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Audi A8 2.8, BMW 730i, Jaguar XJ 6 3.2, Mercedes S 280

Alles ist relativ, sogar der Luxus. Wer in der automobilen Oberklasse Bescheidenheit zeigen und zur 50.000 EUR-Grenze Distanz halten möchte, muss zur Basis greifen. auto motor und sport hat die kleinen Großen getestet: Audi A8 2.8, BMW 730i, Jaguar XJ6 3.2 und Mercedes S 280.

02.04.2003 Klaus Westrup

Die Macht der Typenbezeichnung: Relativ kleine Motoren ingroßen Karossen der Oberklassewerfen ihre verchromten Schattenan den Wagenhecks. Diedeklarierten drei und 3,2 Litervon BMW und Jaguar zeigen eherNormalität in der Motorenwahl;beim Audi A8 wirkt die silbrige2.8 schon eindeutig stärker in dieangestrebte Richtung, feudaleingekauft, aber doch nichtallzuviel bezahlt zu haben. Die 280hinten an der dicken MercedesSKlasse hat beinahe die Wirkungeiner Entschuldigung. Ich muß so ein großes Auto fahren, heißt womöglich die Botschaft, aber ich meine es mit Verbrauch, Kosten und Umwelt sehr ernst.

Was die Typenbezeichnungen nicht verraten, ist die jeweilige reale Preissituation und vor allem der Abstand, der zu den Topmodellen der vier Luxusliner gehalten wird. Hier zeigt sich Verblüffendes: Mit einem Preis von knapp 45.000 EUR ist der Mercedes S 280 nicht einmal halb so teuer wie der zwölfzylindrige S 600 (103.100 EUR), und auch BMW und Jaguar halten in der Schlichtmotorisierunggehörigen Abstand zu den ebenfalls zwölfzylindrigen Krönungen. Der Einstiegs-BMW 730i, dem imHerbst ein 728i vorgesetzt werdenwird, liegt mit 46.000 EUR fast 25.000 EUR unter dem 750i, undfast genauso viele Tausenderliegen zwischen dem 44.500 EUR kostenden Jaguar XJ 6 3.2 unddem XJ 12. Allein beim Audi A8 ist die Differenz zwischen Luxus und Superluxus klein; der rund 40.000 EUR teure Basis-A8 hält 15.000 EUR Abstand zum 4,2 Liter Quattro, wobei dieser nur ein Achtzylinder ist. Nur – darf man so überhaupt argumentieren?

Moderne Sechszylinder erreichen,vor allem in Reihenbauweise, inder Laufkultur ein Maß, das von keiner anderen Verbrennungsmaschine zu übertreffen ist. Auch nicht vom V8, der in dem Einsteigerzirkel eine gewisse Exclusivität verbreitet, umzingeltvon den beiden Reihensechsern desJaguar und Mercedes und von demV6- Aggregat des Audi. Dieser istmit 2,8 Litern zusammen mit dem Mercedes der Hubraumschwächste und bildet mit seinen 174 PS das Schlußlicht in der maximalen Leistung (BMW 218 PS, Jaguar 211 PS, Mercedes 193 PS). Daß er unter dem Strich nichtder Temperamentloseste ist, liegtan seinem ausgezeichneten Durchzugsvermögen,das wiederum entscheidend von derTatsache profitiert, daß in Gestaltdes A8 mit Aluminiumkarosse ein 1500 Kilogramm-Auto gegen durchweg viel schwerere, bis zwei Tonnen (S 280) wiegende Konkurrenz kämpft. Von 80 auf 120 km/h im großen Gang marschiert der Audi in nur 13,1 Sekunden, Jaguar und Mercedes sind mit 17,8 beziehungsweise 17,2 Sekunden entscheidend temperamentloser.

Der BMW 730i zeigt mit seinemkleinvolumigen Achtzylinder, wiebrillanter Motorenbau in diesemHubraumsegment aussehen kann – mitSpontaneität, hoher Laufkultur und vor allem Drehwilligkeit. Im Durchzugsvermögen rangiert auch er klar hinter dem Audi und zeigt damit eine grundlegende Schwäche kleiner Volumen bei vielen Zylindereinheiten. Daß der 3,2 Liter-Jaguar die besten Beschleunigungswerte erreicht, noch vor dem besonders temperamentvoll wirkenden BMW, ist überraschend. Mit den 8,3 Sekunden vom Stand auf 100 km/h zeigt gerade dieses elegante Automobil, daß der Verzicht auf die hohen Weihen des Maschinenbaus gar nicht so ernüchternd ist. Zugegeben, die Laufkultur des englischen Reihenmotors ist ab 4500 Umdrehungen eingeschränkt.

