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Vergleich BMW 335d gegen Alpina D3

Welcher BMW darf es sein?

BMW 335d xDrive Touring, Alpina D3 Biturbo Touring Allrad, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 23 Bilder

Hurtig sollen sie sein wie Pfeile, genügsam wie Ackergäule – und eine große Klappe ist eh Pflicht: Die Kombinationskraftwagen sind keine Herzenswahl für Sportfahrer, aber sehr vernünftig. Und wer mit einem Diesel-Laster von BMW liebäugelt, hat eine echte Alternative: Alpina.

25.10.2014 Marcus Schurig Powered by

Sportwagenfans haben es schwer: Wenn man jung und ungebunden ist, fehlt das Geld für die großen Flitzer. Wenn später das Geld da ist, ist man nicht mehr jung und ungebunden – der Autokauf wird zum großen Kompromiss zwischen Verstand, Herz, Familie, Job und noch einigem mehr. Das bedeutet aber letztlich nicht, dass man keine Wahlmöglichkeiten mehr hätte.

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Vergleichstest Touring BMW 335d xDrive, Alpina D3 Biturbo
Sport Auto 09/2014
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BMW 335d xDrive Touring oder Alpina D3 Biturbo?

Die Auswahl bei der Herzensangelegenheit Auto verschiebt sich halt etwas, zum Beispiel in Richtung der Kombinationskraftwagen, also Kombi + Allrad + Diesel – aber bitte alles mit Schmackes! BMW ist in diesem Segment mit dem BMW 335d xDrive Touring schon mal ganz weit vorne dabei. Doch es geht noch einen Schuss sportlicher, ohne auf den bayerischen Propeller auf der Haube verzichten zu müssen:

Der Alpina D3 Biturbo Touring Allrad ist quasi die inoffizielle M-Interpretation des Themas, und wer obendrein Testwagenpreise sowie Aufpreislisten genauer studiert, kommt nicht umhin, festzuhalten, dass die preisliche Differenz für den Expresszuschlag nicht übermäßig groß – beziehungsweise sogar überraschend gering – ausfällt, zumindest ausstattungsbereinigt.

Die Frage lautet im Vergleichstest: Ist dieser Obolus auch gerechtfertigt? Die Antwort auf diese Frage kann wiederum nur der Kunde geben: Wie viel Sport braucht der Mensch? Und wie viel mehr Sport und Fahrspaß bietet der Alpina D3 Biturbo Tourio, ohne dabei den Alltagsnutzen fundamental zu schmälern?

Wunschlos-glücklich-Maschine BMW 335d

Die Vorzüge der 3er-Kombi-Kombo mit Allradantrieb teilen sich beide im Vergleichstest, dito das Motor- und Getriebekonzept. So ist bereits der serienmäßige BMW 335d xDrive eine Wunschlos-glücklich-Maschine: Die Karosserie des Touring verbindet Platz, Understatement und Eleganz, im Cockpit stellt sich ein serienmäßiges Ich-bin-zu-Hause-Gefühl ein, das die nahezu blinde Nutzung aller Funktionen erlaubt. Wer gut sitzen will, muss jedoch zum aufpreispflichtigen Sportgestühl greifen – das beim Alpina D3 Biturbo Touring schon an Bord ist.

Wer über den Diesel-Biturbo mit 313 PS und 630 Nm große Worte verliert, trägt Eulen nach Athen: Power satt in allen Lebenslagen, ein Durchzugmonster ebenso wie ein Sprinter, in seiner Leistungsbereitschaft kaum erkennbar als Vertreter der drögen Dieselkaste.

Alltagstauglicher BMW 335d

BMW kombiniert das vorzügliche Triebwerk mit einer Achtgangautomatik, die zu Recht als aktuelle Benchmark im Segment betrachtet wird. Gerne würden wir notieren: An jener Stelle war mal der falsche Gang drin – leider alles Fehlanzeige, was fast zur befürchteten Behauptung entgleiten könnte, dass die Elektronik alles besser kann als der Mensch. Das leugnen wir bei sport auto nach wie vor!

