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VW Polo 1.9 TDI gegen Peugeot 206 HDi éco 90

Diesel-Kleinwagen im Vergleichstest

VW Polo 1.9 TDI, Peugeot 206 HDi éco 90 Foto: Hans-Dieter Seufert 3 Bilder

Nagelnde Selbstzünder? Im Einzeltest fiel der VW Polo TDI durch verhaltene akustische Äußerungen als Leisetreter auf. Huscht er am ebenfalls sehr kultiviert laufenden Peugeot 206 HDi éco 90 vorbei?

02.01.2002 Marcus Peters

Wolfsburg im Festtagstaumel – erst glänzt der neue Polo 1.9 TDI sternedekoriert im Einzeltest, dann deklassiert er als 1,4-Liter-Benziner im Vergleich die Konkurrenz aus den Häusern Opel, Fiat und Renault. Wenn das kein Grund ist, an Silvester eine Extraflasche Schampus zu köpfen.

Eine letzte Bewährungsprobe steht dem zweitürigen Polo 1.9 TDI allerdings noch ins Haus, bevor die Korken zum Jahresende knallen.

Der Peugeot 206 HDi éco 90 tritt an, dem deutschen Widersacher die Sektlaune zu verderben. Sein Zweiliter-Vierzylinder mit Common-Rail-Einspritzung ist mit 90 PS kräftig und trotzdem sparsam. Als er im Oktober 2000 auf den Markt kam, erntete der Selbstzünder Lob für seine kultivierten Umgangsformen. Die pflegt der HDi auch heute noch. Doch demonstriert gerade der 1,9-Liter-TDI im neuen Polo den rasanten Fortschritt in der Dieselentwicklung.

Vergessen ist die TDI-typische Anfahrschwäche vergangener VW-Modelle – der Diesel hängt besser am Gas als mancher Benziner, dreht willig und nahezu vibrationsfrei bis 4.000 U/min und verhält sich dabei erstaunlich leise. Nur ein nähmaschinenähnliches Rattern erinnert die Passagiere daran, dass im Polo kein Otto-Motor am Werk ist. Und selbst dieses Geräusch tritt bereits bei Landstraßentempo in den Hintergrund.

Da macht der Peugeot-Motor mehr von sich reden. Er klingt kerniger, aber nicht aufdringlich. Auf Vortriebswünsche reagiert er zunächst zögerlich, dann nachdrücklich. Das reicht für respektable Fahrleistungen – nicht aber auf dem Niveau des Polo. Der hämmert wie ein GTI los und stürmt bei Bedarf bis auf 188 km/h, wobei der Ritt durch die exakt zu schaltenden Gänge zum Vergnügen wird.

Doch auch das entspannte Dahingleiten funktioniert mit dem elastischen TDI-Triebwerk erstaunlich gut. Alle Geschwindigkeiten über 80 km/h lassen sich bequem im fünften Gang realisieren.

Um dem Polo auf dem Fuße zu folgen, muss man im 206 vor allem an Steigungen den vierten Gang bemühen. Das Getriebe ist in der éco-Version länger übersetzt, was die Motordrehzahl niedrig hält und dadurch Kraftstoff sparen hilft – aber auch das Temperament zügelt. Im Vergleich zum flinken VW ist der Peugeot geradezu phlegmatisch.

Ungemein behänd bewegt sich der 206 dagegen auf kurvigen Landstraßen, wo er zackig ums Eck biegt und dank leicht mitlenkendem Heck jede Menge Fahrspaß vermittelt.

Vorsicht ist allerdings bei plötzlichem Gaswegnehmen in langgezogenen Kurven geboten. Der 206 wird an der Hinterachse leicht und drängt speziell auf rutschiger Fahrbahn keck mit dem Heck. Das erfordert schnelles Gegenlenken, denn Netz und doppelten Boden in Form einer Fahrdynamikkontrolle gibt es nicht einmal gegen Aufpreis.

Die trägt der TDI anders als seine schwächeren Brüder serienmäßig mit sich. Doch auch ohne Zuhilfenahme des ESP bleibt der VW ein zahmer Untersteuerer, der seinen Fahrer nie überfordert.

Von sanftem Wesen ist der Polo auch beim Fahrkomfort. Mehr noch: Er setzt Maßstäbe. Bodenwellen werden in den Tiefen des Fahrwerks absorbiert und nicht an die Passagiere weitergegeben. Häufig nimmt man sie nur akustisch durch leises Poltern wahr.

Schnell vergessen die Fahrgäste, dass sie in einem Kleinwagen sitzen, vor allem weil das Platzangebot ähnlich wie der Federungskomfort fast schon den Ansprüchen an die Kompaktklasse gerecht wird. Vor allem auf den Vordersitzen herrscht großzügige Weitläufigkeit.

Aber auch der Fond wird nicht zum Büßer-Abteil, zumal der Zustieg beim Zweitürer dank 460 Mark kostender Easy-Entry-Sitzmimik selbst ungelenken Mitreisenden leicht fällt. Zumindest zwei Erwachsene finden für weite Reisen genügend Raum vor.