Der Mercedes-Motor läuft wie Samt und Seide, der BMWV8 nicht minder, und selbst der Audi-V6, schwingungstechnisch am schwierigsten zu beherrschen, ist auf einem ansehnlichen Niveau, das sich vor allem durch die Anwesenheit des BMW-Triebwerks relativiert. Der BMW hat auch die beste Schaltung,so daß das Wechseln der fünf Gängefast zu einem sinnlichen Genußwird. Die Jaguar-Schaltführungleidet unter dem ergonomischschlecht, weil zu weit vorn plazierten Hebel, die des Mercedes unter der traditionellen Hakeligkeit. Keine Probleme mit der Audi- Schaltung,und erst recht keine Probleme mitdem A8, wenn es ums Tanken geht.Mit einem Durchschnittsverbrauchvon knapp zwölf Litern pro 100 Kilometer erweist er sich als besonders ökonomischer Luxusliner. Der BMW liegt darüber (13,6), der Jaguar (14,7) und auch der Mercedes (13,9). Auch der offeriert mit diesem Wert, der sich bei sanfterer Gangart ohne weiteres um einen weiteren Liter nach unten drücken läßt, eine Botschaft.

Die Mercedes S-Klasse gehört bei bescheidener Motorwahl nicht zu den zügellosen Säufern, ja, sie ist im Verhältnis von Abmessungen und Gewicht sogar sparsam zu nennen. Allein, man tankt ja nicht relativ, sondern absolut, und da ist der Audi nicht zu schlagen. Vorteilhaft wirkt sich hier nicht nur der Werkstoff Aluminium aus, sondern der spezifisch günstige V6 und die Abwesenheit des Vierradantriebs, der beim Achtzylinder verbrauchstreibend obligatorisch ist. Frontantrieb also, der einzige in dieser Runde, denn die Konkurrenten haben alle den sogenannten Standardantrieb. Doch der Audi erreicht, wie die Punktwertung belegt, Bestnoten in den Fahreigenschaften. Er ist extrem gutmütig, genießt einen Winterbonus, allein die auf unebener Bahn stößige Lenkung trübt das Vergnügen.

Der Jaguar zeigt in Kurven deutliche Lastwechselreaktionen, hat einen riesigen Wendekreis von fast 13 Metern und eine um die Mittellage etwas indirekt ansprechende Servolenkung. Die BMW-Lenkung ist sehr exakt, das Handling ausgezeichnet. Ganz nach Art des Hauses erzielt der hubraumschwächste Siebener hier Bestnoten, die ihn zusammen mit den guten Resultaten von Audi (mit den besten Bremsen) und Jaguar doch klar vom Mercedes trennen. Dessen gigantische Abmessungen schränken das Handling ein, in schnell gefahrenen Kurven schiebt das hohe Gewicht – allein der Geradeauslauf ist bei der Wertung der Fahreigenschaften von höchster Güte, wenn auch nicht entscheidend besser als jener der Konkurrenz. Die Stunde des Sterns schlägt beim Fahrkomfort. Zusammen mit dem BMW 730i erreicht er die niedrigsten Innengeräuschwerte, der Federungskomfort ist über alle Zweifel erhaben, wenn auch nicht besser als der des BMW 730i, zu dessen Vorzügen auch ein sehr geschmeidiges Abrollen auf kleinen Unebenheiten zählt. Der Audi A8 ist hier ebenfalls etwas im Nachteil – so wie der Jaguar XJ 6, dessen einstige Samtigkeit im Laufe der Jahre auf der Strecke blieb.

Lange Bodenwellen bügelt auch er souverän aus, doch insgesamt schneidet er in der Komfortwertung am schlechtesten ab, ohne jedoch wirklich schlecht zu sein. Eine Rolle spielt dabei auch der für die Klasse nicht befriedigende Sitzkomfort mit kleinen Beinräumen vorne und relativ kurzen Sitzflächen. Der BMW ist hier untadelig, beim Audi stört die umständliche Sitzverstellung. Im Innengeräuschpegel enttäuschte der Jaguar, der vor allem durch Windgeräusche bei höheren Geschwindigkeiten auf sich aufmerksam machte. So landet er in der Komfortwertung weiter hinten und der BMW weiter vorne als erwartet. Der Dreiliter-V8 läuft wesentlich kultivierter als der teurere Vierliter-Achtzylinder der Bayern, und außerdem ist der 730i das Auto mit der besten Langstreckentauglichkeit in diesem Vergleich. Der Mercedes hat immer noch ein kleines Karosserieplus, das freilich in direktem Zusammenhang mit seinen Abmessungen steht. Mehr Platz als der S 280 im Innenraum bietet keiner; der Kofferraum geriet mit 525 Litern runde 100 Liter größer als der des Jaguar. Nur durchschnittliche Raumverhältnisse auch im Audi A8. Er ist ein solides Stück von hoher Qualität, aber kein Wunder an Raumökonomie.