Unter dem Aspekt der Alltags- und Alleskönnerschaft ist es fast unmöglich, dem BMW 335d XDrive Touring im Vergleichstest etwas Negatives anzuflechten, zumindest solange man einen Bogen um Rennstrecken macht. Dort ist das Gripniveau bescheiden, die Bremse steht merklich unter Stress und das Fahrwerk verneigt sich in Demut vor jeder Kurve. Der Sicherheit tut das null Abbruch, der BMW 335d ist eine ehrliche Haut, gutmütig, aber träge, auch wenn er auf Lastwechselimpulse positiv reagiert und der Kurvenkampf damit zu einem unterhaltsamen Unterfangen wird.

Alpina D3 Biturbo mit 24 km/h mehr Topspeed

Auf die logische Frage, ob man das noch ein wenig sportlicher haben könnte, hat Alpina alle Antworten im Regal: Das Fahrwerk wird mit um 40 Prozent strafferen Federn, angepassten Adaptivdämpfern, härteren elastokinematischen Bauteilen und größeren Rädern mit flacheren Reifen (Michelin Pilot Super Sport) bestückt, die zudem deutlich mehr Grip liefern – und zack, wird die Kurve zum besten Freund: Präzise und direkt lässt sich der Alpina D3 Biturbo Allrad auf der Rennstrecke positionieren und dirigieren, die Roll- und Wankneigung wurde reduziert, das Gripniveau erlaubt spätes Bremsen und frühes Gasgeben mit einem Kick von Übersteuern beim Herausbeschleunigen – eine andere Welt im Vergleich zum BMW 335d xDrive Touring!

Apropos Bremsen: Die verstärkte Alpina-Bremse mit 370 mm großen Scheiben an der Vorderachse (Serie: 340 mm) ist eine signifikante Verbesserung. Der Motor – eine Übernahme aus dem D5-Modell – übertrumpft die Serie auf dem Datenblatt deutlich: 37 PS und 70 Nm sind eine Ansage, sie rekrutieren sich aus einer Entdrosselung der Ansaugwege, 2,3 bar Ladedruck sowie einer knurrig-enthemmten Abgasanlage von Akrapovic samt F.cherkrümmer aus dem hochfesten Werkstoff D5S. Die Achsübersetzung des Getriebes wurde außerdem verkürzt (2,81:1 statt 2,56:1), wovon die Elastizität zusätzlich profitiert.

Weil der Alpina 65 Kilogramm mehr Gewicht auf die Waage stemmt, sind die Unterschiede bei Beschleunigung und Elastizität marginal: Ob nun in 4,9 (Alpina) oder 5,0 Sekunden auf 100 km/h, das macht den Kohl auch nicht fett. Die Differenz bei der Topspeed (250 zu 274 km/h) ist dagegen ein Argument – zumal der Unterschied an der Zapfsäule nun wirklich nur marginal ausfällt.

Alpina D3 liegt auf der Rennstrecke vorne

Sein großes Pfund spielt der Alpina D3 aber auf der Rennstrecke aus: Die bessere Haftung, die größere Bremse und das sehr präzise abgestimmte Fahrwerk bringen in Addition auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim fast drei Sekunden: 1.16,3 zu 1.19,1 Minuten.

Die Akzentverschiebung in Richtung Sport ist den Alpina-Boys also voll gelungen. Und wie steht es um die Alltagstauglichkeit? Hier gibt es keinen Punkteabzug, denn Alpina hat den Balanceakt zwischen gesteigerter Präzision und beschützenswertem Komfort perfekt getroffen: Auch bei hohen Geschwindigkeiten läuft der Alpina stoisch geradeaus, der Abrollkomfort überzeugt ebenso wie der Federkomfort auf langen oder kurzen Wellen – ja, straffer als die Serie, nein, nicht ungebührlich hart.

Fazit: Ein kleiner Expresszuschlag kann eben manchmal große Folgen haben.

Technische Daten
Alpina D3 Touring AllradBMW 335d Touring xDrive
Grundpreis63.400 €52.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4632 x 1811 x 1431 mm4624 x 1811 x 1467 mm
KofferraumvolumenVDA495 bis 1500 L495 bis 1500 L
Hubraum / Motor2993 cm³ / 6-Zylinder2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung257 kW / 350 PS (700 Nm)230 kW / 313 PS (630 Nm)
Höchstgeschwindigkeit270 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s4,9 s
Verbrauch5,6 L/100 km5,6 L/100 km
Testverbrauch9,5 L/100 km9,2 L/100 km
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