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Der Audi RS6 im Vergleich gegen den Mercedes E63 AMG

Wachablösung bei den großen Kraftsportlern?

Foto: Rossen Gargolov 20 Bilder

Einst war er mit 514 PS die stärkste Großserien-Limousine, nun blickt der Mercedes E63 AMG neidvoll auf die 580 PS des Audi RS6. Großvolumiger V8-Sauger gegen Biturbo-V10: Wie fällt die Wachablösung der großen Kraftsportler tatsächlich aus?

08.03.2009 Jochen Übler Powered by

Nicht alle Katzen sind grau, wenn die Nacht hereinbricht. Auch in Misanorot schleichen sie umher. Oder in Iridiumsilber pirschen sie durch die Stadt - in einem für sie zu beengten Lebensraum. Getrieben von Masse und Leistung suchen Audi RS 6 und Mercedes E 63 AMG insgeheim das Weite. Ihr angeborener Grundinstinkt treibt sie zur Suche nach Freiheit. Beide Kraft-Limousinen gieren nach einem standesgemäßen Jagdrevier. Das sind sie ihren Herzen schuldig. Es grenzt schon an eine Art von Selbstkasteiung, die hinter dem mächtigen, schwarz eingefassten Kühlergrill des Audi grummelnden 580 PS nicht von der Leine zu lassen. Obwohl sich fünf Liter Hubraum, zehn Zylinder und die zwei flankierenden Turbolader tatsächlich auch zurückhaltend, fast schon unscheinbar zu benehmen wissen.

E 63 AMG mit 6,3 Liter Hubraum

Ungerührt und nebensächlich geht der gewaltige Maschinismus seinem Tagwerk nach. Mit viel Bedacht und sehr spät erhebt der Zehnzylinder die Stimme. Und die Sechsstufen-Automatik ist hervorragend dazu ausgebildet, etwaige Kanten in der Leistungscharakteristik zu verschleifen und zu glätten, die jedoch sowieso nicht vorhanden sind. Wie eine homogene Masse schwappt die Leistung aus dem aufgeladene Zehnzylinder heraus. 650 Newtonmeter sind es maximal. Ein Trumm von einem Drehmomentberg, der sich über den gesamten Drehzahlhorizont erstreckt. Exakt formuliert von 1.500 bis 6.250/min, womit letztlich klar wird, dass sich die Frage nach dem Wie der Leistungsdarreichung in diesem Umfeld nicht wirklich stellt. Es geht voran pompös und gewaltig, aber dennoch wohl erzogen. Den E 63 AMG hingegen treibt ein anderes Ich. Ein gigantischer Saugmotor, der aus 6,3 Litern Hubraum schöpft, dessen Leistungszenit sich jedoch deutlich ausgeprägter zuspitzt.

In erster Instanz bis auf 5.200 Umdrehungen, um dem frei atmenden Achtzylinder seine maximalen 630 Newtonmeter zu entlocken. Im finalen Leistungsstadium dann bis über 7.000 Touren hinaus, und mit einem bösartig klingenden Hammerwerk als akustische Wirbelschleppe im Rücken. Der zurückhaltender und basslastiger murmelnde RS 6 zeigt sich von der Stimmgewalt des Mercedes jedoch wenig beeindruckt. Er weiß um seine eigenen Stärken. Um die segensreiche Hilfe der 0,7 bar Ladedruck zum Beispiel, die dem Audi trotz seines Hüftspecks von gut 100 Kilogramm Mehrgewicht die besseren Elastizitätswerte bescheren. Was im Hinblick auf die sonstigen technischen Gegebenheiten im Alltag jedoch keineswegs zur Folge hat, dass der Sauger dem Turbo hoffnungslos hinterherhechelt. 

Turbokraft des RS6

Immerhin wird die Kraft des Achtzylinders durch die enger gestaffelten, sieben Gangstufen des Speedshift-Getriebes höchst effizient filetiert. Sogar derart fein portioniert, dass der Hecktriebler dem nominell stärkeren Allradler beim Sprint aus dem Stand größtenteils Paroli bieten kann. Erst im höheren Geschwindigkeitsbereich drängt sich die immense Turbokraft dann dominanter nach vorn. Bei 200 km/h in Form einer glatten Sekunde - wodurch der RS 6 dem E 63 AMG schlussendlich doch noch entfliehen kann. Dem subjektiven Empfinden nach schießt sich der Allrad-Audi sogar noch imposanter aus den Startblöcken. Weil der RS 6 den an sich stupiden Beschleunigunsakt brachial und unangestrengt zugleich zelebriert. Ohne jegliche Traktionsverluste springen die zwei Tonnen Fahrzeugmasse los.