Der Jaguar hat das schlechteste Verhältnis von Außenabmessungen zu Innenraum. In der Verarbeitungsqualität herrscht hohes Niveau, wobei Audi, BMW und Mercedes sich noch etwas vom Jaguar absetzen. Nichts wirkt bei diesen Autos billig, auch nicht im Vergleich zu ihren ungleich teureren Nobelausführungen, selbst wenn es natürlich an Ausstattungsumfang fehlt. Hier ist jene Bescheidenheit angesagt, die manchmal auch den Tüchtigen auszeichnet. Immerhin, elektrische Fensterheber haben sie alle, ebenso Fahrer- und Beifahrer-Airbag, der Jaguar bietet sogar eine Audio-Einheit mit acht Lautsprechern und, für Ängstliche, einen „Panik-Schalter“ für die Schnellverriegelung von innen. Dabei hat man doch gar nicht so dick aufgetragen. Das Ergebnis mit BMW und Audi an der Spitze zeigt, wie erfreulich es sein kann, Luxus und Bescheidenheit beim Auto zu kombinieren.

Fazit

1. Jaguar XJ 6 3.2
100 Punkte

Karosserie mit sehr guter Übersichtlichkeit, optisch ansprechendes Interieur, Bedienung überwiegend funktionell, sehr gute Fahrleistungen, insgesamt befriedigender Fahrkomfort. Raumangebot der Karosserie unterdurchschnittlich, laute Windgeräusche, Lastwechselreaktionen in schnell gefahrenen Kurven, hoher Benzinverbrauch.

2. Mercedes S 280
106 Punkte

Karosserie mit sehr großem Raumangebot, gute Verarbeitung, hohe Funktionalität, gute Fahrleistungen, sichere Fahreigenschaften, sehr guter Federungskomfort, geringes Geräuschniveau. Motor mit geringem Durchzugsvermögen, hakelige Schaltung, Handlichkeit auch wegen des sehr hohen Gesamtgewichts eingeschränkt.

3. Audi A8 2.8
108 Punkte

Karosserie mit hoher Qualität, hohe Motorelastizität, gute Fahrleistungen, sehr sichere Fahreigenschaften, sehr günstiger Benzinverbrauch, sehr standfeste Bremsen. Bei schlechter Straße und hohem Leistungseinsatz in Kurven stößige Lenkung, Platzverhältnisse nur durchschnittlich, umständliche Sitzverstellung.

4. BMW 730i
109 Punkte

Geräumige, gut verarbeitete Karosserie, gute Fahrleistungen, hohe Motorlaufkultur, sichere Fahreigenschaften, gute Handlichkeit, sehr guter Federungskomfort. Motorelastizität nur durchschnittlich, häufiges Schalten erforderlich, relativ hoher Benzinverbrauch, hoher Preis.

Technische Daten
Jaguar XJ6 Classic 3.2 BusinessBMW 730iAudi A8 2.8Mercedes S 280
Grundpreis42.437 €47.039 €40.699 €45.275 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5023 x 1798 x 1314 mm4984 x 1862 x 1435 mm5034 x 1880 x 1440 mm5113 x 1886 x 1486 mm
KofferraumvolumenVDA430 L500 L525 L525 L
Hubraum / Motor3239 cm³ / 6-Zylinder2997 cm³ / 8-Zylinder2771 cm³ / 6-Zylinder2799 cm³ / 6-Zylinder
Leistung155 kW / 211 PS (301 Nm)160 kW / 218 PS (290 Nm)128 kW / 174 PS (250 Nm)142 kW / 193 PS (270 Nm)
Höchstgeschwindigkeit223 km/h235 km/h228 km/h215 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,4 s8,3 s9,1 s10,8 s
Verbrauch12,1 L/100 km
Testverbrauch14,7 L/100 km13,6 L/100 km11,9 L/100 km
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