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VW T6 Multivan gegen Mercedes V-Klasse

Zwei Alleskönner im Vergleich

Mercedes V 250 d 4Matic lang, VW Multivan 2.0 TDI 4Motion, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 36 Bilder

Möge kommen, was da wolle: Große Vans haben auf fast alle Fragen des Auto-Alltags eine überzeugende Antwort. Ob die Mercedes V-Klasse oder der VW Multivan die Nase vorn hat, klären wir in diesem Vergleich.

11.06.2016 Michael Harnischfeger 6 Kommentare

Allein ist es blöd: Da sitzt du hinterm Volant und siehst im Rückspiegel immer den leeren Tanzsaal. So muss sich ein Provinz-Impresario fühlen, der für den Live-Act eines bald vergessenen Next Superstars die größte Halle am Ort gemietet hat und erkennt: Das billige Vereinsheim des Minigolf-Clubs Gut Schlag 63 hätte auch gelangt. Diese Kingsize-Vans, mit kräftigen Dieseln gut gerüstet für die lange Reise und mit Allradantrieben (Mercedes knapp 4.000, VW gut 3.300 Euro Aufpreis) vorbereitet für hoch gelegene Skihütten, sind nichts für Einsiedler. Doch bevor nun jemand weiterblättert, weil er gar nicht so viele Leute kennt, kommt die Entwarnung. Die Raumfülle, die vielen Sitze (sieben serienmäßig beim VW, sechs beim Mercedes): Sie sind einfach da, wenn man sie braucht, und stören kaum.

Mercedes V-Klasse mit mehr Assistenz

Mit 4,89 Metern ist der Multivan nicht länger als eine ausgewachsene Limousine und lässt sich dank ordentlicher Übersichtlichkeit auch einigermaßen unverkrampft parken. Die V-Klasse, die hier als mittellange – nun ja – Langversion (Aufpreis zum 4,90 Meter kurzen Normalmodell: 880 Euro) antritt, fordert mit 5,14 Metern schon mehr Raum. Dafür hilft sie dem Fahrer an Engstellen mit 360-Grad-Kamera und aktivem Parkassistenten. Damit kann der VW nicht dienen. Parkhäuser können dennoch zum Horror werden. Denn mit ausgeklappten Spiegeln sind beide Vans fast 2,30 Meter breit. Also besser raus auf die Straße mit den gewaltigen Mobilien, die vor allem von hinten an Bernd das Brot erinnern. Dass die zwei mit Allradantrieb antreten, bleibt meist im Verborgenen. Die elektronisch überwachte Lamellenkupplung (V-Klasse) und deren Haldex-Pendant im Multivan schieben die Momente sehr diskret zwischen den Achsen hin und her. Ihr Können zeigen sie aber eindrucksvoll, wenn es drauf ankommt. Etwa an glatten Steigungen.

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Vergleichstest Mercedes V 250 d, VW Multivan 2.0 TDI 4Motion
auto motor und sport 12/2016
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Mercedes V 250 d 4Matic lang, VW Multivan 2.0 TDI 4Motion, HeckansichtFoto: Achim Hartmann
Stimmt. Beide haben die Form eines Kartons. Doch es geht ja um Platz.

Anfangs reifenscharrend, doch dann verlässlich kommen die zwei beim Anfahren in Schwung, wobei der VW dank der mechanischen Sperre an der Hinterachse (982 Euro) größeres Klettertalent beweist. Dass das Allradmehrgewicht das Handling bremst, zeigt sich ein wenig beim VW. Viel erwarten sollte man aber auch nicht vom Benz. Wir reden eben von 2,5-Tonnern mit hohem Aufbau. Der Mercedes wirkt minimal betulicher als der VW, wenn es in und durch Kurven geht, obwohl er mit seiner integrierenderen Sitzposition und der leichtgängigeren Lenkung limousinenhafter daherkommt. Gemäßigt ums Eck und dann, wenn es pressiert, wieder Tempo aufnehmen, so mögen es die zwei.

Etwas nageliger und weniger spritzig hochdrehend als der Zweiliter-TDI, bringt der bullige 2,1-Liter-Diesel den V 250 wieder auf Tempo – und allenfalls den Fahrer interessiert dabei, dass der VW-Motor bissiger anpackt und mehr liefert. Die Siebenganggetriebe -– gelassen agierende Wandlerautomatik hier, zackiges DSG mit Freilauf im Schubbetrieb dort -– sind den drehmomentstarken Motoren jedes auf seine Art harmonische Partner. Trotz Freilauf konsumiert der VW allerdings 0,2 l/ 100 km mehr, bleibt aber ebenfalls unter zehn Litern Testverbrauch.

Platz als ultimativer Luxus

Kein Grund zum Jammern auch beim Rundgang durch die Autos. Wer Platz als ultimativen Luxus ansieht, findet vor allem im Mercedes seinen Himmel. In der zweiten und dritten Sitzreihe, die unser Testwagen als kommodes Dreiersofa mitführt, gibt’s aber auch im Multivan keine Enge. Ganz hinten, wo die separat zu öffnende Heckscheibe einen praktischen Zugang zum Kofferraum ermöglicht, setzt die V-Klasse noch eins drauf. Der Stauraum des Multivan mag groß sein, doch der Mercedes schluckt immer noch einige Koffer mehr. Blöd nur, dass so wenig Zuladung erlaubt ist. Umräumen lässt sich der VW etwas schneller, weil die Möbel leichter in den Schienen gleiten. Doch bei Variabilität und Funktionalität sind die zwei gleichermaßen großes Kino. Schließlich lassen sich alle möglichen Sitzkonfigurationen und viele angenehme Dinge (beim Mercedes etwa kühlbare Fondsitze, beim VW integrierte Kindersitze) ordern.