Unter dumpfem Knallen und im Bruchteil eines Augenblicks schnippt die Sechsgang-Tiptronic die einzelnen Fahrstufen nach. 200 km/h in 14,2 Sekunden. Fertig. Im E 63 AMG dauert die gleiche Übung bestenfalls 15,2 Sekunden. Jedoch nur, wenn das Zehenspitzengefühl entsprechend sensibel ausgeprägt ist. Ein Hauch zu viel Schlupf beim Start, dann legt das Getriebe verfrüht den zweiten Gang ein – und die Zeit ist dahin. Apropos Getriebe: In diesem Punkt ist der Audi dem Mercedes eine Entwicklungsstufe voraus. Nicht etwa quantitativ - was die Anzahl der Gänge betrifft. Sondern bezüglich der Schaltqualität kann die Speedshift 7G-Tronic die Geschwindigkeit des RS 6-Automaten nicht mitgehen. Zudem agiert der E 63 AMG beim Herunterschalten ohne Zwischengasfunktion. Was im Extremfall, also beispielsweise auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim, zu überaus unterhaltsamen Aha-Effekten führen kann. Nämlich Schleppmoment des V8-Motors umgesetzt wird.

Audi RS in Messinstanzen agiler und sportlicher

Etwaige Übersteuerkapriolen hat der Hecktriebler allerdings auch ohne Lastwechselspitzen im Repertoire. Und das nicht nur beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven. just dann, wenn der Schaltbefehl beim Anbremsen erst nach dem Einlenken und mit dem wuchtigen Auch im schnellen Linksknick in der Querspange kann es unter etwas zu großem Gas-Engagement zu einem überraschenden Übersteuern kommen. Während der Audi primär dem Untersteuern treu bleibt. Immerhin tut er dies mit gewissem Charme, nämlich relativ spät und nach einem für diesen stattlichen Wagen doch recht präzisen Einlenken. Überhaupt gibt sich der RS 6 in allen Messinstanzen sportlicher und agiler.

Er ist einfach der jüngere Wurf, technisch auf dem letzten Stand. Und optional zudem mit Komponenten ausgerüstet, die sündhaft teuer kommen, aber auch der Fahrdynamik zuträglich sind: die gewaltige Keramik- Bremsanlage zum Beispiel oder die üppigen, 275 Millimeter breiten 20-Zöller und das Sportfahrwerk Plus. Dank dessen Setup stützt sich der Aufbau deutlich besser ab als der des Mercedes in der straffsten Stufe der Luftfederung. Was im Gegenzug dazu führt, dass die E-Klasse eindeutig kommoder Strecke macht.

Der Audi filtert weniger, wirkt dadurch kompakter, fahrdynamisch stabiler und schlussendlich eben eine gehörige Portion agiler. Auch im Innenraum ist der RS 6 dem E 63 AMG eine Evolutionsstufe enteilt. Die Haptik, Optik und Anmutung des Cockpits repräsentieren einen frischeren Stand der Dinge. Alleine gegen die aufpreispflichtigen, hervorragend ausgeformten RS-Schalensitze des Audi wirken die zweifellos nicht schlechten Multikontursitze des AMG wie brave Relikte vergangener Tage. Um aufgebrachte, womöglich sogar etwas neidische AMG-Fans zu beruhigen: Das nächste E-Klasse-Kätzchen aus Affalterbach schnurrt bereits und streunt dann ab Mitte kommenden Jahres umher, um dem RS 6 die geschärften Krallen zu zeigen. 

Technische Daten
Audi RS 6 5.0 TFSI QuattroMercedes E 63 AMG
Grundpreis110.000 €99.187 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4928 x 1889 x 1460 mm4881 x 1822 x 1465 mm
KofferraumvolumenVDA546 L530 L
Hubraum / Motor4991 cm³ / 10-Zylinder6208 cm³ / 8-Zylinder
Leistung426 kW / 580 PS (650 Nm)378 kW / 514 PS (630 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s4,5 s
Verbrauch13,9 L/100 km14,4 L/100 km
Testverbrauch19,2 L/100 km18,9 L/100 km
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