Manchmal ist es mit Autos wie mit Menschen: Es gibt diese leisen Typen, die wir täglich sehen, die uns eines Tages trotzdem nicht mehr auffallen und beinahe in Vergessenheit geraten.
Der Ford Fiesta ist so ein Fall: Ewig auf dem Markt, als Modellreihe fast schon ein Fall für die große Ü-30-Party, im vergangenen Jahr fast 60 000 Mal verkauft, dazu frisch modellgepflegt – und doch ist er ein Auto, das im Straßenbild scheinbar kaum in Erscheinung tritt. Ach ja, der Fiesta, Deutschlands Mädchenschwarm der späten Siebziger: Damals, als er seine größte Zeit erlebte, waren Alternativen rar, nicht nur solche aus Wolfsburg oder Rüsselsheim. Heute heizen dem Alt-Star auch Mitbewerber wie der Toyota Yaris ein – und sogar ein Hyundai Getz. Seine immer noch tapfere Platzierung in den Verkaufscharts haben sie zwar nicht kassiert, aber ein wenig zusetzen können sie ihm doch: Rund 23 000 Yaris und 14 000 Getz kamen 2005 neu auf die Straße. Möglich, dass die Geschäfte in diesem Jahr noch flüssiger laufen.
Denn jetzt steht die zweite Yaris-Generation bei den Händlern: Sie muss Abstand zum kleineren Aygo halten, fällt deshalb etwas stattlicher aus und wirkt nun auch erwachsen, wenn sie nicht den Nachnamen Verso trägt. Hyundai verteidigt den Claim des Getz derweil mit neuen und stärkeren Motoren sowie strengerem Scheinwerfer-Blick, während sich die jüngste Auffrischung des Fiesta vor allem auf das Interieur beschränkt. Hochwertigere Kunststoffe sollen ihn gegen die Wettbewerber abgrenzen – das ist gelungen: Auf Anhieb überzeugt der Fiesta mit dem besten Qualitätseindruck aller drei Testkandidaten. Stimmige Materialauswahl, angenehme Haptik und akkurates Finish zeigen, dass Ford aus der Kritik früherer Fiesta-Jahre gelernt hat. Als größter Ausrutscher fällt die schlabbrige Matte im Kofferraum auf – geschenkt, besonders mit Seitenblick auf die flott gestylte, aber lieblos realisierte Toyota-Wohnlandschaft. Hartplastik total, dazu Grate im Griffbereich und unsauber eingepasste Cockpit-Teile offenbaren das allzu ehrgeizige Sparprogramm. Nicht wesentlich griffsympathischer, dafür aber präziser montiert wirken die Kunststoff-Komponenten an Bord des Hyundai.
Zu hohe Ansprüche? Die Preislisten liefern eine Antwort, denn richtig billig sind alle drei Rivalen nicht. Der Hyundai Getz 1.4 GLS kostet 12 590 Euro, er bringt dafür zwar den stärksten Motor (97 PS) und das Ausstattungslevel GLS mit, schämt sich sonst aber keiner Blöße. ESP kostet ebenso Aufpreis (600 Euro) wie die Klimaanlage und eine Funkfernbedienung für die Türen. Und obwohl es ein CD-Radio bei Hyundai schon zum Discounttarif von 149 Euro gibt, kratzt ein ordentlich ausgestatteter Getz an der 15000-Euro-Marke.




