BMW 750 Li vs. Mercedes S 500 lang: Zwei Luxuslimousinen im Vergleichstest

Mercedes-Benz S 500 lang

Eine Frage der Ehre: Mit V8-Motoren und XXL-Maßen streiten BMW 750 Li und Mercedes S 500 L um die Krone der Luxuslimousinen. Kann die geliftete S-Klasse dieses Mal im Test überholen?

Die Niederlage war knapp, aber bitter. Nur sechs Pünktchen trennten beim letzten Vergleichstest die Mercedes S-Klasse davon, dem neu aufgelegten BMW 7er aus München den Schneid abzukaufen. Doch das Stuttgarter Klagen hielt sich im Rahmen. Nicht nur, weil die weltweite Absatzkrise derzeit viel derber auf die Jammertaste drückt, sondern vor allem, weil die im letzten Winter noch bevorstehenden Modellpflegemaßnahmen - im Daimler-Jargon Mopf genannt - Anlass zur Hoffnung versprachen.

Vergleichstest: Mercedes S 500 L und BMW 750 Li sind automobile Statements der Extraklasse

Seit Mai ist der überarbeitete Mercedes S 500 lang nun am Start, die Revanche kann also kommen. Für das neuerliche Duell im Vergleichstest stehen diesmal die Langversionen mit üppigen Achtzylinder-Benzinern bereit - automobile Statements der Extraklasse. Wer in ihrem Fond chauffiert wird, hat bei der Karriereplanung nicht viel falsch gemacht. Dort sitzt die Macht - sogar über den rechten Vordersitz. Den verschiebt der Mercedes S-Klasse-Fondpassagier per Tasten zugunsten seiner Beinfreiheit. Dann positioniert er noch seine eigene Sitzfläche in leichte Liegeposition und fühlt sich geborgen wie in der interkontinentalen Business-Klasse. Nur dass dieser Luxus im langen Mercedes S 500 lang keinen Aufpreis kostet. Beim BMW 750Li wird dagegen fast ein halber Dacia Logan für die elektrisch verstellbaren Prachtsitze fällig. Anstatt drei gibt es dann auch nur zwei Sitzgelegenheiten auf der Fondbank. Aber die lassen selbst Hardcore-Tester zu freudigen Hinterbänklern werden.

BMW 750 Li endlich mit iDrive

Noch tiefer senkt sich elektrisch der Sitz, entspannt räkelnd taucht man in das duftende Leder mit den leichten Seitenwangen ein und zappt sich durch das Programm des Rear-Video-Entertainments. Vorausgesetzt, es ist einem nochmal schlappe 2.950 Euro wert. Ungewohnt schweren Herzens wechselt man auf den Fahrersitz. Dort empfängt einen der BMW 750Li mit einem in Design wie Verarbeitung höchst gelungenen Armaturenbrett. Perfekt arrangierte Analog- und Digitalinstrumente, luxuriös-moderner Aufbau, edle Ledernähte und nach all den Jahren des Leidens endlich ein i-Drive, der Bedienen zum Vergnügen macht. Nur mit dem kleineren Kofferraumvolumen und der geringeren Zuladung lässt der BMW 750 Li hier etwas Federn.

Barocker Innenraum im Mercedes S 500 L

Die Mercedes S-Klasse präsentiert im Innenraum eine konservative Pracht: Auf der einen Seite im Sinne der Kundschaft eher barock und gemütlich, treten ihre beiden großen Monitore präsenter in Erscheinung. Willkommen zu Hause mit der Glotze als Zentrum. Wer hier nach Fehlern sucht, muss ein Pedant sein. Tester gehören dazu: Die etwas wackeligen Tasten wirken nicht so solide wie im BMW 750 Li, und die Untermenüs der Lenkradbedienung sind eher was für Windows 3.11-Fans. Muss sich ja auch nur der Chauffeur drum kümmern, tönt es aus dem Fond. Als wenn der Pilot, der auf den wohl weltbesten Sitzen thront, den schlechteren Job hätte. Sonst kuschelweich, versteifen sich die Seitenwangen auf Wunsch in schnell gefahrenen Kurven, während einen der Massagesitz mehrstufig durchwalkt. Auf dem Beifahrersitz darf dazu Video geschaut werden: Der Dual-View-Monitor mit getrennter Links/rechts-Ansicht macht es möglich.

