Um was für Brocken es sich hier dreht, wird sofort deutlich, wenn man ein paar Eckdaten der drei Kandidaten addiert: 1034 PS aus fast 15 Liter Hubraum schieben hier rund sieben Tonnen Leergewicht und über acht Quadratmeter Stirnfläche durch die Gegend. Was macht man damit? Allein der Porsche Cayenne S versteht sich als richtiger Geländewagen, der mit dem kurzen ersten Gang der Getriebeautomatik (2575 Euro Aufpreis) und einer zusätzlichen Gelände-Reduktion auch vor steilsten Passagen nicht zurückschreckt. Dass er die Kraft auch auf den Boden bekommt, dafür zeichnet in erster Linie die intelligent gesteuerte und bei Bedarf vorsorglich ganz zu blockierende Lamellensperre für das Zentraldifferenzial verantwortlich. Wo das nicht reicht, hilft ein zusätzliches Offroad-Paket, das ab nächstem Jahr lieferbar ist. Es steuert eine zusätzliche Sperre hinten und ausklinkbare Stabis für mehr Verwindungsfreudigkeit des Fahrwerks bei. Das genaue Gegenteil dieses technischen Aufwands verkörpert der BMW X5 4.6is. Als überzeugter Verfechter des SUV für die gepflegte Asphaltbahn verzichtet er aufs Reduktionsgetriebe. Und als Hilfestellung für die drei offenen Differenziale muss auf rutschigem Grund allein die Sperrensimulation per Bremseneingriff genügen. Einen Mittelweg beschreitet schließlich der Mercedes ML 55 AMG, der es zwar ebenfalls beim Bremseneingriff belässt, aber sicherheitshalber noch eine Geländereduktion zur Verfügung stellt. Sicher nicht, weil er anders steile Berge nicht erklimmen könnte. Seine 510 Newtonmeter Drehmoment schon bei 2800/min dürften auch ohne Geländegang in jedem Fall genügen, ebenso die 347 PS. Sie uneingeschränkt auszuloten gelingt ohnehin nur auf regulären Straßen: Von null auf 100 km/h in 6,5 Sekunden – BMW und speziell Porsche brauchen einige Zehntelsekunden länger –, das genügt, um auch gestandene Sportwagen zu distanzieren. Produziert wird der heftige Vortrieb bei allen drei Konkurrenten standesgemäß von V8-Kraftwerken von nahezu gleicher Leistung. Die schon gewalttätige Durchzugskraft des ML erreichen BMW und Porsche nicht ganz, dafür gefallen die beiden mit der besseren Laufkultur. Gäbe es einen Extra-Preis für das am überzeugendsten komponierte Motor-Geräusch, er ginge fraglos an Porsche: So wohltönend und akzentuiert, wie der neu konstruierte V8 auf jede Regung im Gasfuß antwortet und dabei immer vernehmlich bleibt, ohne aber je laut zu werden, das ist schon ein besonderer Genuss.
Vergleichstest BMW X5 4.6is, Mercedes ML 55 AMG und Porsche Cayenne S
Sie können vor Kraft kaum laufen und sollen wahre Alles-
könner sein. Werden BMW X5 4.6is, Mercedes ML 55 AMG und Porsche Cayenne S dem hohen Anspruch gerecht?
Autor: Heinrich Sauer





