrscht sogar dann noch im Test souveräne Ruhe, wenn die beiden Hecktriebler ihren Hintern mit konsequenten ESP-Eingriffen im Zaum halten müssen.

Die elektronische Fahrhilfe überzeugt bei allen durch ihre harmonische Abstimmung, wobei der Mercedes CLS nach Art des Hauses eher auf Nummer sicher geht. Weit weniger als seine Konkurrenten kehrt er die sportliche Seite in den Vordergrund und bemüht sich stattdessen, dem Fahrer das Leben so stressfrei und komfortabel wie möglich zu machen.

Audi mit souveränstem Antrieb

Dass er sich im klassischen Lieblingsfach der Marke – dem Komfort – dem Audi geschlagen
geben muss, liegt an dessen Testwagen-Ausstattung mit der optionalen Luftfederung. Die filtert Bodenunebenheiten noch etwas besser aus als die Stahlfederung des Mercedes CLS, der auf Wunsch ebenfalls mit Luftpolstern zu haben ist. Der Porsche schließlich bewegt sich konsequent und  passend zum Gesamtcharakter auf der straffen Seite, bietet aber immer noch einen Federungskomfort, der auch auf schlechten Straßen nicht zum Störfaktor wird.

Sich entsprechend seinem Preis nach vorne abzusetzen gelingt dem Panamera bisher nicht. Selbst bei der Motorisierung stellt sich nicht jene Überlegenheit ein, die man von einem Wagen der Marke erwartet. Die Fahrleistungen sind – bis auf die mangels Abregelung etwas höhere Endgeschwindigkeit – nahezu deckungsgleich mit denen des Mercedes CLS 350. Beide besitzen kultiviert laufende Sechszylinder, wobei der Mercedes CLS dank der geschmeidigen Siebengang-Automatik dem komfortbewussten Fahrer entgegenkommt, während das Doppelkupplungsgetriebe des Porsche auf den sportlich orientierten Piloten zugeschnitten ist.

Eine ähnliche Getriebekonstruktion hat auch der Audi, dessen Motor sich in diesem Vergleich klar an die Spitze setzt. Er ist als einziger – per von der Kurbelwelle angetriebenen Kompressor – aufgeladen und liefert deshalb die beste Durchzugskraft. Doch damit nicht genug: Sein V6 läuft im Test am kultiviertesten, spricht am freudigsten aufs Gas an und liefert die beste Beschleunigung. Da ist man eher geneigt als beim Porsche, die gemessen am Mercedes CLS höheren Verbrauchswerte hinzunehmen.

Sie verhindern den Gesamtsieg des Audi im Test nicht, zumal der mit dem günstigsten Preis aufwartet. Für die Differenz zum Panamera kann man sich noch einen Kleinwagen zulegen. Wobei der Porsche-Kunde sagen wird: Was soll ich denn damit?

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 7 / 2011

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