Der V8-Motor des Mercedes S 500 L leistet 71 PS pro Liter Hubraum

Aber bleiben wir in unserem Vergleichstest hinter dem Lenkrad. Denn zu spüren, wie der große V8-Sauger die Fuhre mit bärig-sämiger Kraftentfaltung nach vorne schiebt, ist großes Kino im Luxus-Cruiser. Aus der Tiefe seiner 5,5 Liter schöpft er die Kraft, seine niedrige spezifische Leistung von 71 PS pro Liter Hubraum verleiht dem Vortrieb Mühelosigkeit und Breite. Dazu entkoppelt die Siebengang- Automatik mit ihren cremigen Schaltvorgängen scheinbar völlig aus üblichen Gang- und Drehzahl-Dimensionen. In Anbetracht dieses V8-Antriebskomforts wird es sogar verständlich, wieso Mercedes an den Ausstieg aus dem teuren Zylinderdutzend denkt.

Mercedes S 500 Lenkung setzt auf Ruhe und Verreißsicherheit

Klassische Mercedes-Tugenden verteidigt der Mercedes S 500 wie ein Schwabe sein Häusle: Die 18-Zoll-Räder rollen wie auf Samt ab, während sich die Luftfederung sanft im Takt auch gröbster Verwerfungen wiegt. Selbst über 200 km/h säuselt der Wind dazu nur leicht an der A-Säule. Komfort und nochmal Komfort - das beherrscht das Stuttgarter Edelross wie kein zweites. Kein Grund, den Mercedes S 500 L fahrdynamisch zu unterschätzen. Flüssig pilotiert, wankt er zwar spürbar, pfeilt aber trotzdem sehr zügig und harmlos untersteuernd um Kurven. Es gehört zu seinem eher dienenden als fordernden Charakter, dass seine Lenkung nicht auf die allerletzte Präzision, sondern auf Ruhe, Verreißsicherheit und Stoßarmut setzt.

Test: 12,3 Metern Wendekreis mit dem BMW 750 Li sind ein Handikap

Eine Auslegung, die bei einem BMW wirken würde wie eine Weißwurst ohne Senf. Um kein falsches Bild aufkommen zu lassen: Im BMW 7er reist man höchst komfortabel und leise. Aber er vermag dem Fahrer, wenn er es ausdrücklich möchte, einen sportlichen Kick zu geben. Was die aktive Lenkung an Stoßarmut verliert, schenkt sie dem Piloten an Präzision. Was die adaptive Federung (Luftpolster an der Hinterachse) im Sportmodus an Weichheit abgibt, bekommt der Fahrer als Agilität wieder zurück. Besonders die bis 60 km/h gegen- und dann gleichsinnig zu den Vorderrädern wirkende Hinterradlenkung ermöglicht im Slalom-Parcours Traumzeiten für so einen Riesen. Aber auch im alltäglichen Handling erlebt der Fahrer, wie behände er Kurven schnupft. Einzig der Wendekreis von 12,3 Metern bleibt ein Handikap.

600 Newtonmeter schieben den BMW 750 Li mächtig richtung Horizont

Eine etwas sportlichere Attitüde pflegt der BMW 750 Li (der BMW 750 Li im Einzeltest) auch mit seinem 4,4-Liter-V8. Im Teillastbereich weich und leise, brüllt er seine Drehfreude kehlig heraus, wenn die ZF-Sechsgang-Automatik auf scharfen Gasbefehl blitzschnell runterschaltet. Mächtig schieben seine 600 Nm schon unterhalb von 2.000 Touren gen Horizont - künstliche Beatmung mit zwei Turboladern macht es möglich. Doch egal, ob kleinerer Hubraum mit Aufladung oder großer ohne: Der Spritkonsum der Kontrahenten ist sehr ähnlich und hoch.

Der Mercedes S 500 L gewinnt beim Mitfahrer, der BMW 750 Li sammelt Punkte beim Pilot

Selbst im Sicherheitskapitel gibt es fast ein Patt: Was die Mercedes S-Klasse an Pre- Safe-Funktionen seit dem Facelift mehr bietet, gleicht der BMW 750 Li mit besseren Bremsen wieder aus. Hier kämpfen schlicht zwei Superstars auf dem Gipfel des klassischen Automobilbaus. Bringen die Kosten den Ausschlag? Kaum, denn den Zuschlag von 2.000 Euro gleicht der Mercedes S 500 mit seiner besseren Ausstattung wieder aus. So bleibt vor allem die persönliche Präferenz als Kriterium: für aktive Fahrer den BMW 750 Li, für Mitfahrer den Mercedes S 500 lang.

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Alexander Bloch

Autor:

auto motor und sport, Heft 17 / 2009

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