Mercedes V 250 d 4Matic lang, KofferraumFoto: Achim Hartmann
Aber ein Blick ins Innere offenbart die Vorzüge der V-Klasse.

Ein bisschen geschmeidiger federt der Mercedes, vor allem kleinere Stöße filtert er besser weg. Auch wirken Abroll- und Windgeräusche besser gedämmt als im VW, was die Ohren feiner registrieren als die Messgerätschaft. Ausreichend leise sind beide bei konstantem Tempo, das ruhig in Richtung 200 tendieren darf: Die Bremsen machen einen guten Job und sind mit der bewegten Masse, die ja bei voller Beladung locker drei Tonnen beträgt, nicht überfordert. Sidebags kosten extra. Im Ernst Überfordert ist eher das Normalverdiener-Budget. Besonders kräftig langt VW dem Käufer in die Taschen, denn mit dem Grundpreis von gut 57.000 Euro für den Comfortline ist es nicht getan.

Verführerisches All-Inclusive-Angebot

Leder, linke Schiebetür, Navigation? Kosten extra. Sogar Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer samt Kopfairbags berechnet Volkswagen gesondert. Da erscheint der V 250 d Avantgarde Edition trotz des viel höheren Grundpreises geradezu günstig, denn Mercedes hat hier ein verführerisches All-inclusive-Angebot geschnürt, das mal locker Extras für mehr als 10.000 Euro beim Multivan entspricht. LED-Licht und Fahrerassistenzsysteme, die VW nicht einmal gegen Aufpreis bietet, sind hier Serie, wie auch Leder, Navigation, zwei Schiebetüren und sogar Metallic-Lack.

Das macht den Sieg des Mercedes komplett, der auch in der Eigenschaftswertung vorn liegt. Doch auch für den VW gilt: Er nimmt viel Bares, schenkt aber auch Wahres. Fröhliche Gesichter im Spiegel zum Beispiel.

Fazit

1. Mercedes V 250 d 4Matic lang
403 Punkte

Die V-Klasse bietet verschwenderisch viel Raum für Mensch und Gepäck. Sie punktet stark bei der Sicherheitsassistenz, federt komfortabler und ist auf hohem Niveau günstiger.

2. VW Multivan 2.0 TDI 4Motion
391 Punkte

Bei Sicherheitsausstattung und Assistenz fällt der Multivan weit zurück. Hier zeigt sich, dass der T6 kein von Grund auf neues Auto ist. Er ist etwas flinker – und viel teurer.

Technische Daten
Mercedes V 250 d 4Matic langVW Multivan 2.0 TDI 4Motion
Grundpreis64.494 €58.013 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5140 x 1928 x 1921 mm4892 x 1904 x 1970 mm
KofferraumvolumenVDA1030 bis 4630 L657 bis 4300 L
Hubraum / Motor2143 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung150 kW / 204 PS (480 Nm)150 kW / 204 PS (450 Nm)
Höchstgeschwindigkeit199 km/h199 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,8 s10,1 s
Verbrauch6,7 L/100 km6,6 L/100 km
Testverbrauch9,6 L/100 km9,8 L/100 km
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    Neuester Kommentar

    Der Vergleich in Ehren, nur wie wäre es, wenn auch auf die inneren Werte der Fahrzeuge eingegangen würde. Wo ist der Hinweis, dass die besetzen Sitze im Fond der V-Klasse, nur in einem Toleranzbereich von 5 Zentimeter verschoben werden dürfen, darüber hinaus von den Mitfahrern nicht mehr genutzt werden dürfen. Warum wird nicht aufgezeigt, wie einfach die Einzelsitze im T6 entgegen der Fahrtrichtung gedreht werden können und zwar ohne Ausbau. Echt toll, wenn es während der Rast draußen schüttet. Bei der V-Klasse fahre ich nach dem Ausbau der Sitze zur Werkstatt. Ja, sie haben Recht, die Sitze im T6 sind schwerer. Das Schienensystem, wie lassen sich die Sitze verschieben, wenn da Dreck drin liegt, kein Wort dazu. Ablage- und Staumöglichkeiten, wo wird da verglichen. Der Durchgang von vorn nach hinten, wo ist der in der V-Klasse. Das sind die Kriterien, die ein solches Fahrzeug zum Familienfahrzeug machen. Im Übrigen ist die V-Klasse auch kein neues Fahrzeug und es hat keine 204 PS sondern nur 190 PS. Die 204 PS werden nur per Knopfdruck für Sekunden erreicht. Ich glaube, darüber braucht man nun nicht zu diskutieren, was man von einer solchen „Lösung“ halten soll. Die V-Klasse hat ganz ohne Zweifel auch ihre Vorteile und ist ein durchaus ansehnliches Gefährt. Diese Klasse der Fahrzeuge nur auf das zu reduzieren, wie es hier passiert ist, ist zu wenig und entspricht nicht dem Konzept, der diesen Wagen, gerade dem T6, zugrunde liegt. Und zu den Preisen, mein neuer Multivan (kein Re-Import) 2.0l TDI 110kW, 7-Gang-DSG, Navi, Rückfahrkamera, Regensensor, Standheizung, 7-Sitzer, Multifunktionslenkrad, ACC, DCC, annehmbare AHK (2.5 to.), 3-Zonen-Klimaautomatik, hat € 44.500,00 gekostet. Geht also auch anders.

    Apollon13 13. Juli 2016, 11:22 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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