An Beinfreiheit mangelt es den Hinterbänklern im Peugeot ebenfalls nicht. Wegen der breiten C-Säule haben sie aber das Gefühl, eingemauert zu sein. Zudem sind die Rückenlehnen zu kurz, die Oberkante drückt in die Schulter, und die Kopfstützen halten allenfalls den Nacken.

Zwar verhilft die schräg stehende Frontscheibe dem 206 zu einer schnittigen Silhouette, lässt die Dachkante aber nahe an die Insassen rücken, was das Raumgefühl beeinträchtigt. Außerdem schränkt die massige A-Säule die Rundumsicht ein.

Die Peugeot-Sitze bieten weniger Seitenhalt als das ausreichend konturierte Gestühl im VW, sind aber weicher und komfortabler. Sie mildern die rüden Stöße, die der 206 gelegentlich an die Insassen weitergibt, ab. Seiner Federung fehlt es sowohl an der Geschmeidigkeit als auch an den Nehmerqualitäten des Polo.

So spricht sie deutlich gröber auf Unebenheiten an und lässt auf schlechten Wegstrecken weder Karosserie noch Insassen zur Ruhe kommen. Ausgewogener wirkt die Abstimmung erst, wenn der Peugeot schwer zu schleppen hat.

482 Kilo darf der 206 zuladen – für einen Kleinwagen eine ganze Menge. Da kann selbst der Polo mit seinen immer noch stattlichen 445 Kilo nicht ganz mithalten. Dafür bietet er mit 270 Litern den etwas größeren Kofferraum.

Ein echtes Maximum markiert der VW dagegen bei der Ausstattung. Elektrisch verstellbare Spiegel, Radio, Alufelgen, Schiebedach und höhenverstellbare Vordersitze hat er dem französischen Konkurrenten serienmäßig voraus – erkauft allerdings durch die teure Highline-Ausstattung. Die macht den Polo mit einem Preis von 17.200 Euro zum Nobel-Kleinwagen.

Tatsächlich lässt sich der VW fast zum Luxusliner aufrüsten. Klima-Automatik, Lederausstattung und Navigationsgerät – die 20.000-Euro-Grenze ist schnell überschritten. Günstig ist der Polo allenfalls in der kärglichen Grundausstattung, gepaart mit dem 55-PS-Motor.

Die bei VW Highline genannte Top-Variante entspricht bei Peugeot dem Platinum-Paket und ist sehr umfangreich, aber dem fünftürigen HDi 90 vorbehalten. Der zweitürige éco ist ausschließlich als Présence erhältlich.

Damit ist der 206 verglichen mit dem Polo geradezu ein Sonderangebot und kostet 13.800 Euro. Natürlich muss der Peugeot-Fahrer Schiebedach, Aluräder, Radio und elektrisch verstellbare Spiegel als Extra ordern. Selbst ausstattungsbereinigt bleibt dem Käufer aber ein Preisvorteil von über 1.500 Euro.

In Verbindung mit seinem etwas sparsameren Verbrauch und den daraus resultierenden niedrigeren Kraftstoffkosten hat der Peugeot gute Karten beim Kostenkapitel. Dass er es trotzdem knapp verliert, liegt an seiner ungünstigen Kasko-Einstufung. Die macht ihn zur teuren Anschaffung.

So aber ist der VW dem Peugeot am Ende um mehrere Wagenlängen voraus. Die Sektkorken können in Wolfsburg knallen: Dieses Jahr zieht am neuen Polo keiner mehr vorbei. Erst 2002, wenn der Erzrivale Ford Fiesta erscheint, wird es wieder spannend.

Fazit

1. VW Polo 1.9 TDI
552 Punkte

Kaum Schwächen, aber eine Summe guter Eigenschaften – so gewinnt man Vergleiche. Vor allem der leise und starke TDI ist ein Gedicht. Gepaart mit einem nahezu perfekten Federungsverhalten ergibt sich ein konkurrenzloser Kleinwagen.

2. Peugeot 206 2.0 HDI éco
489 Punkte

Außer bei den Umwelt- und Kostenkapiteln kann der Peugeot 206 nie wirklich mithalten. Selbst sein kultivierter und sparsamer Common-Rail-Diesel erreicht nicht die Souveränität des TDI. Erst recht beim Komfort macht der Peugeot keinen Stich.

Technische Daten
Peugeot 206 HDI éco 90VW Polo 1.9 TDI
Grundpreis13.940 €17.825 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3822 x 1673 x 1435 mm3897 x 1650 x 1465 mm
KofferraumvolumenVDA245 bis 1130 L270 bis 1030 L
Hubraum / Motor1997 cm³ / 4-Zylinder1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung66 kW / 90 PS (205 Nm)74 kW / 100 PS (240 Nm)
Höchstgeschwindigkeit180 km/h188 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,8 s10,7 s
Verbrauch4,5 L/100 km4,9 L/100 km
Testverbrauch5,5 L/100 km5,9 L/100 km
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